Gebäudeverzeichnis
Am Markt 8
Primärkatasternummer: 222 [787]
Besitzer 1827
Braz, Johann Peter, Kaufmann
Besitzerliste
vor 1717: Besitzer des Hauses sind vermutlich der Pfarrer Johann Ludwig Seiferheld und seine Ehefrau Marie Blandine geb, Spänkuch.
1717: Georg Hufnagel (1649-1723) aus Ansbach, Handelsmann und Mitglied des Äußeren Rats, erwirbt das Haus durch seine am 7. September 1717 geschlossene Ehe mit Katharina Elisabetha Seiferheld (1694-1762), Tochter des Pfarrers Johann Ludwig Seiferheld .
1724: Nach dem Tod von Georg Hufnagel heiratet seine Witwe am 22. August 1724 den Ratsherren Johann Balthasar Wibel (1693-1737), der damit Miteigentümer des Hauses wird. Das Ehepaar lässt das Haus nach dem Großen Stadtbrand von 1728 wieder aufbauen und an der Nordseite ein Portal mit den Familienwappen Wibel und Seiferheld anbringen.
1762: Spätestens nach dem Tod der Katharina Elisabetha Wibel geb. Seiferheld geht das Haus an ihren Sohn aus erster Ehe, den Ratsherren Johann David Hufnagel (1721-1791).
1791: Der Ratssekretär Johann Lorenz Sophonias Hufnagel (1732-1813) erwirbt das Haus am 16. Juni 1791 für 4.000 Gulden aus der Erbteilung seines Vaters Johann David Hufnagel.
1798: Der Kaufmann und Handelsmann Johann Peter Braz (1772-1841) erwirbt das Haus am 25. Mai 1798 für 8.000 Gulden.
1827: als Besitzer genannt: Johann Peter Braz, Kaufmann
Beschreibungen
1717/18: "Auf dem Marck. Eine Behaußung angeschlagen a 1400 fl Erheyrathet. Gültfrey."
1827: Wohnhaus mit 22,3 Ruten Fläche
Ehem. Bürgertrinkstube, dann Oberamt (s. auch unter Am Markt 7); barocker Putzbau mit Sandsteingliederung, 1728. Eingetragen ins Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg seit 08.10.1925 (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale der Stadt Schwäb. Hall, S. 68)
Besonderheiten
Die barocke Stuckdecke im Obergeschoss
Das Haus wurde nach seiner Zerstörung durch den Großen Stadtbrand vom 30. August 1728 wahrscheinlich 1732 nach leicht abgeänderten Plänen des württembergischen Baumeisters Johann Ulrich Heim unter der Bauleitung von Eberhard Friedrich Heim neu errichtet. Dieses Duo zeichnete auch für den Wiederaufbau des Rathauses verantwortlich. Besitzer waren zu diesem Zeitpunkt der vermögende Ratsherr Johann Balthasar Wibel (1693-1737) und seine Ehefrau Catharina Elisabetha geb. Seiferheld (1694-1762). Das Ehepaar ließ in einem wohl als Salon genutzten, großen Raum im Obergeschoss eine aufwendige, farbig gefasste Stuckdecke anbringen; sie wurde wahrscheinlich durch den aus Deggingen stammenden Stukkateur Johann Jakob Schweizer gefertigt, der sich zwischen 1731 und etwa 1734 in Schwäbisch Hall aufhielt. Im Mittelfeld der Decke ist eine "Pastorella" (Hirtin) mit Hirtenstab und Schafen auf einer blumenbestandenen Weide zu sehen, vier muschelgekrönte Zweipässe in den Ecken enthalten Putten als Verkörperungen der Jahreszeiten Frühling (mit Blumenstrauß), Sommer (Ernteszene), Herbst (Weinlese) und Winter (am wärmenden Feuer). Die Übergänge von den Wänden in die Decke zeigen plastisch herausmodellierte Jagdszenen von "superber Qualität" (E. Jeutter); der an der Ostwand dargestellte, schießende Jäger ist möglicherweise der Hausherr. Gezeigt werden Hetzjagden mit Hunden auf Hirsche und Wildschweine, an der Südwand ist ein Putto zu sehen, der die Familienwappen des Hausherrn (links) und seiner Ehefrau (rechts) hält. Interessant ist, dass der Auftraggeber sich mit pietistischer und orthodox-lutherischer Theologie befasste, aber offenbar keinen Widerspruch zwischen diesen Neigungen und der luxuriösen und teuren Ausstattung seines Hauses sah.
Bilder
Bild aus dem März 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Das Wappen der Familie Bratz erinnert an den Kaufmann Johann Peter Bratz, der das Haus 1798 erwarb. Bild aus dem Juni 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Nordwestansicht. Bild aus dem August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Wappenportal an der Nordseite, März 2008. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Wappen des Johann Balthasar Wibel (links) und der Katharina Elisabetha Seiferheld (rechts) über dem Portal an der Nordseite, März 2008. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Kellertür. Bild aus dem August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Barocksaal, Blick in Richtung Nordosten. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Barocksaal, Blick in Richtung Nordwesten. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Barocksaal, Decke. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Barocksaal. Schäferin in der Mitte der Decke. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Barocksaal. Personifikation des Frühlings in der Nordwestecke der Decke. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Barocksaal. Personifikation des Sommers in der Südwestecke der Decke. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Barocksaal. Personifikation des Herbsts in der Südostecke der Decke. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Barocksaal. Personifikation des Winters in der Nordostecke der Decke. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Barocksaal. Jäger mit Jagdhund an der Ostseite der Decke. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Barocksaal. Jagdhunde mit Hirsch an der Nordseite der Decke. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Barocksaal. Jagdhunde mit Wildschwein an der Westseite der Decke. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Barocksaal. Putto mit den Familienwappen von Johann Balthasar Wibel (links) und Katharina Elisabetha Seiferheld (rechts) an der Südwand. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)
Ausschnitt aus einer Stadtansicht um 1850. Lithografie von Wilhelm Haaf nach Aufnahme von F. Bonhöffer (StadtA SHA D 14819)
Am Markt 7 und 8, um 1930 (StadtA SHA PK 01998)
Bild aus den 1930er Jahren (StadtA SHA AL/0040)
Bei einem Besuch des württembergischen Landesbischofs Theophil Wurm, vermutlich am 29. Juli 1934 (StadtA SHA FS 07927)
Städtisches Verkehrsamt im Untergeschoss, um 1970. Foto: Eberhard Weller (StadtA SHA FS 00797d)
Quellen
Archivalien:
- StadtA SHA 4/881 (Unterpfandsbuch Stadt), S. 26; 4/1545 (Häuserbuch 1712), S. 9; 4/1547 (Häuserbuch 1767), S. 100; 4/1547a (Häuserbuch 1782), S. 175; Genealogische Kartei S27
Literatur:
- Ewald Jeutter: Raumdekorationen aus dem zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts in Bürgerhäusern der ehemals "Freyen Reichsstadt" Hall. Ein Beitrag zu den Auftraggebern und den Dekorateuren, in: Württembergisch Franken 79 (1995), S. 243-312, hier S. 244-249
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