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Gebäudeverzeichnis

Am Markt 13 - Hotel "Der Adelshof" (Anbau), ehem. Haus Liebhardt

Bild aus dem März 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern
Adresse: Am Markt 13
Primärkatasternummer: 229
Besitzer 1827
Holch, Friedrich Peter, Seifensieder


Besitzerliste

1635: Nach dem Tod des Ratsherrn Johann Georg Fuchs verkaufen seine Erben das Haus aus dem Nachlass für 800 Gulden an den Apotheker Johann Sebastian Firnhaber.

1690: Nach dem Tod der Maria Firnhaber, Witwe des Ratsherrn Johann Sebastian Firnhaber, fällt das Haus aus dem Nachlass an den Sohn Johann Friedrich Firnhaber, Ratsherr und Amtmann über die Schlicht.

1707: Nach dem Tod des Ratsherrn Johann Friedrich Firnhaber fällt das Haus im Zuge der Nachlassteilung an die Tochter Susanna Maria Thomasius geb. Firnhaber, Ehefrau des Johann Friedrich Thomasius, fürstlich Brandenburgischer Expeditions- und Kameralrat in Bayreuth. Einem nach vorausgegangenen Streitereien zwischen Thomasius und dem Schwager und Miterben Landkommissar Georg Friedrich Firnhaber geschlossenen Vergleich vom 15. Juni 1707 geht "sämbtlich hinterlaßenes Virnhaberische Vermögen" mit Ausnahme einer Schuldverschreibung und der Hälfte der Mobilien an Thomasius, der damit auch die Verpflichtung übernimmt, die erheblichen Schulden des Erblassers zu begleichen. Da Thomasius kein Bürgerrecht in Hall besitzt, darf er das Haus über Jahr und Tag besitzen und nutzen, muss es aber dann an jemand mit Bürgerreicht verkaufen.

1710: Der Apotheker Philipp Franz Erich erwirbt das Haus im Zusammenhang mit seiner Eheschließung. Genannt wird ein Preis von 1.100 Gulden. Ein Kaufvertrag ist bislang nicht auffindbar, der Erwerb lässt sich jedoch aus den Steuerlisten schließen, in denen Erich ab 1710 als Nachbar des Grünseisen'schen Anwesens (heute: "Adelshof" Am Markt 12) genannt wird. Im selben Jahr heiratete Erich Maria Magdalena Stier, Tochter des Ratsherren Nikolaus Stier und Tochter von Maria Salome geb. Firnhaber, einer Tochter des Vorbesitzers Johann Sebastian Firnhaber. Vermutlich wurde das Haus von Thomasius an die Großnichte seiner Frau verkauft und von dieser in ihre Ehe mit Erich eingebracht.
Bereits am 22. Oktober 1699 hat Erich für 2.650 Gulden die auf dem Marktplatz liegende, einerseits an die Stellwag'sche Apotheke, andererseits an die Schmalzstaffel bei der Trinkstube anstoßende Apotheke von Johann Christoph Weidner gekauft, der sie seinerseits von seinem Vater geerbt hat.

1725: Durch den Tod des Philipp Franz Erich wird seine Witwe Maria Magdalena geb. Stier alleinige Besitzerin von Wohnhaus und Apotheke.

1726: Maria Magdalena Erich geb. Stier heiratet am 21. Mai 1726 den bisherigen Gehilfen, den Apotheker Johann Michael Heffelmeyer, der damit (Mit-)Eigentümer des Wohnhauses und der Apotheke wird.

1731: Johann Michael Heffelmeyer verkauft die Apotheke auf dem Marktplatz, die sogenannte Mohrenapotheke, laut Kaufvertrag vom 7. November 1731 (eingetragen 18. Januar 1732)  samt dazu gehörigen Gerätschaften und Materialien für 4.700 Gulden an seinen bisherigen Provisor, den Apotheker Johann Christoph Scheinhardt. Das Wohnhaus bleibt im Besitz des Ehepaares Heffelmeyer.

1742: Durch den Tod von Johann Michael Heffelmeyer am 24. Februar 1742 wird seine Witwe Maria Magdalena alleinige Eigentümerin des Hauses.

1746: Nach dem Tod der Maria Magdalena Heffelmeyer geb. Stier, Witwe des Johann Michael Heffelmeyer, fällt das Haus offenbar an ihre Tochter Marie Euphrosina Hartmann geb. Stier, Ehefrau des Renovators Johann Friedrich Hartmann.

1762: Nach dem Tod von Johann Friedrich Hartmann am 7. Oktober 1762 fällt das Haus an seine Witwe Euphrosina Magdalena Hartmann geb. Stier.

1785: Nach dem Tod der Euphrosina Magdalena Hartmann geb. Stier am 1. Januar 1785 erwirbt ihr Sohn, der Spitalschreiber Johann David Hartmann, laut Inventur vom 18. Januar 1785 das Haus am Markt für 1.400 Gulden aus dem Nachlass der Mutter.

1794: Durch den Tod des Spitalschreibers Johann David Hartmann am 14. April 1794 geht das Haus in den Besitz seiner Witwe Maria Elisabetha Hartmann geb. Majer über.

1797: Maria Elisabetha Hartmann heiratet am 24. April 1797 den Präzeptor (Lehrer) Georg Wolfgang Bölz und bringt das Haus in  diese  zweite Ehe mit ein. 

1819: Georg Wolfgang Bölz, mittlerweile Pfarrer in Orlach, und seine Ehefrau verkaufen das Anwesen am 27. Juli 1819 mit Genehmigung ihrer Kinder bzw. Stiefkinder für 2.300 Gulden und 4 Dukaten für die Hartmännischen Kinder (Kinder der Verkäuferin aus erster Ehe) an den Seifensieder Friedrich Peter Holch.

1827: als Besitzer genannt (Primärkataster): Friedrich Peter Holch, Seifensieder

1857: Friedrich Peter Holchs Witwe verkauft mit Zustimmung ihres Sohnes das Anwesen am 2. Oktober 1857 für 6.000 Gulden an ihre Tochter Lisette und deren Verlobten, den Seifensieder Karl Lehmann. Sie erhalten als "Dareingabe" verschiedenes Inventar, insbesondere Seifensiederwerkzeuge. Die Verkäuferin behält sich ein lebenslanges Wohnrecht im dritten Stock, der früher Herrmannschen Wohnung, vor, und bezahlt dafür eine jährliche Miete von 30 Gulden. Die Käufer verpflichten sich darüber hinaus, ihre Mutter bzw. Schwiegermutter unentgeltlich "zu warten und zu pflegen... ihre Wäsch mitzuwaschen und mit zu bügeln". Lisette Holch erhält 1.000 Gulden des Kaufpreises als Heiratsgut und weitere 1.000 Gulden als unverzinsliches Anlehen "als Betriebs-Capital ins Gewerbe".

