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Rückblick 2011

Jahresrückblick von Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim

(Anm.: Der Jahresrückblick basiert auf dem vom Stadtarchiv zusammengestellten "Auslandshallerbrief" für das Jahr 2011)

Schon wieder neigt sich ein ereignisreiches Jahr seinem Ende entgegen, das im Großen und im Kleinen viele Änderungen mit sich gebracht hat. Wie jedes Jahr will ich Ihnen berichten, was in Schwäbisch Hall geschehen ist.

Das große Fest zur Eröffnung des Kocherquartiers vom 31. März bis zum 9. April markiert das für Schwäbisch Hall wohl wichtigste Ereignis dieses Jahres. Nach jahrelangen Bauarbeiten ist auf dem Gelände des alten Gefängnisses ein modernes Einkaufs- und Wohnquartier sowie die neue Zentrale der VR-Bank entstanden. Die Stadt sowie ihre Tochterunternehmen GWG und Stadtwerke haben hierfür insgesamt rund 100 Millionen Euro investiert. Mit der Verbindung zum Säumarkt hat die Treppenstadt eine weitere große Freitreppe erhalten. Das 6,5 km lange Eröffnungsband fand Aufnahme in das „Guinness Buch der Rekorde“. Zwei weitere Feste in diesem neuen Stadtviertel waren die Eröffnung des neuen Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) am 1. Juli und die Einweihung des „Hauses der Bildung“ am 10. und 11. September. Volkshochschule und Musikschule haben nun ihren Sitz im denkmalgeschützten Gefängnisbau von 1846. Wie beim Kocherquartier insgesamt ist auch hier eine in Vorfeld teilweise durchaus vorhandene Skepsis weitgehender Zustimmung, ja Begeisterung gewichen.

Nicht nur an solchen Großereignissen zeigt sich, dass Schwäbisch Hall ein attraktiver Wohnort ist. Von 2000 bis 2010 ist die Einwohnerzahl von 35.428 auf 37.137 bzw. um 4,8 Prozent gestiegen. Für die Zukunft ist es von großer Bedeutung, diese positive Entwicklung fortzusetzen, da die sehr hochwertige Infrastruktur, etwa im Bildungs- und Kulturbereich, ansonsten nicht auf diesem Niveau erhalten werden kann.

Wichtig ist hier auch die Entwicklung der städtischen Finanzen. Der städtische Kernhaushalt ist schuldenfrei, es gab für 2010 sogar einen Überschuss von 4,3 Millionen Euro. Weniger rosig sind die längerfristigen Perspektiven. Zum einen ist die Entwicklung der Gewerbesteuer insbesondere in Zeiten der weltweiten Finanzkrise ein Unsicherheitsfaktor, zum anderen sinken die Einnahmen aus der Umsatzsteuer von derzeit 8 Millionen Euro auf nur noch 3 Millionen Euro bis 2018. Neue „Sparrunden“ sind absehbar.

Mit der feierlichen Eröffnung der Westumgehung am 6. Juni hat ein jahrzehntelang heiß umstrittener kommunalpolitischer „Dauerbrenner“ seinen Abschluss gefunden. Ein Wermutstropfen für den Landkreis als Bauherrn sind allerdings die auf 30,1 Mio. Euro gestiegenen Baukosten für die Verbindung zwischen dem Haller Westen und der B19 bei Übrigshausen. Im Rahmen der Planung konnte erreicht werden, dass die Straße den Umwelt- und Landschaftsschutz in weitaus höherem Maße berücksichtigt als die ursprünglichen Pläne es vorgesehen hatten. Der Bürgerentscheid von 2001 dürfte ausschlaggebend gewesen sein, dass zwar kein Konsens, aber eine Befriedung erreicht wurde.

Das politische Erdbeben der baden-württembergischen Landtagswahlen vom 27. März spiegelt sich auch in den Haller Ergebnissen. CDU, SPD und Grüne lagen mit 29,9% (landesweit 39,0%), 28,8% (landesweit 23,1%) und 26,7% (landesweit 24,2%) fast gleichauf. Während die Grünen ihr Ergebnis von 2006 verdoppelten, erreichte die FDP in ihrer einstigen Hochburg nur noch 6,7% (landesweit 5,3%). Unser Wahlkreis hat mit Helmut W. Rüeck (CDU), Nikolaos Sakellariou (SPD) und Dr. Friedrich Bullinger (FDP) drei Vertreter im neuen Landtag. Die Wahlbeteiligung lag mit 63,8% deutlich höher als bei der vorangegangenen Wahl (49,7%) und über dem Landesdurchschnitt (59,3%).

