Schrift verkleinern Schrift vergrößern
Schwäbischhall Shop

Neuerwerbungen und -zugänge

Der Salinen- und Kreisbaumeister Carl Stock sen. (1780-1844), undatierte Lithografie von Gottfried Küstner, Stuttgart, um 1820 (StadtA Schwäb. Hall S10/2151)

Portrait des Haller Salinenbaumeisters Carl Stock (1780-1844)

Aus Privatbesitz hat das Stadtarchiv ein Portrait des Salinenbaumeisters Carl Stock (1780-1844) erhalten, einer für die Haller Baugeschichte des 19. Jahrhunderts prägenden und wichtigen Persönlichkeit. Der aus Tuttlingen stammende Baumeister (Architekt) hatte u.a. in Friedrichshafen, Ravensburg und seiner Vaterstadt gewirkt und kam 1834 nach Schwäbisch Hall. Er war vor allem für den Neubau der (größtenteils in den 1930er jahren abgerissenen) königlichen Saline nördlich des damaligen Stadtgebiets verantwortlich. Weiterhin entwarf er z.B. die Fabrikbauten der Spinnerei von J. F. Chur am Ripperg, den Oberen Nikolaifriedhof mit dem klassizistisch beeinflussten Portal und der neuromanischen Friedhofskapelle oder den „Rippergsteg“ über den Kocher. Zusammen mit seiner Ehefrau Ehefrau Catharina Elisabeth, geborene Graf, hatte er neun zwischen 1803 und 1822 geborene Kinder, von denen aber nur fünf das Erwachsenenalter erreichten.  Die Familie lebte in einer Wohnung im Obergeschoss des Hauses Obere Herrngasse 3, das bei einem Großbrand am 14. Mai 1836 zerstört und anschließend wieder aufgebaut wurde. Carl Stock starb am 21. Dezember 1844 an einem „nervösen Schleimfieber“ (vermutlich Typhus), der Tod seiner Witwe folgte am 26. Mai 1852. Interessant sind die sehr unterschiedlichen Lebenswege der beiden Söhne. Adolf Stock (1809-1871) studierte Theologie und wurde evangelischer Pfarrer. Seine Karriere krönte er mit der Berufung zum Prälaten und Generalsuperintendenten in Heilbronn und der Erhebung in den persönlichen Adelsstand (1869). Der jüngere Sohn Carl jun. (1822-1903) machte eine Schreiberausbildung. Nachdem man ihn bei einer Unterschlagung ertappt hatte, wanderte er auf Druck seiner Familie 1858 nach Australien aus. Hier führte er ein unstetes und von Armut geprägtes Leben, arbeitete viele Jahre als Kaminkehrer in Ballarat (Victoria) und starb dort 1903 in einem Armenasyl. Seine nach Deutschland zurückgeschickten Tagebücher werden im Stadtarchiv aufbewahrt.

Das Portrait von Carl Stock sen. druckte der Stuttgarter Lithograf Gottfried Küstner wohl um 1820; ein Gemälde dürfte als Vorlage gedient haben. Es ist bemerkenswert, dass Küstner es offenbar für lohnend hielt, ein Portrait des Baumeisters zu vervielfältigen und zum Verkauf anzubieten.

Blick entlang des Kochers in Richtung Süden auf Steinbach und die Comburg. Kolorierte Bleistiftzeichnung eines unbekannten Künstlers, datiert 1856 (StadtA Schwäb. Hall S10/2359).
Blick über den Ziergarten der Gastwirtschaft zum „Waldhorn“ zur Comburg. Kolorierte Bleistiftzeichnung eines unbekannten Künstlers, datiert 1856 (StadtA Schwäb. Hall S10/2360).
Gastwirtschaft „Zur Glocke“ in der Mauerstraße, dahinter Unterwöhrd und Roter Steg. Kolorierte Bleistiftzeichnung eines unbekannten Künstlers, datiert 1856 (StadtA Schwäb. Hall S10/2361).
Blick von der Salinenstraße auf Henkersbrücke, Heimbacher Gasse und Weiler. Kolorierte Bleistiftzeichnung eines unbekannten Künstlers, datiert 1856 (StadtA Schwäb. Hall S10/2362).
Blick vom Haalplatz auf den Roten Steg. Kolorierte Bleistiftzeichnung eines unbekannten Künstlers, datiert 1856 (StadtA Schwäb. Hall S10/2363).
Blick vom Haalplatz auf die Häusergruppe um die Einmündung der Kirchgasse in die Mauerstraße. Kolorierte Bleistiftzeichnung eines unbekannten Künstlers, datiert 1856 (StadtA Schwäb. Hall S10/2364).

Schwäbisch Haller Ansichten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts

 Eine schöne Ergänzung zu den bislang bekannten Ansichten Schwäbisch Halls ist eine über ein Antiquariat bezogene Serie von sechs auf das Jahr 1856 datierten, mit Aquarellfarben kolorierten Bleistiftzeichnungen eines unbekannten Künstlers. Bei diesem könnte es sich z.B. um den zeitweilig in Schwäbisch Hall als Zeichenlehrer tätigen, späteren Stuttgarter Professor Eduard Herdtle (1821-1878) oder seinen ebenfalls als Maler aktiven Bruder Hermann Herdtle (1819-1889) handeln. So weisen die Zeichnungen Ähnlichkeiten zu einer mit „Herdtle jun.“ signierten Serie von Grafiken mit Schwäbisch Haller Ansichten auf, die wohl auf Vorlagen von Eduard Herdtle zurückgehen. Aber auch sein älterer Bruder hat sich der Stadt und ihren historischen Baulichkeiten gewidmet. Natürlich könnte auch ein anderer Maler und Zeichner die Grafiken z.B. bei einem vorübergehenden Aufenthalt geschaffen haben. Offenbar stammen die Zeichnungen aus einem „Reisealbum“, was die fehlenden Signaturen erklärt. Es handelte sich wohl um Skizzen, die eventuell als Vorlagen für spätere Arbeiten, vielleicht aber auch nur als Erinnerungen an einen Aufenthalt in der damaligen Oberamtsstadt dienten. Es fällt auf, dass die meisten Zeichnungen Motive zeigen, die auch später bei Malern und Fotografen beliebt waren. Hierzu gehören die Häuser um die Einmündung der Kirchgasse in die Mauerstraße, der „Rote Steg“ zwischen Unterwöhrd und Bahnhofstraße, die Henkersbrücke mit der Johanniterkirche und den umgebenden Häusern, die Gastwirtschaft „Zur Glocke“ in der Mauerstraße und eine Ansicht der Comburg vom Kocher aus. Ungewöhnlich ist hingegen der Blick über den Ziergarten der Wirtschaft zum „Waldhorn“ in der Unteren Herrngasse in Richtung Comburg. Alle Zeichnungen dokumentieren das in diesen Jahren beginnende Interesse an der als romantisch und pittoresk wahrgenommenen Altstadt der ehemaligen Reichsstadt Schwäbisch Hall. Interessant sind die Bilder nicht nur aufgrund der handwerklichen Qualität ihrer Ausführung, sondern auch als Quellen zur Entwicklung  der Stadt aus einer Zeit, aus der es nur relativ wenig bildliche Darstellungen gibt. Sie dokumentieren die trotz einer scheinbar weitgehend unveränderten Erhaltung teilweise beträchtlichen Veränderungen im Stadtbild. So zeigen zwei der Zeichnungen die aus einer sogenannten „Wasserkunst“ der Saline hervorgegangene Ölmühle am Südende des Unterwöhrds, die um 1880 für den Bau des (heute ebenfalls nicht mehr bestehenden) neuen Solbads abgerissen wurde. Die Ansicht von Henkersbrücke und Weiler ist eine der wenigen Bildquellen zum Aussehen der Brücke vor ihrem Umbau 1858/59. Interessant sind aber auch Details wie der Ziergarten des damaligen Waldhornwirts Reiß, das vermutlich zum Auffangen von Floßholz für die Saline dienende Gatter im Kocher, ein längst verschwundener Brunnen beim Rotstegturm oder die teilweise außen an den Hausfassaden erkennbaren Fallrohre der nach heutigen Maßstäben äußerst primitiven Toiletten (3/2019).

Portrait des Schwäbisch Haller Ratsherrn Johann Christoph Hetzel (1607-1659), 1647. Gemälde eines unbekannten Meisters (möglicherweise Johann Schreyer) (StadtA Schwäb. Hall S12/0239)
Portrait der Magdalena Hetzel (1612-1674), Ehefrau des Ratsherrn Johann Christoph Hetzel, 1647. Gemälde eines unbekannten Meisters (möglicherweise Johann Schreyer) (StadtA Schwäb. Hall S12/0240)
Portrait eines unbekannten Schwäbisch Haller Honoratioren aus der Familie Hetzel, möglicherweise des Ratsherrn Johann Peter Hetzel des jüngeren (1672-1750). Gemälde von Johann Glocker aus Tübingen, vermutlich um 1727/28 (StadtA Schwäb. Hall S12/0241
Portrait einer Schwäbisch Haller Bürgerin, möglicherweise der Anna Rosine Hetzel geb. Schübelin (1681-1762), Ehefrau des  Ratsherrn Johann Peter Hetzel. Gemälde von Johann Glocker aus Tübingen, vermutlich um 1727/28 (StadtA Schwäb. Hall S12/0242)