1871: Nach dem Tod der Lisette Lehmann geb. Holch erhält ihr Witwer Karl Lehmann zufolge der Eventualteilung zwei Drittel des Hauses, die beiden Kinder Anna und Sofie bekommen ein Drittel als Muttergut zugesprochen.

1873: Die Eigentumsrechte der Kinder werden für erloschen erklärt.

1876: Gemeinderat J. Schaffert als gerichtlich bestellter Pfleger des am 22. Januar 1876 wegen Geisteskrankheit entmündigten Seifensieders Carl Lehmann verkauft das Haus nach öffentlicher Ausbietung am 10. April 1876 für 18.375 Mark an den Seifensieder Christian Blankenhorn aus Groß-Ingersheim. Die Erwähnung von Mietzinsen deutet darauf hin, dass zumindest Teile des Anwesens vermietet sind.
Gemäß des anlässlich der Eheschließung des Käufers mit Emilie Lisette Di Centa im selben Jahr erstellten Beibringensinventars soll das Haus als "während der Ehe erkauft angesehen werden". Lisette Blankenhorn ist damit Miteigentümerin. 

1899: Nach dem Tod der Lisette Blankenhorn geb. Di Centa werden zwei Drittel des Hauses als Eigentum des Witwers Christian, ein Drittel als Eigentum der beiden Kinder Hugo und Wilhelmine eingetragen.

1904, vor: Das Haus wird an den Kaufmann Ernst Liebhardt verkauft (genaues Datum fehlt noch).

1961: Die Stadt Schwäbisch Hall kauft das Haus Am Markt 13 für 125.000 DM von den Erben des verstorbenen Papierwarenhändlers Ernst Liebhardt. Vorgesehen ist eine Verwendung im Zusammenhang mit dem Hotel "Ratskeller" Am Markt 12.

1970: Abbruch des Hauses und Neubau als Anbau an das nunmehrige Hotel "Der Adelshof" (Am Markt 12).

In den Adressbüchern genannte Besitzer und Bewohner

1886: Als Besitzer genannt: Christian Blankenhorn, Seifensieder
Mieter/ Mitbewohner: Fräulein Julie Mützel; Johannes Vetter, Steuerwachtmeister

1890: Als Besitzer genannt: Christian Blankenhorn, Seifensieder
Mieter/ Mitbewohner: Anna Hager, Industrielehrerin; Julie Hager, Stadtschultheißwitwe; Fräulein Julie Mützel

1894: Als Besitzer genannt: Christian Blankenhorn, Seifensieder
Mieter/ Mitbewohner: Luise Gunzert, Kaufmannswitwe

1901: Als Besitzer genannt: Christian Blankenhorn, Seifensiederei und Schreibwarenhandlung
Mieter/ Mitbewohner: Karl Gall, Stadtpflege-Buchhalter; Marie Platz, Privatiere; Elise Beck, Privatiere; Albert Strobel, Finanz-Praktikant

1906: Als Besitzer genannt: Ernst Liebhardt, Kaufmann
Mieter/ Mitbewohner: K. Praßler, Witwe, Privatiere; Johann Schneider, Zuschneider; Elise Beck, Turnlehrerswitwe

1910: Als Besitzer genannt: Ernst Liebhardt, Kaufmann
Mieter/ Mitbewohner: Elise Beck, Privatiere; Marie Reik, Privatiere; Gotthold Klingenstein, Hauptlehrer

1920: Als Besitzer genannt: Ernst Liebhardt, Kaufmann
Mieter/ Mitbewohner: Elise Beck, Turnlehrerswitwe; Marie Reik, Professorswitwe; Gotthold Klingenstein, Hauptlehrer

1928: Als Besitzer genannt: Ernst Liebhardt, Kaufmann, Schreibmaterialien- und Seifenhandlung
Mieter/ Mitbewohner: Marie Späth, Postassistentin; Johann Kern, Schultheiß a.D.; Pauline Kern; Gotthold Klingenstein, Oberlehrer; Karl Schoch, Diplom-Ingenieuer

1932: Als Besitzer genannt: Ernst Liebhardt, Kaufmann, Schreibmaterialienhandlung
Mieter/ Mitbewohner: Johann Kern, Schultheiß a.D.; Pauline Kern; Gotthold Klingenstein, Oberlehrer a.D.; Marta Schwarz, Rentnerin

1938: Als Besitzer genannt: Ernst Liebhardt, Papier- und Kunstgewerbe, Bürobedarf, Bücherverkauf; Hedwig Liebhardt
Mieter/ Mitbewohner: Hermann Borowitzka, Kapellmeister; Pauline Kern; Robert Lermer, Justizassistent

1956: Als Besitzer genannt:  Papier- und Schreibwarenhandlung Ernst Liebhardt, Inhaber Hedwig und Rosa Liebhardt
Mieter/ Mitbewohner: Elisabeth Beck, Justizangestellte; Otto Beck, Vermessungsinspektor; Emilie Kuchler, Hausfrau; Josef Kuchler, Zollsekretär a.D.; Max Kuchler, Elektriker; Elsa Lermer, Hausfrau; Robert Lermer, Justizsekretär; Hedwig Liebhardt, Geschäftsführerin; Rosa Liebhardt, Geschäftsteilhaberin

Befunde aus Bauakten

(soweit nicht anders erwähnt, Bauakten im Baurechtsamt)

1876: Laut Kaufvertrag von 1876 existiert der seit 16. Jahrhundert erwähnte Brunnen im oder am Haus nicht mehr (19/1041, S. 171)

1880: Seifensieder Blankenhorn lässt im Erdgeschoss des Hauses eine neue Küche einbauen, den Hausflur verbreitern und die Innenwände des Ladens und eines weiteren Zimmers zum Markt hin versetzen. Das Erdgeschoss zum Markt und zur Schuppachstraße hin erhält neue Fassaden, von denen die Ladenfront zum Markt hin aufwendig mit Schaufenstern gestaltet wird. Der Eingang in den Laden wird von der linken auf die Rechte Seite verlegt, weiterhin wird die Lage von Türen und Fenstern im ganzen Erdgeschoss verändert

1904: Der Kaufmann Ernst Liebhardt lässt im Erdgeschoss in Bereich der früheren Seifensieder-Werkstatt ein Schlafzimmer einbauen.

