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Schwäbisch Hall - die Geschichte im Überblick

Jahresrückblick von Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim

(Anm.: Der Jahresrückblick basiert auf dem vom Stadtarchiv zusammengestellten "Auslandshallerbrief" für das Jahr 2016)

Schon wieder neigt sich ein ereignisreiches Jahr seinem Ende entgegen, das im Großen und im Kleinen viele Änderungen mit sich gebracht hat. Wie jedes Jahr will ich Ihnen berichten, was in Schwäbisch Hall geschehen ist.

Auch wenn die dramatischen Bilder von 2015 der Vergangenheit angehören, bleibt die Integration der aus dem Nahen Osten und anderen Krisengebieten zu uns gekommenen Flüchtlinge eine zentrale Herausforderung der kommenden Jahre. Ein Zeichen für die Normalisierung war die Schließung der nicht mehr benötigten Notunterkunft in der Turnhalle des Berufsschulzentrums, die dort rund neun Monate bestanden hatte. Auch der im letzten Jahr angekündigte Bau einer Landeserstaufnahmestelle (LEA) wurde „auf Eis gelegt“ und dürfte zumindest vorerst nicht kommen. Beim Thema Förderung und Integration ziehen viele Behörden, andere Institutionen und private Initiativen an einem Strang. So gibt es bei der Haller Agentur für Arbeit seit Januar ein besonderes Team für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt, der Landkreis hat seit März eine eigene Flüchtlingsbeauftragte. In Vorbereitungsklassen haben ausländische Kinder die Möglichkeit, die deutsche Sprache von Grund auf zu lernen. Eine solche besteht z.B. in der Gemeinschaftsschule im Schulzentrum West. Hier bringen sich auch Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums ein. Sie sind nur ein Beispiel für viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, ohne deren Engagement diese große Aufgabe nicht bewältigt werden könnte.


Auch ohne Berücksichtigung der Flüchtlinge ist die Einwohnerzahl um rund 500 auf 39.035 (Stand 31.12.2015) gewachsen. Den Berechnungen des Statistischen Landesamts zufolge dürfte sich dieses Wachstum auch in den kommenden Jahren fortsetzen – in ein bis zwei Jahren wird Schwäbisch Hall 40.000 Einwohner haben. Ein wesentlicher Faktor hierbei ist die weiterhin positive wirtschaftliche Entwicklung von Stadt und Region mit ihren oft global agierenden, international erfolgreichen Unternehmen. Die Arbeitslosenquote im Bezirk Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim lag im September 2016 bei 3,4% - deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 3,8%. Zunehmend entwickelt sich allerdings der Fachkräftemangel zu einem ernsthaften Problem. Viele Unternehmen suchen händeringend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. So sind es nicht nur Flüchtlinge, die in Schwäbisch Hall eine neue Heimat finden, sondern oft hochqualifizierte Arbeitskräfte und ihre Familien aus nah und fern. Eine Ärztin aus Italien oder ein Ingenieur aus Spanien sind deshalb in Schwäbisch Hall keine exotische Erscheinung mehr.


Insbesondere ist Schwäbisch Hall attraktiv für junge Familien – es ziehen deutlich mehr Menschen nach Hall als von Hall weg. Dies hat u.a. den Nebeneffekt, dass die 1.451 Kindergartenplätze (Stand Juli 2016) nicht ausreichen. Deshalb investieren wir hier weiter kräftig. Die Betreuungsangebote von Stadt und freien Trägern kosten 2016 voraussichtlich 13,5 Millionen Euro. 4,6 Millionen werden durch Landeszuschüsse finanziert, 1,1 Millionen durch Elternbeiträge. Den Löwenanteil – direkt oder durch Zuschüsse an die freien Träger – übernimmt die Stadt Schwäbisch Hall mit 7,3 Millionen Euro. Generell bleibt der Bildungsbereich ein Schwerpunkt der Investitionen. Hierfür steht auch das Ende Oktober eingeweihte Bildungszentrum Breit-Eich. Wir haben hier 8,5 Mio. Euro für den Ausbau und die Modernisierung der Grundschule und der Kindertageseinrichtung investiert, zu deren Einzugsbereich Gottwollshausen, die neue Breiteichsiedlung, der Teurershof und die Heimbachsiedlung gehören. Fortgesetzt wird die mehrfach erwähnte Sanierung der beiden Haller Schulzentren in Ost und West. Auch der Wachstumskurs beim Campus Hall der Hochschule Heilbronn – momentan unterrichten dort 16 Professoren rund 1150 Studierende – wird durch weitere Investitionen unterstützt. Die Hospitalstiftung der Stadt hat 2016 rund 2 Mio. Euro für die bauliche Erweiterung ausgegeben, insgesamt sind für den Aus- und Umbau in den folgenden Jahren zehn Millionen Euro vorgesehen. Langfristiges Ziel ist ein Wachstum auf über 1.500 Studierende.