Portraits von Schwäbisch Haller Honoratoren der Barockzeit

Mit Unterstützung der Geschichts-Werkstatt konnte das Stadtarchiv von einem Antiquariat vier großformatige, barocke Portraitgemälde Haller Bürgerinnen und Bürger erwerben. Zwei der dargestellten Personen sind aufgrund von Beschriftungen identifizierbar. Es handelt sich um den Ratsherrn Johann Christoph Hetzel und seine Ehefrau Magdalena geb. Firnhaber. Hetzel wurde 1607 als Sohn des Honhardter Amtsschultheißen Johann Hetzel und der Maria Salome geb. Arnschwanger geboren. Er besuchte von 1615 bis 1622 die Schwäbisch Haller Lateinschule,  von 1624 bis 1626 das Gymnasium in Ansbach und studierte im Anschluss bis 1628 Jura in Altdorf. 1629 ging er an die Universität Wittenberg, wo er zweieinhalb Jahre blieb. Nach dem Tod seines Vaters kehrte er nach Schwäbisch Hall zurück und heiratete 1633 Magdalena Firnhaber, eine 1612 geborene Tochter des Peter Firnhaber, Mitglied des Spitalgerichts und Handelsmann in Hall. Aus der Ehe gingen 14 Kinder hervor, von denen acht ihren Vater überlebten. 1635 wurde Johann Christoph Hetzel Mitglied im äußeren Rat, 1636 im Inneren Rat. Es folgten weitere Ämter wie das eines Hauptmanns der Metzgerzunft (1636), des Amtmanns über das Kocheneck (1639) und des Obervormunds (1651). Er starb am 21. April 1659 im Alter von nur 51 Jahren. Magdalena Hetzel lebte viele Jahre lang als Witwe und starb als 62jährige im Jahr 1674. Ihre Inventur weist ein beträchtliches Vermögen von 4.650 Gulden aus und nennt u.a. eine „Behaußung“ in der Oberen Keckengasse (heute Obere Herrngasse 3). Die beiden Portraits entstanden 1647, als Johann Christoph Hetzel 40 Jahre und Magdalena Hetzel 36 Jahre alt war. Der an der Seite des Ratsherrn erkennbare Degen mag eine Anspielung auf die turbulente und gewalttätige Zeit des Dreißigjährigen Kriegs sein, in der das Ehepaar lebte. Der Maler ist leider nicht genannt. Er ist unter den damals in Hall tätigen Künstlern zu suchen. Urheber könnte z.B. Johann Schreyer gewesen sein, der die große Stadtansicht von 1643 im Haalamt geschaffen hat. Teilweise Übereinstimmungen bei der dortigen Darstellung von Personen reichen aber nicht aus, um diese Annahme zu beweisen.

Bei den anderen Portraits fehlt eine Beschriftung oder Datierung, dafür gibt es bei dem Männerportrait mit der Aufschrift „Glocker Pinxit“ eine Signatur des Künstlers. Damit ist sehr wahrscheinlich der württembergische Maler Johann Glocker (um 1690-1763) gemeint. Er arbeitete seit 1713 in Tübingen, hatte aber aufgrund der starken Konkurrenz Schwierigkeiten, seinen Lebensunterhalt zu erwerben. Deshalb nahm er auch auswärtige Aufträge an. Für 1727/28 erwähnen Tübinger Quellen Aufenthalte in Waiblingen und Schwäbisch Hall – die Portraits könnten also in dieser Zeit entstanden sein. Glocker arbeitete später in Heidelberg und scheint in den 1750er Jahren nach Tübingen zurückgekehrt zu sein, wo er wohl auch starb. Aufgrund des gleichen Stils und der gleichen Maße ist davon auszugehen, dass auch das Frauenportrait von ihm stammt und dass es sich sehr wahrscheinlich um ein Ehepaar handelt. Der Mann gehört ausweislich des Familienwappens wohl in die Familie Hetzel. Es könnte sich beispielsweise um den Ratsherrn Johann Peter Hetzel den jüngeren (1672-1750) und seine Frau Anna Rosine geb. Schübelin (1681-1762) handeln. Johann Peter war der Sohn eines gleichnamigen Stättmeisters und Enkel Johann Christoph Hetzels und verfügte über ein erhebliches Vermögen. Die großformatigen, zweifellos teuren Gemälde, die aufwändige Kleidung insbesondere der Frau und die Frisuren deuten jedenfalls auf hochgestellte Mitglieder der reichsstädtischen Gesellschaft. Der Mann trägt eine Allongeperücke, wie sie durch König Ludwig XIV. von Frankreich in den 1670er Jahren eingeführt wurde. Die heute als Teil der Amtstracht evangelischer Pfarrer unter der Bezeichnung „Beffchen“ bekannte Halsbinde war im 17. und 18. Jahrhundert nicht auf diesen Berufsstand beschränkt und wurde z.B. auch von Juristen getragen. Ein ähnliches Kleidungsstück ist auf dem von Johann Glocker um 1717 gemalten Portrait des Tübinger Rechtsgelehrten Gabriel Schweder zu sehen. In dieselbe Zeit deutet die Frisur der Dame. Sie trägt eine sogenannte „Fontange“, eine hohe, über einem Gestell aus Draht aufgebaute Haube, die in den 1680er Jahren in Gebrauch kam. Auch diese Mode stammte aus Frankreich und ging auf die Herzogin von Fontanges zurück, eine Mätresse Ludwigs XIV. In den 1720er Jahren waren „Fontangen“ eigentlich schon aus der Mode gekommen, aber dass eine Schwäbisch Haller Ratsherrengattin diese zweifellos teure und aufwändige Kopfbedeckung noch einige Jahre länger trug als französische Hofdamen, dürfte nicht sehr überraschen. Wenn auch eine eindeutige Identifikation dieses Honoratiorenpaars kaum möglich sein wird, so zeigen die Portraits doch die Strahlkraft der höfischen Kultur Frankreichs in der Zeit Ludwigs XIV., die auch in der Reichsstadt Schwäbisch Hall ihre Wirkung entfaltete (2/2019).

Kaiser Franz II. zu Pferd. Kupferstich anlässlich der Krönung in Frankfurt 1792, von Johann Christoph Hafners Erben, Augsburg, bei Restaurierungsarbeiten als Makulatur in einem beschädigten Bucheinband gefunden (StadtA Schwäb. Hall S10/2353)

Kaiserportrait aus einem Bucheinband

Dieser Neuzugang in der Grafiksammlung befindet sich schon seit vielen Jahren im Stadtarchiv. Der scheinbare Widerspruch kommt daher, dass es sich um eine sogenannte "Makulatur" handelt. Das Blatt fand sich im Einband eines Buchs, das wegen starken Schäden restauriert werden musste. Hierbei erkannte der Restaurator die Grafik. Sie wurde freigelegt und nun durch Festigung des brüchigen Papiers und Schließen von Fehlstellen selbst restauriert.

Der farbige Kupferstich zeigt Franz II. (1768-1835), den letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation (1792-1806) und ersten Kaiser von Österreich (1806-1835). Der reitende Monarch trägt Mantel und Kaiserkrone, im Hintergrund ist vermutlich Frankfurt am Main zu sehen, wo ab 1356 der deutsche König gewählt wurde und ab 1562 auch die Kaiserkrönungen stattfanden. Die Grafik entstand in der Werkstatt von Johann Christoph Hafners Erben in Augsburg, vermutlich zur Wahl und Kaiserkrönung von Franz II. am 5. und 14. Juli 1792. Warum das Portrait des jugendlichen Kaisers zu Altpapier degradiert wurde, ist eine interessante, aber wohl nicht zu beantwortende Frage. Um einen Fehldruck kann es sich nicht gehandelt haben, denn sonst wäre die aufwändige, von Hand aufgetragene Kolorierung unterblieben. Vielleicht hat man die Grafik nach dem Ende des Alten Reichs 1806 einfach für obsolet gehalten und deshalb "entsorgt". Ein Buchbinder hat das Blatt dann mit anderem Makulaturpapier verleimt, zu Pappe gepresst und beim Binden eines Buchs als Deckel verwendet. Auf diese Weise überlebte das Kaiserportrait rund 200 Jahre im Verborgenen (12/2018).

Titelblatt der Druckfassung eines Texts von Johannes zu Fragen der Eheschließung, undatierter Druck aus Nürnberg, vermutlich von 1529 (StadtA Schwäb. Hall Alte Dr./819)
Frühe deutsche Druckfassung der hauptsächlich von Johannes Brenz verfassten „Confessio Virtembergica“, gefertigt 1552 durch den Tübinger Drucker Ulrich Morhart (StadtA Schwäb. Hall Alte Dr./820).

Zwei seltene Drucke von Werken des Schwäbisch Haller Reformators Johannes Brenz

 Dank jahrzehntelanger Sammeltätigkeit besitzt das Stadtarchiv eine umfangreiche Sammlung von - teils sehr seltenen - Drucken des Haller Reformators Johannes Brenz (1599-1570). Über ein österreichisches Antiquariat gelang nun der Ankauf zweier bislang nicht vorhandener Bände.

Wohl bereits 1529 entstand "Wie in Eesachen...", zu Fragen des Eherechts. Dass sich Johannes Brenz mit dieser Thematik häufig und intensiv befasst hat, war eine direkte Folge der Reformation. Da man nun die bislang z.B. für Ehescheidungen zuständigen bischöflichen Ehegerichte nicht mehr anerkannte, musste ein neuer rechtlicher Rahmen zur Behandlung von Streitfragen geschaffen werden. In dem erstmals 1529 im Druck erschienenen Büchlein fasste Brenz mehrere Gutachten und Texte zu Fragen des Eherechts zusammen. Unter anderen ging er der Frage nach, ob von Minderjährigen ohne Wissen der Eltern geschlossene Eheverträge gültig seien, bei welchen Verwandtschaftsgraden Eheschließungen nicht zulässig seien oder ob "der yhenig, so ein junckfraw schwecht" (schwängert), zur Heirat mit dieser gezwungen werden sollte. Auch die Frage nach der Zulässigkeit der Polygamie oder den akzeptablen Gründen für eine Ehescheidung beschäftigte Brenz. Der undatierte, von Jobst Gutknecht in Nürnberg gedruckte Band erschien offenbar bereits 1529, im Jahr der Erstausgabe.

