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Gedenkorte in Hessental

KZ-Gedenkstätte Hessental

KZ-Gedenkstätte Hessental, November 2009

Standort: beim Bahnhof Schwäbisch Hall-Hessental

Das Konzentrationslager Hessental, ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof, wurde im Sommer 1944 in einem ehemaligen Reichsarbeitsdienstlager beim Bahnhof Hessental eingerichtet. Die zwischen 600 und 800 Häftlinge, meist polnische Juden aus dem Raum Radom, kamen überwiegend bei der Beseitigung von Bombenschäden auf dem Fliegerhorst Hessental zum Einsatz. Durch Morde, Misshandlungen, Unterernährung und Krankheiten starben bis zur Auflösung des Lagers im April 1945 mindestens 182 Häftlinge. Weitere Todesopfer gab es beim "Hessentaler Todesmarsch" der Insassen nach Allach (Gedenktafel am Bahnhof). Das rund 7.000 qm große Areal des Lagers wurde nach 1945 von einer Schrottfirma genutzt und ist seit Ende der 1990er Jahre in städtischem Besitz. Die Gedenkstätte wurde auf Grundlage einer durch den Verein "Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental e.V." vorgelegten Konzeption gemeinsam mit dem Stadtplanungsamt Schwäbisch Hall gestaltet und am 5. April 2001 eingeweiht. Die Gedenkstätte besteht aus den durch Einschotterung markierten Grundrissen der Lagerbaracken mit Informationstafeln, einem Stelenfeld mit Namen von Häftlingen sowie einem originalen Reichsbahnwaggon der Art, die für den Transport von KZ-Häftlingen eingesetzt wurde. In ihm befindet sich eine Dokumentation über den Hessentaler Todesmarsch sowie weitere Todesmärsche in der Region. Träger der Gedenkstätte ist der Verein "Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental e.V.", über den Führungen vereinbart werden können. 

Gedenkinschrift KZ Hessental

Gedenkinschrift für das KZ Hessental, November 2009

Standort: Karl-Kurz-Straße, Schwäbisch Hall-Hessental, beim Kreisverkehr zur Hessentaler Straße und zur Einkornstraße

Nachdem im Zuge von Straßenbauarbeiten eine Stützmauer aus Beton unterhalb des Geländes des ehemaligen KZ Hessental errichtet wurde, ließ der Verein "Friedenswoche Schwäbisch Hall" dort mit einstimmiger Zustimmung des Gemeinderats eine Gedenkinschrift anbringen, die am 27. September 1981 feierlich enthüllt wurde.

Gedenktafel Hessentaler Todesmarsch

Gedenktafel am Bahnhof Hessental, November 2009

Standort: am Bahnhof Schwäbisch Hall-Hessental

Der Bahnhof Hessental war Ausgangspunkt des "Hessentaler Todesmarschs" der Insassen des in unmittelbarer Nähe gelegenen Konzentrationslagers. Etwa 700 Häftlinge - neben solchen des Lagers Hessental auch Überlebende eines Todesmarschs von Insassen des KZ Kochendorf - wurden zunächst am Bahnhof in einen Zug verladen und nach einem Tieffliegerangriff bei Sulzdorf zu Fuß in Richtung Osten bis in die Nähe Münchens getrieben. Der Marsch war begleitet von zahlreichen Morden, Misshandlungen und Todesfällen durch Hunger, Entkräftung und Krankheiten. Schätzungen über die Gesamtzahl der Opfer schwanken zwischen 50 und 300, am wahrscheinlichsten ist eine Anzahl von 150 bis 200. Die Gedenktafel wurde am 4. April 1995 zum 50. Jahrestag des Beginns des Todesmarschs enthüllt. 

Straßennamen im Wohn- und Gewerbegebiet "Solpark", Hessental

Alfred-Leikam-Straße

Der aus Korb stammende Alfred Leikam (1915-1992), ab 1961 Notar in Schwäbisch Hall, war Mitglied des CVJM und Anhänger der "Bekennenden Kirche". Seine offen ausgesprochene, christlich motivierte Gegnerschaft zum Nationalsozialismus führte dazu, dass man ihn 1938 verhaftete und bis 1943 im KZ Buchenwald festhielt. 2003 zeichnete ihn der Staat Israel für die Rettung eines jüdischen Häftlings in Buchenwald posthum als "Gerechter unter den Völkern" aus.

Asriel-Eisenberg-Weg

Der polnische Jude Asriel Eisenberg kam über Radom, Auschwitz und Vaihingen/Enz als  Häftling in das Konzentrationslager Hessental. Hier wurde er als vermutlich erstes Opfer des Lagers am 27. Oktober 1944 bei einem angeblichen Fluchtversuch erschossen.

