Pressearchiv 2010
Neue Sonderausstellung im Hällisch-Fränkischen Museum Schwäbisch Hall
Der Spiegel im Spiegel
Edgar und Michael Ende und
Jim Knopf zum 50. Geburtstag
Franz Josef und Jan Peter Tripp
11. Dezember 2010 bis 20. Februar 2011
Eröffnung: Freitag, 10. Dezember 2010, 18 Uhr
Vor genau einem halben Jahrhundert erschien Michael Endes phantastische Geschichte „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ beim Stuttgarter Thienemann-Verlag im Druck, illustriert mit Zeichnungen des Malers Franz Josef Tripp. Rasch wurde das Buch zum Bestseller, der – inzwischen in viele Sprachen übersetzt – auch heute noch Kinder sowie den Kinderschuhen entwachsene Mädchen und Jungen begeistert. Den 50. Geburtstag des Romanhelden nahm das Hällisch-Fränkische Museum zum Anlass, um die „Väter“ des kleinen Krauskopfes und deren künstlerisches Schaffen in einer Doppelausstellung vorzustellen.
Edgar und Michael Ende
„Der Spiegel im Spiegel“ lautet der Titel eines Buches von Michael Ende (1929-1995), das er seinem Vater Edgar (1901-1965) widmete. Darin versuchte der Sohn in Worten das auszudrücken, was sein Vater mit den Mitteln der Malerei dargestellt hatte. Eine Reihe phantastischer Kurzgeschichten entstand, die für den Leser ebenso vieldeutig und geheimnisvoll bleibt wie die Bilder des Vaters.
In der Haller Ausstellung werden Gemälde und Zeichnungen von Edgar Ende gezeigt, eines Meisters der phantastischen und visionären Kunst, die zum Teil noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren, sowie Bücher des Sohnes vorgestellt. Einflüsse des Vaters auf den Sohn lassen sich nicht nur in „Der Spiegel im Spiegel“ erkennen. Von Kindesbeinen an prägte die Kunst Edgar Endes das Bewusstsein Michaels. Roman Hocke, Autor und langjähriger Freund Michael Endes, schreibt: „Das geräumige Atelier seines Vaters diente auch als Wohnung und war in zwei verschiedene Bereiche unterteilt: für die Familie ein Wohn- und Schlafzimmer und für Edgar Ende einen Arbeitsbereich, der über ein Glasdach verfügte. Michael Ende wächst also in einem Raum auf, der über keine Fenster verfügt und von dem aus nachts die Sterne zu sehen sind. Die Gemälde des Vaters an den Wänden sind seine Fenster in die Welt.“
In einem Fernsehinterview stellte Michael Ende fest: „Ich stehe sozusagen auf der Bilderwelt meines Vaters, ich habe versucht, seine künstlerische Methode – auf meinem Gebiet – weiterzuführen, das heißt die Art und Weise, wie er seine Bilder gefunden hat.“
Bei der Vernissage am Freitag, dem 10. Dezember 2010, um 18 Uhr führt Dr. Uwe Neumahr, Literaturagent der AVA International und Biograph Michael Endes, in die Ausstellung ein.
Franz Josef Tripp (1915-1978), Grafiker und Maler, schuf außer den einfühlsamen wie humorvollen Zeichnungen zu Michael Endes „Jim Knopf“ auch die Illustrationen für die Kinderbuchklassiker „Das kleine Gespenst“ und den „Räuber Hotzenplotz“; er gab den Akteuren der Geschichten unverwechselbare Gesichter, Gestalten und prägte damit die Bilderwelten von Generationen von Kindern.
Tripps Sohn Jan Peter (geb. 1945) studierte Bildhauerei und Malerei und war Meisterschüler bei Rudolf Hausner in Wien, einem renommierten Vertreter des Phantastischen Realismus, eine Kunstrichtung, die von Edgar Ende wesentlich beeinflusst wurde.
Jan Peter Tripp befasste sich eingehend mit dem Werk seines Vaters und zitiert ihn sowie dessen Kultfiguren aus den Kinderbüchern. Daneben werden in „Wintergarten“ auch Gemälde – Stillleben und Landschaften – von Jan Peter Tripp gezeigt. Sie sind typische Beispiele aus dem Oeuvre des virtuosen Fotorealisten „mit dem feinen Hang zum Surrealen“. y30 bis 40 transparente Farbschichten legt Jan Peter Tripp auf seinen Bildern übereinander, dennoch sieht man den Körper der Farbe kaum, aber die glatten Oberflächen erzeugen eine faszinierende Tiefenwirkung, die den Betrachter unweigerlich in ihren Bann zieht. Tripps Werke sind keine Abbilder der Fotografie, auch wenn sie täuschend echt wirken. „Malerei ist stets, und zwar je perfekter umso mehr, Konstruktion, also sinngebendes Verfahren. Während der Fotografie, selbst bei aller konzeptuellen Anstrengung, ein Rest von blindem Automatismus mechanischer Wiedergabe anhaftet“ (Gabriele Mayer).
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