Ín die Zeit des Wirkens von Brenz in Württemberg führt ein in Tübingen entstandener, früher deutschsprachiger Druck der "Confessio Virtembergica", des Württembergischen Bekenntnisses. Das  Herzogtum, das Brenz nach seiner endgültigen Flucht aus der Reichsstadt Schwäbisch Hall im Zuge der Krise um das von Kaiser Karl V. verordnete "Interim" Unterschlupf bot, hatte sich verpflichten müssen, seine religiösen Anliegen auf dem Konzil von Trient vorzubringen. Hier versuchte die katholische Kirche  seit 1547, Antworten auf die durch die Reformation aufgeworfenen Fragen zu finden. Obwohl Brenz das Konzil für gottlos, nicht vertrauenswürdig und unfrei hielt, war er der Meinung, dass man dem kaiserlichen Befehl gehorchen und Vertreter zum Konzil schicken solle, um dort seinen Glauben zu bekennen. Hauptsächlicher Autor der daraufhin im Namen des seit 1550 regierenden Herzogs Christoph verfassten "Confessio" war er selbst. Bemerkenswerterweise versuchte Brenz keine reine Abgrenzung von der katholischen Lehre und Praxis. Stattdessen griff er bei seiner Argumentation auf die gemeinsamen Wurzeln der christlichen Glaubens zurück, indem er sich neben der Bibel auch auf die altkirchlichen Bekenntnisse berief. Dadurch, dass er neben das reformatorische Prinzip "sola scriptura" (allein die Schrift = Bibel) auch Lehre und Praxis der Alten Kirche stellte , versuchte der Reformator eine Annäherung an die  katholische Kirche und ihre Lehre. Die in lateinischer Sprache verfasste Bekenntnisschrift wurde im Januar 1552 an eine Kongregation des Konzils übergeben, eine Antwort darauf erfolgte aber nie. Im März 1552 reiste Brenz mit einigen anderen württembergischen Theologen trotz Bedenken angesichts des Schicksals von Jan Hus (1415 in Konstanz trotz Zusicherung freien Geleits verbrannt) nach Trient, um etwaige Fragen beantworten zu können. Eine Sitzung, in der sie angehört werden sollten, fand nicht statt. Nach dreiwöchigem Warten reiste die Delegation wieder ab. Mittlerweile hatte der "Fürstenaufstand" des Kurfürsten Moritz von Sachsen begonnen, der den Kaiser der Möglichkeit beraubte, eine Rekatholisierung Deutschlands zu erzwingen. Die "Confessio" erreichte ihren unmittelbaren Zweck zwar nicht, erlangte aber erhebliche Bedeutung als Zusammenfassung der Grundlagen protestantischer Lehre. Bereits im Sommer 1552 erschienen die ersten Druckfassungen, auf den lateinischen Text folgten schnell deutsche Übersetzungen, zu denen der neu erworbene Band gehört (9/2018).

Doppelseite aus dem Kriegstagebuch des Landsturmmanns Alfred Vögele aus Zimmern, hier mit Eintrag vom 24. Juni 1916: "ein schwerer Tag. Habe einen solchen während der ganzen Kriegszeit nicht erlebt..." (StadtA Schwäb. Hall S24/216)

Kriegstagebuch eines Landsturmmanns aus dem Ersten Weltkrieg

Eine Schenkung aus Familienbesitz ist ein Kriegstagebuch des aus Zimmern (heute Immendingen, Lkr. Tuttlingen) stammenden Landsturmmanns Alfred Vögele. Das Bändchen deckt den Zeitraum zwischen Ostern 1916 und Ende Juli desselben Jahres ab. Vögele diente zunächst in Nordfrankreich bei einer Kompanie des badischen Reserve-Infanterieregiments 111, später als Ordonnanz beim Stab der 28. Reserve-Division. Damit war er im Hinterland der Front und etwas sicherer als im Schützengraben. In seinem Tagebuch schilderte er nicht nur seine eigenen Erlebnisse und Beobachtungen, sondern schrieb auch nieder, was er von Kameraden und Vorgesetzten über den Verlauf der Kämpfe erfuhr. Stand anfangs das  Alltagsleben im Mittelpunkt - etwa die Ostergottesdienste oder hartnäckigen Hörprobleme des Tagebuchschreibers - so änderte sich dies schlagartig mit dem 24. Juni 1916. An diesem Tag begann ein bislang nicht dagewesenes Trommelfeuer auf die deutschen Stellungen, mit dem die Briten ihren Großangriff am 1. Juli 1916 vorbereiteten. Die Schlacht an der Somme entwickelte sich  mit insgesamt 1,2 Millonen Gefallenen, Vermissten, Verwundeten und Gefangenen auf allen Seiten zu einer der verlustreichsten Schlachten aller Zeiten. Am ersten Tag des Trommelfeuers notierte Alfred Vögele: "ein schwerer Tag. Habe einen solchen während der ganzen Kriegszeit nicht erlebt. Gleich beim Erwachen vernahm ich Kanonendonner. Dieser dauerte heute ununterbrochen bis 9 Uhr abends. Es war schrecklich und nervenaufreibend ... Links von uns zwischen Morval und Peronne erhebt sich jeden Augenblick eine Feuersäule und gewaltige Rauchwolken steigen empor ... O die armen Kameraden im Schützengraben mitten im Feuer!" Einige Tage später notierte er das Schicksal eines Offiziers: "Ltn. Luhr und Hptm. Engländer standen beisammen zur Beratung. Ein Volltreffer hieb ihm den linken Arm ab, drückte die Eingeweide heraus ... er schnappte noch kurz u. war tot." Neben solchen Ereignissen notierte Vögele aber auch Beispiele für den meist zynischen Soldatenhumor. So habe ein General bei der Inspektion einer Einheit die "alte Mannschaft" vortreten lassen, die seit Kriegsbeginn dabei war. Diesen habe er gesagt: "Schämt euch, ihr seid Drückeberger, sonst wärt ihr schon längst kaputt".  Mit großer Erleichterung quittierte er schließlich die Verlegung in die Ruhestellung, mit der das Tagebuch endet. Über sein weiteres Leben ist bislang noch nichts bekannt (03/2018). 

Arbeitsmänner und Angehörige der Hitlerjugend in dem durch den NS-Staat für die HJ beschlagnahmten "Lemberghaus" der Naturfreunde, wohl Herbst 1933. Foto: A. Lechler (StadtA Schwäb. Hall FS 54452)
Arbeitsmänner bei einer Pause während der Waldarbeit, November 1933. Foto: A. Lechler (StadtA Schwäb. Hall FS 54453)
Ausmarsch von Arbeitsleuten aus der Comburg, April 1934. Foto: A. Lechler (StadtA Schwäb. Hall FS 54454)

Fotos eines Arbeitsdienstmanns auf der Comburg von 1933-1934

Eine relativ unbekannte Episode in der langen Geschichte der Comburg ist ihre Nutzung als Lager des 1931 durch eine Verordnung der Reichsregierung von Heinrich Brüning eingeführten "Freiwilligen Arbeitsdiensts". In Württemberg richtete Theodor Bäuerle (1882-1956) das "Heimatwerk" ein, das als überparteiliche und unpolitische Organisation Träger des freiwilligen Arbeitsdienst wurde. Wichtigstes Ziel war die Hilfe für junge Arbeitslose. Ab Ende 1931 entstanden zahlreiche Arbeitsdienstlager in Württemberg, die Comburg - auf der sich seit 1926 bereits die von Bäuerle mitgegründete Heimvolkshochschule befand - war Ausbildungsstätte der Lagerleiter. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung übernahmen die NS-Arbeitergauvereine die Trägerschaft der Arbeitslager; nach einer kurzen Pause wurden sie im Herbst 1933 wieder aufgenommen. Auf der Comburg fanden ab August 1933 wieder Arbeitslager statt, die aber nun für den Nationalsozialismus zu begeistern hatten. Die Zahl der "Arbeitsmänner" stieg so stark an, dass die bisher genutzten Räume nicht mehr ausreichten. Eingesetzt wurden die Männer bei Waldarbeiten, in der Landwirtschaft und beim Ausbau des 1935 als Lager bezogenen "Samenbaus" unterhalb der Comburg (heute Grundschule Steinbach). Im selben Jahr erfolgte die Einführung der Arbeitsdienstpflicht für alle Jugendlichen ab 18 Jahren. Fotos, die die Arbeit und die Freizeit des Arbeitsdiensts in seiner frühen Phase zeigen, waren bislang nicht bekannt. Nun konnte das Stadtarchiv eine Fotoserie aus den Jahren 1933 und 1934 erwerben, die aus dem Vorbesitz eines ambitionierten Hobbyfotografen und Arbeitsmanns stammt. Die Aufnahmen zeigen neben Baulichkeiten der Comburg die Arbeitsdienstleute bei Pausen in ihrer Arbeit, zusammen mit Hitlerjungen in dem für die HJ beschlagnahmten "Lemberghaus" der Naturfreunde oder beim Fußballspielen gegen eine Steinbacher Mannschaft. Auffällig ist die Uniformierung - sie könnte aus Restbeständen des kaiserlichen Heeres aus dem Ersten Weltkrieg bestanden haben (zumindest die typische, schirmlose Mütze). Nach dem Abzug des nunmehrigen "Reichsarbeitsdiensts" fand die Comburg während der NS-Zeit u.a. als Lager der Hitlerjugend, als Bauhandwerkerschule und als Kriegsgefangenenlager Verwendung (04/2018)

"Diakonissenhaus", heute Stammhaus des Ev. Diakoniewerks, in den 1890er Jahren.  Aus dem Besitz von Karl Reischle, Pfarrer am Diakonissenhaus (StadtA Schwäb. Hall FS 54426)
Gruppe von Diakonissen vor dem "Diakonissenhaus", heute Stammhaus des Ev. Diakoniewerks, in den 1890er Jahren.  Aus dem Besitz von Karl Reischle, Pfarrer am Diakonissenhaus (StadtA Schwäb. Hall FS 54427)
"Brücke zur Spinnerei in Schwäb. Hall". Rippergsteg 1900. Aus dem Besitz von Karl Reischle, Pfarrer am Diakonissenhaus (StadtA Schwäb. Hall FS 54431)

Fotos des späten 19. Jahrhunderts aus dem "Diak"

Aus dem Besitz von Karl Reischle, Pfarrer am damaligen "Diakonissenhaus", dem heutigen Evangelischen Diakoniewerk ("Diak"), stammt ein kürzlich in das Stadtarchiv gelangter kleiner Fotonachlass, zu dem neben Familienbildern auch Fotos des Hauses (heutiges Stammhaus), Gruppenbilder von Diakonissen sowie eine Aufnahme des damals noch außerhalb des Stadtgebiets gelegenen Rippergstegs gehören. Der 1856 in Wien geborene Karl Reischle trat 1889 seinen Dienst im 1886 eröffneten "Diakonissenhaus" an; dieser umfasste der Schwesternunterricht, die Gründung und Beaufsichtigung auswärtiger Schwesternstationen, die Mitarbeit an Andachten im Haus, die Seelsorge im Krankenhaus sowie die Geschäftsführung des Johanniter-Kinderkrankenhauses. Er wohnte mit seiner Familie im Diakonissenhaus. Im Zuge wachsender wirtschaftlicher Schwierigkeiten der mit dem "Diak" verbundenen "Haller Industrie" kam es zu einem erbitterten Streit zwischen Reischle und dem Anstaltsgründer und -leiter Hermann Faulhaber, in dessen Verlauf ersterer 1899 seine Kündigung einreichte. Während Faulhaber nach dem Konkurs der "Haller Arbeit" wegen Betrugs zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, wechselte Reuschle in das Pfarramt in Hedelfingen, war 1909 bis 1913 Inspektor der Stettener Anstalten und von 1913 bis 1918 Pfarrer in Ditzingen. Er starb 1932 in Plieningen (03/2018). 