Dr.-Henryk-Fenigstein-Weg

Der polnische Arzt  Dr. Henryk Fenigstein (1913-1993) arbeitete nach der deutschen Besetzung Polens in einem Krankenhaus im Warschauer Ghetto. Hier beteiligte er sich an einer geheimen Studie zu den Auswirkungen des Hungers und spielte eine Schlüsselrolle bei der Rettung des Manuskripts. Er wurde 1943 verhaftet und kam 1944 als Lagerarzt in das KZ Hessental. Unter widrigen Umständen rettete der das Leben zahlreicher kranker Mithäftlinge. Nach seiner Befreiung lebte er bis 1948 in München und wanderte dann nach Kanada aus, wo er im Toronto als Arzt und später als Psychiater wirkte. 

Dr.-Jakob-Berlinger-Weg

Dr. Jakob Berlinger (1866-1945) war ab 1900 Rabbiner in Braunsbach, ab 1913 in Schwäbisch Hall. 1934 trat er in den Ruhestand. Während der Reichspogromnacht 1938 verwüsteten NS-Schläger seine Wohnung und verbrannten seine wertvolle Bibliothek auf dem Marktplatz. 1939 emigrierte Dr. Jakob Berlinger mit seiner Frau Rifka nach Palästina, wo das Ehepaar seine letzten Lebensjahre in ärmlichen Verhältnissen verbrachte.

Eugen-Bolz-Straße

Eugen Bolz (1881-1945) aus Rottenburg, Politker der katholischen Zentrumspartei, amtierte ab 1928 als württembergischer Staatspräsident. 1933 verdrängten ihn die Nazis aus dem Amt. Kurz zuvor hatte er bei einer Wahlkundgebung in Schwäbisch Hall eindringlich vor einer Herrschaft der NSDAP gewarnt. Aufgrund seiner Verbindungen mit dem Widerstandskreis um Carl Friedrich Goerdeler wurde er nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 verhaftet und 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet. 

Johann-Georg-Elser-Weg

Der aus Hermaringen stammende Tischlergeselle Johann Georg Elser (1903-1945) verübte am 8. November 1939 im Alleingang im  Münchener Bürgerbräukeller ein Bombenattentat auf Hitler, das aber misslang. Er wurde beim Versuch, in die Schweiz zu fliehen, festgenommen, in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau festgehalten und dort am 9. April 1945 auf direkte Weisung Hitlers von der SS ermordet.

Geschwister-Scholl-Straße

Hans Scholl (1918-1943) und seine Schwester Sophie Scholl (1921-1943) wuchsen in Forchtenberg, Ludwigsburg und Ulm auf. Nach anfänglicher Begeisterung für den Nationalsozialismus entwickelten sie sich zu dessen entschiedenen Gegnern. 1942 beteiligten sie sich an der Gründung der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" an der Universität München, mit der sie Flugblätter verteilten und Parolen an Hauswände schrieben. 1943 wurden sie nach einer Flugblattaktion verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet. 

Hans-Georg-Albrecht-Weg

Der Schriftsetzer und Angestellte Hans Georg Albrecht (1914-1987) war Mitglied der 1930 gegründeten Schwäbisch Haller KPD. Die Nationalsozialisten nahmen den 19-Jährigen als einer der ersten Haller in "Schutzhaft" und brachten ihn in das KZ Heubach. Erst nach drei Jahren, in denen er Folterungen erdulden mußte, kam er wieder frei.

Heinz-Leiermann-Weg

Der Luftwaffen-Unteroffizer Heinz Leiermann (1919-1945) aus Essen floh in Norddeutschland aus seiner Einheit, wurde nach seiner Festnahme am 29. März 1945 durch ein Feldgericht in Schwäbisch Hall wegen Desertion zum Tode verurteilt und am folgenden Tag auf dem Fliegerhorstgelände durch Erschießen hingerichtet.

Lilo-Herrmann-Weg

Liselotte (Lilo) Herrmann (1909-1938) aus Berlin studierte dort Chemie und Biologie. Kurz vor der Machtergreifung unterzeichnete sie ein Protestschreiben gegen die Verfolgung u. a. jüdischer Studenten. 1933 vom Studium ausgeschlossen, übersiedelte sie 1934 nach Stuttgart und arbeitete hier für die vom NS-Regime verbotenen KPD. 1935 wurde sie verhaftet, 1937 vom Volksgerichtshof wegen Landesverrats zum Tode verurteilt und 1938 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Stauffenbergstraße

Der aus einer württembergischen Adelsfamilie stammende Offizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944) war eine der zentralen Figuren des militärischen Widerststands gegen das Hitler-Regime. Er plante zusammen mit anderen Widerstandskämpfern einen Anschlag auf Hitler und führte ihn am 20. Juli 1944 selbst aus. Nachdem das Attentat fehlschlug, wurde er noch am Abend desselben Tages standrechtlich erschossen.

Bem.: Die Benennungen beschloss der Gemeinderat am 28. Juni 1995 und am 21. Juni 1999.