Die Flutwelle und das Reaktorunglück in Japan haben in Schwäbisch Hall Betroffenheit und Mitgefühl ausgelöst. Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich an Spenden- und Hilfsaktionen beteiligt. Die Stadtwerke, die nicht nur selbst umweltfreundlich Strom erzeugen, sondern auch als Dienstleister für andere Anbieter arbeiten, verzeichneten ein deutlich gestiegenes Interesse an Ökostrom. Das Versorgungsunternehmen konnte 2011 sein 40. Jubiläum feiern. Die erfolgreiche Verbindung von Ökologie und Ökonomie hat in Schwäbisch Hall bereits eine lange Tradition und ist seit 1987 zentrales Unternehmensziel. Am ehrgeizigen Ziel, Strom bis 2030 zu 100% aus Erneuerbaren Energien zu gewinnen, halten wir daher fest und forcieren unser Engagement in diesem Bereich.

Die regionale Wirtschaft hat ihre erfreuliche Entwicklung fortgesetzt. Mit einer Arbeitslosenquote von 2,9% weist der Bezirk den drittbesten Wert in Baden-Württemberg auf. Wir sind erleichtert, dass unsere Stadt bei der bevorstehenden Fusion zwischen den Schwäbisch Haller und Tauberbischofsheimer Arbeitsagenturen Sitz der neuen „Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim“ wird. Dies erleichtert die Fortsetzung der bewährten, engen und guten Kooperation, bei der es zunehmend um den Mangel an Fachkräften geht. Aus diesem Grund haben wir Bemühungen gestartet, um Jugendlichen aus unserer polnischen Partnerstadt Zamosc einen Ausbildungsplatz in Schwäbisch Hall zu vermitteln.

Der erst 2009 gegründete Campus Schwäbisch Hall der Staatlichen Hochschule Heilbronn verzeichnet ein rasantes Wachstum. Mit dem Beginn des Wintersemesters im Oktober lernen über 500 Studierende im Gebäude gegenüber der Bauparkasse, das bereits jetzt zu klein ist. Angesichts dieses Erfolgs scheint das Ziel, in einigen Jahren auf rund 1.000 Studentinnen und Studenten zu wachsen, in greifbare Nähe gerückt.

Auch im Bereich der Schulen ändert sich derzeit viel. Ab dem laufenden Schuljahr werden alle weiterführenden Schulen als Ganztagesschulen betrieben. Während es im Schulzentrum West bereits ein Schülerhaus mit Mensa gibt, laufen die Arbeiten im Osten noch. Hier werden rund 3,8 Millionen Euro investiert. Auch im Bereich der Grundschulen tut sich viel. Das mit Abstand größte Vorhaben im Bildungsbereich ist jedoch die Sanierung des Schulzentrums West über mehrere Jahre für insgesamt rund 20 Millionen Euro.

Das Diak hat dieses Jahr nicht nur ein großes Fest zu seinem 125jährigen Bestehen gefeiert, sondern auch die ersten Schritte zu einem Neubau der Klinik am bestehenden Standort gemacht, die Planungen für dieses rund 227 Millionen Euro schwere Großprojekt abgeschlossen und Mitte November im Gemeinderat vorgestellt.

Bagger und Kräne waren dieses Jahr nicht nur im Kocherquartier zu sehen. Eines der größeren Vorhaben ist sicher der Neubau eines Verwaltungsgebäudes der Stadtwerke auf dem Areal der Gartenschauhalle in den Kocherwiesen. Im neuen Wohngebiet „Breiteich“ zwischen Teurershof und Gottwollshausen entstehen die ersten Häuser. Die Nachfrage nach Bauplätzen ist ungebrochen groß. Begonnen haben die Planungen für zwei neue Feuerwehrwachen im Osten und Westen, die etwa elf Millionen Euro kosten werden und unseren Investitionsschwerpunkt für 2012/13 darstellen.

Nach vier Jahren Sperrung und Sanierung hat der Starkholzbacher See wieder sein Wasser und war diesen Sommer rege frequentiert. Ein Förderverein hat mit großem Engagement zum Erfolg dieses Projekts beigetragen.

