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Gebäudeverzeichnis

Am Spitalbach 22 - ehem. Marstall

Kocherseite, April 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA Schwäb. Hall DIG 00929) Ansicht vergößern
Adresse: Am Spitalbach 22
Primärkatasternummer: 508a
Besitzer 1827
Die Königl. Salinenverwaltung Hall


Besitzerliste

1827: Die Königliche Salinenverwaltung Hall

Haustafel

Die Reichsstadt brachte im Marstall ihre „Dienst-Pferde“ und „Dienst-Fahrzeuge“ unter. Auch er erstand nach dem Stadtbrand um 1730 völlig neu unter Einbeziehung der alten Stadtmauer auf der Kocherseite. Bei der Sanierung kamen einige der historischen Pferdeboxen zu Tage, die erhalten werden konnten. Später Teil des Landgerichts, ist das Haus heute in privaten Händen.

Beschreibungen

1827: Ehemalige Caserne 1/8 Morgen 19,8 Ruten samt Wohnung und Anbau mit 13,1 Ruten; Scheuer st dem Thurm ? 47,8 Ruten; Hof um die Kaserne und um das Kornhaus 1/8 Morgen, 40 Ruten und Weg zwischen der Caserne und dem Kocher 1/8 Morgen 17,7 Ruten, insgesamt 5/8 Morgen 42,4 Ruten Grundfläche

Ehem. Marstall und Rüstkammer, 1803 Kaserne, 1869 Gerichtshof, Umbau 1901. Eingetragen in das Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg seit 08.10.1925. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale Stadt Schwäb. Hall, Stand 10/1982, S. 96)

Am Spitalbach 22, Salinenstraße 2. Ehem. Marstall und Rüstkammer mit Diebsturm (§ 28), Turm der Stadtbefestigung (um 1300), ab 1803 Kaserne, ab 1869 Kreisgerichtshof. 1901 Umbau.(siehe auch unter Sachgesamtheit Stadtbefestigung "Am Markt 14, ..."). § 28. (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Diebsturm

Der heute 18 m hohe Diebsturm entstand wahrscheinlich mit der Ummauerung des zuvor nicht durch Befestigungen geschützten „Hospitalviertels“ nach 1250. Er ist mit dem Dorfmühlenturm der einzige Rundturm der Altstadtbefestigung und besitzt noch zu einem großen Teil die originale romanische Bausubstanz. Die Mauern sind 1,80 m dick. Das Untergeschoss birgt ein 5,50 m hohes und 2,05 m breites, fensterloses Verlies, das nur durch ein sogenanntes „Angstloch“ im abschließenden Gewölbe zugänglich ist. Es folgen zwei Geschosse mit einer dazwischen eingezogenen Holzdecke; der Zugang erfolgte vom Wehrgang der Stadtmauer aus. Das auskragende dritte Obergeschoss ist gotisch; es zeigt vier Schlüsselscharten mit Nischen und eingemauerten Auflagehölzern für die „Hakenbüchsen“ (großkalibrige Büchsen). Aufgrund seiner massiven Steinbauweise überstand der Turm den großen Stadtbrand von 1728.

Seinen Namen erhielt er, weil dort gelegentlich Diebe eingesperrt wurden. Es handelte sich hierbei normalerweise nicht um Haftstrafen, sondern um eine Art „Untersuchungshaft“ bis zum Abschluß des Verfahrens. In der frühneuzeitlichen Strafjustiz wurden in der Regel keine oder nur kurze Haftstrafen verhängt. Häufig waren hingegen Ehren- (z.B. Prangerstehen) und Körperstrafen (Prügel, Verstümmelungen bis zur Hinrichtung) sowie Landesverweise. (nach: Krüger: Stadtbefestigungen).


Ehem. Landgericht (Spitalbachstr. 22)

Bis zum großen Stadtbrand von 1728 standen einer alten Stadtansicht zufolge am Standort dieses Gebäudes wahrscheinlich Scheunen des Hospitals zum Heiligen Geist. Nach dem Brand wurde 1730/31 ein sogenannter „Marstall“ errichtet. In das Bauwerk integrierte man die rund 1,5 m dicke Stadtmauer, die - zusammen mit dem Diebsturm nach 1250 errichtet - militärisch keine Rolle mehr spielte.

