Gebäudeverzeichnis
Am Markt 2 - sog. "Münzmeisterturm" oder Clausnizerhaus
Primärkatasternummer: 46
Besitzer 1827
Maier, Bernhard, Adlerwirt
Besitzerliste
1717 gehörte des Haus Dr. Johann Lorenz [vom Jemgumer] Closter, Mitglied des Inneren Rates, der später Stättmeister wurde. Nach seinem Tod wurde das Haus geteilt: Eine Hälfte gehörte Senator Johann Friedrich Textor, die andere Hälfte der
Witwe des Stadtschreibers Closter, auf die die Witwe des Amtsvogts Wibel folte
1782: Das Haus war geteilt. Die eine Hälfte gehörte 1782 Stättmeister Frank (auf Lebenszeit) und ging dann an Hospitalverwalter Johann Peter Churr.
Die zwiete Hälfte besaß 1782 Joseph Franz Wibels, Amtsvogt zu Vellberg, Witwe.
Dann (1798 und 1801) wurde das Haus wieder vereinigt und gehörte Stättmeisteramtsverweser Majer.
1806 kaufte Johann Peter Sandel, Apotheker, sen., das Haus: Kaufvertrag v. 5. März 1806 (StadtA Schwäb. Hall 19/999, fol. 502V-503R) für 6.000 fl. Majer behielt lebenslängliches Wohnrecht in der von ihm bewohnten Etage. Sandel wollte umbauen und erhielt dafür von Majer die betroffenen Keller und Böden getauscht, insbesondere wurde die ganze Front an der Oberen Herrngasse im unteren Hausöhrn geräumt. Sollte Sandel das Haus weiterverkaufen, räumte er Stättmeister Majer in dem ihm ebenfalls gehörenden Döllinschen Haus eine Wohnung ein.
9. April 1806: Genehmigung eines Neubaus für Apotheker Sandel (kann Markt 2 oder Markt 3 betreffen) (StadtA Schwäb. Hall 19/999, fol. 662V-663V)
1829 verkauften die sechs Kinder des verstorbenen alten Apothekers Johann Peter Sandel die Hälfte des Hauses an ihre Schwägerin Susanna Margaretha Sandel, Witwe des Johann Peter Sandel, Apotheker, jun.. um 3200 fl. Die Miterbin Adlerwirtin Lisette Mayer erhielt in der Erbteilung die Hälfte des Hinterhauses (PKN 51), das hinter der Apotheke in der Oberen Herrngasse lag. (StadtA Schwäb. Hall 19/1011, fol. 185V186R)
1827: Besitzer war Bernhard Maier, Adlerwirt (wahrscheinlich als Vertreter der Sandelschen Erbengemeinschaft).
Zu den Erben des Johann Peter Sandel, sen., gehörte Rechtskonsulent Bausch: Er war mit Emilie, geb. Mayer, verheiratet: StadtA Schwäb. Hall 18/3530. 1846 gehörte Carl Ludwig Bausch, Rechtskonsulent, das Haus.
1870 erwarb es Karl Clausnizer, Kaufmann, von Bauschs.
1888 gehörte es Friedrich Clausnizer, Kaufmann, und wurde auf diesen 1904 ins Grundbuch umgeschrieben.
1949: Verkauf des Hauses durch die Witwe Clausnizer an Dr. Kosa (GRP 1949, S. 227)
Aus den Adressbüchern:
1886: Fritz Clausnizer, Kaufmann; David Holch, Postmeister; Hermann Löhrl, Dr. med.