Auch sonst ist im vergangenen Jahr an vielen Orten gebaut, umgebaut und saniert worden. Die Arbeiten am Diak-Neubau gehen weiter; der Grundstein für den ersten Bauabschnitt konnte im April gelegt werden. Damit ist ein erster Meilenstein des Großprojekts erreicht, das insgesamt etwa 125 Millionen Euro kosten wird. Eine weitere Großbaustelle war dieses Jahr die Weilerwiese. Erst vor kurzem wurden die Bauarbeiten am Ärztehaus „QmediKo“, am Zwilingsgebäude „Qube“ (ein Hotel) sowie an der Tiefgarage und der neuen Freizeitanlage beendet. Im Januar begann an der Ecke Johanniterstraße und Salinenstraße der Neubau des Polizeireviers am Standort der alten Feuerwache. Baustelle war den längsten Teil des Jahres auch die Marktstraße, deren Sanierung nun abgeschlossen werden konnte. Bei den Arbeiten stieß man im Bereich des Säumarkts auf die aus dem Mittelalter stammenden Fundamentreste des „Stätt-Tors“.

Andere für die Stadt wichtige Projekte sind noch in der Planungsphase. Weit fortgeschritten ist diese für den seit Jahrzehnten geforderten Weilertunnel zwischen Johanniterstraße und Stuttgarter Straße, der nun endlich vom Bund gebaut wird. Vorbereitende Arbeiten beginnen im kommenden Jahr, der eigentliche Bau startet 2018 und dürfte 2021 abgeschlossen sein. Gemeinsam mit dem Landkreis plant die Stadt die Wiederbelebung des „Fassfabrik“-Areals beim Hessentaler Bahnhof. Ein ehemaliges Fabrikgebäude soll Standort vor allem von Teilen der Kreisverwaltung werden. Recht weit gediehen sind die Planungen für ein neues Stadtviertel hinter dem Haller Bahnhof. Das Quartier wird einen Mix aus Wohnungen, gewerblicher und sozialer Nutzung erhalten und soll möglichst autofrei bleiben. Eine vom Rand des Gebiets her befahrbare Tiefgarage wird den Anwohnerverkehr weitgehend in den „Untergrund“ ableiten.

Bereits letztes Jahr hatte ich das Thema „Globe-Theater“ als kommunalpolitischen Dauerbrenner bezeichnet. Die kontroversen Debatten im Gemeinderat und in der interessierten Öffentlichkeit haben sich auch in diesem Jahr fortgesetzt, bis sich das Kommunalparlament im März in einer Mehrheitsentscheidung für einen ganzjährig bespielbaren Neubau nach einem Entwurf aus unserem Hochbauamt entschieden hat. Der von den Theaterbesuchern geliebte Holzbau wird jedoch weiter leben – als Spielstätte für die „Shakespeare Company“ in Berlin, wo die noch brauchbaren Teile wieder aufgebaut werden.


Das wohl wichtigste politische Ereignis des Jahres 2016 war die Landtagswahl am 13. März. Das Ergebnis spiegelt die politische Umwälzung auf der Landesebene wider. Jutta Niemann, die Kandidatin der Grünen, holte im Wahlkreis das Direktmandat, während die bisherige Abgeordnete Nikolaos Sakellariou (SPD) seinen Sitz im Landtag verlor. In Schwäbisch Hall selbst gewannen die Grünen 27,5% (landesweit: 30,3%) vor der CDU mit 23,0% (landesweit: 27,0) , der AfD mit 17,8% (landesweit: 15,1%) und der SPD mit nur noch 14% (landesweit: 12,7%). Die FDP erreichte 11,3% (landesweit: 8,3%), während die Linke mit 2,4% (landesweit: 2,9%) deutlich unter der Fünfprozenthürde blieb.


