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Haller Häuserlexikon – Primärkataster-Nr.

Unterlimpurger Straße 61 - ehem. Gastwirtschaft "Zum Stern"

Westansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern
Adresse: Unterlimpurger Straße 61
Primärkatasternummer: 106
Besitzer 1827
Firnhaber, Andreas Ludwig, Sternwirt


Besitzerliste

1827: Firnhaber, Andreas Ludwig, Sternwirt

1842: Ludwig Firnhabers Witwe, die Sternenwirtin Rosine Firnhaber verkauft das gesamte Anwesen mit Nebengebäuden (Wohnhaus PKN 105, Scheuer PKN 104, Gastwirtschaft, Hofraum), inklusive aller Rechte, "namentlich der auf dem Haus ruhenden Realwirthschaft und Brauerey Gerechtigkeit", am 18. September 1841 für 4.622 Gulden an den neu angehenden Bürger und Bierbrauer Mathias Reinwald. Die Übergabe der "Kaufs Objekte" ist bereits erfolgt. Der Käufer erhät auch das gesamte, im Vertrag detailliert aufgelistete Brauerei- und Wirtschaftsinventar (s. unter Besonderheiten).

1867: Das Anwesen geht am 11. Oktober 1867 für 7.100 Gulden von Bierbrauer und Gastwirt Mathias Rheinwald zum Stern an den den Bierbrauer Jakob Holzwarth aus Herdtmannsweiler (heute Stadt Winnenden). In den Verkauf eingeschlossen sind die Wirtschaft, das Brauereigebäude, die Scheuer, der Hofraum mit "Bakhaus", Gemüse-, Gras- und Baumgarten sowie das gesamte Brauerei- und Wirtschaftsinventar. Als Datum des Besitzübergangs wird der 1. Juli 1867 festgelegt. Der Verkäufer darf mit seiner Familie noch ein Jahr lang "ohne Hausmiethe" in der Wohnung des Brauhauses leben.

1894: Bierbrauer Jakob Holzwarth verkauft das gesamte Anwesen des "Sterns" mit den beiden Nebengebäuden sowie zugehörigen Grundstücken u.a. auch in Hessental und Steinbach am 2. Oktober 1894 mit Zustimmung seiner fünf anderen Kinder an seinen Sohn Wilhelm Holzwarth. Der Kaufpreis beträgt 31.000 Mark; hiervon werden 5.000 Mark als "Heiratsgut" abgezogen. Als unentgeltliche Zugabe überlässt Jakob Holzwarth seinem Sohn das Brauerei-Inventar, die "Wirtschafts-Geräthschaften", das Küchengeschirr, sowie zwei Kühe, Geflügel, Heu- und Strohvorräte, die Güllepumpe, das Holz in der Holzlege und zwei Fässer mit 600 bzw. 258 Litern Wein. Er erhält ein lebenslanges Wohnrecht im Nebengebäude Nr. 105 (Brauereibau), in dem sich eine Wohnung befindet. Wohnrecht bis zur Eheschließung erhalten auch die beiden noch unverheirateten Schwestern des Käufers, Pauline und Rosalie Holzwarth. Ferner darf der Verkäufer jederzeit den Garten betreten, ohne aber den Betrieb der Gartenwirtschaft zu beeinträchtigen, und anstelle eines zu entfernenden Bienenstands neben dem Brauereigebäude ein "Gartenhaus von Stangenholz" erstellen und benutzen. 

2015: Das teilweise leerstehende Gebäude wird durch das städtische Wohnungsbauunternehmen GWG aus Privatbesitz erworben.

2017: In das Haus zieht eine Wohngruppe der Caritas für junge Frauen ein.

Befunde aus Bauakten

2015: Nach dem Erwerb durch die GWG soll das Haus ab Juli 2015 grundlegend saniert werden. Geplant ist der Einbau von Wohnungen (HT).

Beschreibungen

historische Beschreibungen

1827 (Primärkataster): Wohnhaus mit 24 Ruten und Hof 9,3, insgesamt 33,3 Ruten

um 1840 (Güterbuch, Bd. 8):
"24,0 Rthn IX 106. Ein zweistokigtes Wohnhaus mit Schildwirtschafts- u. Bierbrauerei-Real-Gerechtigkeit zum Stern in Unterlimpurg, neben Jacob Groh und dem Weg nach Oberlimburg, mit gewölbtem Keller.
B.V.A. 3500 f
9,3 Rthn IX 106 Hofraum bei diesem Haus
Ein unter dem Wohnhaus des Georg Stephan (früher Jak. Mich.Vogel & der Schulz'schen Kinder Nro. 131 bei dem ehemaligen Kasernenplaz befindlichen großen Keller, soweit er untermauert ist, mit dem Recht des Eingangs in denselben durch die oben beschriebene Behausung.
Ein im Jahr 1854 gegrabener Keller unter dem städtischen Schloßbuckel in der Badersklinge"

