Schrift verkleinern Schrift vergrößern
Schwäbischhall Shop

Haller Häuserlexikon – Primärkataster-Nr.

Unterlimpurger Straße 42-44 (alt) - heute nicht überbaut

Bild vor 1974. Foto: Paul Ziegler (StadtA SHA FS 45693) Ansicht vergößern
Adresse: Unterlimpurger Straße 42-44 (alt)
Primärkatasternummer: 140
Besitzer 1827
Diem, Heinrich Marius, Hafner; Rükert, Leonhard, Zimmergeselles Tochter; Goller, Georg Michael, Zimmergeselle


Besitzerliste

1827 (Primärkataster), als Besitzer genannt: Heinrich Marius Diem, Hafner; Leonhard Rükert, Zimmergesellen Tochter; Georg Michael Goller, Zimmergeselle

1862: Der drei Viertel umfassende Hausanteil des Georg Michael Göller wird an Georg Eberhard Österlin verkauft (Kaufbuch 1862, Bl. 114)

1867: Georg Eberhard Österlin erwirbt auch den der Margarethe Rückert gehörenden Hausanteil von einem Viertel und ist damit alleiniger Besitzer des Hauses. Margarethe Rückert erhält ein lebenslanges, unentgeltliches Wohnrecht im unteren Stock (Kaufbuch 15 S. 152)

1869: Aus der Nachlassmasse des "ledig verstorbenen" Georg Eberhard Österlin wird dessen Anwesen in Unterlimpurg in öffentlicher Versteigerung vor dem kgl. Gerichtsnotariat Hall am 12./15. Mai 1869 an Johann Georg Franz aus Enslingen verkauft. Hierzu gehören die zweistöckige Scheuer Nr. 139 [= Unterlimpurger Straße 46], das Wohnhaus Nr. 140 [= Unterlimpurger Straße 44 alt] mit Hofraum und "Gemüs Gärtle" sowie ein Gras-, Baum- und Gemüsegarten hinter der Scheuer Nr. 139 mit einem Gartenhaus. Der Kaufpreis beträgt 4.900 Gulden.

1871: Nach dem Tod von Johann Georg Franz, "Wittwer in Hall und früheren Gutsbesitzers in Enslingen", fallen dessen Liegenschaften in Unterlimpurg an den Bruder, den Geometer Johann Michael Franz, und dessen Ehefrau Marie geb. Strümpfig

1874: Mit dem Tod der Margarethe Rückert erlischt deren Wohnrecht im unteren Stock des Hauses.

1886: Auf Ableben des Johann Georg Franz geht das Anwesen in den alleinigen Besitz der Witwe Maria Magdalena geb. Stümpfig über.

1888: Marie Franz geb. Strümpfig, die Witwe des Geometers Franz, veräußert das aus der Scheuer Nr. 139, dem Wohnhaus Nr. 140, dem Gras-, Baum- und Gemüsegarten mit Gartenhaus Nr. 240 und dem Gemüsegarten Nr. 241 bestehende Anwesen nach vorausgegangener Versteigerung am 15. Februar 1888 an den Musiklehrer Heinrich Bauer und dessen Braut Ottilie Hachtel.  Der Kaufpreis beträgt 13.000 Mark, von denen 8.000 Mark durch Übernahme einer Grundschuld von 8.000 Mark bei Wundarzt Friedrich Ruth zu tilgen sind.

1894: Heinrich Bauer und seine Ehefrau Ottilie geb. Hachtel verkaufen am 25. Januar 1894 das gesamte Anwesen mit dem Wohnhaus Nr. 140, der Scheuer Nr. 139 und den zugehörigen Gartengrundstücken für 16.000 Mark an den Bürstenmacher Gottfried Bauer.

1896: Nach dem Tod Gottfried Bauers kommt das Anwesen in den alleinigen Besitz seiner Witwe Anna Bauer geb. Majer.