Die diesjährigen Wetterkapriolen spiegelten sich z.B. in den Besucherzahlen der Freibäder. War in der ersten Sommerhälfte verregnet, so boten die zweite Augusthälfte und der September Wärme und viele Sonnentage. Das Schenkenseefreibad zählte mit 106.512 Gästen fast 8.000 weniger als 2015 und verzeichnete am 10. Juli mit 4293 Besucherinnen und Besuchern den Rekordtag des Jahres.

Die schweren Unwetter vom 29. Mai haben in Schwäbisch Hall geringe Schäden angerichtet, aber unsere Nachbargemeinde Braunsbach und andere Orte im Bühler- und Kochertal schlimm getroffen. So erschreckend die Folgen dieser Naturkatastrophe sind, so beeindruckend war das Engagement zahlreicher Menschen unserer Region, die bei den Aufräumarbeiten geholfen, Spenden gegeben und gesammelt oder Benefizveranstaltungen organisiert haben.


In seiner letzten Saison als Intendant der Freilichtspiele verabschiedete sich Christoph Biermeier mit seinem zweitbesten Ergebnis und übergab seinem Nachfolger Christian Doll ein „bestelltes Haus“. 74.317 Gäste besuchten die 158 Vorstellungen. Die Rockoper „Jesus Christ Superstar“ war mit 21.804 Zuschauern der Publikumsrenner auf der Großen Treppe. Friedrich Schillers „Die Räuber“ wollten 10.073 Menschen sehen. Ulrike Schweikerts historischer Krimi „Die Tochter des Salzsieders“ erreichte in der Wiederaufnahme 8.384 Zuschauer. Die wieder aufgenommene musikalische Revue „The Stairways to Heaven“ kam auf 8.322 Besucher. Im Globe bekam „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ von Eric-Emmanuel Schmitt mit 5.738 unter der Regie von Christoph Biermeier die meisten Besucher. Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“ schauten sich 5.183 Gäste an. „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf wollten in der Wiederaufnahme 3.299 Besucher sehen.

In der Kunsthalle Würth war u.a. die Ausstellung „Picasso und Deutschland“ zu sehen, momentan zeigt man dort den Blick der Künstler auf „Wasser, Wolken, Wind“ – so der Titel der aktuellen Ausstellung. In den 15 Jahren seit der Eröffnung wurden fast 40 Ausstellungen gezeigt, die auf der Sammlung unseres Ehrenbürgers Professor Dr. h.c. Reinhold Würth beruhen. Aber auch zahlreiche Kooperationen mit anderen Museen und Einrichtungen brachten hochkarätige Kunst nach Schwäbisch Hall, das sich mit Fug und Recht als Kunstmetropole bezeichnen darf. Mittlerweile haben über drei Millionen Besucherinnen und Besucher das Museum in der Katharinenvorstadt besucht; momentan laufen Planungen zu einer Vergrößerung der Fläche um 30 bis 40 Prozent. Während die „Schutzmantelmadonna“ und andere „Alte Meister“ aus der Johanniterkirche momentan im Rahmen einer großen Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin präsentiert werden, gibt es mit eindrucksvollen Leihgaben aus dem Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich und aus der Staatsgalerie Stuttgart sehenswerten Ersatz.

Das Hällisch-Fränkische Museum zeigte dieses Jahr u.a. eine Ausstellung mit Arbeiten des Schwäbisch Haller Fotografen Achim Köpf, dokumentierte unter dem Titel „Blicke hinter Gitter“ die Geschichte des Schwäbisch Haller Gefängnisses und präsentierte Zeichnungen und Aquarelle von Louis Braun.

