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Gebäudeverzeichnis

Neue Straße 25 - ehem. Gastwirtschaft "Dreikönig"

Nordostansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern
Adresse: Neue Straße 25
Primärkatasternummer: 768
Besitzer 1827
Fritzlin, Johann Gottlieb, Dreikönigswirt


Besitzerliste

Besitzerliste

 Ab dem Jahre 1651 wird in den Steuerlisten ein Michel Würth, Kantengießer (Zinngießer) geführt. 1658 verkauft er seine "Wirtschaft zur Kante" für 900 fl an seinen Sohn Hans Michel (4/659). Am 19. Mai desselben Jahres bittet Michel Würth für seinen Sohn den Rat der Stadt um die Braugerechtigkeit und dass er Gäste speisen und setzen darf. Die Bitte wird abgelehnt denn "der Sohn soll vorderst hinausziehen und etwas erfahren und sein der Bierbrauer genug hier". Am 8. November 1658 erfolgt eine erneute Anfrage für seinen Sohn "der das Bierbrauen bei Endreß Däublin erlernt, das Bierbrauen und die Schankgerechtigkeit mit Speisen sollen ihm verliehen werden, wie sie Melchior Weiß und Michel Freysinger erlaubet, gegen Erlegung eines Stücks Geld oder Geldwert, großgünstig zu bewilligen". Der Rat beschließt, dass ein Augenschein eingenommen wird, ob die Nachbarn zufrieden und ob es ohne Gefahr sein könne. Am 9. November 1658 befindet der Rat, dass die Einrichtung einer Braueri ohne Gefahr möglich ist. Im Haus gäbe es ein Gewölbe, wo der Farbkessel gestanden habe. Für 120 fl wird die Braustatt und Schankgerechtigkeit bewilligt. Der Bau soll so ausgeführt werden, wie die Bauherren vorgeschrieben. (4/265)

Hans Michel Würth wird erstmals 1664 als Gastwirt zur "Goldenen Kante " bezeichnet. (14/0956) Zwei Jahre später sitzt er wegen Schulden im Turm und Hans Peter Haspel, Hufschmied und Metzger, erwirbt am 14.11.1666 die Gastwirtschaft für 800 fl.  "Der Würth soll innerhalb acht Tagen ausziehen und die Eheleute Würth sollen aufhören den Haspel zu beleidigen". (Kfb. 4/661, 4/273, S 879)

 1674: wird Hans Peter Haspel wegen Falschmünzerei, die er zusammen mit dem Goldschmied Lorenz Haus und dem aus dem Henneberger Land gebürtigen Lorentz Albrecht betreibt,  auf ewig des Landes verwiesen und sein Sohn Hans Jacob Haspel, * 19.7.1650, Hufschmied am Grasmarkt, übernimmt die Wirtschaft (4/484).

Auf ihn folgt 1704 Josef Ernst Petschner, der die "Goldene Kante" bis 1711 führt. 1712 überneimmt für ein Jahr  Melchior Gottfried Schaiblin. 1712 erwirbt sie der Uhrmacher Johann Christoph Bielcker. 

1728: brennt die Wirtschaft ab und wird von dem Kaminfeger Georg Ludwig Kunzmann neu erbaut. Zwei daneben liegende Plätze wurden dazu genommen: Behausung des Alt Michel Eisenmenger, Salzsieder und Behausung des Johann Stephan Knoll, Schuhmacher (vorher Johann Jacob Gäßler, Färber bzw. Christian Melchior Wolmershäuser, Schneider) und des Wolf Ezechiel Wörner, Buchbinder, je zur Hälfte. Die neuerbaute Gastwirtschaft heißt ab diesem Zeitpunkt "Dreikönig". Kunzmann hatte sich mit dem Bau offenbar übernommen, denn er ging 1731 bankrott. Der "Dreikönig" wird von dem bisherigen Ilgenwirt und Mitglied des äußeren Rats, Johann Andreas Saltzner erworben. Der Wert des Gasthauses betrug damals 4.400 Gulden. 1761 geht das Anwesen auf den Sohn Johann Friedrich Saltzner, ebenfalls Mitglied des äußeren Rats, über und 20 Jahre später kauft Johann Friedrich Preu die Gastwirtschaft für 7.050 Gulden. Auf ihn folgt bereits 1782 Johann Stephan Bühler und 1787 David Wilhelm Fritzlin. Dessen Sohn Johann Gottlieb Fritzlin übernimmt 1816  den Dreikönig (4/881) und 1832 wird die Bierbrauerei neu erbaut.  1857 geht Johann Gottlieb Fritzlin bankrott und aus der Gantmasse erkauft Georg Gottlieb Ost das Anwesen (19/1028). 1873 geht der Dreikönig auf den Sohn Albert Ost über (19/1039).

