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Rückblick 2017

Liebe Hallerinnen und Haller jenseits der Grenzen,

schon wieder neigt sich ein ereignisreiches Jahr seinem Ende entgegen, das im Großen und im Kleinen viele Änderungen mit sich gebracht hat. Wie jedes Jahr will ich Ihnen berichten, was in Schwäbisch Hall geschehen ist.

Schwäbisch Hall ist weiterhin eine wachsende Stadt und ein attraktiver Wohnort für Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund. Dies zeigt sich u.a. auch daran, dass ich im Oktober dieses Jahres eine junge Lehrerin als 40.000 Einwohnerin Schwäbisch Halls im Rathaus begrüßen konnte. Dass unsere Stadt nach wie vor so beliebt ist, liegt natürlich auch an der weiterhin hervorragenden Arbeitsmarktsituation. Im Oktober 2017 verzeichnete die Agentur für Arbeit mit einer Arbeitslosenquote im Landkreis von nur noch 2,9 Prozent ein Rekordtief. Neben der allgemein guten konjunkturellen Lage in Deutschland ist hierbei ausschlaggebend, dass wir in Stadt und Region viele sehr gut aufgestellte mittelständische Unternehmen haben. Der Landesdurchschnitt für Baden-Württemberg liegt bei 3,4%. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen in Schwäbisch Hall stieg in den letzten zehn Jahren von 19.836 (2006) auf 24.610 (2016). Im Agenturbezirk sind so viele offene Stellen gemeldet wie noch nie, und auch bei den Ausbildungsplätzen geht die Schere auseinander. Auf einen Bewerber kommen statistisch gesehen 1,46 Stellen. Nicht die Arbeitslosigkeit, sondern die Ausbildung und Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte entwickelt sich zur zentralen Herausforderung. Ein wichtiger Bestandteil dieser Thematik ist die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt.

Trotz aller erfreulichen Nachrichten können wir uns nicht zurücklehnen, denn die Herausforderungen für die Stadt bleiben groß. Für die nächsten beiden Jahre ergeben sich zwar Defizite im Haushalt, diese lassen sich aber noch u.a. durch Grundstücksverkäufe und den Zufluss liquider Mittel ausgleichen. Dies verschafft uns jedoch nur eine Atempause, um Antworten auf das strukturelle Problem des städtischen Haushalts zu finden. Einer wenig dynamischen Einnahmen-Seite steht eine Ausgabenseite mit großer Dynamik gegenüber. Der mit Abstand größte Posten sind die Zuschüsse für Erziehung, Bildung und Betreuung. Allein bei den Tageseinrichtungen für Kinder steigen die Ausgaben auf rund 17,2 Millionen Euro und auf ein Defizit von etwa 9 Millionen Euro. Es bleibt insgesamt unser Ziel, Wachstumsprozesse zu ermöglichen und in kleinen Schritten die notwendigen Ausgaben auf mehrere Schultern zu legen. Nur so kann es überhaupt gelingen, Schritt für Schritt aus dem latenten Strukturdefizit hinauszuwachsen. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist die nachdrückliche Förderung eines weiteren Wachstums der Stadt. Schwäbisch Hall selbst braucht den Zuzug von jährlich 500 Personen von außerhalb, um den „Status quo“ zu halten. Angesichts der hervorragenden Voraussetzungen, die Schwäbisch Hall bietet, sind wir zuversichtlich, diese Herausforderungen meistern zu können.