Eine Lithographie-Postkarte mit Sittenhardter Ansichten vom Ende des 19. Jahrhunderts

Die Ergänzung der fast 5.000 Nummern umfassenden Postkartensammlung ist eine Routinearbeit für die zuständigen Mitarbeiter des Stadtarchivs. Manchmal gelingt hierbei aber auch der Erwerb ungewöhnlicher oder einfach ästethisch besonders ansprechender Stücke. Ein gutes Beispiel für letzteres ist eine kürzlich von einem gewerblichen Händler angekaufte Karte, die mehrere Ansichten von Sittenhardt aus der Zeit um 1900 zeigt. Die Zeit vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs wird als das „Goldene Zeitalter“ der Ansichtskarte bezeichnet. Bevor sich der Druck von (oft stark nachbearbeiteten) Fotografien durchsetzte, druckte man Postkarten häufig als Lithografien bzw. Steindrucke. Ein besonders schönes Beispiel für diese Technik stammt aus der im Spitalbach ansässigen Buchdruckerei Greiner, die um 1900 auch die "Haller Zeitung" herstellte, eine (kurzlebiges) Konkurrenz zum Haller Tagblatt. Die durch die Ablösung der Briefmarke mit dem Stempel nicht mehr genau datierte Postkarte ging an eine Adresse in Fornsbach und zeigt die beiden Sittenhardter Wirtschaften zur Luftkur und zu Sonne (möglicherweise die Auftraggeber Greiners), eine Ortsansicht sowie das Schulhaus und das "Jägerhaus". Die enorme Beliebtheit von Postkarten, die ein wesentliches Mittel der Alltagskommunikation darstellen - private Telefone gab es noch kaum und Briefe waren teuer und umständlicher - machten auch die Herstellung von Ansichtskarten kleiner Orte wie Sittenhardt zu einem lohnenden Geschäft (12/2017).

Zeugnisse eines Mädchens aus den 1920er Jahren

Eine Schenkung aus Privatbesitz sind die Zeugnisse eines 1908 in Schwäbisch Hall geborenen Mädchens, das die "Höhere Mädchenschule" besuchte, einen Vorläufer des heutigen Erasmus-Widmann-Gymnasiums in Schwäbisch Hall. Die Schule war 1855 als private Einrichtung auf Initiative des evangelischen Dekans und späteren Haller Ehrenbürgers Ludwig Wullen gegründet und später von der Stadt übernommen worden. Sie bot Mädchen aus Hall und Umgebung erstmals die Möglichkeit, eine höhere - d.h. über die allgemeine Volksschule hinausgehende - Schulbildung zu erwerben. Die Schülerin wechselte im Herbst 1915 im Alter von sieben Jahren auf die Mädchenschule und besuchte sie bis zum Abschluss im Jahr 1925. Das Zeugnisheft enthält die Beurteilungen von der I. bis zur VII. Klasse. Die insgesamt guten Leistungen hat man in einem anderen als dem heute üblichen Notensystem dokumentiert  - die beste Note war die "8".  Dem ebenfalls vorliegenden Abschlusszeugnis ist zu entnehmen, dass Betragen, Fleiß und Mitarbeit "lobenswert" und die Kenntnisse "gut" waren (11/2017).

Besitzer und Besitzgeschichte eines Hofs in Gelbingen


Aus Familienbesitz hat das Stadtarchiv kürzlich Dokumente erhalten, die sich vom 18. bis in das 20. Jahrhundert erstrecken und vor allem die Geschichte eines Hofs in Gelbingen dokumentieren. Auch wenn das Anwesen innerhalb der Besitzerfamilie vererbt wurde, schloss man bei Besitzübergängen Kaufverträge ab. Hintergrund war u.a., dass auf diese Weise das "Ausgeding", die Wohn- und Versorgungsrechte der Altbauern, abgesichert wurden. Die Serie dieser Kaufverträge reicht von 1791, als die Gelbinger noch Untertanen der Reichsstadt Schwäbisch Hall waren, bis in das Inflationsjahr 1923. Dieses war der denkbar ungünstigste Termin für Immobiliengeschäfte (zumindest für den Verkäufer), da der Verkaufspreis durch die kurz darauf einsetzende Hochinflation seinen Wert komplett verlor. Weitere Kaufverträge dokumentieren den Erwerb und die Veräußerung einzelner Grundstücke in und um Gelbingen, z.B. von Weinbergen, die es bis in das 19. Jahrhundert zahlreich gab. Auch bei den mehrfach vorliegenden Heiratsverträgen spielte die Regelung von Besitz- und Erbrechten eine zentrale Frage, insbesondere, wenn einer oder beide Partner verwitwet waren und die Rechte von Kindern aus vorangegangenen Ehen abzusichern waren. Im Zusammenhang mit Erbangelegenheiten sind meist auch die vorhandenen Inventuren und Teilungen entstanden. Beibringensinventare dokumentieren die von Ehepartnern mit in die Ehe gebrachten Vermögenswerte, während Realteilungen dann die Verteilung des Vermögens Verstorbener behandeln. Zu den Dokumenten gehören auch einige Schuldscheine bzw. Kreditverträge. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert gab es das heutige Bankenwesen noch nicht. Es war deshalb üblich, nicht benötigtes Bargeld zu verleihen bzw. sich Kapital zu beschaffen, indem man es bei Privatpersonen auslieh. Eine Kuriosität in diesem Bestand ist ein Einblattdruck, der offenbar weit verbreitete Befürchtungen aufgriff, ein 1835 erscheinender Komet sei ein Vorbote des "Jüngsten Gerichts" und des Endes der Welt. Hierbei handelte es sich - wie wir heute wissen - um den "Halleyschen Kometen", der etwa alle 76 Jahre in Erdnähe kommt und dann beobachtet werden kann. Das Blatt wurde zweifarbig gedruckt, um dem Kometen zur Gelbfärbung seines Schweifs zu verhelfen (11/2017).

Mitgliedsausweis der KPD für einen Sattler aus Schwäbisch Hall, 1932 (StadtA Schwäb. Hall S01/2065)

Parteiausweis eines Schwäbisch Haller Kommunisten von 1932

Von einem Sammler konnte das Stadtarchiv das Mitgliedsbuch eines Schwäbisch Haller Sattlers erwerben, der im November 1932 der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) beitrat. Die eingeklebten Quittungsmarken für die bezahlten Mitgliedsbeiträge dokumentieren das Ende dieser Partei als Folge der nationalsozialistischen Machtergreifung im folgenden Jahr. Die Beiträge wurden bis Ende Februar 1933 bezahlt - Am 28. Februar kam nach dem Reichstagsbrand das Verbot der kommunistischen Presse, die Schließung aller KPD-Parteibüros und die Verhaftung zahlreicher Funktionäre und Mitglieder der Partei. Angesichts der Verfolgung von Kommunisten in der NS-Zeit und der Gefahr, die der Besitz eines solchen Parteiausweises bedeuten konnte, sind derartige Schriftstücke insgesamt selten und für Schwäbisch Hall vermutlich einzigartig (5/2017).

Titelblatt des „magisch-sympathetischen Hausschatzes“ der Haller Druckerei Haspel, um 1870 (StadtA Schwäb. Hall Alte Dr./803)

