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Pressearchiv 2010

20.07.10

Neue Austellung im „Wintergarten“ des Hällisch-Fränkischen Museums Schwäbisch Hall

Gisela Hahn – Skulpturen und Bilder aus dem Feuer
24. Juli bis 26. September 2010
Eröffnung: Freitag, 23. Juli 2010, 18 Uhr

Gisela Hahn, in Reichau/Ostpreußen geboren, studierte zwischen 1959 und 1967 Bildhauerei und Malerei an den Werkkunstschulen Braunschweig und Köln (Prof. Egon Schiffers, Peter Vogt, Strack) und an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart (Prof. Peters). 1972/1973 folgten Studienaufenthalte in Frankreich (Atelier Artistique International de Seguret) und Österreich (Fachschule für Keramik in Stoob). Damals entdeckte Gisela Hahn die Keramik als künstlerisches Ausdrucksmittel, die nach einem Praktikum bei dem renommierten Keramiker Wim Mühlendyk in Höhr-Grenzhausen (1975) und Keramikkursen an der Europäischen Kunstakademie in Trier (1988) und den Baranya Creative Colonies in Siklós/Ungarn (1990) zum Schwerpunkt ihrer Arbeit wurde. Der geschmeidige Ton, der auf jede Berührung reagiert, ermöglicht es der Künstlerin, ihre Plastiken präzise bis ins kleinste Detail nach ihren Vorstellungen zu modellieren. „Meine Skulpturen sind aus gebranntem Ton. Erde und Feuer sind die materiellen Mittel, mit denen ich meine Ideen realisiere. Sie sind ein Teil meiner Sprache.“ (Gisela Hahn)

Anregungen für ihre Werke bezieht Gisela Hahn aus der prähistorischen, afrikanischen und mexikanischen Kunst, deren Figuren, einfache Formen und Muster sie faszinieren. Das Entstehen jeder keramischen Arbeit ist ein komplexer, klar durchdachter Vorgang, an dessen Anfang die Idee steht, die die Künstlerin in einer Zeichnung oder einem kleinen Modell festhält und danach das Objekt gestaltet. Die modellierten Teile brennt die Künstlerin meistens in der japanischen Raku-Technik. Dabei werden die im Brennofen auf 1000 Grad erhitzten Objekte in einen mit organischem Material (Laub, Stroh, Heu) gefüllten Behälter geschichtet, um dieses zu entzünden. Durch den nicht steuerbaren Niedrigbrand erhalten die Keramiken eine neue Oberflächenstruktur, ihre glatten Flächen werden rau und verändern sich partiell farblich.

Im Oeuvre Gisela Hahns kristallisieren sich drei große Themenschwerpunkte heraus: Stelen, Tore und Köpfe/Menschenbilder. Die Stelen, aus mehreren übereinandergetürmten Keramiksegmenten bestehend, Totems ähnelnd, sind in sich gedreht, verschoben und gebrochen wie das gelebte Leben. Die aus kantígen Teilen zusammengesetzten Tore sind gleichsam Sinnbilder des Lebens wie auch des Todes; durch sie betritt und verlässt der Mensch den Ort „Welt“. Hahns Köpfe und Menschenbilder – mehr an Masken oder Fratzen denn an Porträts erinnernde Gebilde – führen dem Betrachter die Gequältheit der Menschen durch Krankheit und Unterdrückung vor Augen. Einerlei ob Stelen, Tore, Köpfe oder Bilder, Gisela Hahns plastische Arbeiten sind „Zeichen für die Gebrochenheit der Welt, in der wir leben.“

Bei der Vernisage führt die Kunsthistorikerin Ariane Haack-Kurz M.A. in die Ausstellung und das Werk von Gisela Hahn ein.

Informationen bei: Dr. Armin Panter, Museumsleiter