Beschreibungen in den Denkmallisten

Verputzter Fachwerkbau mit Schopfwalmdach bez. 1625, im Kern wohl älter. Eingetragen in das Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg seit 08. Oktober 1925. (StadtA Schwäb. Hall: Liste der Kulturdenkmale Stadt Schwäb. Hall, Stand 10/1982, S. 410)

Unterlimpurger Straße 61 (Flst.Nr. 0-187/1). Gasthaus Stern. Verputzter Fachwerkbau, Schopfwalmdach, bez. 1625, im Kern wohl älter. § 28 (aus: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Stadt Schwäbisch Hall, Stand 13.11.2013)

Besonderheiten

Wirtschaftsinventar von 1841

Im Kaufvertrag zwischen der Witwe Firnhaber und Mathias Rheinwald vom 18. September 1841 hat sich eine Liste des Wirtschafts- und Brauereiinventars für den "Stern" erhalten (19/1021 Bl. 309v):

"In den Kauf werden gegeben:
7 Tafeln
6 Tische
30 Stühle worunter einige überzogen [= gepolstert]
6 Schrannen
5 Kaesten
6 überzogene Betten samt Bettladen
50 Bierglaeser
12 Schoppenglaeser
12 Trinkglaeser
4 Maas Bouteillen [= Flaschen]
3 Halbmaas Bouteillen
4 Schoppen
3 Halbschoppen Bouteillen
6 Brandtwein Gläslen
2 Kolben
2 Kaffee Zeug
1 Tafelgedek zu 15 Personen mit 1 Tafeltuch, Teller, Blatten, Suppenschüßel, Vorlegloeffel, Bestek, Loeffel, Salzfaß
4 Blatten
4 Schüßel
4 Asiells [?]
2 Salzfaß
8 Leuchter samt Lichtputzen
4 Halbmaaskannen
2 Maaskannen
1 kupferne u. 1 blecherne Bierstütze
1 Biersieble
2 Truster [?]
1 kupferner Keßel
2 Fischpfannen
1 kupfernen Durchschlag
1 meßene Wag zum Kaes
1 eisernes Casserol Hafen samt Dekel
2 Waschgölten
1 Krauthafen
1 Kaeskübel mit Dekel
1 Putzmühlen
1 Heugabel
1 großer Bierwagen
1 kleinerer dto.
Im Brauhaus alles Geschirr
4 Göhrkufen
1 Brandtweinstaender
20 große Lagerfaeßer
30 Schenkfaß
1 Weinfaeßle in der Remise
20 Transportfaeßer
1 Malzfege, Maischgabel, Schaufel, Trichter u. Scheuflin
1 Gieskanne
1 Waschtisch
vier Brandtweinfaeßer
1 Sopha
die Vorhaenge in saemtl. Zimmern
7 Portraits u. den alten Spiegel
1 kupferner Schlag-Aimer
1 dito Schwenkkeßel
6 Malzsaeke
10 Jmi Brandtwein
1 Damen Brett
das vorhandene Heu in der Scheuer, und das Oemd Graß"

 

Bilder

Westansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern

Westansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon)

Westansicht, Juni 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern

Westansicht, Juni 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)

Nordwestansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern

Nordwestansicht, August 2007. Foto: Dietmar Hencke (StadtA SHA Server Häuserlexikon)

Nordansicht (hinterer Teil), August 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern

Nordansicht (hinterer Teil), August 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)

Wirtshausschild, August 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon) Ansicht vergößern

Wirtshausschild, August 2007. Foto: Daniel Stihler (StadtA SHA Server Häuserlexikon)

Ausschnitt aus einer kolorierten Federzeichnung von Unterlimpurg in einer Haller Chronik, um 1600. Das Hauptgebäude der Wirtschaft ist in der rechten Bildmitte erkennbar, quer dahinter wahrscheinlich das Brauereigebäude (StadtA SHA 4/4. Bl. 10) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus einer kolorierten Federzeichnung von Unterlimpurg in einer Haller Chronik, um 1600. Das Hauptgebäude der Wirtschaft ist in der rechten Bildmitte erkennbar, quer dahinter wahrscheinlich das Brauereigebäude (StadtA SHA 4/4. Bl. 10)

Ausschnitt aus einer kolorierten Federzeichnung von Unterlimpurg in einer Haller Chronik, um 1600. Das Hauptgebäude der Wirtschaft ist in der rechten Bildmitte erkennbar, quer dahinter wahrscheinlich das Brauereigebäude  (StadtA SHA 4/4a. Bl. 6) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus einer kolorierten Federzeichnung von Unterlimpurg in einer Haller Chronik, um 1600. Das Hauptgebäude der Wirtschaft ist in der rechten Bildmitte erkennbar, quer dahinter wahrscheinlich das Brauereigebäude (StadtA SHA 4/4a. Bl. 6)

Ausschnitt aus der Flurkarte von Unterlimpurg, 1703. Links neben dem Wirtschaftsgebäude die in den 1960er Jahren abgerissene Brauerei  (StadtA SHA 16/0021) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus der Flurkarte von Unterlimpurg, 1703. Links neben dem Wirtschaftsgebäude die in den 1960er Jahren abgerissene Brauerei (StadtA SHA 16/0021)

