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Rückblick 2018

Liebe Hallerinnen und Haller jenseits der Grenzen,

schon wieder neigt sich ein ereignisreiches Jahr seinem Ende entgegen, das im Großen und im Kleinen viele Änderungen mit sich gebracht hat. Wie jedes Jahr will ich Ihnen berichten, was in Schwäbisch Hall geschehen ist.

Der außergewöhnlich warme Sommer hat für viele Menschen den Klimawandel von einer theoretisch bekannten zu einer praktisch erfahrbaren Realität gemacht. Zwar gab es schon immer heiße Sommer – z. B. 2003 – trotzdem haben Fachleute und Laien das Jahr 2018 als Vorboten des Wetters erlebt, mit dem wir in Zukunft wohl zunehmend rechnen müssen. Unter anderem verzeichnete man den trockensten August seit Beginn der lokalen Messungen 1985, mit nur 12 % des durchschnittlichen Niederschlags. Dafür gab es so viele heiße Tage mit über 30 Grad wie noch nie in einem Sommermonat. Wahrscheinlich wird 2018 das trockenste Jahr seit 33 Jahren. Sicher haben sich viele über die Sonnentage gefreut und sie etwa zu häufigen Schwimmbadbesuchen genutzt. Beispielsweise verzeichnete das Schenkensee-Freibad mit 140.000 Badegästen (nach 115.000 im Vorjahr) Rekordzahlen. Andererseits haben Hitze und Dürre z. B. die Landwirte in Stadt und Region vor teilweise große Probleme gestellt.

So hat das Thema Klimaschutz an Dringlichkeit gewonnen. Schon seit vielen Jahren sind wir dabei, mit konkreten Maßnahmen auf lokaler Ebene Veränderungen anzustoßen. Dass die Haller Stadtwerke hier ein Vorreiter sind, haben Sie in den Jahresrückblicken immer wieder gelesen. 2018 werden sie mehr Strom aus eigenen Wind-, Biogas- und Sonnenkraftwerken erzeugen als im Netzgebiet verbraucht wird. Während die Bundesrepublik insgesamt ihre Klimaschutzziele verfehlt, sind wir in der Region auf einem guten Weg, trotz mancher Widerstände z. B. gegen den Bau der neuen Windkraftanlage an der Roten Steige bei Michelfeld.

Auch im direkten Verantwortungsbereich der Stadt gehen wir viele kleine Schritte, beispielsweise bei der Planung städtischer Neubauten, bei der energetischen Sanierung der Schulzentren, bei der Erneuerung des Straßenbeleuchtung, bei der Förderung des Fahrradverkehrs, der Anschaffung von Elektrobussen für den „Stadtbus“ und von Elektrofahrzeugen im städtischen Fuhrpark, beim Ausbau der Fernwärme oder der Förderung von klimafreundlichen Geräten in Privathaushalten. Beim Projekt „Kommunale Klimapartnerschaften“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit arbeiten wir mit der Stadt Okahandja in Namibia zusammen. Allerdings müssen wir auch beobachten, wie vieles, was wir auf lokaler Ebene für den Klimaschutz erreichen, durch die „große“ Politik konterkariert wird – man denke hier nur an die fortgesetzte Nutzung der besonders klimaschädlichen Braunkohle für die Stromgewinnung.

Wie immer wurde im vergangenen Jahr an vielen Orten gebaut, umgebaut und saniert. Weit gediehen sind die Vorarbeiten für den Bau des Weilertunnels. So entstand eine Hangbefestigung am unteren Ende der Stuttgarter Straße. Der Bau des Tunnels selbst verzögert sich allerdings erheblich. Aus geologischen Gründen muss während der Tunnelbohrung eine Baustellenbrücke die hier verlaufende Eisenbahnlinie sichern. Aufgrund des langen Vorlaufs bei der Bahn kann diese erst im Sommer 2020 erstellt werden. Mit der Einweihung des Tunnels können wir frühestens 2024 rechnen. Weitgehend abgeschlossen ist hingegen der Neubau des Globe-Theaters auf dem Unterwöhrd. Derzeit läuft der Innenausbau, ab 2019 wird hier Theater gespielt.