Mancher Zeitplan im Baubereich ist durch den kalten, schneereichen Winter durcheinandergebracht worden. Der Wintereinbruch ausgerechnet an Heiligabend brachte zwar „weiße Weihnachten“, aber auch Sonderschichten für die Räumdienste und Wetterrekorde: Seit einem Vierteljahrhundert fiel nicht mehr so viel Schnee auf einmal. Dem gegenüber stand ein heißer Frühling, der den Rasen auf dem Unterwöhrd verdorren ließ, sowie ein verregneter Sommer, den das Schenkensee-Freibad mit einem Besucherrückgang um 15 Prozent deutlich spürte. Einen gewissen Ausgleich bot der außergewöhnlich sonnige Herbst – im Oktober gab es deutlich mehr Sonnentage als im Juli!

Trotz wetterbedingter Einbußen können die Freilichtspiele auf eine erfolgreiche Spielzeit 2011 mit 64.737 Zuschauerinnen und Zuschauern zurückblicken. Publikumsmagnet war das 60er-Jahre-Musical „Summer of Love“. Regie bei dieser Revue führte erstmals Coy Middlebrook, erfahrener Musicalregisseur aus Los Angeles mit Schwäbisch Haller bzw. Steinbacher Wurzeln. Auf der Treppe wurden auch Tschechows „Kirschgarten“ und der Vorjahreserfolg „My Fair Lady“ gespielt. Im „Globe Theater“ sah das Publikum u.a. Molières „Menschenfeind“ und den Überraschungserfolg „Boston Princes“. Das Stück über den Kennedy-Clan ist Ergebnis eines Autorenwettbewerbs. Die Freilichtspiele richteten auch das 4. Internationale Jugendtheaterfestival mit jungen Menschen aus sechs Ländern aus. Zunehmende Bedeutung gewinnen theaterpädagogische Angebote im schulischen Bereich.

In der Kunsthalle Würth war ab April eine Werkschau der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle zu sehen, der Schöpferin der „Nanas“. Sie hat über 200.000 Besucherinnen und Besucher angelockt und war damit die mit Abstand erfolgreichste Ausstellung der Kunsthalle. Werke Tilman Riemenschneiders aus dem Berliner Bode-Museum zeigt die Stiftung Würth derzeit in der Johanniterhalle.

Das Hohenloher Freilandmuseum zog mit Veranstaltungen wie dem „Süddeutschen Käsemarkt“ oder dem traditionellen Backofenfest wieder Zehntausende Menschen an. Ein Neuzugang ist der Ortsarrest aus Dörzbach. Im Jahr des Diak-Jubiläums informierte die Ausstellung „Ärzte, Heiler und Patienten“ über die medizinische Versorgung auf dem Land. Mit dem von der „Geschichts-Werkstatt“, dem Förderverein von Stadtarchiv und Kreisarchiv, herausgegebenen Begleitband „Auf Leben und Tod. Menschen und Medizin in Schwäbisch Hall vom Mittelalter bis 1950“ liegt erstmals eine umfassende Darstellung dieses Themas für den Haller Raum vor. Auch das Hällisch-Fränkische Museum widmete die zusammen mit der Universität Tübingen konzipierte Ausstellung „Ärzte, Bader und Barbiere“ dem Gesundheitswesen früherer Zeiten. Zuvor hat man dort u.a. Naturaufnahmen des preisgekrönten Haller Fotografen Achim Köpf gezeigt.

Das 5. Internationale Jazz-Art-Festival im April bot wieder zahlreiche Auftritte renommierter Künstlerinnen und Künstler, unter anderem der 86-jährigen Swing-Legende Coco Schumann. Mehrfach konnte man hochkarätige Autorenlesungen erleben, etwa mit Harald Martenstein, Juli Zeh, Georg M. Oswald, Wilhelm Genazino und Uwe Timm. Als „Comburg-Schreiber“ wirkte Christoph Peters. Der frühere EKD-Vorsitzende Prof. Dr. Wolfgang Huber referierte in der Michaelskirche über Dietrich Bonhoeffer.

Schwäbisch Hall als Drehort für Fernseh- und Kinofilme ist ja nichts Neues mehr. Im Mai strahlte die ARD den auch im Freilandmuseum gedrehten Film „Carl & Bertha“ über Carl und Bertha Benz mit Ken Duken und Felicitas Woll aus. Im August gab es in Wackershofen und Hall Dreharbeiten für den Film „Die Heimkehr“ nach Hermann Hesse. Unter der Regie von Jo Baier spielten Stars wie Heike Makatsch und Herbert Knaup sowie viele einheimische Statisten.

