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Gedenkorte in Steinbach

Gedenkstele Deserteure

Gedenkstele für Otto Küstner und Gottlieb Rüter, November 2009

Standort: an der Steinbacher Straße, auf den Kocherwiesen nahe der Limpurgbrücke

Die beiden Soldaten Otto Küstner aus Matzenbach (26 Jahre alt) und Gottlieb Rüter aus Essen (22 Jahre alt) wurden kurz vor dem Einmarsch der US-Truppen wegen angeblicher Desertion verhaftet, durch ein "fliegendes Standgericht" zum Tode verurteilt und am 2. April 1945 am sogenannte "Kohlewegle" zwischen der Kocherbrücke zur Unterlimpurger Vorstadt und dem Fußweg zum Kocherfeld erhängt. Die Leichen mit Schildern "Ich bin ein Feigling" wurden mehrere Tage hängen gelassen. Ob Küstner und Rüter tatsächlich desertiert sind und nicht lediglich durch Kampfhandlungen von ihren Einheiten getrennt wurden, ist nicht sicher bekannt. Bei den Prozessen handelte es sich i.d.R. um Pseudoverfahren mit bereits feststehenden Urteilen. Im Raum Schwäbisch Hall kam es in der Endphase des Zweiten Weltkriegs zu einer ganzen Reihe von Hinrichtungen und Morden an Deserteuren, der Desertion Verdächtigten und der "Wehrkraftzersetzung" bezichtigen Zivilisten. Zur Anzahl der am "Kohlenwegle" Hingerichteten gibt es widersprüchliche Berichte; während manche Zeitzeugen davon überzeugt waren, dass "nur" die beiden namentlich bekannten Männer erhängt wurden, sprachen andere  von ein bis zwei weiteren Opfern. Hierfür fehlen schriftliche Belege wie Einträge in die standesamtlichen Sterberegister oder in Friedhofsregister. Allerdings kann angesichts der Zeitumstände nicht ausgeschlossen werden, dass es weitere Hinrichtungen gegeben hat, deren Opfer möglicherweise als Kriegsgefallene beigesetzt wurden. 
Eine erste Initiative des Vereins "Friedenswoche Schwäbisch Hall" zur Aufstellung einer Gedenktafel blieb 1985 ohne Ergebnis. Am 6. Oktober 1990 folgte ohne Einwilligung der Stadt die Einweihung eines von einer Künstlergruppe gestalteten Deserteursdenkmals am Kocherufer. Unbekannte Täter zerstörten es kurz darauf und warfen die Teile in den Kocher. Die Stele zur Erinnerung an die hier hingerichteten Soldaten wurde am 4. November 1994 enthüllt und im Januar 2010 restauriert.

Mahnmal für die jüdischen Opfer der NS-Herrschaft

Denkmal auf dem jüdischen Friedhof, November 2009

Standort: auf dem jüdischen Friedhof, Steinbacher Straße

Auf dem 1811 angelegten jüdischen Friedhof Steinbach wurden 1944-1945 auch etwa 150 Häftlinge des Konzentrationslagers Hessental beerdigt. Das Mahnmal wurde durch die jüdischen Bewohner der DP-Lager in Schwäbisch Hall aufgestellt und am 10. August 1947 eingeweiht. Die hebräischen Inschriften enthalten Zitate aus der Bibel (2. Könige 19,30; 5. Mose 32,43; Jesaja 62, 6-7), gedenken der Opfer des KZ Hessental und der Shoah insgesamt und rufen die Strafe Gottes auf die Täter herab. 

Denkmal für die Opfer des KZ Hessental aus Staszów (Polen)

Denkmal für die Opfer des Judenmords aus Staszow (Polen) auf dem jüdischen Friedhof Steinbach, April 2010

Standort: auf dem jüdischen Friedhof, Steinbacher Straße

Die über 5.000 Menschen umfassende jüdische Bevölkerung der Stadt Staszów in Südostpolen (heutige Wojwodschaft Świętokrzyskie) wurde am 8. November 1942 von der SS in einem Todesmarsch in das Vernichtungslager Belzec getrieben. Einige als Arbeitssklaven eingesetzte Männer aus Staszów kamen über das Lager Radom 1944 nach Hessental. Das Denkmal wurde 1945 nach der Befreiung von Überlebenden aus Staszów errichtet. Der obere Querbalken zeigt die Inschrift "Zum ewigen Angedenken", die Tafeln links und rechts nennen die Namen von 27 Opfern, der mittlere Stein trägt hebräische und englische Widmungsinschriften und berichtet, dass das Denkmal von den Überlebenden errichtet worden sei "zum immerwährenden Gedenken an das gemarterte Volk von Staszów und von anderen unbekannten Konzentrationslagern". 

Gedenktafel ehemalige Synagoge

Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge, November 2009

Standort: am Haus Neustetter Straße 34, Schwäbisch Hall-Steinbach

Die Synagoge von Steinbach wurde 1809 eingeweiht und war der Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde Steinbach-Hall. Während der Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938 steckte ein NS-Schlägertrupp auf Anweisung des NSDAP-Kreisleiters Otto Bosch das Gebäude mit Benzin in Brand. Als die Schwäbisch Haller Feuerwehr später versuchte, das Feuer zu löschen, wurde sie von NSDAP-Mitgliedern behindert und bedroht und gab auf einen Befehl Boschs hin ihre Bemühungen auf. Die Israelitische Gemeinde übertrug das Eigentum an der Synagogenruine an die Stadt, die darauf ein Haus erstellen ließ und das Grundstück 1940 verkaufte. Einige der am Pogrom beteiligten Beteiligten, o.a. Kreisleiter Bosch, wurden 1948/49 im "Synagogenprozess" zu Haftstrafen verurteilt.
Die Gedenktafel wurde 1988 durch die CDU-Gemeinderatsfraktion im Zusammenhang mit dem 50. Jahrestag des Pogroms angeregt und am 2. Juni 1989 angebracht.