Das Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen erwies sich 2015 mit fast 100.000 Besuchern erneut als Publikumsmagnet. Seit dem Frühjahr ist dort auch eine Baracke aus der Zeit des Nationalsozialismus zu sehen. In der gemeinsam mit dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg erarbeiteten Ausstellung wird dort das Thema Zwangsarbeit im „Dritten Reich“ thematisiert. Ein weiteres ungewöhnliches Exponat wird das MAN-Stahlhaus aus Sillenbuch sein. Es soll im kommenden Jahr wieder aufgebaut werden und mit zeitgemäßen Einrichtungsgegenständen den „Traum vom Wohnen“ in den 1950er Jahren darstellen.

Wie immer war Jazz-Art-Festival ein Höhepunkt des Jahres für Musikfreunde. Fünf Tage im März boten dem Haller Publikum Szenegrößen wie das Emil Mangelsdorff Quartett, den Pianisten Ketil Bjørnstad, das Emil Brandqvist Trio, das Rabih Abou-Khalil Trio, das Duo Michael Wollny & Heinz Sauer oder die Stanley Clarke Band aus den USA. Mit den unter dem Titel „Links leben“ veröffentlichten Memoiren des Schwäbisch Haller Ehrenbürgers Professor Dr. Erhard Eppler liegt seit Ende letzten Jahres ein Buch vor, dass auch vielleicht für Sie interessant ist.

Der traditionelle „Kongress der Weltmarktführer“ brachte im Januar Prominenz aus Wirtschaft und Politik nach Schwäbisch Hall; unter anderem referierten Altbundespräsident Christian Wulff, Siemens-Strategievorstand Horst Kayser, EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager und der Unternehmer Rolf Benz.


Regen, Wind und Kälte begleiteten die Sieder über Pfingsten 2016. Trotz dem ließen sich etwa 15.000 Besucherinnen und Besucher das Kuchen- und Brunnenfest nicht entgehen. Wie immer kreisten die Trinksprüche um lokale und überregionale Themen und befassten sich auch mit der Frage, was Satire und darf und wie weit die Kunstfreiheit auch bei Trinksprüchen geht.


Beim 31. Dreikönigslauf beteiligten sich über 2.000 Sportlerinnen und Sportler am 10 km-Lauf durch die Haller Altstadt und an den anderen Laufwettbewerben des Tages. Den Hauptlauf gewann bei den Herren der Vorjahressieger Florian Röser aus Konstanz, bei den Damen lag Isabel Leibfried von der TSG Heilbronn ganz vorne. Als fußballerisches Highlight gab es im Juli im neuen Optima-Sportpark in der Auwiese ein Freundschaftsspiel zwischen dem Bundesligisten VfB Stuttgart und den Sportfreunden Schwäbisch Hall. Die Haller Verbandsligisten zeigten bei der „standesgemäßen“ 1:6-Niederlage gegen den mittlerweile in die 2. Liga abgestiegenen Hauptstadtclub eine ansprechende Leistung.

Wie in den letzten beiden Jahren blieb den „Unicorns“ die letzte Krönung einer sehr erfolgreichen Saison versagt. Zwar gelang erneut der souveräne Gewinn der Südmeisterschaft und der Einzug in das Finale um den „German Bowl“ in Berlin. Hier jedoch mussten sich die Haller erneut den „Lions“ aus Braunschweig geschlagen geben. Trotz dieser Enttäuschung bleibt es eine enorme Leistung, was hier in Schwäbisch Hall mit begrenzten Mitteln aufgebaut wurde. Mit Headcoach Siegfried Gehrke hat der Hauptverantwortliche für diese Erfolge nach 26 Jahren seine Tätigkeit beendet. Sein Nachfolger als Leiter des Bundesligateams der Unicorns wurde Jordan Neuman. Dass die Haller Footballer auch in Zukunft ganz oben mitspielen werden, bewiesen eindrucksvoll die A-Junioren, die im Juli den deutschen Meistertitel gewannen.