Ein okkultistisches „magisch-sympathetisches“ Hausbuch aus Schwäbisch Hall

Im Antiquariatsbuchhandel konnte das Stadtarchiv vor kurzen ein Buch der Schwäbisch Haller Druckerei Haspel erwerben, dessen Inhalt dem heutigen Leser bizarr und abseitig anmutet. Der Haller Rat hatte dem Schriftsetzer Friedrich Franz Haspel am 3. März 1828 die Einrichtung einer Buchdruckerei in Schwäbisch Hall genehmigt. Hieraus entwickelte sich eine florierende Buchhandlung mit Druckerei und Verlag. Nach dem Tod der Witwe Haspels wurde das Geschäft zunächst an den bisherigen Geschäftsführer Eduard Fischhaber verpachtet, kam über verschiedene weitere Besitzer 1919 an Oscar Mahl und befindet sich bis heute im Besitz der Familie. Haspel und seine unmittelbaren Nachfolger sind insofern auffällig, als sowohl das Verlagsprogramm als auch der Bestand der Buchhandlung eine Vorliebe für Titel verrät, die dem Spektrum des Okkultismus zuzuordnen sind. Aus diesem Bereich stammt das „siebenmal versiegelte Buch“, ein „magisch-sympathetischer Hausschatz zur Heilung vieler Krankheiten und Gebrechen des Leibes, nebst wundersamen Geheimnissen zur Erreichung der verschiedenartigsten Zwecke“. Der Autor ist nicht bekannt. Aus heutiger Sicht sind die hier dargebotenen „Rezepte“ wohl weitgehend wirkungslos, in einigen Fällen bizarr und dürften teilweise die Gesundheit des auf Linderung hoffenden Patienten ernsthaft geschädigt haben. Gegen Zahnschmerzen solle man etwa mit einem „neuen Nagel“ an den Zähnen stochern, bis er blutig sei, und ihn alsdann im Keller an einem Ort einschlagen, „wo weder Sonne noch Mond hinscheint“. Zur Stärkung nachlassender Augen wird folgendes empfohlen: „Die Augen einer Kröte hinten an den Hals gehängt, erhält nicht allein das Gesicht [= das Augenlicht], sondern stärkt das blöde [= schwache] Auge gewaltig und vertreibt alle Gebrechen“. Gegen Rheuma wird unter anderem vorgeschlagen, abgeschnittene Haare und Fingernägel in ein Säckchen zu tun und dieses einem lebenden Krebs auf dem Rücken zu befestigen. „Hierauf wirf den Krebs in einen Fluß, so wird dem Patienten bald geholfen sein.“ Gegen das Erfrieren der Glieder gibt es ein im wahrsten Sinne des Wortes anrüchiges Rezept: „Wasche des Abends und Morgens die dem Erfrieren ausgesetzten Theile mit deinem Urine und lasse diesen darauf eintrocknen.“ Wohl aufgrund dieser und vieler ähnlicher Rezepturen hat ein Vorbesitzer in großen Buchstaben „Vorsicht!“ auf das Titelblatt geschrieben. Obwohl derartige Inhalte an die Frühe Neuzeit denken lassen, ist das Buch nach 1870 gedruckt worden, wie ein vorgebundener Buchhandlungskatalog verrät. Dieser enthält u.a. Ratgeber der verschiedensten Art und auch einige weitere okkultistische Werke, von denen sich einige bereits im Bestand des Stadarchivs befinden. Inwieweit dieses Buchhandlungs- und Verlagsprogramm eigene Interessen verrät oder einfach eine Reaktion auf die Nachfrage des lokalen und überregionalen Publikums war, ist nicht bekannt (12/2016).

Bericht des Teilungsschreibers Philipp Dietrich Sutorius über seinen Konflikt mit Tobias Balthasar Miltenberger von 1696 (Stadtarchiv Schwäbisch Hall 5/2396)

Bericht zu einer Erbstreitigkeit von 1696

Nach einem Tipp eines ehemaligen Auszubildenden konnte das Stadtarchiv über eine Internet-Auktionsplattform ein Dokument aus dem Jahr 1696 erwerben. In dem dreiseitigen Schreiben berichtet der Teilungsschreiber Philipp Dietrich Sutorius über seine Probleme bei der Durchführung der Erbteilung des verstorbenen Ratsherrn Johann Caspar Glock. Insbesondere sorgte die Frage des Zugangs zu einem Weinkeller für Streit. Sutorius sollte von Tobias Balthasar Miltenberger, Ehemann von Glocks Tochter Maria Sibilla, den Schlüssel zu diesem Keller abholen. Miltenberger verweigerte nicht nur die Herausgabe, sondern bedachte den Beamten - den er übrigens im Schlafrock empfing - auch mit allerlei Drohungen und Beschimpfungen gegen seine Auftraggeber, die Ratsherren. Der Jurist war bereits zuvor durch Konflikte und Streitigkeiten aufgefallen. So hatte er 1678 dem Magistrat mit einem Prozess vor dem Reichskammergericht gedroht, falls man ihm nicht das Bürgerrecht verleihe, und sich später mit seinem Schwiegervater überworfen. Im Hintergrund standen finanzielle Probleme Miltenbergers, der offenbar auch die Steuern aus der Erbschaft seiner Frau schuldig blieb. Wie das aus dem reichsstädtischen Archiv stammende Schriftstück in Privatbesitz gekommen ist, lässt sich nicht nachvollziehen (07/2016).

Brief von 1935 mit Zeichnung des Wohnhauses der Familie (StadtA Schwäb. Hall R102/81)
Dasselbe Haus mit schweren Schäden durch den Bombenangriff auf Schwäbisch Hall vom 21. Februar 1945 (StadtA Schwäb. Hall R102/100)
Zigarrenkiste mit Briefen und Fotos, u.a. des 1945 an einer Kriegsverwundung gestorbenen ältesten Sohns (StadtA Schwäb. Hall R102)

Das Archiv einer Haller Lehrerfamilie

Als Schenkung erhielt das Stadtarchiv kürzlich das umfangreiche, bis in das 19. Jahrhundert zurückgehende Privatarchiv einer Schwäbisch Haller Familie. Der Vater des Stifters, ein promovierter Geologe, war ab Anfang der 1930er Jahre Lehrer an der damaligen Oberschule für Jungen, dem heutigen Gymnasium bei St. Michael und hatte als einziger von drei Söhnen eines Stuttgarter Eisenbahnbeamten den Ersten Weltkrieg überlebt. Die meisten Dokumente beziehen sich auf ihn und seine aus einer Stuttgarter Kaufmannsfamilie stammende Ehefrau. Von ihm liegt eine von den 1920er bis in die 1970er Jahre reichende Serie von Tagebüchern vor, die lediglich durch die Zeit des erneuten Militärdiensts im Zweiten Weltkrieg unterbrochen wird. Ein ungewöhnliches und sehr interessantes Zeitdokument ist das Tagebuch der späteren Ehefrau von einem durch den Beginn des Ersten Weltkriegs beendeten Aufenthalt in Großbritannien im Sommer 1914. Zahlreiche Fotoalben und Fotografien dokumentieren den Alltag der Familie in Schramberg und Schwäbisch Hall sowie zahlreiche Reisen und Wanderungen, die v.a. in die Alpen führten. Hunderte von Briefen und ein „Kriegstagebuch“ berichten vom Studium des ältesten Sohnes, seinem Dienst als Militärarzt im Zweiten Weltkrieg und seinem langen Leiden an einer 1942 erlittenen, schweren Verwundung, die 1945 zu seinem Tod in einem Lazarett in Österreich führte. Der mittlere, durch eine „Entwicklungsverzögerung“ gehandicapte Sohn starb 1943 in einer hessischen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. Offizielle Todesursache war eine Lungenentzündung, es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass er ein spätes Opfer der nationalsozialistischen Euthanasiemorde wurde. Weitere Korrespondenzen erzählen vom Leben in der Nachkriegszeit und vom Studium des jüngsten Sohns in Tübingen. Umfangreich sind Eltern und Vorfahren des Ehepaares dokumentiert, auch mit zahlreichen Fotografien, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgehen und u.a. alte Ansichten Stuttgarts bieten. Eine Besonderheit sind die vielen Fotografien aus den Alpen, die von den 1950er Jahren bis in die Zeit kurz nach 1900 zurückgehen und teilweise von einem 1914 an der Ostfront gefallenen Bruder bzw. Schwager stammen, der zu den Pionieren des Bergsteigens in den Alpen gehörte. Eine heitere Note steuern die Glossen und Schüttelreime bei, mit denen Alltagsereignisse thematisiert, aber z.B. auch Schüler der Oberschule bzw. des Gymnasiums portraitiert wurden (07/2016).

Das Schulgebäude im Haal auf der Einladung zum Jubiläumsfest von 1930 (StadtA Schwäb. Hall Q10/483)
Foto des Lehrerkollegiums um 1880 (StadtA Schwäb. Hall Q10/385)
Auszug aus der ältesten Schülerliste – zur „Classe I“ gehörten im Jahr 1873 demzufolge u.a. Lydia Banz, Mathilde Maier und Rosalie Ludwig, die Töchter eines Schulrektors, eines Metzgers und des Oberamtsarzts von Neresheim waren (StadtA Schwäb.

Das Archiv des Erasmus-Widmann-Gymnasiums

Das Erasmus-Widmann-Gymnasium im Schulzentrum West wird oft für eine Neugründung der 1970er Jahre gehalten. Seine Geschichte ist jedoch weitaus länger. Es geht auf die 1855 gegründete private "Höhere Töchterschule" zurück, die Mädchen aus Schwäbisch Hall und Umgebung erstmals die Möglichkeit eröffnete, eine höhere Schulbildung zu erwerben. 1873 wurde die Einrichtung in städtische Trägerschaft übernommen und 1878 in eine sechsklassige höhere Mädchenschule umgewandelt. Ab 1908 konnten ihre Schülerinnen an anderen Schulen die Reifeprüfung (Abitur) ablegen. Ein wichtiger Entwicklungsschritt war 1938 die Aufwertung zur einem Gymnasium entsprechenden "Oberschule", an der 1940 erstmals Abiturprüfungen stattfanden.  Ab 1953 führte die Einrichtung den Namen "Mädchengymnasium Schwäbisch Hall" 1972 endete mit der Einführung der Koedukation die Zeit als  Mädchenschule; 1973 zog die Einrichtung als "Gymnasium im Schulzentrum West" in das neu gebaute Schulzentrum im Westen der Stadt. Seit 1987 trägt die Schule den Namen des aus Schwäbisch Hall stammenden Komponisten Erasmus Widmann (1572-1634).

Im Frühjahr 2016 übernahm das Stadtarchiv vom Sekretariat des Gymnasiums einen größeren Bestand an Akten und Bänden , bei denen es sich um moderne Verwaltungsakten der 1970er bis 1990er Jahre, aber auch um älteres Schriftgut wie Zeugnisbücher ab dem späten 19. Jahrhundert handelte. Glücklicherweise konnten die Unterlagen direkt danach durch einen Praktikanten verzeichnet werden, ebenso  bereits 1974 an das Stadtarchiv abgegebene und bislang nicht erschlossene Bände und Akten des Mädchengymnasiums.