Rund 23.000 Zuschauerinnen und Zuschauer feierten mit den Salzsiedern vier Tage lang das Kuchen- und Brunnenfest an Pfingsten. Wie immer kreisten die Trinksprüche um lokale und überregionale Themen, etwa um das Kocherquartier oder „Stuttgart 21“.

Den größten Erfolg der Haller Sportgeschichte feierten in diesem Jahr die „Unicorns“, die American Football-Mannschaft der TSG um Headcoach Siegfried Gehrke. Sie gewannen in einem dramatischen Finale in Magdeburg gegen die Kiel Baltic Hurricanes mit 48:44 den deutschen Meistertitel. Zuvor hatten fünf Haller Spieler mit der deutschen Nationalmannschaft an der WM in Österreich teilgenommen. Aber auch andere Sportlerinnen und Sportler zeigten beeindruckende Leistungen – die Schwimmer der TSG etwa gewannen bei den baden-württembergischen Meisterschaften 14 Medaillen. Mit Kurt Hocher hat die TSG nach dem Rücktritt von Dr. Walter Döring im vergangenen Jahr auch wieder einen Präsidenten.

Aus der Vielfalt der Jubiläen seien nur einige herausgegriffen. Das Jazzcafé Narziss besteht seit 25 Jahren, seit 30 Jahren die Squaredancegruppe „Schwäbisch Sweethearts“, der Krebsverein und der Fanfarenzug 1981 Schwäbisch Hall e.V.. Der AWO-Kreisverband feierte sein 40-jähriges Bestehen. Auf 50 Jahre konnte die Breitner Abfüllanlagen GmbH zurückblicken, die DLRG-Ortsgruppe und das Anlagencafé auf 75 Jahre. Bereits seit 100 Jahren gibt es die Kocherflotte. Die Tüngentaler Feuerwehr feierte ihr 125jähriges Jubiläum, noch zehn Jahre länger gibt es den dortigen Liederkranz.

Auch aus dem Bereich „Personalien“ gibt es neues zu vermelden. Hans-Joachim Lenke hat im September den in den Ruhestand getretenen Stephan Zilker als Leiter des Diakoniewerks abgelöst. Die Nachfolge des Dekans Richard Haug trat Anne-Kathrin Kruse an. Der Kreistag bestätigte Landrat Gerhard Bauer für weitere acht Jahre im Amt. Tanja Kurz ist neue Chefredakteurin des Haller Tagblatts. Ihr Vorgänger Rainer Hocher war leider 2010 überraschend gestorben.

Einen ihrer bekanntesten Söhne hat die Stadt mit dem Tod von Oliver Storz im Alter von 82 Jahren verloren. Der zuletzt in Bayern lebende Regisseur und Autor ist, wie er selbst sagte, im Herzen immer ein Haller geblieben. In Hall präsent geblieben ist auch der gebürtige Sulzdorfer Rainer Domisch. Der vielgefragte Bildungsexperte starb mit 65 Jahren in Helsinki. Abschied nehmen mussten wir auch von einer Reihe von Menschen, die jeder auf seine Weise „Haller Institutionen“ waren: von Peter Merz, dem Inhaber des Imbisses am Sulfersteg, der 66 Jahre alt wurde, von Gymnasialprofessor Herbert Malecha, der 83 Jahre alt wurde, von Walter Geiger, dem „Vater der Kleinen Sieder“, der 88 Jahre alt wurde, und vom 101 Jahre alten Zahnarzt und Lions-Club-Gründer Dr. Fritz Kaiser.

Soweit unser Streifzug durch das diesjährige Geschehen in Schwäbisch Hall. Während des Jahres informiert Sie unsere Internetseite www.schwaebischhall.de über die Haller Geschehnisse. Eine jährlich ergänzte Stadtchronik finden Sie hier auf den Seiten des Stadtarchivs (Bürgerstadt > Geschichte > Chronik). Das Aktuellste aus Ihrer Heimat erfahren Sie auch über das Online-Portal des Haller Tagblatts (www.hallertagblatt.de) oder auf der neuen Facebookseite der Stadt (www.facebook.com/schwaebischhall).

Ich möchte allen danken, deren Grüße mich während dieses Jahres erreicht haben, und Ihnen ein schönes und friedvolles Weihnachten 2011 und Ihnen und Ihrer Familie alles Gute, Glück, Gesundheit und Zufriedenheit für das kommende Jahr wünschen.

Über alle Grenzen hinweg grüße ich Sie in freundschaftlicher Verbundenheit.

Ihr Hermann-Josef Pelgrim