Wie immer ist im vergangenen Jahr an vielen Orten gebaut, umgebaut und saniert worden. Der in den vorherigen Jahren kontrovers diskutierte Neubau des Globe-Theaters auf dem Unterwöhrd nimmt derzeit Gestalt an und soll im Laufe des Jahres 2018 fertiggestellt werden. Seit dem Frühjahr laufen vorbereitende Bauarbeiten für den Weilertunnel an der Stuttgarter Straße; Anfang September wurde in diesem Zusammenhang z. B. der alte Löwenkeller (zuletzt „Club Alpha“) abgerissen. Der eigentliche Tunnelbau soll im Frühjahr 2018 beginnen. Die Erschließungsarbeiten für das bereits erwähnte Hessentaler Baugebiet „Sonnenrain“ sind so weit gediehen, dass nun die ersten Bauherren starten können. Weitgehend abgeschlossen ist der erste Abschnitt des Diak-Neubaus. Momentan läuft der Innenausbau des neuen „Bettenhauses“, der bis Ende 2017 abgeschlossen sein soll. Das Bauwerk hat eine Kapazität von etwa 330 Betten und soll Anfang April 2018 bezogen werden. Ein weiteres Großprojekt ist der Umbau der früheren „Fassfabrik“ (Karl-Kurz-Areal) am Hessentaler Bahnhof. Hier werden 2019 Teile des Landratsamts und ein Veranstaltungszentrum einziehen. In den aufwändigen Bauprojekten Schwäbisch Haller Unternehmen spiegelt sich der Erfolg unserer „Global Player“. So vergrößert die Optima-Gruppe momentan ihre Betriebsstätte im Solpark mit dem Bau eines neuen Logistikzentrums. Der Flugzeugsitze-Hersteller Recaro hat den Bau seines Logistikzentrums in der Stadtheide bereits abgeschlossen. Weit fortgeschritten sind Planungen für ein neues Stadtviertel hinter dem Haller Bahnhof im Bereich der Ringstraße mit 350 Wohneinheiten. Baubeginn könnte 2019 sein. Im Hessentaler Solpark wird eine komplett neue Tageseinrichtung für Kinder entstehen, für die wir etwa 5,4 Millionen Euro einsetzen werden. Schulen und Kindertagesstätten sind nach wie vor ein Investitionsschwerpunkt der Stadt.

Politisch geprägt war das Jahr von der Bundestagswahl am 24. September 2017; der Wahlkampf brachte einiges an Politprominenz in die Kocherstadt. Bei den (wahlentscheidenden) Zweitstimmen lag die CDU zwar mit 29,8% vorne (bundesweit 32,9%), verlor aber im Vergleich zu 2013 rund 10%. Die SPD lag mit 17,6% (bundesweit 20,5%) nur noch knapp vor den Grünen mit 17,3% (bundesweit 8,9%). Vor vier Jahren waren es noch 22,7% bzw. 14,7%. Die FDP konnte in ihrer einstigen Hochburg wieder 11,2% holen (bundesweit 10,7%) und ihren Stimmenanteil ausbauen. Die größten Gewinne erzielte die rechtspopulistische AfD mit 12,3% (bundesweit 12,6%); 2013 waren es noch 4,5% gewesen. Mehr Stimmen erhielt auch die Linke, nach 5,9% vor vier Jahren waren es nun 7,6% (bundesweit 9,2%). Die anderen Parteien blieben bedeutungslos. Das Direktmandat konnte Christian von Stetten für die CDU verteidigen. Zweiter Vertreter des Wahlkreises in Berlin ist Harald Ebner für die Grünen. Da Annette Sawade durch die hohen Stimmenverluste der SPD ihr Mandat leider nicht verteidigen konnte, wird es im neuen Bundestag eine Stimme weniger für unsere Region geben.

Zahlreiche Veranstaltungen waren 2017 dem 500jährigen Jubiläum der protestantischen Reformation gewidmet. Eine wichtige Rolle – z. B. beim Festakt im Januar mit Landesbischof Dr. Frank Otfried July in der Hospitalkirche – spielte der Schwäbisch Haller Reformator Johannes Brenz. Hier lag auch der Schwerpunkt der in Hall veranstalteten baden-württtembergischen Auftaktveranstaltung zum „Tag des offenen Denkmals“ im September.

Die Freilichtspiele griffen in der ersten Saison des neuen Intendanten Christian Doll das Thema Reformation auf. Das für die Treppe geschriebene Stück „Brenz 1548“ zeigte Szenen aus dem Leben des Haller Reformators. Die größten Publikumserfolge waren das Musical „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ nach dem Roman von Jan Weiler mit über 22.000 Besucherinnen und Besuchern und die auf Giovanni Guareschis humoristischen Klassiker zurückgehende Komödie „Don Camillo und Peppone“ (14.600). Weil das – wie erwähnt derzeit neu entstehende – Globe-Theater als Spielstätte wegfiel, war nach 2016 ein deutlicher Rückgang auf insgesamt 55.000 Zuschauerinnen und Zuschauer zu verzeichnen. Ein „Theaterzelt“ am Stadtrand fand nicht die erhoffte Resonanz.