Zu den 10 laufende Meter umfassenden 489 Einheiten des Schularchivs gehören unter anderem Schülerinnen- und Zeugnislisten seit 1873, Klassentagebücher der Jahre 1941-1966 sowie Akten, die ein großes Spektrum an Themen abdecken. Hierbei finden sich etwa  zahlreiche Klagen über das unzureichende Schulgebäude im Haal oder Schülerstatistiken und Rechenschaftsberichte ab 1893. Neueres Schriftgut befasst sich u.a. mit Klassen- und Studienfahrten, der zunehmenden Einbeziehung der Eltern, dem traditionell konfliktbehafteten Thema der Schülerbeförderung oder dem Aufkommen neuer Themen wie Drogenmißbrauch, AIDS und - positiver - der Umwelterziehung. Das Eingreifen des NS-Staats in die Ausrichtung von Schule und Unterricht ist ebenso ablesbar wie nach 1945 die Entfernung "brauner" Literatur aus den Schulbuchbeständen und der Schulbibliothek. Handakten der damaligen Schulleiterin Ursula Nau dokumentieren die intensiven konzeptionellen Debatten vor dem Umzug des Mädchengymnasiums in das Schulzentrum West. Mit der Abgabe und der Verzeichnung dieses umfangreichen Bestands sind gute Grundlagen für eine weiter gehende Erforschung der Geschichte der zweitältesten weiterführenden Schule in Schwäbisch Hall geschaffen. Allerdings unterliegt ein Teil der Akten und Bände noch den aus Datenschutzgründen bestehenden, gesetzlichen Sperrfristen (06/2016).

Erster Band der „schönsten Sagen und Mährchen“ des Schwäbisch Haller Verlegers Wilhelm Nitzschke, etwa 1850 (StadtA Schwäb. Hall Alte Dr./796)
Zweiter Band der „schönsten Sagen und Mährchen“ des Schwäbisch Haller Verlegers Wilhelm Nitzschke, etwa 1850 (StadtA Schwäb. Hall Alte Dr./796)

Das zweibändige Märchenbuch eines Haller Verlegers aus dem 19. Jahrhundert

Über den Antiquariatshandel konnte das Stadtarchiv zwei Bücher aus der Produktion des im 19. Jahrhundert in Schwäbisch Hall tätigen Verleger und Buchhändler Wilhelm Nitzschke erwerben. Der aus Leipzig stammende Nitzschke hatte ab 1842 die „Sortiments-Buchhandlung“ von Ebner und Seubert geführt und 1844 ihren bisherigen Eigentümern abgekauft. 1847 gab Nitzschke Buchhandlung und angeschlossene Leihbibliothek ab und widmete sich der Buchdruckerei und dem Verlagswesen, ab 1852 im unteren Teil des heutigen „Adelshofs“ (Am Markt 12). 1860 verlegte Nitzschke seinen Firmensitz von Schwäbisch Hall nach Stuttgart, wo er 1866 starb. Ein Schwerpunkt seiner verlegerischen Tätigkeit war die Kinderliteratur, die sich ab der Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer eigenen Gattung entwickelt hatte. Nitzschke druckte sowohl auf die sittliche Bildung und Läuterung der Jungen und Mädchen abzielende Werke als auch solche, die der Vermittlung von Wissen dienten und illustrierte diese teilweise mit sehr aufwändigen, farbigen Lithografien. Die beiden Bände der „schönsten Sagen und Mährchen für Deutschlands Jugend“ enthalten insgesamt 34 Geschichten, neben viele heute nicht mehr bekannen einige Klassiker wie „Frau Holle“, „König Drosselbart“, „Drei Wünsche“, „Daumesdick“ oder „Knüppel aus dem Sack“. Der Autorenname „Keschnitz“ wird als Pseudonym des Verlegers interpretiert, der diese Sammlung dann offenbar selbst zusammengestellt hat. Ein Druckdatum ist nicht angegeben, es dürfte um 1850 liegen. Die beiden Bände haben keine Einbände, lediglich Papierumschläge. Im 19. Jahrhundert waren die Berufe des Buchdruckers und des Buchbinders noch getrennt, oft erwarb man Bücher ungebunden und ließ sie dann vom Buchbinder in einen Einband nach eigenem Geschmack einbinden. Dem Fehlen eines solchen Einbands sind Einblicke in die Produktions- und Vertriebsweise des Verlegers zu verdanken, die sonst verloren gegangen wären.  Jeder Band besteht aus vier Heften, die separat gedruckt wurden, und gehörte zu einer Veröffentlichungsreihe, die Nitzschke als „wohlfeile deutsche Jugendbibliothek“ vermarktete und über eine Art „Jahresabonnement“ vertrieb. Dem aufgedruckten „Prospectus“ ist zu entnehmen, dass von dieser Reihe jeden Monat eine Lieferung mit einem kolorierten Titelbild „zu dem beispiellos billigen Preise von nur 9 Kreuzern“ erschien. „Diese kleine Ausgabe“ – so Nitzschke – „ist gewiß jeder Familie möglich, um für ihre Kinder eine ganz passende Hausbibliothek anzulegen“. Einzelhefte konnten nicht gekauft werden, „es verpflichtet daher die Abnahme der ersten Lieferung zur Abnahme der jährlich erscheinenden 12 Lieferungen“. Die beiden Bände sind somit nicht nur zwei schön gemachte Bücher, sondern geben auch Einblick in die Schwäbisch Haller Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte des 19. Jahrhunderts (12/2015).

Henkersbrücke um 1850. Gezeichnet und lithographiert von G. Herdtle, verlegt von W. Nitzschke (StadtA Schwäb. Hall S10/2343)
St. Michael und Freitreppe um 1850. Gezeichnet und lithographiert von G. Herdtle, verlegt von W. Nitzschke (StadtA Schwäb. Hall S10/2344)
Rathaus um 1850. Gezeichnet und lithographiert von G. Herdtle, verlegt von W. Nitzschke (StadtA Schwäb. Hall S10/2345)
Die 1812 abgebrochene Kapelle St. Maria am Schuppach nach einer Aufnahme der Werkmeister Dötschmann und Kolb (StadtA Schwäb. Hall S10/2344)

Seltene Grafiken aus dem 19. Jahrhundert

Von einem Antiquariat konnte das Stadtarchiv kürzlich vier seltene Grafiken mit Haller Ansichten aus dem 19. Jahrhundert erwerben. Drei davon stammen aus einer Serie von Schwäbisch Haller Ansichten, die "Herdtle jun.", vermutlich der Maler Gustav Herdtle, zeichnete und lithographierte. Der Stuttgarter Drucker Küstner fertigte die Grafiken für den in Schwäbisch Hall ansässigen Verleger Wilhelm Nitzschke, der 1852 einen Teil des heutigen "Adelshofs" (Am Markt 12) erworben hatte und dort bis 1862 einen Verlag betrieb, der vor allem durch die hier veröffentlichten, aufwendig illustrierten Kinderbücher in Erinnerung geblieben ist. Die Abbildungen zeigen die Henkersbrücke, bei der kurz zuvor die gemauerten Wehrgänge aus dem Mittelalter gegen ein gußeisernes Geländer ausgetauscht worden waren, den Marktplatz mit St. Michael und das Rathaus. Das Stadtarchiv besitzt damit immerhin drei von fünf bekannten Blättern dieser offensichtlich sehr seltenen und sehr qualitätvollen Serie mit Haller Ansichten. Die beiden noch fehlenden Ansichten zeigen St. Katharina und die Steinbacher Johanneskirche. Die Serie ist nicht datiert, dürfte aber aus den frühen 1850er Jahren stammen.

Etwa 40 Jahre älter ist eine bei derselben Gelegenheit erworbene Ansicht der Kapelle St. Maria am Schuppach. Das durch den Stadtadeligen Heinrich Unmuoß gestiftete und 1322 erstmals urkundlich erwähnte gotische Bauwerk mit seinen schönen Maßwerkfenstern hatte die Dimensionen einer Kirche und wurde 1812 abgebrochen. Zuvor hatten zwei Baumeister offenbar eine genaue Aufnahme des Gebäudes erstellt, die dessen Nordseite zum Schuppach hin zeigt. Wer diese Ansicht gedruckt hat, ist nicht bekannt (11/2015).

Portrait des Schwäbisch Haller Handelsmanns und Steuerdieners Wolfgang Heinrich Gräter (1624-1694) (Stadtarchiv Schwäbisch Hall S10/2341)

Portrait des Handelsmanns und Steuerdieners Wolfgang Heinrich Gräter (1624-1694)

Aus dem Antiquariatshandel konnte das Stadtarchiv im Juni 2015 das Portrait eines Schwäbisch Haller Bürgers aus dem 17. Jahrhundert erwerben. Das mit Ölfarben auf eine etwa 20 x 20 cm große Kupferplatte gemalte Portrait ist dank der Beschriftung eindeutig zu identifizieren, und weitere Quellen im Stadtarchiv geben Einblicke in die Biografie dieses Mannes, der zu der bedeutenden und weit verzweigten Schwäbisch Haller Familie Gräter gehörte. Wolfgang Heinrich Gräter wurde 1624, in der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs, als Sohn des Ratsherrn Johann Heinrich Gräter in Hall geboren. Er besuchte (vermutlich) die Lateinschule, erlernte den Beruf des Handelsmanns (Kaufmanns) und heiratete 1646 als 23jähriger eine wesentlich ältere Frau, die ungefähr 45 Jahre alte, zweifache Witwe Katharine Zweifel. Nachdem diese nach 28 Jahren kinderloser Ehe 1674 im hohen Alter von 77 Jahren starb, ging der 50jährige Witwer im Jahr darauf eine zweite Ehe mit der 31 Jahre alten Maria Elisabetha Hornung ein. Zu diesem Zeitpunkt gehörte Wolfgang Heinrich Gräter bereits zur Beamtenschaft der Reichsstadt  Schwäbisch Hall. 1658 hatte ihm der Rat das Amt eines Salzkassiers verliehen und ihn 1675 zum „Steuerdiener“ berufen, welche Funktion er „mit Redlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Verschwiegenheit“ ausgeübt habe. Nach längerer Bettlägerigkeit starb Wolfgang Heinrich Gräter am 27. Januar 1694 im Alter von 70 Jahren. Über seinen Sohn Johann Heinrich Gräter (1678-1752), eines von vier Kindern aus der zweiten Ehe, ist er ein Urgroßvater Friedrich David Gräters (1768-1830). Der wohl bekannteste Sproß der Familie gilt als Pionier der Germanistik und Begründer der wissenschaftlichen Nordistik in Deutschland.