Im hallenartigen Erdgeschoss des Baus mit seiner Säulenreihe waren die Pferde und Kutschen der reichsstädtischen Verwaltung untergebracht. In das Obergeschoss baute man 1738 eine „Rüstkammer“ ein, in der sich eine große Anzahl altertümlicher  Harnische sowie Hieb- und Stichwaffen befanden. Möglicherweise handelte es sich hier um eine Art Museum. Sonstige Räumlichkeiten wurden als Lager für militärische Ausrüstungen und anderes verwendet.

Nach der Okkupation der Reichsstadt Schwäbisch Hall durch Württemberg wurde der Marstall 1803 zu einer Kaserne umgebaut, als Schwäbisch Hall vorübergehend Garnisonsstadt war; auch die Salinenkasse zog ein. Um 1825/30 erfolgte die Einrichtung eines Kindergartens, wahrscheinlich einer der ersten der Region. Ab Mitte der 1830er Jahre übernahm die Landesjustiz die Baulichkeiten; den Dachraum funktionierte man zu einem Gefangenensaal um, der jedoch nur bis zur Fertigstellung des Gefängnisneubaus in dauerhafter Nutzung war. Am 23. Oktober 1857 fand im Hof des Marstalls die letzte Hinrichtung in Schwäbisch Hall statt: Christian Ziegler aus Heilbronn wurde wegen Raubmords mit dem Fallbeil exekutiert. 1869 wurde das Gebäude Sitz des Kreisgerichtshofs, seit 1874 des Landgerichtshofs. Wie St. Michael wurde der Marstall bereits 1925 unter Denkmalschutz gestellt.
   
Nach der Auflösung des Gerichts 1932 übernahm die Gefängnisverwaltung die Baulichkeiten. Ein 1986 abgeschlossener Tauschvertrag sah vor, dass die Stadt nach dem Neubau des Gefängnisses in der Stadtheide die Flächen und Baulichkeiten inklusive Nebengebäuden am alten Standort erhalten solle. Hierzu gehörte auch der alte Marstall. Umgesetzt wurde diese Vereinbarung erst durch den Bezug der neuen JVA in der Stadtheide im Jahr 1998. 1999 wurden umfangreiche Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten abgeschlossen, das danach  die mittlerweile  geschlossene Fachhochschule g 1999 wurden umfangreiche Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten an diesem Kulturdenkmal abgeschlossen, das anschließend von der 2000 eröffneten, privaten Fachhochschule für Gestaltung genutzt, die 2013 endgültig ihren Betrieb einstellte. Die Flächen im Erdgeschoss werden seit einigen Jahren gewerblich genutzt.

Bilder

Kocherseite, April 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA Schwäb. Hall DIG 00929) Ansicht vergößern

Kocherseite, April 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA Schwäb. Hall DIG 00929)

Gesamtkomplex mit Salinenstraße 2 (rechts), April 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA Schwäb. Hall DIG 00931) Ansicht vergößern

Gesamtkomplex mit Salinenstraße 2 (rechts), April 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA Schwäb. Hall DIG 00931)

Tor zum Spitalbach mit offenbar aus dem 19. Jahrhundert stammendem Zierfeld über dem Eingang, April 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA Schwäb. Hall DIG 00928) Ansicht vergößern

Tor zum Spitalbach mit offenbar aus dem 19. Jahrhundert stammendem Zierfeld über dem Eingang, April 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA Schwäb. Hall DIG 00928)

Durchblick in den Innenhof, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA Schwäb. Hall DIG 00927) Ansicht vergößern

Durchblick in den Innenhof, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA Schwäb. Hall DIG 00927)

Ostansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA Schwäb. Hall DIG 00930) Ansicht vergößern

Ostansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA Schwäb. Hall DIG 00930)

Südansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA Schwäb. Hall DIG 00932) Ansicht vergößern

Südansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA Schwäb. Hall DIG 00932)

Südostansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA Schwäb. Hall DIG 00933) Ansicht vergößern

Südostansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA Schwäb. Hall DIG 00933)

Südwestansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA Schwäb. Hall DIG 00934) Ansicht vergößern

Südwestansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA Schwäb. Hall DIG 00934)

Ausschnitt aus der Ansicht Schwäbisch Halls in der „Kosmographie“ von Georg Braun und Franz Hogenberg, um 1580; Diebsturm und anschließende Stadtmauer sind gut erkennbar (StadtA Schwäb. Hall S10/0508) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus der Ansicht Schwäbisch Halls in der „Kosmographie“ von Georg Braun und Franz Hogenberg, um 1580; Diebsturm und anschließende Stadtmauer sind gut erkennbar (StadtA Schwäb. Hall S10/0508)

Ausschnitt aus einer Stadtansicht in der „Wetzel-Chronik“, kolorierte Federzeichnung um 1600 (StadtA Schwäb. Hall 4/4 Bl. 2) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus einer Stadtansicht in der „Wetzel-Chronik“, kolorierte Federzeichnung um 1600 (StadtA Schwäb. Hall 4/4 Bl. 2)

Ausschnitt aus einer Stadtansicht in der „Dötschmann-Chronik“, einer anderen Chronikhandschrift, kolorierte Federzeichnung um 1600 (StadtA Schwäb. Hall S09/10 Bl. 3) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus einer Stadtansicht in der „Dötschmann-Chronik“, einer anderen Chronikhandschrift, kolorierte Federzeichnung um 1600 (StadtA Schwäb. Hall S09/10 Bl. 3)

Ausschnitt aus der Stadtansicht von Matthäus Merian nach Leonhard Kern, 1643 (StadtA Schwäb. Hall S10/0506) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus der Stadtansicht von Matthäus Merian nach Leonhard Kern, 1643 (StadtA Schwäb. Hall S10/0506)

Ausschnitt aus einer kolorierten Nachzeichnung einer Darstellung des Brands der Gelbinger Gasse Gasse von 1680 (StadtA Schwäb. Hall HV HS 068) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus einer kolorierten Nachzeichnung einer Darstellung des Brands der Gelbinger Gasse Gasse von 1680 (StadtA Schwäb. Hall HV HS 068)

Nach dem Stadtbrand von 1728. Der Diebsturm scheint den Brand weitgehend unbeschadet überstanden zu haben. Ausschnitt aus dem Kupferstich von A. Nunzer nach J. P. Meyer (StadtA Schwäb. Hall FS 36334) Ansicht vergößern

Nach dem Stadtbrand von 1728. Der Diebsturm scheint den Brand weitgehend unbeschadet überstanden zu haben. Ausschnitt aus dem Kupferstich von A. Nunzer nach J. P. Meyer (StadtA Schwäb. Hall FS 36334)

Entwurf zum Wasserleitungsplan von 1740. An den Turm wurde mittlerweile der „Marstall“ angebaut (StadtA Schwäb. Hall 4/1136a) Ansicht vergößern

Entwurf zum Wasserleitungsplan von 1740. An den Turm wurde mittlerweile der „Marstall“ angebaut (StadtA Schwäb. Hall 4/1136a)

Ausschnitt aus der 1747 als Beigabe zu den „Uffenheimischen Nebenstunden“ von J. J. Enderes in Schwabach veröffentlichten Stadtansicht (StadtA Schwäb. Hall Alte Dr./271) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus der 1747 als Beigabe zu den „Uffenheimischen Nebenstunden“ von J. J. Enderes in Schwabach veröffentlichten Stadtansicht (StadtA Schwäb. Hall Alte Dr./271)

Ausschnitt aus einer Vignette zur großen Stadtansicht von Johann Conrad Körner von 1755 mit der Henkersbrücke (StadtA Schwäb. Hall S10/0791) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus einer Vignette zur großen Stadtansicht von Johann Conrad Körner von 1755 mit der Henkersbrücke (StadtA Schwäb. Hall S10/0791)

Ausschnitt aus der großen Stadtansicht von Johann Conrad Körner von 1755 (StadtA Schwäb. Hall S10/0791) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus der großen Stadtansicht von Johann Conrad Körner von 1755 (StadtA Schwäb. Hall S10/0791)