Aus der Vielfalt der Jubiläen und Feste seien nur einige herausgegriffen. Das ehrenamtlich getragene Flugplatzmuseum im „Haus der Wirtschaft“ feierte zehnjähriges Bestehen. Die Haller Montessori-Initiative wurde 25 Jahre alt, ebenso der von der Stadt und den Vereinen der ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger organisierte Freundschaftstag auf dem Marktplatz. Der Kinderschutzbund konnte auf auf 30 Jahre Bestehen zurückschauen. Trotz „Brexit“ feierten wir 2016 das 50jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Loughborough in England. Auf eine 50jährige Geschichte kann auch der „Club alpha 60“ zurückschauen. Zum Festprogramm gehörte ein Auftritt des britischen Folksängers Colin Wilkie, der damals das erste Konzert für den Club absolviert hatte! Im selben Jahr wie der „Club“ entstand auch der Sonnenhof. Sein 125-jähriges Bestehen feierte der Haller Albverein. Auf eine noch weitaus längere Tradition von 450 Jahren konnte die Löwenapotheke am Marktplatz zurückschauen.


Auch aus dem Bereich „Personalien“ gibt es neues zu vermelden. Heinz Schüle, kaufmännischer Vorstand des „Sonnenhofs“, ging nach fast 16 Jahren in den Ruhestand. Seine Nachfolge trat Thomas Edelbluth an. In den Ruhestand getreten sind auch Heidi Scharf, die erste Bevollmächtigte der IG Metall in Schwäbisch Hall, Thomas Preisendanz, Schulleiter am Gymnasium bei St. Michael und der Hessentaler Grundschul-Rektor Peter Glaser.

Leider gab es 2015 auch traurige Abschiede von profilierten Persönlichkeiten unserer Stadt. Der Haller Möbelhaus-Seniorchef Ernst Gunst starb im Alter von 80 Jahren, Melitta Bühler, Seniorchefin der Optima-Gruppe, im Alter von 84 Jahren. Kurz nach der Verleihung der silbernen Rathausmedaille mussten wir vom früheren Haller Bürgermeister Erich Specht Abschied nehmen, der 89 Jahre alt geworden ist. Er war unter anderem auch eine treibende Kraft bei der Gründung des Hohenloher Freilandmuseums. Der ehemalige Haalhauptmann Fritz Leonhardt – treibende Kraft bei der Sicherung der Tradition der Salzsiederrenten – starb im Alter von 79 Jahren. Mit dem früheren Arbeitsamtsleiter Willi Eller, der 95 Jahre alt wurde, hat die Stadt ein weiteres „Urgestein“ verloren. Über alle Parteigrenzen geschätzt war der im Alter von 77 Jahren verstorbene, ehemalige CDU-Europaabgeordnete Winfried Menrad. Vollkommen überraschend ist der Grabenstetter Bürgermeister und frühere Sulzdorfer Ortsvorsteher Harald Steidl gestorben. Er wurde nur 57 Jahre alt. Große Trauer löste in Tüngental der Tod von Pfarrer Werner Freymüller aus, der im Alter von 52 Jahren einer Erkrankung erlag.


Soweit unser Streifzug durch das diesjährige Geschehen in Schwäbisch Hall. Während des Jahres informiert Sie unsere Internetseite www.schwaebischhall.de über die Haller Geschehnisse. Eine jährlich ergänzte Stadtchronik finden Sie auf den Seiten des Stadtarchivs (Bürgerstadt > Geschichte > Chronik). Das Aktuellste aus Ihrer Heimat erfahren Sie auf der Facebookseite der Stadt (www.facebook.com/schwaebischhall) oder über das Online-Portal des Haller Tagblatts (www.swp.de/schwaebisch_hall).

Ich möchte allen danken, deren Grüße mich während dieses Jahres erreicht haben, und Ihnen ein schönes und friedvolles Weihnachten 2016 und Ihnen und Ihrer Familie alles Gute, Glück, Gesundheit und Zufriedenheit für das kommende Jahr wünschen.