1897: Anna Bauer geb. Majer, die Witwe des Gottfried Bauer, verkauft das Haus Nr. 140 zusammen mit dem Gemüsegarten Nr. 241 am 18. Februar 1897 für 12.425 Mark zunächst an die ledige Rösle Hiller. Gemäß einer am 27. Januar 1897 geschlossenen Vereinbarung tritt jedoch Caroline Pfeiffer, die Witwe des Metzgers Georg Pfeiffer, in den Kaufvertrag ein und übernimmt das Anwesen an Stelle der Rösle Hiller. Im Kaufpreis enthalten ist die Übernahme einer Unterpfandsschuld beim Hospital von 4.500 Mark eingeschlossen. Die Besitzübergabe erfolgt auf 15. März 1897. Mit diesem Datum tritt die Witwe Pfeiffer auch in die bestehenden  Mietverträge ein und ernält unentgeltlich die vorhandene "LadenEinrichtung" (s, unten). Die Scheuer Nr. 139 hat sie bereits 1896 an den Arzt Dr. Guido Schnitzer verkauft, den Besitzer des Nachbarhauses Nr. 138 (heute Unterlimpurger Straße 48).

In den Adressbüchern genannte Besitzer und Bewohner

1886: Besitzer und Bewohner: Johann Michael Franz, Geometer; Karl Hachtel, Pfarrers Witwe; Magdalene Schreyer [Anschrift: "Unterlimburger Str. 140"]

1890: als Besitzer genannt: Heinrich Bauer, Musiklehrer [Anschrift: "Unterlimburger Str. 140"]
Mieter/Mitbewohner: Karl Hachtel, Pfarrers Witwe

1894: als Besitzer genannt: Gottfried Bauer, Spezereihandlung [Anschrift: "Unterlimburgerstraße 140"]
Mieter/Mitbewohner: Ignaz Bayer, Bürstenmacher; Joh. Karl Fuchs, pensionierter Weichenwärter; Friedrich Koppenhöfer, Taglöhner; Marie Laux, Flaschners Witwe; Karl Laidig, gewesener Bauer

1901: als Besitzer genannt: Karoline Pfeiffer, Handlung [Anschrift: "Unterlimpurgerstraße 44"]
Mieter/Mitbewohner: Friedrich Lautner, Wagenwärter a.D.; Wilhelm Nödter,  Taglöhner

1910: als Besitzer genannt: Karoline Pfeiffer, Spezereihandlung [Anschrift: "Unterlimpurgerstraße 44"]
Mieter/Mitbewohner: Julius Kugler, Mechaniker; Michael Herterich, Fabrikarbeiter; Heinrich Willinger, Goldarbeiter 

1920: als Besitzer genannt: Julius Kugler, Mechaniker [Anschrift: "Unterlimpurgerstraße 44"]
Mieter/Mitbewohner: Karoline Greiner, Küblers Witwe; Sophie Schweizer, Verkäuferin

1928: als Besitzer genannt: Julius Kugler, Werkführer [Anschrift: "Unterlimpurger Straße 44"]
Mieter/Mitbewohner: Karl Oßwald, Kaufmann; Spezereihandlung

1932: als Besitzer genannt: Julius Kugler, Werkmeister [Anschrift: "Unterlimpurger Straße 44"]
Mieter/Mitbewohner: Karl Oßwald, Kaufmann

1938: Besitzer und Bewohner: Julius Kugler, Mechanikermeister (Werkstätte: Heimbacher Gasse 7); Hedwig Kugler, Lebensmittelgeschäft; Lina Kugler, Kontoristin [Anschrift: "Unterlimpurger Straße 44"]

1956: Besitzer und Bewohner: Hedwig Kugler, Lebensmittelgeschäft; Hedwig Kugler, Geschäftsinhaberin; Julius Kugler, Mechanikermeister; Karoline Kugler, Hausfrau; Else Mezger, Kanzleiangestellte [Anschrift: "Unterlimpurger Straße 44"]

1961: Besitzer und Bewohner: Hedwig Kugler, Lebensmittelgeschäft; Julius Kugler, Fabrikant; Karoline Kugler, Hausfrau [Anschrift: "Unterlimpurger Straße 44"]