1890: Fritz Clausnizer, Kaufmann (Hauseigentümer); David Holch, Postmeister; Max Hüther, Filzfabrikant; Emma Jäger, Oberf. Witwe
1901: Fritz Clausnizer, Kaufmann (Hauseigentümer) und Inhaber der Firma C. Clausnizer, Strohhutmanufaktur; Rösle Holch, Postmeisterswitwe; Marie Clausnizer; Wilhelm Schmidt, Buchhalter
1906: Fritz Clausnizer, Kaufmann (Hauseigentümer); Marie Clausnizer, Privatiere; Adolf Kett, Bauwerkmeister
1910: Fritz Clausnizer, Kaufmann (Hauseigentümer); Helene Freifrau von Hügel, Witwe; Franz Eble, Regierungsbaumeister
1920: Mathilde Clausnizer, Privatiere, Witwe (Hauseigentümerin); Anna von Hügel, Privatierin; Dr. Adolf Herrmann, Oberamtsarzt
1932: Mathilde Clausnizer, Witwe (Hauseigentümerin); Adolf Clausnizer, Kaufmann; Emil Kratzmüller, Kaufmann; Lduwig Engelhardt, Obersteuerinspektor; Anna von Hügel, Rentnerin; Rudolf von Hügel, Oberstleutnant a. D.
1935: Im Erdgeschoss wird ein Heim für die "Schar 1" der Schwäbisch Haller "Hitlerjugend" in einer ehemaligen Werkstatt eingerichtet und am 15. September 1935 eingeweiht.
1938: Wilhelm Bernhard, Ingenieur; Adolf Clausnizer, Kaufmann; Anna Hägele, Rentnerin; Anna von Hügel; Rudolf Freiherr von Hügel, Oberstleutnant a.D.; Margarethe Sand, Friseuse; Ernst Stoll, Ingenieur
1956: Frida Bauer, Hausgehilfin; Dr. J. M. Esser, Rechtsanwalt; Herta Gerhards, Hausfrau; Anton Grosch, Installateur; Cäcilie Grosch, Hausfrau; Franz Grosch, Eisenbahnarbeiter; Ilse Katharina Grotheguth, Puppenspielerin; Amalie Koppenhöfer, Hausfrau; Hermann Koppenhöfer, Kraftfahrer; Magda Kosa, Hausfrau; Dr. Martin Kosa, Arzt; Hildegard Krause, Sprechstundenhilfe; Maria Neumann, Hausfrau; Viktor Neumann, Seiler
Haustafel
Das breite „Clausnizerhaus“ besteht aus mehreren Baukörpern: einem staufischen, steinernen Wohnturm, zwei spätmittelalterlichen Fachwerkhäusern und einem alles vereinigenden, mächtigen barocken Giebel. In der Bruchsteinwand finden sich gotische Fensteröffnungen. Die Familie Clausnizer betrieb hier um 1900 eine „Strohhütefabrik“ – es war wohl eher eine Hutmanufaktur.
Befunde aus Bauforschung
Holzteile aus dem 14. und 16. bis 18. Jahrhundert. Dendrochronologisch datiert auf 1390, 1520, 1604, 1777/1778. (StadtA Schwäb. Hall BF 74)
Dendrochronolisch datiert: Dachwerk auf 1604; Bauteil Bergseite Gerüst auf 1520 +-10; Bauteil Talseite Gerüst auf 1390 +-10; Umbau Hofgiebel (Südseite) auf 1777/78. (BF Büro Lohrum/Bleyer)
Beschreibungen
1827: Wohnhaus samt Anbau mit 39,4 Ruten Auf dem Markt
Münzmeisterturm. Giebelständiges Fachwerkhaus mit Schopfwalm, ehem. mittelalterlicher Adelsturm (um 1250 Turm des Münzmeisters), Erweiterungsbauten im 16./17. Jh., Portalgewände mit Wappen-Keilstein, 18. Jh.
Eingetragen ins Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg seit 08.10.1925. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale der Stadt Schwäb. Hall, S. 63)
1846: Der Brunnen, der im Hofraum des Hauses PKN 52 liegt, das sich gegenwärtig im Eigentum des Kaufmanns Eberhard Sandel befindet, ist mit diesem gemeinschaftlich. Die Leitung zu dem im Hofraum des Hauses PKN 46 stehenden Brunnen geshcieht jedoch auf Kosten des Eigentümers desselben.
An diesem Brunnen benützt Miteigentümer Bausch zwar für jetzt nur das Abwasser, hat sich aber die Leitung des ihm als früheren Eigentümer des oberen Höflen zwischen Sandels und Blezingers Haus zugestandenen Wassers aus der abgeteilten Röhre durch dieses Höflen in seinen Waschhausbrunnen vorbehalten.