Über alle Grenzen hinweg grüße ich Sie in freundschaftlicher Verbundenheit,

Ihr Hermann-Josef Pelgrim

Der Sage nach standen im späteren Stadtgebiet sieben Burgen, aus denen sich Schwäbisch Hall entwickelt haben soll. Federzeichnung aus einer Haller Chronik um 1600.
Erste gedruckte Ansicht der Stadt um etwa 1580 aus der Kosmografie von Georg Braun und Franz Hogenberg

Die Höhen des Kochertals waren schon in der Jungsteinzeit (5. Jahrtausend v. Chr.) besiedelt. An der Stelle der späteren Stadt Schwäbisch Hall ist für das fünfte bis erste Jahrhundert vor Christus der Betrieb einer keltischen Saline nachgewiesen. Schriftlich belegen lässt sich die Existenz einer Siedlung aber erst mit dem (gefälschten) "Öhringer Stiftungsbrief", der wahrscheinlich aus den letzten Jahren des 11. Jahrhunderts nach Christus stammt. Zu dieser Zeit erstreckte sich der Ort vom Tal, wo sich die Salzquelle befand, über das Handwerkerquartier (heute Hinter der Post) zum Verwaltungsbereich, der von der Jakobskirche an der Stelle des heutigen Rathauses hangaufwärts begrenzt wurde.

Die Stadtentstehung fand in mehreren Etappen im 12. Jahrhundert statt: 1156 weihte Bischof Gebhard von Würzburg die neu erbaute Michaelskirche und richtete den Michaelismarkt ein. Ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurden in Hall die Heller geprägt, die, weil sie recht minderwertiges Geld waren, das gute verdrängten und weite Verbreitung fanden. Eine Urkunde von 1204 bezeichnet Hall zum ersten Mal als Stadt, ab 1280 blieb die Reichsunmittelbarkeit, die in den Jahren zuvor gegen die benachbarten Schenken von Limpurg erkämpft worden war, unbestritten. 1340 musste Kaiser Ludwig der Bayer in die inneren Angelegenheiten der Stadt eingreifen und die Zusammensetzung des Rates neu regeln. Der Rat war das maßgebende Gremium der städtischen Politik. Zwischen 1340 und 1512 setzte er sich aus zwölf Adligen, sechs Mittelbürgern und acht Handwerkern zusammen. Als Folge der „Großen Zwietracht“ von 1510 bis 1512 verlor der Stadtadel seine Vormachtstellung. In der Folge wurde der Rat von einer Gruppe bürgerlicher, zunehmend akademisch gebildeter Familien dominiert, aus denen sich eine neue Oberschicht entwickelte.

Der Große Stadtbrand von 1728 zerstörte den überwiegenden Teil der heutigen Altstadt
Ein Plan des reichsstädtischen Territoriums von 1762

Im 14., 15. und 16. Jahrhundert erwarb die Stadt Schwäbisch Hall ein bedeutendes Territorium, das 1802 330 Quadratkilometer mit ca. 21.000 Einwohnern umfasste. Nicht zur Reichsstadt gehörte die Comburg, die 1079 als Benediktinerkloster gegründet worden war und 1488 in ein Ritterstift verwandelt wurde.

1523 leitete Johannes Brenz, der seit 1522 als Prediger an der Michaelskirche wirkte, den Übergang der Stadt zur Reformation ein. Nach 1548 trat Brenz in den Dienst des Herzogtums Württemberg. Schwäbisch Hall war Mitglied des Schmalkaldischen Bundes und der protestantischen Union im Vorfeld des Dreißigjährigen Krieges, der die Stadt schwer in Mitleidenschaft zog: zwischen 1634 und 1638 wurde jeder fünfte Einwohner ein Opfer der Pest, von Typhus und Hunger.

1680 brannte die Gelbinger Vorstadt ab, 1728 der größte Teil der Kernstadt. Die Stadt wurde unmittelbar danach in barocken Formen wiederaufgebaut, die das Stadtbild bis heute prägen (Einweihung des Rathauses z.B. 1735). Der Rat setzte im 18. Jahrhundert die Modernisierung der Salzgewinnung gegen die Salzsieder durch, als Folge erhöhte sich die Produktion auf ca. 100.000 Zentner pro Jahr um 1800. Schwäbisch Hall hatte zu dieser Zeit die größte Saline in Südwestdeutschland.