1910: Ernst Liebhardt lässt die Küche von ihrem bisherigen Standort in die bisherige Waschküche verlegen.

1933: Ernst Liebhardt lässt einen "Dachladen" (Gaube) in das Dach zur Schuppachstraße einbauen.

1944: Aus Gründen des Luftschutzes wird ein Gang in den Keller des benachbarten Hauses Am Markt 12 durchgebrochen.

1970: Abbruch des Hauses und Neubau als Erweiterung des Hotels "Der Adelshof" (Am Markt 12) ab 26. Februar 1970.

danach: siehe Am Markt 12

Beschreibungen

1635 (Inventur J. G. Fuchs): "Die andere Behausung, bei St. Michels Kirchen, so laut eines Khaufbriefs gegen den Moserischen mit 6 Hlr. Vorgelts behafftet."

1690 (Inventur M. Firnhaber): "Eine Behaußung oberhalb des Marckt am Eck, neben Ihr. Magnifitz. Herrn Stättmeister Wibels p. p. Behaußung und gegenüber der Pfarr Kirchen zu St. Michael gelegenm so aller Beschwerden frey und gantz aigen."

1699 (die zugehörige Apotheke auf dem Markt): "...Seine von seinem lieben Vatter auch H. Weidner seel. ererbte u. bißhero ruhig genoßene, aigenthumliche auch sonsten durchauß gantz franckh u. freye ohnaußlößliche Apothecke auff dem Marckth, einerseits ahn die Stellwägische Apotheckh, and[erer]seits oben an die sogenante Schmaltzstaffel bey der Trinckhstube stoßendt, samt denselben Privilegio, auch allen darein und darzue gehörig[en] Medicamentis, auch zihnernen, mößinen, küpfernen u. andern dergleichen Stuckhen und Geschürren, als Büxen, Mörseren, Gewichten, Gläsern u. Appertinentien, wie es alles bey dergleichen Officinen u. Apotheckhen Nahmen habe ..."

1707 (Inventur J. F. Firnhaber): "Eine Behaußung oberhalbs des Marckes zwischen Herrn Stättmeisters Wibels selig Behaußung und der gemein Gaßen, so gültfrey und aigen, angeschlagen pro 1600 fl."

1717/18: "Eine Behaußung angeschlagen ad 850 fl, Item die Officin an der St. Jacobs Kirchen Kapit[al] a 1200 fl."

1731 (Verkauf der zugehörigen Apotheke auf dem Markt): "seine biß dahero ruhig und eigenthumlich besessene Apotheckh auf dem Marckt, die Mohren Apotheck genant, sambt dero Recht und Gerechtigkeiten, wie er und sein Ehevorfahrer solche bißher ingehabt, genutzt und besessen, sambt Geräthschafft, Materialien und anderer darzu gehörend[en], in dem Standt, alß sie sich dermahlen bey des Hr. Käuffers Versehung befunden..."

1746 (Inventur der Maria Magdalena Heffelmeyer): "EIne Wohnbehaußung, der St. Mich. Kirchen gegenüber, zwischen der Frauen von Grünseisen Behaußung und der Schupach gelegen, so freyeigen, bei löbl. Beethstuben in Anschlag mit 850 fl"

1785 (Inventur der E. M. Hartmann): "Eine Behaußung bey der Sct. Mich. Kirchen, zwischen H. Lebküchner Reizen, und der Frau v.Grüneisen Behaußung und der Schubach gelegen, lt. pergamentener Briefe de 1531 1596 1611 et 1637"

1819: "Ihr bisher in Hall beseßenes der Michaelis Kirche gegenüber gelegenes Wohnhauß mit dem lt. Bronnenbuch darinn befindlichen laufenden Bronnen, Waschhauß und Bakofen, liegt neben dem Königlichen Rectorats Gebäude und Bäkermeister Hannemann, gültfrey".

1827 (Primärkataster): Wohnhaus mit 15,5 Ruten. Oben am Markt Platz

1857: "Ein 3stokiges Wohnhaus am Markt neben Bäcker Beetz, mit gewölbtem Keller und einem laufenden Bronnen, der aus der städtischen Röhrenfahrt seinen Wasserzufluß hat und sein Abwasser in den Bronnen beim Haus No. 228 abgiebt. Die Zufluß Röhre zum Bronnen hat der Eigenthümer des hier in Frage stehenden Hauses zu erhalten. Sodann erhalten die Käufer unentgeltlich mit in den Kauf als Dareingabe folgende zur Vorhandenen Seifensiederei-Einrichtung gehörigen Gegenstände:
a., in der Wohnstube den Dochttisch mit Stäben und Messern:
b., die ganze Ladeneinrichtung, bestehend in: Fässern, Truchen, Waagen mit Gewichten, Tischen, Kisten etc etc.
c., die ganze Werkstatt und Werkstatt Einrichtung mit sämtlich vorhandenen zur Saifen und Lichterbereitung nothwendigen Geräthschaften, bestehend in: den eisernen Kessel, der Kühlbütte, den Äscherkufen mit Sümpfen, kupfernen Schapfen, den Seifenformen, Seifentisch, hölzernen Ringel, Kragen, Rührstangen, blechernen Schopfen, Unschlittpresse, blechernen Unschlitthäfen, Kübeln, Wannen, Rührstangen, Schaufeln, Alkalimenter etc."

1876 (Güterbuch 17, S. 417): "Ein 3stockiges Wohnhaus am Markt, mit einem gewölbten Keller, neben Bäcker Beetz ... Von diesem Haus lauft die Dachrinnen, der Abtrittsschlauch und das in der Saifensiederei Werkstatt sich erzeugende Abwasser in den Dohlen, welcher von dem Bäcker Beetz'schen Haus sich in den allgemeinen Schuppach-Dohlen ergießt."

