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Saline, Salz und Solebad

1939 ausgegrabene Reste der keltischen Saline im Bereich der Kreissparkasse
Die Haller Saline mit Haalbrunnen, Siedehütten, Holzstapeln, Salziedern und einer Siedepfanne im Vordergrund. Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert

Eine keltische Saline, bei der durch das Erhitzen des hier austretenden, salzhaltigen Grundwassers Salz gewonnen wurde, konnte für das 5. bis 1. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen werden. Auch das mittelalterliche Schwäbisch Hall verdankt sein Entstehen vermutlich der Salzquelle. Die Saline gehörte ursprünglich dem König, doch bereits 1306 lagen die Eigentumsrechte überwiegend bei Haller Bürgerfamilien. Später erwarb der reichsstädtische Magistrat einen entscheidenden Einfluss auf die Salzgewinnung. Die Arbeit in der Saline führten die Salzsieder aus, die im Lauf der Zeit ein dem mittelalterlichen Lehenswesen entsprechendes, vererbbares Untereigentum an der Saline erwarben. Die Hauptabsatzgebiete des Salzhandels lagen im Westen am Rhein (Speyer, Straßburg und Basel) und im südlich gelegenen Herzogtum Württemberg.

Die Salzgewinnung war bis in das 19. Jahrhundert wirtschaftliche Grundlage der Stadt, nicht nur für die Salzsieder selbst, sondern auch für zahlreiche Handwerker, Taglöhner, Fuhrleute und Händler. Gewonnen wurde das "weiße Gold" im Haal (heute Haalplatz) durch das Erhitzen des aus dem Haalbrunnen geschöpften, salzhaltigen Wassers ("Sole") in Eisenpfannen, die in den Siedehütten standen. Die dafür benötigten enormen Holzmengen wurden per Floß nach Schwäbisch Hall transportiert. Im 18. Jahrhundert setzte der reichsstädtische Rat gegen den Widerstand der Sieder technische Verbesserungen durch, mit denen der Ertrag der Saline von 20.000 auf etwa 80.000 Zentner pro Jahr gesteigert werden konnte. 

Die neue königliche Saline nördlich der Altstadt auf einem Foto vom Ende des 19. Jahrhunderts
Der Haalbrunnen ist eine der wenigen Erinnerungen an die Salzgewinnung in Schwäbisch Hall (Foto 2009)

Nach dem Ende der Reichsstadt 1802 verstaatlichte der württembergische Staat die Saline und setzte sich dabei gegen den erbitterten Widerstand der Salzsieder durch. Ab 1825 wurde nicht mehr die "Sole" aus dem Haalbrunnen, sondern Steinsalz aus dem nahe gelegenen Bergwerk Wilhelmsglück verarbeitet. Bis 1835 entstand am nördlichen Ende der Altstadt eine neue Fabrikationsanlage, die alte Saline auf dem Haalplatz wurde aufgegeben. Obwohl die königliche Saline im 19. Jahrhundert ein bedeutender Wirtschaftsfaktor blieb und zusammen mit dem Bergwerk um 1855 direkt und indirekt 500 bis 700 Personen beschäftigte, verlor sie ab den 1850er Jahren schrittweise an Bedeutung. 1924 schloss der württembergische Staat aus wirtschaftlichen Gründen die Saline, die zuletzt nur noch 30 bis 35 Menschen beschäftigt hatte. Die Bauten wurden in der Folge weitgehend abgerissen. Abgesehen vom Haalbrunnen auf dem als Parkplatz genutzten Haalplatz haben sich kaum sichtbare Spuren der Salzgewinnung erhalten. 

 

Das 1880 eingeweihte Solbad auf dem Unterwöhrd auf einer Postkarte um 1900

Erhalten hat sich hingegen die Nutzung der Sole für Badezwecke, die 1827 mit der Einrichtung eines ersten "Solbads" auf dem Unterwöhrd begann. Man schrieb dem Salzwasser eine heilsame Wirkung insbesondere bei Haut- und rheumatischen Krankheiten zu. 1880 wurde ein aufwendiger Neubau des Solbads im Stil des Historismus eingeweiht. Um 1900 kamen etwa 13.000 Besucher pro Jahr. Die Entwicklung der Stadt zum Kurort wurde jedoch 1914 durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrochen. Eine dauerhafte Wiederbelebung des Kurbetriebs gelang nicht mehr, weshalb das Solbad 1967 geschlossen und im Jahr darauf abgerissen wurde. Seit 1982 gibt es jedoch das "Solebad" beim Hotel "Hohenlohe". Hier kann in der früher zur Salzgewinnung genutzten Sole gebadet werden.