Bereits eingeweiht werden konnte nach drei Jahren Bauzeit das neue Bettenhaus des Diakonie-Klinikums. Der 128 Millionen Euro teure Neubau ist eine Zäsur, die für eine moderne Zukunftsausrichtung der Gesundheitsversorgung in der gesamten Region steht. Die Vorbereitungen für den zweiten Bauabschnitt laufen. Das alte Hochhaus aus den 1930er Jahren wird Anfang der 2020er Jahre abgerissen, der zweite Bauabschnitt entsteht zwischen Bettenhaus und Waldhaus und wird unter anderem die neue Intensivstation aufnehmen. Bis 2025 soll dann auf dem Diak-Gelände ein völlig neues, modernes Klinikum entstanden sein.

Umgezogen ist auch das Polizeirevier. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten ihr langjähriges „Provisorium“ am Gräterweg verlassen und nutzen seit August den markanten Neubau an der Salinenstraße.

Ende September feierte der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Schwäbisch Hall die Einweihung seines Hauses in der Mittelhöhe. Der Hospizdienst begleitet und unterstützt Kinder mit einer lebensverkürzenden Erkrankung und deren Familien.

Einen schweren Schlag für die Jugendarbeit in Schwäbisch Hall bedeutete im Mai ein Großbrand im Kindertreff Heimbacher Hof, bei dem eine als Werkstatt und Lager genutzte Fachwerkscheune mit dem gesamten Inventar zerstört wurde. Umso beeindruckender war die große Welle der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung. Viele Geld- und Sachspenden gingen ein. Erste Vorarbeiten für einen Neubau haben begonnen.

Noch im Planungsstadium befindet sich die Neugestaltung des Haalplatzes. Der historisch bedeutsame Ort – einst Standort der Saline – ist derzeit ein trister Parkplatz. Wichtig war uns eine breite Beteilung der Öffentlichkeit. Ein Arbeitskreis mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bürgerschaft, Initiativen und Parteien wurde im Frühjahr eingesetzt, um Ideen zu sammeln. Momentan läuft ein Wettbewerb zur Umsetzung dieser Ideen und Vorgaben in fertige Konzepte.

Überregionale Beachtung findet die Weiterentwicklung des Sonnenhofs. Die vor 50 Jahren gegründete Einrichtung für Menschen mit Behinderungen mit ihrem etwa 25 Hektar großen Gelände war bislang eine geschützte „Insel“. Das Areal wird sich nun öffnen, neu bebaut werden und mit der Stadt zusammenwachsen. Menschen mit und ohne Behinderungen sollen hier zukünftig gemeinsam leben. In rund zehn Jahren gibt es dann 200 bis 250 Wohneinheiten für rund 500 Personen. Dieses ambitionierte Projekt gilt landesweit als Vorbild und wurde bei einem Wettbewerb des Sozial- und Integrationsministeriums mit einem „Sonderpreis Inklusion“ in Höhe von 50.000 Euro ausgezeichnet.

Als Beispiel für die Erfolge Schwäbisch Haller Unternehmen sei die Optima-Gruppe genannt, die 2017 einen Umsatzrekord erreichte. Weltweit sind mehr als 2.250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Optima tätig, davon über 1.650 hier in Schwäbisch Hall. Ein neues Logistikzentrum mit rund 6.000 Quadratmeter Fläche soll Ende des Jahres bezugsfertig sein. Der Flugzeugsitzhersteller Recaro hat in der Stadtheide eine rund 15.000 Quadratmeter große Fläche erworben, auf der unter anderem ein Entwicklungszentrum, eine Versuchsfeldhalle sowie ein Brandlabor entstehen werden. Das Unternehmen zählt zu den drei weltweit bedeutendsten Herstellern von Flugzeugsitzen und beschäftigt 2.700 Männer und Frauen, davon 1.300 in Schwäbisch Hall – 300 mehr als noch vor einem Jahr. Wir freuen uns natürlich über dieses beeindruckende Bekenntnis zum Standort Schwäbisch Hall.

Vielleicht haben Sie in diesem Jahr den Namen unserer Stadt in einem ganz unerwarteten Zusammenhang gehört, nämlich der Welt des großen Kinos. Gerd Nefzer aus Schwäbisch Hall erhielt zusammen mit amerikanischen Kollegen für „Blade Runner 2049“ den Oscar für die besten visuellen Effekte. Die Haller Firma „Nefzer Special Effects“ steuert seit vielen Jahren für deutsche und internationale Produktionen die Spezialeffekte bei.

Die Stadt selbst spielte eine Rolle in dem vielbeachteten, im März ausgestrahlten Fernsehfilm „Die Freibadclique“ nach einem Roman des in Hall aufgewachsenen Regisseurs und Autors Oliver Storz. Erzählt wurden die Erlebnisse einer Gruppe Jugendlicher vor und nach dem Kriegsende 1945. Die Außenaufnahmen in Schwäbisch Hall entstanden bereits 2016.