1910, um (Feuerversicherungsbuch VI, Bl. 112):
"Zubehörden:
1 Hauswasserleitung in 4 Stockwerken zus. 5 Auslaufhahnen a 120 M
1 Gasbeleuchtungseinrichtung in 2 Stockwerken zus. 3 Flammen ohne Uhr a 80 M
2 Ladentische 1,5 x 2,2 lang, 0,70 brt, 0,80 hoch mit Schubladen u. offenen Fächern a 250 M
5 Warengestelle mit Schubladen u. Aufsätzen teils offen, teils mit Glastüren, zus. 8,5 x 0,4 x 2,5 a 400 M
1 Erdölbehälter von Zinkblech 70 L mit Rohrleitung und Flügelpumpe a 70 M
1 elektrisches Läutewerk durch 4 Stockwerke a 80 M"

Besonderheiten

Biografien von Hausbewohnern und -eigentümern

Johann Georg Fuchs (1581-1634)

Johann Georg Fuchs wurde am 29. Juni 1581 als Sohn des Hans Fuchs und der Euphrosine Regulus geboren. Über seinen Lebenslauf ist wenig bekannt. 1614 erhielt er das Amt eines Stadtschultheißen und stieg 1631 in den Inneren Rat auf. Am 4. August 1607 heiratete er Eva Michel, eine Tochter des Wolfgang Michel, Ratsherr in Brackenheim. Nachdem Eva Fuchs am 10. Oktober 1612 im Kindbett gestorben war, heiratete Fuchs am 29. März 1614 Agnes Burr, eine Tochter des Ludwig Burr, Ratsherr in Hanau. Ein großer Teil der Familie fiel offenbar der 1634 in Schwäbisch Hall wütenden Pestepidemie zum Opfer. Zuerst starb am 1. Juni 1634 die Ehefrau Agnes Fuchs, dann starben am 12. und 25. September die beiden Töchter Anna Maria (*1617) und Agnes Magdalena (*1619), am 1. Oktober sind, wie das Totenbuch berichtet, "Johann Georg Fuchs deß Rahts ... sampt einem jungen Söhnlein in einer Viertelstundt miteinander verschieden, in ein Baar [= Bahre] und ein Grab gelegt worden." Einen Monat später starb noch die erwachsene Tochter Veronica (*1611). Als überlebende Kinder werden in der Nachlassteilung von Fuchs eine Tochter aus seiner ersten Ehe und je zwei Söhne und Töchter aus der zweiten Ehe genannt. Die Inventur weist Johann Georg Fuchs als wohlhabenden Mann aus, zu dessen Nachlass z.B. zwei Häuser und eine erhebliche Menge Schmuck und Bargeld gehörten. Den 12.228 Gulden Vermögenswerte standen jedoch auch erhebliche Verbindlichkeiten gegenüber, die aber z.B. die Erbansprüche der Tochter erster Ehe und einer Enkelin umfassten.

Johann Sebastian Firnhaber (1603-1672)

Johann Sebastian Firnhaber wurde am 21. Februar 1603 als Sohn des Handelsmanns Matthias Firnhaber und der Margarethe Werner geboren. Er besuchte die Lateinschule und "weilen er Lust zur Apothecker Kunst gehabt", begann er bei den Apotheker Beer in Öhringen eine Apothekerlehre. Anschließend verbrachte er mehrere Jahre in der Fremde, während der er u.a. mit zwei österreichischen Adeligen eine Reise nach Italien unternahm und dort "die italianische Sprach wohl erlernet." Nach seiner Rückkehr nach Schwäbisch Hall heiratete er am 30. Januar 1627 Marie Wagner (*21. Dezember 1606), eine drei Jahre jüngere Tochter des Kupferschmieds Hans Wagner. Das Ehepaar hatte in 45 Ehejahren nicht weniger als 20 Kinder, 5 Söhne und 15 Töchter, von denen aber offenbar nur vier Töchter und ein Sohn das Erwachsenenalter erreichten. 1637 wurde Firnhaber in den Äußeren Rat berufen, ab 1651 gehörte er dem Inneren Rat an. Ab Oktober 1672 begann er an einem starken Katarrh, großem Frost und anderen Beschwerden zu leiden und starb am 29. Oktober 1672 im Alter von 69 Jahren.

 Maria Firnhaber geb. Wagner (1606-1690)

Maria Firnhaber wurde am 21. Dezember 1606 als Tochter des Kupferschmieds Johann Wagner und der Maria Jacobe geb. Blumenhauer geboren. Von ihren Eltern wurde sie "christlich erzogen, zu Kirchen u. Schul auch folgends zu jungfräulichen Tugenden u. nöthigen Haußgeschäften fleißig angehalten". Im Alter von 20 Jahren heiratete sie am 30. Januar 1627 den drei Jahre älteren Apotheker Johann Sebastian Firnhaber, der in der Folge eine Karriere zum Ratsherrn machte. Von den 20 Kindern, die Marie Firnhaber in 45 Ehejahren bekam, erreichten nur ein Sohn und vier Töchter das Erwachsenenalter. Ihr Ehemann starb am 29. Oktober 1672, sie selbst lebte als Witwe im Haus am Markt weiter. Seit einem Alter von etwa 55 Jahren litt sie an "einem hartten und schweren Rotlaufs-Zustand an einem Schenckel", durch den sie immer wieder großen Schmerzen erdulden musste und bettlägerig wurde. Nach heutigem Verständnis ist Rotlauf eine bakterielle Infektion der Haut, inwieweit die Krankheit Maria Firnhabers dem entspricht, muss offen bleiben. Trotz dieses Leidens erreichte sie das hohe Alter von 83 Jahren und starb am 28. Januar 1690. Ihr Vermögen wurde nach ihrem Tod auf 5.725 Gulden beziffert, neben dem mit 600 Gulden veranschlagten Haus am Markt gehörten hierzu unter anderem Herrengülten auf Höfen in Mattheshörlebach, Kupfer, Wittighausen und auf dem Bürkhof sowie Zehntrechte in "Zimmern uf der Staigen" (Bühlerzimmern?), Gailenkirchen und Rückershausen,  von denen allein erstere mit 2.000 Gulden veranschlagt waren. Das Haus am Markt erhielt der einzige überlebende Sohn Johann Friedrich Firnhaber.