Ausschnitt aus dem Primärkataster  von 1827.  Die Wirtschaft hat die Nummer 106 (StadtA SHA S13/0842) Ansicht vergößern

Ausschnitt aus dem Primärkataster von 1827. Die Wirtschaft hat die Nummer 106 (StadtA SHA S13/0842)

Undatiertes Foto um 1895; rechts unten das Hauptgebäude des „Stern“, links daneben in der Bildmitte unten die Brauerei. Bei dem langgestreckten hölzernen Gebäude am linken Bildrand könnte es sich um eine Kegelbahn handeln. Foto: Wilhelm Klemm, Hofphotograph (Hällisch-Fränkisches Museum, Inv.-Nr. 2016/530 / StadtA Schwäb. Hall DIG 09384) Ansicht vergößern

Undatiertes Foto um 1895; rechts unten das Hauptgebäude des „Stern“, links daneben in der Bildmitte unten die Brauerei. Bei dem langgestreckten hölzernen Gebäude am linken Bildrand könnte es sich um eine Kegelbahn handeln. Foto: Wilhelm Klemm, Hofphotograph (Hällisch-Fränkisches Museum, Inv.-Nr. 2016/530 / StadtA Schwäb. Hall DIG 09384)

Zinnteller mit der Sternwirtschaft, um 1900, in Privatbesitz. Foto: Hans Werner Hönes (StadtA SHA FS 44762) Ansicht vergößern

Zinnteller mit der Sternwirtschaft, um 1900, in Privatbesitz. Foto: Hans Werner Hönes (StadtA SHA FS 44762)

Bild von etwa 1900, wohl von der Tullauer Höhe aus (StadtA SHA FS 06466) Ansicht vergößern

Bild von etwa 1900, wohl von der Tullauer Höhe aus (StadtA SHA FS 06466)

„Stern“ mit Nebengebäuden. Auf 1904 datiertes Aquarell des aus Murrhardt stammenden Malers Reinhold Nägele, einem Mitbegründer der Künstlergruppe „Stuttgarter Secession“ (StadtA SHA DIG 02769 / Original: Privatbesitz) Ansicht vergößern

„Stern“ mit Nebengebäuden. Auf 1904 datiertes Aquarell des aus Murrhardt stammenden Malers Reinhold Nägele, einem Mitbegründer der Künstlergruppe „Stuttgarter Secession“ (StadtA SHA DIG 02769 / Original: Privatbesitz)

Postkarte nach 1904. Das Aquarell Nägeles diente hier ganz offensichtlich als Vorlage (StadtA SHA PK 01943) Ansicht vergößern

Postkarte nach 1904. Das Aquarell Nägeles diente hier ganz offensichtlich als Vorlage (StadtA SHA PK 01943)

Hinterer Teil des Wirtschaftsgebäudes (rechts) und Brauerei (links), 1930er Jahre (StadtA SHA FS 01018) Ansicht vergößern

Hinterer Teil des Wirtschaftsgebäudes (rechts) und Brauerei (links), 1930er Jahre (StadtA SHA FS 01018)

Bild um 1974. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 03693) Ansicht vergößern

Bild um 1974. Foto: Hans Kubach (StadtA SHA FS 03693)


Quellen

Pläne und Ansichten vor 1827:

  • StadtA SHA 4/4, Bl. 10 (Zeichung aus Chronik um 1600, Ausschnitt)
  • StadtA SHA 4/4a, Bl. 6 (Zeichung aus Chronik um 1600, Ausschnitt)
  • StadtA SHA 16/0021 (Flurkarte Unterlimpurg 1703, Ausschnitt)

Archivalien

  • StadtA Schwäb. Hall 19/833 (Güterbuch, Bd. 8), S. 479
  • StadtA Schwäb. Hall 19/845 (Güterbuch, Bd. 10), S. 297
  • StadtA Schwäb. Hall 19/1021 (Kaufbuch 1840/41), S. 308ff
  • StadtA Schwäb. Hall 19/1034 (Kaufbuch, Bd. 15), S. 247ff
  • StadtA Schwäb. Hall 19/1058 (Kaufbuch, Bd. 41), S. 252ff

Literatur:

  • Tobias Würth: Aus Wirtshaus wird Wohnhaus. GWG saniert den "Stern" on der Unterlimpurger Straße 61 - Gebäude stand leer, in: Haller Tagblatt v. 1.4.2015, S. 10
  • Tobias Würth: Sieben junge Frauen ziehen in die ehemalige Gaststätte ein, in: Haller Tagblatt v. 9.10.2017, S. 9
  • Kerstin Vlcek: Ein Wohnhaus in Schräglage. Rund eine Million Euro kostet die Sanierung des ehemaligen Gasthauses "Stern", in: Haller Tagblatt v. 30.03.2016, S. 9