Die Freilichtspiele profitierten vom guten Wetter und verzeichneten ein hervorragendes Ergebnis mit insgesamt über 61.000 Besucherinnen und Besuchern. Keine einzige Vorstellung musste wetterbedingt abgebrochen werden. Publikumsrenner war das Tanzmusical „Saturday Night Fever“ mit über 22.000, gefolgt von der „Bar zum Krokodil“ mit 14.000 und dem Klassiker „Wilhelm Tell“ mit 9.500 Zuschauerinnen und Zuschauern. Aus wirtschaftlicher Sicht erfreulich ist die unter dem Strich bleibende „schwarze Null“.

Die Kunsthalle Würth zeigt in der im April eröffnete Ausstellung „Wohin das Auge reicht“ eine Fülle von Neuzugängen internationaler Kunst der letzten zehn Jahre. Rund 200 Werke aus der Zeit zwischen den 1960ern und heute sind zum größten Teil erstmals öffentlich zu sehen. Hierbei befinden sich Arbeiten von Anthony Caro, Johannes Itten, Alex Katz, Martin Kippenberger, Sigmar Polke, Arnulf Rainer, Gerhard Richter und vielen anderen.

Das Hällisch-Fränkische Museum würdigte 2018 mit einer großen Ausstellung den Bildhauer Wolfgang Bier (1943-1998), der viele Jahre hier gelebt hat. Das Hohenloher Freilandmuseum in Wackershofen verzeichnete für 2017 eine ereignis- und erfolgreiche Saison mit mehr als 110.000 Besucherinnen und Besuchern, so viele wie seit 1996 nicht mehr. Das Thema Migration in allen seinen Facetten ist Thema des neuen, von der Geschichts-Werkstatt, dem Förderverein des Stadtarchivs und des Kreisarchivs veröffentlichten Buchs „Migrationen. Zuwanderung nach und Auswanderung aus Schwäbisch Hall“.

Das 12. Internationale Jazz-Art-Festival Schwäbisch Hall lockte im März zu neun Konzerten mit herausragenden Musikerinnen und Musikern aus Schweden, Ungarn, der Türkei, Italien, der Schweiz und Deutschland. Auch über die Jazz-Szene hinaus bekannt sein dürfte z. B. der Pianist Chris Jarrett.

Mit der Verleihung des Europäischen Kulturerbe-Siegels durch die Europäische Kommission wurde die Arbeit der Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental gewürdigt. Die Ehrung geht gemeinsam an 15 Gedenkstätten an Standorten von Außenlagern des KZ Natzweiler in Deutschland und Frankreich.

Der nun schon traditionelle „Kongress der Weltmarktführer“ brachte im Januar Prominenz aus Wirtschaft und Politik nach Schwäbisch Hall, unter anderem den ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, EU-Kommissar Günther Oettinger und Fredi Bobic, Sportvorstand des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt.

Das Kuchen- und Brunnenfest an Pfingsten startete dieses Jahr in Steinbach. Rund 18.500 Besucher ließen sich das traditionelle Fest der Salzsieder nicht entgehen. Wie immer kreisten die Trinksprüche um lokale und überregionale Themen. Nach 16 Jahren an der Spitze des Großen Siedershofs trat Tobias Rieger letztmals als „Erster Hofbursche“ auf. Julia Hilcz gab ihren Einstand als neue Erste Tänzerin und Nachfolgerin von Bianca Stöker.

 

Beim 33. Dreikönigslauf erreichten erstmals mehr als 2.000 Läufer die Ziellinie. Den Hauptlauf über 10 km gewannen die beiden Vorjahressieger Florian Röser aus Konstanz und die mehrfache deutsche Meisterin Sabrina Mockenhaupt.

Nichts für schwache Nerven war das Finale um den „German Bowl“, die Deutsche Football-Meisterschaft. Hier verteidigten die Haller Unicorns ihren im letzten Jahr gewonnenen Titel in einer äußerst spannenden Partie erfolgreich gegen Samsung Frankfurt Universe. Dies ist nach 2011, 2012 und 2017 der vierte Meisterschaftsgewinn für das Haller Football-Team.