Johann Friedrich Firnhaber (1645-1707)

Johann Friedrich Firnhaber wurde am 12. November 1645 als Sohn des Ratsherrn Johann Sebastian Firnhaber und der Marie geb. Wagner geboren. Nach dem Besuch der Deutschen Schule wechselte er auf das Gymnasium, "darinnen er seinen Fleiß dergestalt bewiesen, da er etlich Mal mit praemiis diligentiae verehrt worden". Hierbei hat er die "disciplinas philiosophicas" und die Rhetorik "traktiert" und mehrfach Proben seines Könnens in "gehalten[en] orationibus" abgelegt. 1665 nahm Firnhaber ein Jurastudium an der Universität Straßburg auf. Nach dessen Abschluss hielt er sich in Heilbronn bei dem "vortrefflichen Juristen" Baron von Rühlein auf und begleitete diesen bei Reichs- und Kreistagen in Regensburg und Ulm. Nach seiner Rückkehr nach Schwäbisch Hall erhielt er 1670 eine Stelle im für Gantverfahren (Konkurse) zuständigen Umschlagsamt, wechselte 1671 auf die Stelle eines Ratssekretärs und wurde 1677 Mitglied des Inneren  Rats. Weitere Positionen waren die eines Amtmanns in Ilshofen (1677), Amtmann in der Schlicht (1681), Deputierter des Umschlagsamts (1681), Hauptmann über die Zeugmacher (1682), Leineweber auf dem Land (1685) und über die Bäcker (1688), Hospitalpfleger, Teilungsherr sowie Beisitzer des Obervormundsgerichts (alle 1696). Am 19. November 1670 heiratete Firnhaber die drei Jahre jüngere Magdalena Elisabetha Schragmüller geb. Albert (*2. Juli 1649), Witwe des Renovators Johann Pleikhard Schragmüller und Tochter des Ratsherren Friedrich Heinrich Albert. Ihr erster Mann war nach nur etwas über eineinhalb Ehejahren zusammen mit ihrem neun Monate alten ersten Sohn an der Ruhr gestorben, während sie mit dem zweiten Kind schwanger war. Das Paar hatte in 30 Ehejahren sechs Kinder, von denen aber nur die beiden ältesten Susanna Maria (*1671) und Georg Friedrich (*1672) das Erwachsenenalter erreichten, die anderen - drei Jungen und ein Mädchen - starben als Säuglinge oder Kleinkinder. Magdalena Elisabetha Firnhaber starb am 29. Dezember 1701, Johann Friedrich selbst begann im April 1707 an Koliken zu leiden und fiel am 28. April 1707 im Alter von 61 Jahren einem Schlaganfall zum Opfer. Firnhaber scheint zumindest in seinen letzten Lebensjahren unter finanziellen Problemen  gelitten zu haben. Zwar summierte sich sein Vermögen an Geld- und Sachwerten auf 10.040 Gulden, dem standen aber Verbindlichkeiten von 8.548 Gulden gegenüber. Wie aus der Inventur des Nachlasses hervorgeht, wurden bei etlichen dieser Geldschulden ab 1707 keine Zinsen mehr bezahlt. So blieben von dem großen Vermögen für die beiden Kinder nur noch 1.492 Gulden übrig. 


Philipp Franz Erich (1664-1725)

Philipp Franz Erich wurde am 28. Januar 1664 als Sohn des Hohenlohe-Waldenburgischen Rats und Kanzleidirektors Christoph Erich und der Anna Rosina geb. Sartorius in Waldenburg geboren. Als Taufpaten fungierten ein Graf von Hohenlohe und ein Graf von Limpurg. Seine Familie zog nach Heidelberg, weil seinem Vater die nächste vakante Rechtsprofessur an der dortigen Universität versprochen worden war. Philipp Franz Erich besuchte das dortige Gymnasium, doch seine Pläne, zu studieren, zerschlugen sich durch den plötzlichen Verlust seines Vaters. Dieser war offenbar mit einem Begleiter wegen eines Prozesses nach Speyer unterwegs gewesen, sein Pferd kam ohne Reiter zurück, und der zweite Mann blieb komplett verschwunden. Die Witwe und ihre Kinder flohen vor (vermutlich im Zuge des "Holländischen Kriegs" 1672-1679) vorrückenden französischen Truppen zurück nach Waldenburg. Durch Vermittlung eines Vetters, des fürstlichen Leibarzts Rehm in Ansbach, konnte Philipp Franz Erich 1676 eine Lehre in der Hofapotheke in Ansbach beginnen. Nach 5jähriger Lehrzeit ging er zu seinem Stiefbruder Dr. Lentilius in Crailsheim, von dort nach Nürnberg, Augsburg und Heidelberg, "allwo er in der churfürstl. Hoff-Apotheck eine gute Condition hatte." 1685 reiste er durch Hessen nach Osnabrück, blieb dort ein Jahr und begab sich über Hannover, Hamburg und Lübeck nach Wismar. Auf der Überfahrt nach Riga, damals Hauptstadt der schwedischen Provinz Livland, überlebte er knapp einen schweren Sturm. Dort trat er in die Dienste der Gattin des schwedischen Gouverneurs, ging nach Stockholm, brachte in der dortigen Hofapotheke ein Jahr zu und überstand eine schwere Erkrankung. Weitere Stationen waren Danzig und Königsberg, wo er sich in Anatomie und Medizin weiterbildete. 1690 kam er nach einem erneuten schweren Sturm nach Kopenhagen, von dort nach Stralsund und Stettin, wo ihn eine Fiebererkrankung dem Tode nahe brachte. Nachdem er sich erholt hatte, waren Berlin und - ab 1691 - Dresden seine nächsten Aufenthaltsorte, und nach einem Besuch bei seiner Familie zog es ihn weiter nach Frankfurt und Nürnberg. Seine Hoffnungen, durch Vermittlung des Leibarzts Dr. Zeller die Hofapotheke des Herzogs Friedrich Carl von Württemberg zu übernehmen, zerschlugen sich, weshalb er seine Reisen fortsetzte und nach Wien, Mähren und Böhmen ging. Bei einem Aufenthalt in Stuttgart erfuhr er, dass die Weidner'sche Apotheke in Schwäbisch Hall zum Verkauf stehe und erwarb diese am 22. Oktober 1699. 1705 zeugte er mit Anna Maria Hezel die uneheliche Tochter Anna Martha, die jedoch kurz nach der Geburt starb. Am 2. September 1710 heiratete er im Alter von 46 Jahren die 29 Jahre alte Maria Magdalena Stier (*9. November 1680), eine Tochter des Ratsherrn Nikolaus Stier. Das einzige Kind aus dieser Verbindung, die 1714 geborene Tochter Maria Rosine, starb 1721 im Alter von sieben Jahren, was den Vater "sehr schmerzlich betrübet." Der Nachruf im Kirchenbuch rühmt seine große Erfahrung, seine großen Kenntnisse insbesondere der Botanik und seinen "civilen Umgang", mit dem er jedermann angenehm gewesen sei. In den letzen Jahren seines leben litt er unter Gicht und hat durch diese "gantz ungemeine Schmertzen außgestanden". Etwa 1723 erlitt er einen Schlaganfall, erholte sich aber soweit wieder, dass er weiter seiner Arbeit nachgehen konnte. Am 24. Mai 1725 erlitt er, als er von der Apotheke "von s. getreuen Fr. Eheliebsten heimgeführet wurde", erneut einen Schlaganfall und starb am folgenden Tag im Alter von 61 Jahren. Seine Witwe heiratete 1726 Johann Michael Heffelmeyer, den Provisor (1. Gehilfen) ihres Mannes und starb am 14. August 1746. 