Der Betrieb dürfte einer der größten in Schwäbisch Hall gewesen sein und entrichtete 1886 rund 1.000 Gulden Malzsteuer. Die Brauerei befand sich in einem 1832 neu errichteten, vierstöckigen Gebäude in der Sulengasse 1, hinter dem Gasthaus. Zum Baukomplex gehörten ein Maschinenraum mit einem 4PS-Gasmotor, ein Abfüllkeller, sowie Gär-, Lager- und Eiskeller. Der kupferne Maischbottich fasste 40 Hektoliter. Nach Osts Tod verkaufte man Wirtschaft und Brauerei 1888 an Carl Lindner aus Crailsheim. 1929 übergab er sie an seinen Sohn Carl Lindner jun. Dieser war ein streitbarer Mann und in zahlreiche Konflikte u.a. mit der Stadt Schwäbisch Hall, dem Landkreis und den Stadtwerken verwickelt, Neben dem "Dreikönig" gehörte Linder auch der Stern in "Unterlimpurg" und die "Goldene Traube" in der Marktstraße. 

Nach seinem Tod überlegten seine Erben 1972, die Brauerei aus den sanierungsbedürftigen Bauten in der Altstadt in die Stadtheide zu verlagern, was jedoch nicht verwirklicht wurde. Stattdessen stellte man die Bierherstellung 1974 ein. Die Wirtschaft selbst wurde 1997 geschlossen, das Gebäude 1999/2000 entkernt und zu einem Textilgeschäft umgebaut. Das ehemalige Brauereigebäude wird ebenfalls gewerblich genutzt. (Text zur Ausstellung "Alte Bierwerbung auf Emaille" im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen, 2005)

          

  

  

Befunde aus Bauforschung

Kelleranlage aus insgesamt 9 Gewölbekellern, im Keller 3 Mauerwerk des 13. Jahrhunderts. Zwei weitere Keller (Nrn. 4-5) aus dem 14.-15. Jh., weiterer Keller mit Teilen aus dieser Epoche (Nr. 8). Umbauten und Erweiterungen bis in das 19. Jh. In Keller 1 existiert ein Durchgang in westlich anschließende, aber verfüllte Unterkellerungen (Vgl. Datenbank Bauforschung Baden-Württemberg - s. auch hier).

Beschreibungen

nach 1728: Gasthaus Dreikönig

1827: Wohnhaus mit 36,4 Ruten, Stallung und Brauhaus 14,9 Ruten, Schweinestall 0,8 und Hof 6,3 Ruten, insgesamt 1/8 Morgen 10,4 Ruten umgerechnet in insgesamt 480 qm

Einträge in den Denkmallisten

Das dreigeschossige, zum Teil freigelegte Fachwerkhaus an der Ecke zum Grasmarkt entstand um die Mitte des 18. Jh. und stellt ein stattliches Beispiel der Haller Barockarchitektur dar; die geohrten Fensterrahmen gliedern das Haus, ebenso wie genutete Ecklisenen, im zweiten Stock konstruktives Fachwerk mit K-Motiven, eine reich profilierte Fußschwelle und Traugesims unter Mansarddach mit Dachgauben. Eine Zutat des 19. Jh. ist der gusseiserne Ausleger (datiert 1888), neugotisch, Wasseralfinger Arbeit. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale Stadt Schwäb. Hall, Stand 10/1981, S. 331)

Neue Straße 25, Sulengasse 1 (Flst.Nr. 0-3). Gasthaus „Drei König”. Dreigeschossiges, z. T. freigelegtes Fachwerkgebäude mit geohrten Fensterrahmen, genuteten Ecklisenen, reich profilierten Fußschwellen und Traufgesims unter Mansarddach, Dachgauben, gusseiserner Ausleger (1888). Samt Nebengebäude, Brauerei mit Gastzimmern im Obergeschoss. Mitte 18. Jahrhundert. § 2 ( aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)


Besonderheiten

1659

Beim Kauf der Wirtschaft 1659 übernimmt Hans Michel Würth von seinem Vater auch folgendes Inventar:

4 breite Bettstätten mit Bettzeug, 4 Tischtücher, 2 doppelte Handzwehlen und zwei einfache Handzwehlen (Handtücher), alle Wein- und Bierfässer und alles was zum Bierbrauen gehört. Das Brennzeug, zinnerne und kupferne Wein- und Bierköpf samt den Schenkhahnen.

In der mittleren Stube: 2 rote Tafeln, 4 Schrannen, 4 Stühl, 1 Tresur samt 2 Tüchern und allen darauf stehenden Gläsern, 1 Gießbehälter samt Gießfaß und Becken, 1 Höllhafenbecken.

