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Die Gebäude des Stadtarchivs

Renaissanceportal der Familie Widman am Stadtarchiv - Am Markt 5

Widmanhaus (Am Markt 5)

Das Widmanhaus war Teil des 1236 gegründeten Franziskanerklosters. Hier befanden sich angeblich das Dormitorium (Schlafsaal) und das Refektorium (Speisesaal). Die Grabsteine außen am Gebäude erinnern an zwei im Kloster beigesetzte Stadtadelige. 1524, im Zuge der Reformation, gaben die Mönche das Kloster auf. Einige Jahre befand sich darin die Lateinschule; sie zog nach Beschädigungen bei Abbrucharbeiten aus. 1561 ließ der Syndikus Dr. Georg Rudolf Widman (1519-1584) das Haus im Renaissancestil umbauen und mit einem Portal verzieren, das zu den schönsten Zeugnissen dieser Epoche in Schwäbisch Hall gehört. 1550 wurde hier Georg Rudolf Widman geboren, der Verfasser des von Goethe als Vorlage benutzten Faustbuchs von 1599. Nach dieser bedeutenden Haller Familie, die auch den Chronisten Georg, den Komponisten Erasmus und den Schriftsteller Achilles Jason hervorgebracht hat, heißt das Haus noch heute.

Zu den späteren Besitzern gehörte im 17. Jahrhundert der Junker Wolf von Crailsheim, im 18. Jahrhundert die zur städtischen „Ehrbarkeit“ gehörende Familie Müller. In den 1920er Jahren richtete der „Konsumverein“ hier einen Laden ein, während des Nationalsozialismus gab es im Haus eine Dienststelle der SS. Seit 1967 befindet sich im „Widmanhaus“ das Stadtarchiv.

 

Der Nonnenhof, die Außenstelle des Stadtarchivs

Nonnenhof (Nonnenhof 4)

1348 lassen sich in Schwäbisch Hall erstmals Laienschwestern des Franziskanerordens nachweisen; 1412 erhielten die „Beginen“, die sich von Nonnen dadurch unterschieden, dass sie keinen Eid ablegten und aus der Gemeinschaft wieder austreten konnten, ein Haus am Spital. 1514 bezogen sie den für sie neu gebauten, heutigen „Nonnenhof“. Trotz der sich in Schwäbisch Hall früh durchsetzenden Reformation bestand die Beginengemeinschaft wahrscheinlich bis etwa 1555. Indizien sprechen dafür, dass sich danach hier zeitweilig eine deutsche Schule befand.

Später bewohnten Beamte der Reichsstadt – Lehrer, Kantoren und Präzeptoren – das Gebäude. 1708 richtete man hier das Archidiakonat ein. 1802 verkaufte die Reichsstadt das Haus in Privathand. Zwischen 1844 und 1852 befand sich hier die „Wilhelmsanstalt“, ein Institut für Waisen und verwahrloste Kinder, mit nicht weniger als 70 Insassen. 1985 begann die Stadt mit der Sanierung und Wiederherstellung des inzwischen sehr maroden Bauwerks. Seit 1989 ist der Nonnenhof Außenstelle des Stadtarchivs und wird als Magazin und für Seminare genutzt.

 

Die Ratsbibliothek im Untergeschoss des Rathauses

Ratsbibliothek im Rathaus (Am Markt 6)

Bis zum großen Stadtbrand von 1728 befand sich hier die romanische Kirche St. Jakob, die zum 1236 gegründeten Franziskanerklosters gehörte. Da die Kirche nach der Auflösung des Klosters 1524 nur noch unregelmäßig für Gottesdienste gebraucht worden war, verzichtete man auf einen Wiederaufbau und beschloss stattdessen, an dieser Stelle das neue Rathaus zu errichten. Das von dem Ludwigsburger Baumeister Johann Ulrich Heim entworfene und durch den italienischen Maler Livio Retti mit Fresken verzierte neue Rathaus konnte 1735 eingeweiht werden. Archiv und Registratur der reichsstädtischen Verwaltung kamen im Kellergeschoss unter. Auch die Ratsbibliothek fand hier später ihren Platz. Dank der massiven Gewölbe überstanden Archiv und Bibliothek den Brand des Rathauses am 17. April 1945 im wesentlichen unbeschadet. Der im Barockstil gehaltene Raum der Ratsbibliothek entstand 1947 nach Plänen von Eduard Krüger. Während das Archiv selbst in den 1960er Jahren in das benachbarte Widmanhaus umgezogen ist, befindet sich die Bibliothek nach wie vor an diesem traditionsreichen Standort.