Stadtansicht nach 1862 mit dem neuen Bahnhof (links)
Das 1880 eingeweihte Solbad auf dem Unterwöhrd

Württemberg besetzte die Stadt 1802 als Entschädigung für an Frankreich abgetretene rechtsrheinische Besitzungen. Schwäbisch Hall verlor damit seine Selbständigkeit und wurde zu einer württembergischen Oberamtsstadt. Das 19. Jahrhundert war anfangs eine Phase der Stagnation und des Rückschritts. Die Industrialisierung begann nur zögernd. Deshalb verließen viele Haller ihre Heimatstadt und wanderten nach Übersee, vor allem in die USA, sowie in deutsche Ballungsräume aus. Die  1804 durch Württemberg verstaatlichte und aus der Altstadt heraus verlegte Saline verlor Ende des 19. Jahrhunderts an wirtschaftlicher Bedeutung und wurde 1924 aufgehoben. Nach dem Anschluss an das Eisenbahnnetz 1862 erlebte die Stadt einen Aufschwung als Bade- und Kurort; auch die Bedingungen für die Ansiedlung und Entwicklung von Industriebetrieben verbessern sich.

Erst im 20. Jahrhundert wuchs Schwäbisch Hall durch die Anlage neuer Siedlungen aus dem Tal hinaus. Die Stadt entwickelte sich zu einem Behördenstandort und Dienstleistungszentrum, was sich durch die Einrichtung zahlreicher Schulen, der Gründung der Diakonissenanstalt (1886, heute Evang. Diakoniewerk) und der kriegsbedingten Ansiedlung der Bausparkasse (1944) verstärkte. Die Gründung der Freilichtspiele 1925 war ein wichtiger Schritt in der Entwicklung zu einem kulturellen Zentrum der Region.

Daneben entstand eine mittelständisch geprägte Industrie mit einem Schwerpunkt auf dem Maschinenbau, deren Wurzeln teilweise noch in das 19. Jahrhundert reichen. Ein besonderer Schwerpunkt entwickelte sich im Verpackungsmaschinenbau. 

Gedenkstern auf dem Marktplatz zur Erinnerung an die Pogromnacht 1938
Kriegsschäden in der Katharinenvorstadt nach dem US-Luftangriff vom 23. Februar 1945

Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft begann 1933 die Verfolgung politischer Gegner und von Menschen jüdischen Glaubens. Während der Pogromnacht vom 9./10 November 1938 brannten Haller Nazis die Synagoge in Steinbach nieder und verwüsteten den Betsaal in der Oberen Herrngasse sowie Geschäfte und Privatwohnungen. Etwa 40 Jüdinnen und Juden aus Schwäbisch Hall wurden von den Nationalsozialisten ermordet, viele andere in die Emigration gezwungen. Im Zuge der sogenannten "Euthanasie" fielen auch 173 in der Diakonissenanstalt lebende Menschen mit Behinderungen dem NS-Terror zum Opfer. Der Kriegsvorbereitung diente der 1936 fertig gestellte Fliegerhorst der Luftwaffe in Hessental, auf dem Bomber, während des Kriegs auch Nachtjäger und der Düsenjäger Messerschmitt Me 262 stationiert waren. 1944 entstand beim Bahnhof Hessental ein nationalsozialistisches Konzentrationslager, dessen Insassen als Arbeitssklaven u.a. auf dem Fliegerhorst zum Einsatz kamen. Den Zweiten Weltkrieg und die Eroberung durch US-Truppen überstand die Stadt ohne schwerwiegende Schäden, der ehemalige Fliegerhorst blieb bis 1993 als „Dolan Barracks“ ein Standort der US-Armee.

Einen erheblichen Bevölkerungszuwachs gab es durch die Ansiedlung von Vertriebenen nach 1945 (Heimbachsiedlung). 1960 erreichte Schwäbisch Hall den Status einer „Großen Kreisstadt“. Nachdem bereits in den 1930er Jahren Steinbach, Hessental und Hagenbach (ein Ortsteil von Bibersfeld) eingemeindet worden waren, kamen im Zuge der Gemeindereform 1972 bis 1978 Tüngental, Weckrieden, Sulzdorf, Gailenkirchen, Bibersfeld, Eltershofen, Gelbingen und Heimbach zum Stadtgebiet hinzu. Heute zählt Schwäbisch Hall knapp 38.000 Einwohner.

Weitere Informationen zur Stadtgeschichte von Schwäbisch Hall erhalten Sie im Stadtarchiv oder in der von diesem geführten Stadtchronik.