Johann Michael Heffelmeyer (1695-1742)

Johann Michael Heffelmeyer wurde am 11. November 1695 in der zum Herzogtum Württemberg gehörenden Stadt Calw geboren. Sein Vater war der Rat und fürstlich württembergische Eisenfaktor Ferdinand Heffelmeyer, seine Mutter hieß Maria Marbaretha geb. Nestler. Er besuchte erst die Deutsche Schule, dann eine Lateinschule und hätte ursprünglich nach dem Willen Theologie studieren sollen. Aufgrund der Zerstörungen durch die französischen Einfälle nach Württemberg fehlten diesem jedoch die finanziellen Mittel. Stattdessen bot sich die Möglichkeit, bei dem Apotheker Reinöhl in Stuttgart "die Apothecker-Kunst zu erlernen". Nach fünfjähriger Lehrzeit bildete er sich in "berühmten Officinen" in Nürnberg, Wertheim, Regensburg, Würzburg und Straßburg weiter und wurde 1725 von Philipp Franz Erich als Provisor (1. Gehilfe) nach Schwäbisch Hall geholt. Erich starb 1725, Heffelmeyer heiratete am 21. Mai 1726 im Alter von 30 Jahren die 15 Jahre ältere Witwe Maria Magdalena Erich geb.  Stier und übernahm die Apotheke. Kinder gab es aus dieser Verbindung nicht. Der große Stadtbrand vom 31. August 1728 traf auch ihn. Zwar blieb das Wohnhaus verschont, doch die Apotheke auf dem Markt verbrannte, "Da er nun seine Officin gantz neu eingericht, hat er sie doch 1728 im großen Brand eingeäschert seen müßen", berichtet der Nekrolog. 1730 begab er sich nach Altdorf, um dort Medizin zu studieren, die offensichtlich wieder aufgebaute "Officin" auf dem Marktplatz - übrigens in diesem Zusammenhang erstmals als Mohrenapotheke bezeichnet - verkaufte er am 7. November 1731 an seinen bisherigen Provisor Johann Christoph Scheinhardt. Das Vermögen seiner Frau dürfte ihm dies ermöglicht haben. Sein Nekrolog nennt neben der Medizin die Studienfächer Physiologie, Pathologie und Botanik. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums kehrte er nach Schwäbisch Hall zurück und begann, als Arzt zu praktizieren. Hierbei "diente er mit seiner Praxi vielen mit gutem Success u. erwarb sich guten Credit". Die Apotheke verkaufte er 1732 an den Apotheker Johann Christoph Scheinhardt, während er das Wohnhaus behielt. Anfang Februar 1742 erkrankte er offenbar an einer Art Wechselfieber (Malaria) und starb  am 24. Februar dieses Jahres im Alter von nur 46 Jahren. Seine Witwe überlebte ihn um vier Jahre.

Maria Magdalena Heffelmeyer verw. Erich geb. Stier (1680-1746)

Maria Magdalena Stier wurde am 9. November 1680 als Tochter des Bauherren und Obervormundschaftsrats Nicolaus Stier in Schwäbisch Hall geboren. Im Alter von 29 Jahren heiratete sie am 2. September 1710 den mit 46 Jahren wesentlich älteren Apotheker Philipp Franz Erich. Ihr einzige Kind, die 1714 geborene Tochter Maria Rosine, starb 1721 im Alter von sieben Jahren. Nach dem Tod ihres Ehemannes am 24. Mai 1725 heiratete sie ein Jahr später am 21. Mai 1726 den 15 Jahre jüngeren Gehilfen ihres Mannes, den aus Calw stammenden Apotheker Johann Michael Heffelmeyer. Dieser übernahm damit die Apotheke auf dem Marktplatz, die jedoch durch den Stadtbrand von 1728 zerstört wurde. Es war wohl ihr erhebliches Vermögen, das es ihrem Ehemann ermöglichte, ab 1730 Medizin zu studieren. Die Apotheke ihres ersten Mannes verkaufte das Ehepaar 1731. Durch dem Tod ihres Ehemannes wurde sie am 24. Februar 1742 zum zweiten Mal Witwe. Sie selbst starb am 14. August 1746 im Alter von 65 Jahren an einer nicht genauer beschriebenen Krankheit. Die nach ihrem Tod erstellte Inventur weist sie als wohlhabende Frau aus. Neben dem Haus am Markt besaß sie einige Grundstücke, verfügte über Zehntrechte in Rückertshausen und Gailenkirchen und hatte zahlreiche, teils erhebliche Geldbeträge an die städtische Steuerstube, Haller Bürger sowie Untertanen auf dem Land verliehen. Ihr auf 5.653 Gulden und 14 Schilling geschätztes Vermögen fiel an ihren Bruder Johann Stier, der jedoch eine ganze Reihe von Stiftungen und Schenkungen zu machen hatte. So sollte aus den Zinsen von 200 Gulden vier armen Kindern der Schulbesuch ermöglicht und Hausarmen Brot gegeben werden, weitere 300 Gulden dienten v.a. dem Kauf einer Reichalmosenschüssel, 100 Gulden sollten den Schülern im Contubernium "zu einem Braten in denen Sonn- oder Feyertagen" verhelfen.Weitere Legate gingen an Angehörige ihres zweiten Mannes und die Kinder ihres Bruders, ihre Magd und an "des Sailer Seckels Eheweib", der sie die ihr geliehenen 50 Gulden schenkte. Das Haus am Markt erbte offenbar die Nichte Maria Euphrosina Hartmann  geb. Stier und deren Ehemann Johann Friedrich Hartmann.