Beschreibungen

1827: Wohnhaus mit 19,3 Ruten, Anbau 3,4, Hof 1,9, insgesamt 24,6 Ruten Grundfläche

1888 (Verkauf an H. Bauer und O. Hachtel): "Gebäude: ... 1 Ar 79 qm VIII 140. ein 2.stockiges Wohnhaus zu Unterlimburg, neben Chr. Baumann jetzt Guido Schnitzer und Taglöhner Joseph Schönmann. Hinzu gehört der II. Stock u. von da an sämmtliche Gelasse bis unter das Dach, wie der ganze Keller und seit 1867 noch der ganze untere Stock. Aus dem Kaufvertrag zwischen Marius Diem und Mich. Göller vom 14. September 1827 ist aus Pct. 3 hieher zu bemerken: Vom neuen Anstoß am neuen Haus, von welchem nur die Mauer steht, hat Göller - der frühere Besitzer - einen Platz von 9'9'' breit und 15' lang und so hoch als die Mauer ist. Diem hat übrigens das Recht, auf dem oberen Theil nach Bequemlichkeit zu bauen, muß aber dem Göller freien Aus- und Eingang in dem unteren Theil gestatten."

1897 (Verkauf an C. Pfeiffer): "Käuferin erhält unentgeltlich in den Kauf: die ganze LadenEinrichtung, insbesondere Laden Tisch, 3 Wagen, 1 Cigarren Kasten, 1 Erdölbehälter, 1 Essigfaß mit Ständer, Erdölpumpe, Zahlbrett, Zündholzständer, sowie die Schlüsselbretter."

Besonderheiten

Das 1975 zum Zweck der Verbreiterung der Stuttgarter Straße abgerissene, alte Haus Nr. 44 befand sich nicht am heutigen Standort, sondern südwestlich davon vor dem heutigen Haus Nr. 46 (PKN 139).

Bilder

Bild vor 1974. Foto: Paul Ziegler (StadtA SHA FS 45693) Ansicht vergößern

Bild vor 1974. Foto: Paul Ziegler (StadtA SHA FS 45693)

Ausschnitt aus der Flurkarte von Unterlimpurg, 1703. Die spätere Nr. 42 ist wahrscheinlich mit dem langgestrecken Bau in der linken Bildmitte identisch (StadtA SHA 16/0021) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus der Flurkarte von Unterlimpurg, 1703. Die spätere Nr. 42 ist wahrscheinlich mit dem langgestrecken Bau in der linken Bildmitte identisch (StadtA SHA 16/0021)

Ausschnitt aus dem Primärkataster von 1827. Das Haus ist an der Nummer 140 erkennbar. Links mit der Nummer 139 das zeitweilig als Scheuer zum Anwesen gehörende, heutige Haus Unterlimpurger Straße 46 (Stadtarchiv Schwäb. Hall S13/842) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus dem Primärkataster von 1827. Das Haus ist an der Nummer 140 erkennbar. Links mit der Nummer 139 das zeitweilig als Scheuer zum Anwesen gehörende, heutige Haus Unterlimpurger Straße 46 (Stadtarchiv Schwäb. Hall S13/842)

Lageplan von 1870 (aus den Bauakten des Hauses Unterlimpurger Straße 48) (StadtA Schwäb. Hall 27/506) Ansicht vergößern

Lageplan von 1870 (aus den Bauakten des Hauses Unterlimpurger Straße 48) (StadtA Schwäb. Hall 27/506)

Lageplan von 1873 (aus den Bauakten des Hauses Unterlimpurger Straße 48) (StadtA Schwäb. Hall 27/506) Ansicht vergößern

Lageplan von 1873 (aus den Bauakten des Hauses Unterlimpurger Straße 48) (StadtA Schwäb. Hall 27/506)

Lageplan von 1879 (aus den Bauakten des Hauses Unterlimpurger Straße 48) (StadtA Schwäb. Hall 27/506) Ansicht vergößern