Ferner wird zur Wahrung seiner Rechte bemerkt: dass auf seinem gegenwärtigen Hofraum ein Wohnhaus stand, das mit seinem Hauptgebäude zusammenhing, die ganze Höflenswand gegen Blezingers Haus und das obere Höfle zur Hinterwand und an Sandels (vormals Hänles) Haus die noch bestehende Grundmauer als gemeinschaftliche Seitenwand bis zum Hoftor hin hatte. Dieses Hinterhaus mit Stallungen, Holzremise, Wohnung und Böden aber in Folge des im Jahr 1836 ausgebrochenen Brandes abgebrochen wurde. Dass zwar Sandel unter Wiederbenützung jener gemeinschaftlichen Grundmauer wieder auferbaute und auch von dieser Seite ein Fenster anbrachte, jedoch so wenig als Blezinger, welcher gegen das obere Höfle ein Fenster weiter einrichten ließ, ein Recht gegen das Höherbauen oder auf Luft und Licht oder Aussicht oder auch auf Trauf- und Winkelrecht erwarb, daher auch diese Besitzer gegen einen von Bausch oder seinen Nachfolgern vorhabenden Wiederaufbau unter Benutzung dieser Wandungen auf beiden Seiten eine rechtliche Einsprache nicht erworben haben.
Laut Kaufvertrag von 1837 (StadtA Schwäb. Hall 19/1019, fol. 165V-166V) ist die Last der Unterhaltung der Brunnenleitung vom oberen Höfle bis ans Waschhaus des Rechtskonsulenten Bausch zwischen diesem und Apotheker Roser gemeinschaftlich, von gedachtem Waschhaus bis zur Apotheke aber liegt sie letzterem allein ob.
Besonderheiten
Veröffentlichung:
Eugen Mayer, Das Bürgerhaus zwischen Ostalb und oberer Tauber, Tübingen 1978. S. 15 und S. 26 mit Zeichnungen.
Bemerkenswert: Im Inneren im 1. Obergeschoss ist ein Biforium wohl aus der Zeit um 1220/1230 erhalten.
Bilder
Vom Marktplatz aus, März 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Die Seite zur Oberen Herrngasse, März 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Verschiedene Fenster (u.a. gotisches Spitzbogenfenster) zur Oberen Herrngasse hin, März 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Wappenstein über dem Eingang, März 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Anbau an der Hinterseite, März 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Hinterseite, 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Blick aus dem Dachfenster des Hauses Am Markt 5 (Stadtarchiv), November 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Kapitell eines romanischen Biforiums. Foto: Albrecht Bedal (StadtA SHA FS 44478)
Dekoration an einem romanischen Biforium. Foto: Albrecht Bedal (StadtA SHA FS 44479)
Nachzeichnung eines Gemäldes von J. M. Roscher nach 1735, mit Brücke zur St. Michaelskirche (StadtA SHA 16/0156)
Auf einer Schützenscheibe von 1896 (Foto: StadtA SHA FS 01957a)
Um 1929 mit "Strohhutmanufaktur" von C. Clausnizer (Foto: StadtA SHA FS 27334)
Während der Feier zum 1. Mai 1934 (StadtA SHA AL/0040)
Das 1935 im Haus eingerichtete Hitlerjugend-Heim. Aus dem "Haller Tagblatt" v. 3.10.1935, S. 4 (Zeitungsverlag Haller Tagblatt).
Um 1936 nach teilweiser Freilegung des Fachwerks (StadtA SHA FS 00067)
Blick aus der Oberen Herrngasse um 1950 (StadtA SHA FS 00813)
Bild von 1970 (StadtA SHA FS 07474)
Quellen
Literatur:
- Haller Tagblatt v. 14.9.1935, S. 7; 3.10.1935, S. 4 (HJ-Heim)
Pläne und Ansichten vor 1827:
- StadtA SHA 16/0156 (nach 1735, Ausschnitt)
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