Das Gemälde zeigt Wolfgang Heinrich Gräter als barocken Kavalier mit langen Haaren, Schnurrbart, kleinem Spitzbart und einem rotbraunen, perlenverzierten Rock mit Beffchen, das heute noch als Teil der Amtstracht evangelischer Pfarrer weiter lebt. Auf dem Gemälde scheint er etwa 40 Jahre alt zu sein; die Beschriftung mit dem Namen und den Lebensdaten ist deshalb wohl später angebracht worden. Der Name des Künstlers ist nicht vermerkt, er muss unter den in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Schwäbisch Hall tätigen Malern gesucht werden. Zu diesen gehörte z.B. Johann David Zweiffel (1632-1709), der um diese Zeit auch andere Portraits Haller Bürger gefertigt hat. Das Gemälde befand sich sicher ursprünglich im Besitz von Nachfahren Wolfgang Heinrich Gräters, gelangte in den Antiquariatshandel und ist nun an den Ort seiner Entstehung zurück gekehrt (11/2015).  

Erste Seite des Kriegstagebuch von Otto Hasenmajer über den "Feldzug in Rußland" von 1915 (Stadtarchiv Schwäbisch Hall R40/unverzeichnet)

Die "Ostfront" im Ersten Weltkrieg: das Kriegstagebuch des Haller Landsturmmanns Otto Hasenmajer von 1915

Genau vor 100 Jahren entstand das Kriegstagebuch des Landsturmmanns und Innenarchitekten Otto Hasenmajer (1878-1959), das seine Tochter nun dem Stadtarchiv übergeben hat.  Es enthält detaillierte und teils dramatische Schilderungen seines Einsatzes als Soldat im Jahr 1915 an der Ostfront. Anders als viele andere Landsturmleute, die meist bei relativ ungefährlichen Sicherungsaufgaben im Hinterland der Fronten eingesetzt wurden, kam der Schwäbisch Haller trotz seines vergleichsweise hohen Alters von 37 Jahren zur einer Kampfeinheit, dem Reserve-Infanterieregiment Nr. 120. Im August 1915 erfolgte ab Bad Mergentheim der Transport in das damalige Russische Reich, in Gebiete, die heute zu Polen und Weißrussland gehören. Zunächst erlebte Otto Hasenmajer im Raum Bialystok (heute Ostpolen) strapaziöse Märsche bei der Verfolgung der sich zurückziehenden russischen Armee. "Die ganze Nacht im Erdloch bei heftigem Regen, Abmarsch morgens 5 h. Marsch den ganzen Tag durch endlose Wälder", so beschrieb er einen recht typischen Tag. Hunger, Durst und fehlende Unterkünfte erschwerten den Soldaten das Leben. Läuse waren eine konstante Plage, sie sind "ekelhaft & lassen einen nicht zur Ruhe kommen". Teilweise gab es harte Gefechte mit russischen Nachhuten. Nach einem solchen lagen am 19. August "Leichen ... massenhaft direkt an der Straße & in den Feldern." Offen beschreibt Otto Hasenmajer seine Angst unter feindlichem Feuer. "Man kanns oft selbst nicht fassen, wie man noch lebend aus diesem Kugelregen herauskommt." In äußerst gefährliche Situationen geriet die Einheit nach einer Verlegung in den Norden, wo sie an einem Vorstoß von Kowno aus (heute Litauen) bis in einen Brückenkopf am Servech, einen Nebenfluss der Memel, teilnahm. Ein russischer Gegenangriff zwang die Soldaten zu einem fluchtartigen Rückzug Richtung Nordwesten, durch dichte Wälder und Sümpfe, begleitet von Schusswechseln mit russischen Truppen, die ihnen dicht auf den Fersen waren und sie einzukesseln drohten. Mit letzter Kraft erreichten sie eine deutsche Auffangstellung  am Naratschsee (Weißrussland). Nach der Ablösung kam das Regiment am 22. Oktober 1915 nach Saarburg. Mit der Bemerkung, "wir waren froh, wieder im deutschen Vaterlande zu sein", beendet Otto Hasenmajer - der die folgenden Kriegsjahre in Frankreich verbrachte - seine Schilderung. Mittlerweile liegt auch eine Abschrift des Tagebuchs vor (11/2015).

Titelblatt einer Ausgabe der "Haller Monat-Blätter" vom Januar 1890 (Stadtarchiv Schwäbisch Hall Z 327)

Die "Haller Monat-Blätter" - eine Zeitschrift des Diak-Gründers Hermann Faulhaber

Aus Privatbesitz konnte das Stadtarchiv eine Serie der in Schwäbisch Hall verlegten Zeitschrift "Haller Monat-Blätter" erwerben. Die "Monat-Blätter" waren eines von vielen Projekten des Diak-Gründers und evangelischen Pfarrers Hermann Faulhaber (1842-1914). Um die hohen Kosten für den Betrieb der damaligen "Diakonissenanstalt" aufzubringen, gründete Faulhaber eine Reihe von Unternehmungen. Hierzu gehörte z.B. neben einer Drahtbörsenfabrikation die "Buchhandlung für Innere Mission", der ein Verlag angeschlossen war. Dieser veröffentlichte die zahlreichen Bücher Faulhabers, Kalender und die "Monat-Blätter". Diese - in heutiger Diktion - illustrierte Familienzeitschrift bot Fortsetzungsgeschichten, kleinere Erzählungen und Anektdoten, Tipps und Ratschläge, Witze und Rätsel sowie religiöse Texte und Sinnsprüche. Ortsgeschichtlich interessant sind weniger die offenbar aus einer überregionalen evangelischen Zeitschrift übernommenen Inhalte, sondern die Anzeigen Haller Unternehmen und Geschäfte. Die nun in Hall vorhandene Serie umfasst die Jahre 1890 bis 1893, herausgegeben wurde sie offfenbar bis 1898, vielleicht auch 1899. in diesem Jahr endete die Arbeit Faulhabers in einem Desaster. Die Haller Industrie ging in Konkurs. Der Diak-Gründer musste sich wegen Betrugs vor Gericht verantworten. Um sein Lebenswerk zu retten, hatte er sich schließlich zu zweifelhaften Geschäften hinreißen lassen und büßte dafür mit einer Haftstrafe. Hermann Faulhaber starb 1914 in Berlin, die Diakonissenanstalt konnte trotz der dramatischen Krise gerettet werden (03/2015).

Titelblatt des Limpurger Gültbuchs von 1512 (Stadtarchiv Schwäbisch Hall  S09/11)
„Pflicht der Unnderthon“, die im Gültbuch von 1512 festgehaltenen Verpflichtungen der Untertanen der Schenken von Limpurg (Stadtarchiv Schwäbisch Hall  S09/11)
Beginn der Beschreibung Unterlimpurgs im Gültbuch von 1512. An erster Stelle steht „Jorg Müller“, der Inhaber der Unterlimpurger Mühle, an deren Standort sich heute die Stadtwerke befinden (Stadtarchiv Schwäbisch Hall  S09/11)

Ein „Gültbuch“ der Schenken von Limpurg aus dem Jahr 1512

Dank finanzieller Unterstützung durch die Geschichts-Werkstatt, den Förderverein von Stadtarchiv und Kreisarchiv, konnte das Stadtarchiv  ein wertvolles Dokument zur Geschichte der Region erwerben.

Es handelt sich um ein „Gültbuch“ der Schenken von Limpurg aus dem Jahr 1512. Gülten waren aus der Grundherrschaft resultierende Abgaben in Geld oder Naturalien, die von den Inhabern dieser Güter an die Lehensherren zu entrichten waren. Der vorliegende Band beschreibt diese sowie andere Einnahmen und Rechte im Herrschaftsgebiet des damals noch auf ihrer Stammburg ansässigen Zweigs der Familie (eine andere Linie residierte in Gaildorf) zur Zeit des Schenken Gottfried von Limpurg (1474-1530). Auf diese Weise ist eine detaillierte Beschreibung dieses Territoriums entstanden, das damals bis unmittelbar vor die Schwäbisch Haller Stadttore reichte. Sein Zentrum war die Burg Limpurg – heute Ruine – und die darunter liegende Siedlung Unterlimpurg. Für den heutigen Haller Vorort bietet es umfassende Hinweise zu Gütern und ihren Besitzern. So ist zu lesen, dass „Jorg Müller“ von der Mühle – das spätere E-Werk Heller, heute Stadtwerke – jährlich fünf Gulden zu bezahlen und zwei „Fasnachtshühner“ zu liefern hatte. Bartholmes der Bader gab von seiner Badstube unter anderem zwei Gulden und 20 Schillinge. Erwähnt werden z.B. auch Hessental, Weckrieden, Ramsbach, Jagstrot, Sulzdorf, Ummenhofen, Herlebach, Ober-, Mittel- und Unterfischach, Geifertshofen, Rappoldshofen, Altschmiedelfeld, Gschlachtenbretzingen, Rauhenbretzungen, Steinbrück, Hagenbach, Michelbach, Hirschfelden, Westheim, Bibersfeld, Haagen, Zottishofen sowie Ober- und Unteraspach. Eine eigene Aufstellung beschreibt die Besitzungen des 1476 gestifteten Unterlimpurger Spitals, dessen Gebäude neben der Urbanskirche bis heute erhalten ist (Unterlimpurger Straße 49, „Schwanen“).  Hierzu gehörte auch das „Schloss zu Obernn Sunthen“, der mittelalterliche Vorgängerbau des heutigen Schlosses Obersontheim. Trotz dieser umfangreichen Besitzungen war Schenk Gottfried finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet; seine Haller Nachbarn verspotteten ihn als „Götz mit der leeren Tasche“. Sein Sohn Erasmus verkaufte dann 1541 die Stammburg und einen erheblichen Teil der hier beschriebenen Güter an die Reichsstadt Hall. Er beendete damit die traditionsreichen Konflikte mit den Hallern. Schenk Erasmus wurde der Begründer der Obersontheimer Linie des Adelsgeschlechts, das im 18. Jahrhundert im Mannesstamm ausstarb.
   
Das Gültbuch gehörte sicher ursprünglich zum Archiv der Schenken von Limpurg. Auf unbekannte Weise ist es irgendwann in Privatbesitz gekommen. Bleistiftnotizen legen nahe, dass es sich im 19. oder frühen 20. Jahrhundert in den Händen eines historisch interessierten Besitzers befunden hat. Darauf basierende Veröffentlichungen sind jedoch bislang unbekannt. Über eine auf Haushaltsauflösungen spezialisierte Firma ist es nun in das Stadtarchiv Schwäbisch Hall gekommen (12/2014).

