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Einsatz 27.03.2010

Explosion in Umspannwerk löst Blackout aus

Einsatzstichwort: 

Brand / Explosion - Umspannwerk

Datum / Uhrzeit:

27.03.2010 / 09:20 Uhr

Ort:

Umspannwerk Schwäbisch Hall

Im Einsatz waren:

Abt. Schwäbisch Hall:

1 x KdoW, 2 x LF-16/12, 1 x DLA(K), 1 x GW-T

Abt. Sulzdorf

1 x TLF-16/25 (In Bereitstellung)

Schwäbisch Hall Lichter gehen aus, Kassen in Läden versagen, elektrische Türen blockieren: Ein Stromausfall legt am Samstag eineinhalb Stunden lang Hall, Rosengarten und Michelbach lahm. Ein Bauteil war explodiert.

9.20 Uhr: Stromausfall im gesamten Netzgebiet der Stadtwerke. Siegfried Sittner wird zugerufen: "Mach das Licht an!" Die Vogelbörse in der Steinbacher Markthalle ist dunkel. Doch das Licht geht nicht an. Auch am Sicherungskasten findet sich kein Fehler.
 
Das kleine Mädchen Tamia Giese schiebt in der Heimbachsiedlung eine Bibi-Blocksberg-DVD ins Abspielgerät. Doch der Fernseher versagt. Ihr Vater hört einen Knall, der vom nahegelegenen Umspannwerk kommen könnte. Im Diak springen die Notstromaggregate an. Sie versorgen die wichtigen Bereiche des Krankenhauses, in anderen Teilen der Klinik gehen Rechner aus. Viele Telefonanlagen in Hall fallen aus. Die 110 funktioniert noch.
 
9.26 Uhr: Polizei und Feuerwehr rücken gleich zu drei Einsatzorten aus. Die Brandmeldeanlage im Parkhaus Schiedgraben schlägt an - was sich als Fehlalarm herausstellt. Anwohner sehen dicke Rauchschwaden aus einem Häuschen neben der Stadtwerkezentrale aufsteigen - dort springt aber nur das Notstromaggregat an und stößt Dieselabgase in die Luft. Dritter Tatort: Umspannwerk Stadtheide. Dort muss wirklich gelöscht werden, was mit CO2 aus Feuerlöschern rasch erledigt ist.
 
10.05 Uhr: Stadtbrandmeister Volker Damm erteilt das Kommando: "Wir können es freigeben. Wenn die Stadtwerke Strom draufgeben, gehen wir nicht mehr rein." Gemeint ist ein kleines Häuschen auf dem großen Areal des Umspannwerks in der Stadtheide. Die Rauchwolken haben sich verzogen. Techniker der Stadtwerke arbeiten schnell und konzentriert vor Ort.
 
10.15 Uhr: Der Stromausfall wird von immer mehr Bürgern bemerkt. Alle Ampeln fallen aus, Tiefkühlfächer in Läden funktionieren nicht mehr, die elektrische Tür der Johanniterhalle geht erst gar nicht auf, Geldautomaten behalten ihre Banknoten für sich. Siegfried Guggenmos, Verkaufsleiter des Media-Marktes, muss mit ansehen, wie die beste Verkaufszeit an einem regnerischen Samstagvormittag nutzlos verstreicht. Im Laden ist kein Licht, Kunden können nicht einkaufen. So wie ihm geht es vielen Geschäftsleuten. Im Woha ist es dunkel, die Verkäufer im Modegeschäft Vögele in der Stadtheide haben fast nichts zu tun. "Vorn im Geschäft ist es ja noch hell, hinten aber dunkel", sagt dort Julia Rudi. Selbst auf dem Wochenmarkt fallen elektrische Waagen aus. "Es ist ätzend, wir haben einen richtigen Vedienstausfall", klagt Christine Seibold von der Shell-Tankstelle in der Stadtheide. Kein Strom kommt, keine Zapfsäulenpumpe funktioniert, kein Auto kann tanken. "Ein Rollerfahrer wollte uns deshalb verklagen", sagt die Frau des Tankstellenpächters. "Der Stromausfall geht richtig ins Geld."
 
Damit keiner stecken bleibt, haben die Stadtwerke alle verfügbaren Techniker losgeschickt, um Lifte in Parkhäusern zu kontrollieren. Im Vorraum einer Bank in der Innenstadt sollen Kunden kurze Zeit eingesperrt gewesen sein, weil die elektrische Tür blockierte.
 
10.30 Uhr: Der Stromausfall dauert an: Vor dem Solbad vertreten sich Besucher die Beine. "Wenn die Sauna kalt ist, bringt es nichts", sagt einer. Drei Frauen aus Stuttgart gehen zurück zum Auto: Sie waren eigens angereist, jetzt wird aus der Wellness im Solbad nichts.
 
Manche Geschäfte in Hall kommen auch ohne Stadtwerkestrom zurecht: Im Kaufland und im Handelshof funktionieren die Kassen und eine Notbeleuchtung. Auch die Kunsthalle Würth bleibt geöffnet.
 
10.45 Uhr: In mehreren Schritten wird der Strom wieder durch die Leitungen geschickt. Nach einem kurzen nochmaligen Stromausfall sind die meisten Gebiete nach eineinhalb Stunden wieder am Netz.
 
Die Schadensanalyse dauert bei den Stadtwerken an. Technik-Bereichsleiter Gebhard Gentner: "So blöd sich das jetzt anhört: Eine Stunde Stromausfall ist kurz, wenn die Haupteinspeisung ausfällt." In anderen Städten hätte das noch viel länger gedauert. Der Grund des Stromausfalls: Ein eher unbedeutendes Teil, mit dem man den Strom misst, explodierte. Dieser Spannungswandler beschädigte dabei eine "Sammelschiene". Dieses Bauteil verteilt den Strom aufs gesamte Netz. Thomas Hoppenz, der für die Leitungen zuständig ist, erläutert: "Wir können das defekte Teil außer Betrieb nehmen und überbrücken."
 
12.30 Uhr: Bibersfeld und Westheim sind auch wieder am Netz. Ein Passant in Hall stellt fest: "Schon schlimm, wie sehr wir vom Strom abhängig sind." Ein Autofahrer bilanziert: "Ohne die Ampeln in Hall ist der Verkehr flüssiger gelaufen."

Text: Haller Tagblatt