Johann Friedrich Hartmann (1716-1762)

Johann Friedrich Hartmann wurde am 20. Februar 1716 in Vellberg als Sohn des Forstmeisters Andreas Hieronymus Hartmann und der Maria Margaretha geb. Seiferheld geboren. Nach dem Besuch der Deutschen Schule ging er in das Gymnasium, wo er fünf Auszeichnungen für Fleiß erhielt. Er studierte kurz in Jena, wechselte dann auf "elterl. Befehl" nach Altdorf. Nach zwei Jahren setzte er sein juristisches Studium in Tübingen fort. 1737 kehrte er nach Schwäbisch Hall zurück und begann mit dem Amt eines Stadtadvokaten und ab 1738 eines Renovators (der für die Führung der Gült- und Lagerbücher, Land- und Güterkarten verantwortlich war) eine Karriere in der reichsstädtischen Verwaltung. Am 21. Oktober 1738 heiratete er im Alter von 22 Jahren Euphrosina Magdalena Stier (*19. Juni 1718), eine 20 Jahre alte Tochter des Ratsherrn Johann Stier. Das Paar hatte acht Kinder, von denen nur vier Söhne das Erwachsenenalter erreichten, während die vier Töchter als Kinder oder Säuglinge starben. "Nach erzeigter rühml. Begeisterung in den anvertrauten Geschäften" erhielt Hartmann 1746 das Amt des Stadtschultheißen und rückte 1749 in den Inneren Rat auf. Weitere Ämter wie das eines Nikolaipflegers (1749), des Hauptmanns der Schneider auf dem Land (1750), das Ratskommissariat (1751), eines Beisitzers im Obervormundgericht (1753) und schließlich eines Oberlandumgelters folgten. Diese Aufgaben erfüllte er dem Lebenslauf im Kirchenbuch zufolge "mit vielem Lob", kam dann aber - wiederum laut Nekrolog - "durch eigenes Verschulden in einen solchen Abfall der Leibs- und Gemüths-Kräften,daß er denen aufhabenden Geschäften nicht mehr gehörig vorstehen kunnte." Nachdem er schon einige Zeit unter gesundheitlichen Problemen gelitten hatte, begann er nach der scheinbar wohlbehaltenen Rückkehr von einer "über Land vorgenommenen Amts-Verrichtung"  am 6. Oktober 1762 unter hohen Fieber zu leiden, fiel in ein Delirium und starb am 7. Oktober im Alter von 46 Jahren. Seine Frau heiratete nicht wieder und lebte bis zu ihrem Tod 1785 als Witwe.

Euphrosina Magdalena Hartmann geb. Stier (1718-1785)

Euphrosina Magdalena Hartmann wurde am 19. Januar 1718 als Tochter des Ratsherren Johann Stier und der Maria Elisabetha Textor geboren. Sie "legte den Grund des Christenthums in denen Schulen, fasste die Regeln einer guten Haushaltungs-Kunst" und heiratete am 21. Oktober 1738 als 20jährige den zwei Jahre älteren Stadtadvokaten Johann Friedrich Hartmann. Von den acht Kindern aus dieser Ehe lebten bei ihrem Tod noch drei Söhne, der Pfarrer Johann Bernhard Lorenz (*1740), der Spitalmeister Johann David (*1742) und der Dragoner-Wachtmeister Friedrich Andreas David (*1752). 1762 verlor sie ihren Ehemann, 1777 erblindete sie und lebte "zu Haus als eine einsame Witttib", bis sie an Neujahr 1785 kurz vor ihrem 67. Geburtstag an einem Schlaganfall starb.Euphrosina Magdalena Hartmann war,wie die Inventur ihres Nachlasses zeigt, eine sehr vermögende Frau, denen gesamter Besitz auf 18.167 Gulden geschätzt wurde. Hierzu gehörten unter anderem das Haus am Markt, Zehnt- und Gültrechte, ein umfangreicher Bestand an verliehenen Kapitalien, Bargeld und einiges an Schmuck. Das Haus übernahm ihr mittlerer Sohn Johann David Hartmann. 

Johann David Hartmann (1742-1794)

Johann David Hartmann wurde am 25. Mai 1742 als Sohn des Ratsherrn und Oberlandumgelters Johann Friedrich Hartmann und der Euphrosina Magdalena geb. Stier geboren."Nach zurückgelegten Schuljahren" erlernte er den Schreiberberuf bei dem württembergischen Oberamtmann Heller in Murrhardt, ging mit diesem als "Substitut" (Gehilfe) nach Lustenau und Tuttlingen und kehrte 1773 als Helfer seines Vaters nach Schwäbisch Hall zurück. 1784 erhielt er das Amt eines Spitalmeisters und heiratete als 42jähriger im selben Jahr, am 11. Mai 1784, die 27 Jahre alte Maria Elisabetha Majer (*28. Oktober 1756), eine Tochter des Schreibers Johann David Majer. Das Ehepaar hatte sechs Kinder, von denen zwei als Kinder starben. Johann David Hartmann wird in seinem Nekrolog gerühmt, "der Charakter des Seeligen war rechtschaffen, gutgesinnt als Freund, redlich im Amt, erprobt als Christ." Er starb am 14. April 1794 im Alter von 51 Jahren an der Wassersucht. Seine Witwe Maria Elisabetha heiratete 1797 den Pfarrer Wolfgang David Böltz. Ihr Todesdatum ist noch nicht bekannt. 

Wolfgang David Bölz (1775-1831)

Wolfgang David Bölz wurde am 3. Januar 1775 als Sohn des Stadtleutnants Friedrich Immanuel Bölz und der Catharina Magdalena Ludwig in Schwäbisch Hall geboren. Ab 1782 besuchte er das Gymnasium, ab 1792 studierte er in Altdorf. Nach der Examinierung am 4. Dezember 1794 erhielt er die Stelle eines Präzeptors der V. Klasse am Gymnasium. Am 24. April 1797 heiratete er in Sulzdorf im Alter von 22 Jahren die 40 Jahre alte Witwe Maria Elisabetha Hartmann geb. Stier. Zusätzlich zu den fünf Kindern aus der ersten Ehe der Frau mit Johann David Hartmann bekam das Paar zwei weitere Kinder, von denen eines früh starb. Nach einem kurzzeitigen Zwischenspiel als Vikar für Rieden und Sulzdorf erhielt er 1800 die IV. Klasse des Gymnasiums, wurde 1816 Pfarrer in Orlach und 1823 Pfarrer in Reinsberg, wo er am 6. Juli 1831 starb. 