Ausschnitt aus dem Stadtplan von 1816; der Komplex wird hier als „Königl. Caserne“ bezeichnet (StadtA Schwäb. Hall 16/0069) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus dem Stadtplan von 1816; der Komplex wird hier als „Königl. Caserne“ bezeichnet (StadtA Schwäb. Hall 16/0069)

Ausschnitt aus dem Primärkataster von 1827, ebenfalls mit Bezeichnung als Kaserne (StadtA Schwäb. Hall S13/0583) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus dem Primärkataster von 1827, ebenfalls mit Bezeichnung als Kaserne (StadtA Schwäb. Hall S13/0583)

Ausschnitt aus einer Stadtansicht um 1850. Lithographie von W. Haaf nach F. Bonhöfer, um 1850 (StadtA Schwäb. Hall S10/0712) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus einer Stadtansicht um 1850. Lithographie von W. Haaf nach F. Bonhöfer, um 1850 (StadtA Schwäb. Hall S10/0712)

Aus einer Sammlung Haller Ansichten des Verlags C. Zimmer, Lithographie, undat., nach 1862 (StadtA Schwäb. Hall S12/625) Ansicht vergößern

Aus einer Sammlung Haller Ansichten des Verlags C. Zimmer, Lithographie, undat., nach 1862 (StadtA Schwäb. Hall S12/625)

Foto von 1899 (StadtA Schwäb. Hall AL/0021) Ansicht vergößern

Foto von 1899 (StadtA Schwäb. Hall AL/0021)

Ausschnitt aus einem Stadtplan um 1900 (StadtA Schwäb. Hall 16/0109) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus einem Stadtplan um 1900 (StadtA Schwäb. Hall 16/0109)

Ausschnitt aus einem Foto um 1900 aus dem Bestand des Postkartenverlags von August Seyboth in Schwäbisch Hall, vermutlich als Vorlage für Ansichtskarten verwendet (StadtA Schwäb. Hall Seyboth F 00174) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus einem Foto um 1900 aus dem Bestand des Postkartenverlags von August Seyboth in Schwäbisch Hall, vermutlich als Vorlage für Ansichtskarten verwendet (StadtA Schwäb. Hall Seyboth F 00174)

Undatiertes Foto aus dem frühen 20. Jahrhundert (StadtA Schwäb. Hall FS 00865) Ansicht vergößern

Undatiertes Foto aus dem frühen 20. Jahrhundert (StadtA Schwäb. Hall FS 00865)

Blick von der Henkersbrücke aus. Undat., um 1928-1934. Fotograf unbekannt (StadtA Schwäb. Hall DIG 05746, Original: Ivo Lavetti / www.nostalgus.de, alle Rechte vorbehalten) Ansicht vergößern

Blick von der Henkersbrücke aus. Undat., um 1928-1934. Fotograf unbekannt (StadtA Schwäb. Hall DIG 05746, Original: Ivo Lavetti / www.nostalgus.de, alle Rechte vorbehalten)

Blick vom Ostende der Henkersbrücke. Undat., um 1928-1934. Fotograf unbekannt (StadtA Schwäb. Hall DIG 05756, Original: Ivo Lavetti / www.nostalgus.de, alle Rechte vorbehalten) Ansicht vergößern

Blick vom Ostende der Henkersbrücke. Undat., um 1928-1934. Fotograf unbekannt (StadtA Schwäb. Hall DIG 05756, Original: Ivo Lavetti / www.nostalgus.de, alle Rechte vorbehalten)

Bild von 1973. Foto: Hans Kubach (StadtA Schwäb. Hall FS 02564) Ansicht vergößern

Bild von 1973. Foto: Hans Kubach (StadtA Schwäb. Hall FS 02564)

Bild von 1979. Foto: Haller Tagblatt (StadtA Schwäb. Hall FS 09634) Ansicht vergößern

Bild von 1979. Foto: Haller Tagblatt (StadtA Schwäb. Hall FS 09634)


Quellen

Literatur:

  • Eduard Krüger: Die Stadtbefestigung von Schwäbisch Hall, Schwäbisch Hall 1966, S. 82f