Aber auch in anderen Bereichen gelangen Sportlerinnen und Sportlern aus Haller Vereinen Bestleistungen. Die Säbelfechterin Julika Funke erreichte im April bei den U-20-Weltmeisterschaften das Viertelfinale. Harri Schuhmacher sicherte sich im Oktober Rang drei bei der Veteranen-WM in Ringen in Perm. Bei den süddeutschen Leichtathletik-Meisterschaften holte Keesha Polk von der TSG über 200 m Hürden den Titel. Den Damen des Schachclubs Schwäbisch Hall konnten wir im März zur deutschen Vizemeisterschaft gratulieren.

Aus der Vielfalt der Jubiläen und Feste seien nur einige herausgegriffen. Das Waldbad in Gelbingen wird seit 20 Jahren von einem Verein getragen. Ebenso lange gibt es den Waldkindergarten. Auf 25 Jahre konnten der Tagestreff Schuppachburg und die Ganztagesbetreuung im Kinderhaus Badtorweg zurückblicken. Seit 30 Jahren pflegt Schwäbisch Hall seine Städtepartnerschaft mit Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern. 50jährige Jubiläen feierten der Sonnenhof, das Hotel Hohenlohe und die evangelische Martinskirche in Steinbach. Ein Höhepunkt des Jahres für alle Kinder, das Kinderfest, konnte 2018 auf eine 150jährige Geschichte zurückblicken – hierzu erschien auch eine Festschrift.

Auch aus dem Bereich „Personalien“ gibt es neues zu vermelden. Diak-Chef Hans-Joachim Lenke hat Abschied von Hall genommen und ist nach Hannover gewechselt, Pfarrer Christoph Baisch wurde Dekan in Heilbronn. Josef Keiner, Geschäftsführer des katholischen Dekanats, trat in den Ruhestand, ebenso Gabriele Schindler, die Rektorin der Grundschule am Langen Graben, und Wolfgang Amendt, der Direktor des Amtsgerichts. Im Oktober gab es innerhalb der Stadtverwaltung einige Veränderungen. So leitet Thomas Gerstenberg seit kurzem die „Zentralen Steuerung“. Er war bisher für den Fachbereich Außerschulische Bildung zuständig und übernimmt nun die Verantwortung für eine Vielzahl an Stabsstellen, die dem Oberbürgermeister strategisch zuarbeiten. Neu geschaffen wurde in diesem Bereich die Stelle einer Integrationsbeauftragten. Neuer Geschäftsführer der Volkshochschule ist Marcel Miara. Mit Edgar Blinzinger, dem Leiter des Fachbereichs Jugend, Schule und Soziales, tritt ein „Urgestein“ der Haller Stadtverwaltung in den Ruhestand. Seinen neu zugeschnittenen Bereich wird Christoph Klenk übernehmen. Die Leitung des neu geschaffenen Fachbereichs Kultur und Touristik hat vor kurzem Dirk Steimann angetreten, bislang verantwortlich für das Kulturforum in Witten.

Leider gab es 2018 auch traurige Abschiede von profilierten Persönlichkeiten unserer Stadt. Im Alter von 89 Jahren ist Dieter Kalinke, früherer Redakteur des „Haller Tagblatts“ von uns gegangen. Manfred Akermann, ehemaliger Leiter des Stadtarchivs, starb im Alter von 86 Jahren. Obwohl sie durch die Nazis zur Flucht aus Schwäbisch Hall gezwungen wurde, ist Ilse Stein ihrer Heimatstadt eng verbunden geblieben. Sie starb nun im Alter von 103 Jahren in Pittsburgh. Nur 62 Jahre alt wurde Stefan Messner, der mehr als 20 Jahre als Hauptkassier der TSG eine wichtige Rolle im Präsidium des größten Haller Sportvereins spielte. Vielfältig engagiert war auch Manfred Krauß, früherer Geschäftsführer der AOK Schwäbisch Hall, der im Alter von 78 Jahren starb.

Soweit unser Streifzug durch das diesjährige Geschehen in Schwäbisch Hall. Das Aktuellste aus Ihrer Heimat erfahren Sie auf der Facebookseite der Stadt oder über das Online-Portal des Haller Tagblatts.

Ich möchte allen danken, deren Grüße mich während dieses Jahres erreicht haben, und Ihnen ein schönes und friedvolles Weihnachten 2018 und Ihnen und Ihrer Familie alles Gute, Glück, Gesundheit und Zufriedenheit für das kommende Jahr wünschen.

Über alle Grenzen hinweg grüße ich Sie in freundschaftlicher Verbundenheit,

 

Hermann-Josef Pelgrim
Oberbürgermeister