Lageplan von 1879 (aus den Bauakten des Hauses Unterlimpurger Straße 48) (StadtA Schwäb. Hall 27/506)

Bei einem Kinderfestumzug vermutlich 1933. Man beachte den „Deutschen Gruß“ des weißgekleideten Erwachsenen in der Bildmitte und die halb verdeckte Hakenkreuzfahne der Gruppe vor ihm (StadtA SHA FS 04402) Ansicht vergößern

Bei einem Kinderfestumzug vermutlich 1933. Man beachte den „Deutschen Gruß“ des weißgekleideten Erwachsenen in der Bildmitte und die halb verdeckte Hakenkreuzfahne der Gruppe vor ihm (StadtA SHA FS 04402)

Bei einem Umzug der „Nationalen Front“ 1933: Vor dem Haus marschiert ein SA-Verband vorbei (StadtA SHA FS 04402) Ansicht vergößern

Bei einem Umzug der „Nationalen Front“ 1933: Vor dem Haus marschiert ein SA-Verband vorbei (StadtA SHA FS 04402)

Lageplan von 1961, vor der Verbreiterung der Unterlimpurger Straße und den damit einhergehenden Hausabbrüchen (aus den Bauakten des Hauses Unterlimpurger Straße 48) (StadtA Schwäb. Hall 27/506) Ansicht vergößern

Lageplan von 1961, vor der Verbreiterung der Unterlimpurger Straße und den damit einhergehenden Hausabbrüchen (aus den Bauakten des Hauses Unterlimpurger Straße 48) (StadtA Schwäb. Hall 27/506)

Bild von 1974. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 03682) Ansicht vergößern

Bild von 1974. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 03682)

Rückseite des Anwesens um 1975 Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 04204) Ansicht vergößern

Rückseite des Anwesens um 1975 Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 04204)

Nach dem Beginn der Abbrucharbeiten, 1975. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 04287) Ansicht vergößern

Nach dem Beginn der Abbrucharbeiten, 1975. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 04287)

Nach dem Beginn der Abbrucharbeiten, 1975. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 04288) Ansicht vergößern

Nach dem Beginn der Abbrucharbeiten, 1975. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 04288)

Nach dem Abbruch des Hauses enstandene Hinterglasmalerei von Martha Scholz, Schwäbisch Hall, 1977. Von derselben Künstlerin existiert ein weiteres, fast identisches Bild (Repro: StadtA SHA DIG 02767 / Original: Privatbesitz) Ansicht vergößern

Nach dem Abbruch des Hauses enstandene Hinterglasmalerei von Martha Scholz, Schwäbisch Hall, 1977. Von derselben Künstlerin existiert ein weiteres, fast identisches Bild (Repro: StadtA SHA DIG 02767 / Original: Privatbesitz)


Quellen

Literatur:

  • Ardessbücher 1886-1956

Archivalien:

  • Stadtarchiv Schwäb. Hall 18/2882 (Inventur G. J. Franz, 1871)
  • Stadtarchiv Schwäb. Hall 19/839 (Güterbuch 14), S. 143
  • Stadtarchiv Schwäb. Hall 19/841 (Güterbuch 16), S. 543
  • Stadtarchiv Schwäb. Hall 19/844 (Güterbuch 19), S. 185
  • Stadtarchiv Schwäb. Hall 19/845 (Güterbuch 20), S. 203
  • Stadtarchiv Schwäb. Hall 19/1036 (Kaufbuch 17, 1869), S. 138
  • Stadtarchiv Schwäb. Hall 19/1052a (Kaufbuch 35, 1888), S. 35
  • Stadtarchiv Schwäb. Hall 19/1058 (Kaufbuch 41, 1894), S. 5
  • Stadtarchiv Schwäb. Hall 19/1061 (Kaufbuch 44, 1897), S. 50

Pläne und Ansichten vor 1827:

  • StadtA SHA 16/0021 (Flurkarte Unterlimpurg 1703, Ausschnitt)