Bilder

Bild aus dem März 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern

Bild aus dem März 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)

Nach dem Stadtbrand von 1728, das Haus liegt rechts und ist an seinem Türmchen erkennbar. Ausschnitt aus dem Kupferstich von A. Nunzer nach J. P. Meyer (StadtA SHA FS 36334) Ansicht vergößern

Nach dem Stadtbrand von 1728, das Haus liegt rechts und ist an seinem Türmchen erkennbar. Ausschnitt aus dem Kupferstich von A. Nunzer nach J. P. Meyer (StadtA SHA FS 36334)

Nachzeichnung eines Gemäldes von J. M. Roscher nach 1735 (StadtA SHA 16/0156) Ansicht vergößern

Nachzeichnung eines Gemäldes von J. M. Roscher nach 1735 (StadtA SHA 16/0156)

Plan zur Änderung der Fassade 1880, Seite zum Marktplatz hin (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13) Ansicht vergößern

Plan zur Änderung der Fassade 1880, Seite zum Marktplatz hin (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13)

Plan zur Änderung der Fassade 1880, Seite zum Schuppach hin (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13) Ansicht vergößern

Plan zur Änderung der Fassade 1880, Seite zum Schuppach hin (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13)

Grundriss des Erdgeschosses zu den Umbauten 1880. Gut zu sehen ist der große Kessel der Seidensiederei (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13) Ansicht vergößern

Grundriss des Erdgeschosses zu den Umbauten 1880. Gut zu sehen ist der große Kessel der Seidensiederei (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13)

Bild um 1900 (StadtA SHA FS 06465) Ansicht vergößern

Bild um 1900 (StadtA SHA FS 06465)

Einbau eines Schlafzimmers im Erdgeschoss, Grundriss und Schnitt von 1904 (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13) Ansicht vergößern

Einbau eines Schlafzimmers im Erdgeschoss, Grundriss und Schnitt von 1904 (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13)

Einbau eines Schlafzimmers im Erdgeschoss, Ansicht der Fassade von 1904 (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13) Ansicht vergößern

Einbau eines Schlafzimmers im Erdgeschoss, Ansicht der Fassade von 1904 (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13)

Skizze zur Verlegung der Küche, 1910 (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13) Ansicht vergößern

Skizze zur Verlegung der Küche, 1910 (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13)

In den 1930er Jahren (StadtA SHA AL/0040) Ansicht vergößern

In den 1930er Jahren (StadtA SHA AL/0040)

Seitenansicht des Hauses im Zusammenhang mit dem Aufbau eines Dachladens, 1933 (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13) Ansicht vergößern

Seitenansicht des Hauses im Zusammenhang mit dem Aufbau eines Dachladens, 1933 (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13)

Entwurf für ein Werbeschild des Geschäfts von Ernst Liebhardt, 1949 (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13) Ansicht vergößern

Entwurf für ein Werbeschild des Geschäfts von Ernst Liebhardt, 1949 (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13)

Bild von 1961, aus dem Durchgang unter dem Classgebäude (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13) Ansicht vergößern

Bild von 1961, aus dem Durchgang unter dem Classgebäude (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13)

Bild von 1961 (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13) Ansicht vergößern

Bild von 1961 (Baurechtsamt SHA, Bauakten Am Markt 13)

Im Dezember 1968, kurz vor dem Abbruch. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 00055b) Ansicht vergößern

Im Dezember 1968, kurz vor dem Abbruch. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 00055b)

Nach Beginn der Abbrucharbeiten, 1970. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 00055a) Ansicht vergößern

Nach Beginn der Abbrucharbeiten, 1970. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 00055a)

Nach Abschluss der Abbrucharbeiten, 1970. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 00053) Ansicht vergößern

Nach Abschluss der Abbrucharbeiten, 1970. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 00053)

Rohbau des neuen Hauses, 1970/71. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 00056) Ansicht vergößern

Rohbau des neuen Hauses, 1970/71. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 00056)


Quellen

Archivalien:

  • Stadtarchiv SHA 2/69 (Totenbuch St. Michael), S. 409; 2/71b (Totenbuch St. Michael), S. 625; 2/73a (Totenbuch St. Michael), S. 312; 2/74b (Totenbuch St. Michael), S. 416; 2/75a (Totenbuch St. Michael), S. 96, 169, 2/78a (Totenbuch St. Michael), S. 4, 294; 4/669 (Kaufbuch 1698-1799), Bl. 146R; 4/881 (Unterpfandsbuch 1717/18), S. 20; 4/1978 (Beetliste 1707), Bl. 3; 4/1984 (Beetliste 1710), Bl. 3; 13/221 (Verkauf Apotheke an H. C. Scheinhardt, 1731/32); 14/629 (Inventur des J. G. Fuchs, 1635); 14/1419 (Inventur M. Firnhaber, 1690); 14/1728 (Inventur J. F. Firnhaber, 1707); 14/2523 (Inventur M. M. Heffelmeyer geb. Stier, 1746); 14/3863 (Inventur E. M.Hartmann, 1785); 18/4230 (Beibringensinventar des C. Blankenhorn und der L. Di Centa, 1876); 18/9229 (Eventualteilung der L. Blankenhorn geb. Di Centa, 1899) 19/827 (Güterbuch 2), S. 289; 19/842 (Güterbuch 17), S. 417; 19/1004 (Kaufbuch 1819), Nr. 55; 19/1028 (Kaufbuch 1857-1859), Bl. 110V; 19/1041 (Kaufbuch 1876), S. 167; Q2/5 (Feuerversicherungsbuch VI), Bl. 112; S27 (Genealog. Kartei)
  • Baurechtsamt SHA, Bauakten (auch Bauakten Am Markt 12)

Literatur:

  • Adressbücher 1886-1956
  • Otto Haug (Bearb.): Pfarrerbuch Württembergisch Franken, Bd. 2: Die Kirchen- und Schuldiener (Baden-Württembergisches Pfarrerbuch; Bd. 2/2), Stuttgart 1981, S. 43f / Nr. 257 (Bölz, Wolfgang David)

Pläne und Ansichten vor 1827:

  • StadtA SHA 16/0157 (nach 1735, Ausschnitt); StadtA SHA FS 36334 (Stadtbrandbild 1728, Ausschnitt)