In der oberen Stube: 1 weiße Tafel, 1 Tisch, 12 zinnerne Teller, 3 Maß Kannen, 2 Halb Maß Kannen, 1 Viertel Maß Kanne, 6 Salzfässli, 1 Kammergeschirr, 1 kupferner Schwenkkessel, 1 kupferner Bierstutzen, 6 eiserne Leuchter, 2 Butscher, 1 großer Rosch, 1 Bratpfanne, 1 Gluthpfanne, 1 Durschlag, alle Säcke, 1 hülzern Schlagammer samt deren Schopfen, 1 große und 1 kleine Pfanne, große und kleine irdene Häfen, hölzernes Küchengeschirr

Bilder

Nordostansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern

Nordostansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon)

Nordansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern

Nordansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon)

Wirtshausschild von 1888, März 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern

Wirtshausschild von 1888, März 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)

Ausschnitt aus einer Längsansicht der Neuen Straße mit den beiden Häusern Neue Straße 21 und 23 (links), dem Grasmarkt und rechts dem „Dreikönig“ (Neue Straße 25), für die Neuanlage der Straße im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Stadt nach dem Großen Stadtbrand von 1728. Es handelt sich um eine schematische Darstellung ohne genaue Wiedergabe der Häuser (StadtA SHA 5/2051 Nr. 10) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus einer Längsansicht der Neuen Straße mit den beiden Häusern Neue Straße 21 und 23 (links), dem Grasmarkt und rechts dem „Dreikönig“ (Neue Straße 25), für die Neuanlage der Straße im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Stadt nach dem Großen Stadtbrand von 1728. Es handelt sich um eine schematische Darstellung ohne genaue Wiedergabe der Häuser (StadtA SHA 5/2051 Nr. 10)

Zeichnung, wohl letztes Viertel 19. Jahrhundert  (StadtA SHA FS 05120) Ansicht vergößern

Zeichnung, wohl letztes Viertel 19. Jahrhundert (StadtA SHA FS 05120)

Straßenszene um 1900 (StadtA SHA FS 08606) Ansicht vergößern

Straßenszene um 1900 (StadtA SHA FS 08606)

Blick aus der Schwatzbühlgasse auf die Nordseite des „Dreikönig“, wohl 1920er Jahre. Auffällig sind die vielen vor dem Wirtshaus stehenden Fuhrwerke. Dies zeigt, dass in den Haller ortspolizeilichen Vorschriften zur Ordnung des Straßenverkehrs von 1929 nicht ohne Grund explizit verboten wurde, dass Fuhrleute ihr Fuhrwerk „während der Einkehr des Führers in eine Gaststätte“ unbeaufsichtigt auf der Straße stehen ließen. Fotograf unbekannt, Original in Privatbesitz (StadtA Schwäb. Hall DIG 06686) Ansicht vergößern

Blick aus der Schwatzbühlgasse auf die Nordseite des „Dreikönig“, wohl 1920er Jahre. Auffällig sind die vielen vor dem Wirtshaus stehenden Fuhrwerke. Dies zeigt, dass in den Haller ortspolizeilichen Vorschriften zur Ordnung des Straßenverkehrs von 1929 nicht ohne Grund explizit verboten wurde, dass Fuhrleute ihr Fuhrwerk „während der Einkehr des Führers in eine Gaststätte“ unbeaufsichtigt auf der Straße stehen ließen. Fotograf unbekannt, Original in Privatbesitz (StadtA Schwäb. Hall DIG 06686)

Aufnahme aus den 1920er oder 1930er Jahren (StadtA SHA FS 03530) Ansicht vergößern

Aufnahme aus den 1920er oder 1930er Jahren (StadtA SHA FS 03530)

Bierflaschenetikett der Brauerei aus den 1950er oder 1960er Jahren (StadtA SHA S01/1210) Ansicht vergößern

Bierflaschenetikett der Brauerei aus den 1950er oder 1960er Jahren (StadtA SHA S01/1210)

Vor dem Gasthaus in den 1960er Jahren (StadtA SHA FS 32370) Ansicht vergößern

Vor dem Gasthaus in den 1960er Jahren (StadtA SHA FS 32370)

Dreikönig um 1970. Foto: Eberhard Weller (StadtA SHA FS 00799b) Ansicht vergößern

Dreikönig um 1970. Foto: Eberhard Weller (StadtA SHA FS 00799b)

Bürgerstube des Dreikönig um 1970. Foto: Eberhard Weller (StadtA SHA FS 00799a) Ansicht vergößern

Bürgerstube des Dreikönig um 1970. Foto: Eberhard Weller (StadtA SHA FS 00799a)


Quellen

Archivalien:

  • StadtA SHA 35/7737; 35/8410; 35/10456, 35/10512; 35/12179; Q2/12, Bl. 537ff.

Literatur:

  • Manfred Akermann: Vom Bierbrauen in Hall, Schwäbisch Hall 1988, S. 13.

Pläne und Ansichten vor 1827: 

  • StadtA SHA 5/2051 Nr. 10 (1928, Ausschnitt)