Deutscher Wachsoldat und französischer Kriegsgefangener vor der Michaelskapelle auf der Comburg, 1942/43 (Stadtarchiv Schwäb. Hall FS 51370)
Französische Kriegsgefangene wohl vor der Entlassung in die Heimat, links der deutsche Lagerkommandant Hauptmann Carl Schwab, 1942/43 (Stadtarchiv Schwäb. Hall FS 51383)

Die Comburg als Kriegsgefangenenlager im Zweiten Weltkrieg – neue Fotos aus Privatbesitz

Während des Zweiten Weltkriegs diente die Comburg unter anderem auch als Kriegsgefangenenlager. Bereits 1939 lebten hier einige als Forstarbeiter eingesetzte Polen. Im Jahr darauf forderte die Stadtverwaltung 200 als Arbeitskräfte einzusetzende Kriegsgefangene an. 1941 waren auf der Comburg über 400 Franzosen untergebracht, Ende 1942 noch 190. Dafür kamen Polen, Russen und Ukrainer. Die Comburg war Bestandteil eines Netzes von Unterkünften für mindestens 2.100 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die in Schwäbisch Hall in Industrie- und Gewerbebetrieben, anderen öffentlichen und  privaten Einrichtungen (z.B. Diak, Stadtverwaltung, Hospital) und Privatleuten als billige Arbeitskräfte eingesetzt wurden. Dies endete 1945 mit der Befreiung durch die US-Armee.
    
Einblicke in das Alltagsleben französischer Kriegsgefangener und ihrer deutschen Bewacher im Winter 1942/43 gibt eine vom Stadtarchiv erworbene Fotoserie, wohl aus dem Vorbesitz eines deutschen Wachsoldaten. Zu sehen sind Portraits von Gefangenen, Soldatengruppen auf dem Weg zur Arbeit, ein Blick in die Krankenstube, Außenstellen des Lagers in Hessental bei der Firma Mack und in Bühlerzimmern sowie Fotos der deutschen Wachen. Eine Gruppe "Poilus" mit schwerem Gepäck und fröhlichen Gesichtern könnte vor der Entlassung in die Heimat stehen. Auf einen Fluchtversuch verweisen die Fotos eines französischen Oberleutnants, der laut Beschriftung aus einem fahrenden Zug gesprungen ist und mit einem Kopfverband wieder im Lager abgeliefert wurde (03/2013). 

"Muß euch leider mitteilen, daß wir gezwungen sind, den Krieg in seiner kraßten Art u. Weise noch kennen zu lernen..." Brief Robert Krafts vom 2. August 1916 über seine Erlebnisse in der Sommeschlacht  und kurz zuvor entstandenes Foto (Stadtarchiv Sch

Feldpostbriefabschriften des Kanoniers Robert Kraft aus Kupfer 1914-1918

Der Bauernsohn und Kanonier Robert Kraft aus Kupfer war 1914 als "Einjährig-Freiwilliger" aktiver Soldat in einem Artillierieregiment, als der Erste Weltkrieg begann. In der Folge erlebte er die "Grenzschlachten" des Sommers 1914 in Frankreich, den beginnenden Stellungskrieg in den Ardennen, anschließend ab April 1915 Kämpfe in den Karpathen und den Vormarsch in Polen und Russland mit. Nach einem Einsatz in Serbien kehrte Robert Kraft an die Westfront zurück, wo er unter anderem in Flandern und an der Somme, im Raum Verdun, in den Schlachten am Chemin des Dames, bei Cambrai und bei der großen Frühjahrsoffensive 1918 zum Einsatz kam. Nach einer Gasvergiftung erlebte er das Kriegsende in einem Lazarett. Die Texte der 1914 bis 1918 nach Hause geschickten Briefe und Postkarten  schrieb seine Schwester Hilda Kraft in ein Buch ab, das sich erhalten hat, während die Orginale verloren gegangen sind. Die Briefabschriften zeigen auf eindrückliche Weise den Ersten Weltkrieg aus dem Blickwinkel eines einfachen Soldaten, z.B. in den dramatischen Schilderungen der schweren Kämpfe in der Schlacht an der Somme 1916. Das Stadtarchiv besaß bereits seit längerer Zeit eine Kopie des Buchs mit den Briefabschriften. Das Original wurde nun von der Tochter Robert  Krafts - zusammen mit einigen anderen Dokumenten - dem Stadtarchiv überlassen. Die Briefe Robert Krafts sind Grundlage eines Beitrags im 2014 erschienenen Band über Stadt und Region Schwäbisch Hall im Ersten Weltkrieg.

Ansicht des 1713-1730 erbauten Kloster-Palastes von Mafra, dem Hauptwerk des in Honhardt geborenen und in Schwäbisch Hall aufgewachsenen Architekten Johann Friedrich Ludwig, aus der 1751 in Lissabon erschienenen Beschreibung dieses Bauwerks (Stadtarchiv

Beschreibung des Klosterpalasts von Mafra in Portugal von 1751

Ein weiterer Neuzugang aus einer Auktion ist eine 1751 in Lissabon im Druck erschienene Beschreibung des Palast-Klosters Mafra in Portugal. Dieses Bauwerk wurde zwischen 1717 und 1730 errichtet - ein gigantisches Projekt, das der portugiesische Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger  José Saramago  in seinem Roman "Das Memorial" (1982) geschildert hat. Architekt war der 1670 in Honhardt geborene und in Schwäbisch Hall aufgewachsene Johann Friedrich Ludwig (oder: Ludewig), Sohn eines reichsstädtischen Beamten und jüngerer Bruder des bedeutenden Juristen und Staatsrechtlers Johann Peter von Ludewig (1668-1743). Der gelernte Goldschmied ließ sich 1697 in Rom nieder und trat zum Katholizismus über. Erste Aufträge erhielt er von den Jesuiten. 1700 ging er nach Portugal, wo eine steile Karriere als Architekt folgte. 1717 erhielt er von König João V. den Auftrag zum 13 Jahre dauernden Bau des  "Palácio Nacional de Mafra", der größten Kloster- und Palastanlage Portugals. João Federico Ludovice - wie er sich in Portugal nannte - starb 1752 hochangesehen und wohlhabend als königlicher Hofarchitekt in Lissabon. Weitere bedeutende Arbeiten von ihm sind z.B. der Chor der Kathedrale von Évora (heute Weltkulturerbe), das Kloster São Vincente de Flora in Lissabon und der Uhrturm der Universität von Coimbra. Die noch zu seinen Lebzeiten entstandene Beschreibung des Kloster-Palasts von Mafra verfasste einer der dort lebenden Mönche; sie zeichnet sich durch mehrere großformatige, ausfaltbare Kupferstichansichten des Bauwerks aus. Das Buch stammt aus dem Vorbesitz des portugiesischen Hochadeligen und Mediziners Dr. Tomás de Melo Breyner, Conde de Mafra (1866-1933), der zeitweilig im Palast lebte.

TItelblatt der "Kreüter Chronica" des Schwäbisch Haller Stadtarzts Nicolaus Winckler von 1577

"Kräuter-Chronik" des Stadtarzts Nicolaus Winckler von 1577

Bei einer Auktion im Oktober 2014 konnte das Stadtarchiv die "Kreüter-Chronik" des Schwäbisch Haller Stadtarzts Nicolaus Winckler erwerben. Der gebürtige Forchheimer war 1559 in dieses Amt berufen worden und lebte bis zu seinem Tod 1613 in der damaligen Reichsstadt Hall. Neben seiner Arbeit als Arzt fand er noch Zeit zum "Ausreiten" (d.h. dem Besuch auswärtiger, zahlungskräftiger Patienten), was die Herren des Rats gelegentlich zu scharfer Kritik veranlasste. Darüber hinaus veröffentlichte Winckler eine ganze Reihe von Büchern, zu denen u.a. ein Traktat über die Pest, astronomische bzw. astrologische Schriften oder eine Vorhersage "von künfftiger Verenderung weltlicher Policey und Ende der Welt" gehörten. Seine "Kreüter-Chronica" erschien 1577 in Augsburg bei dem dortigen Buchdrucker Michael Manger. Hier beschreibt Winckler, welche Pflanzen um welche Jahreszeit wachsen, wie und wann sie am besten zu ernten und wie zu verarbeiten seien. Das - offenbar recht seltene - Werk bietet einen interessanten Einblick in das botanische und medizinische Wissen in Schwäbisch Hall während des späteren 16. Jahrhunderts.

Titelblatt der Mappe "Erinnerung an Schw. Hall", veröffentlicht 1862 von Wilhelm German sen. in Schwäbisch Hall
Ansicht der Henkersbrücke aus der Mappe von Wilhelm German, 1862

Frühe fotografische Stadtansichten von 1862

Von einem privaten Sammler konnte das Stadtarchiv kürzlich eine Mappe mit gedruckten Schwäbisch Haller Fotografien erwerben, die auf 1862 datiert ist und Ansichten Unterlimpurgs, der Comburg mit Steinbach, der Michaelskirche, des Rathauses, der Henkersbrücke und des Kettenstegs enthält  Es handelt sich damit um einige der frühesten fotografischen Ansichten Schwäbisch Halls. Die älteste bislang bekannte Fotografie aus der damaligen Oberamtsstadt stammt von etwa 1851/52 und zeigt das "Pompiercorps", die Feuerwehr. Der Verleger, Wilhelm German sen., betrieb im heutigen Haus Am Spitalbach 9 eine Buchbindererei und Buchhandlung, die von seinem Sohn Wilhelm German jun. später um einen Verlag erweitert wurde. Dass Wilhelm German Fotografien und Alben verkaufte, ist aus einer Anzeige von 1863 bekannt; im zuzuordnende Aufnahmen bzw. Mappen oder Alben sind aus dieser Zeit bislang nicht bekannt. Wer die offenbar als Lithografien gedruckten Aufnahmen anfertigte, wissen wir nicht. Frühe Fotografen - teils hier ansässig, teils durchreisend - sind zwar seit 1843 immer wieder in Zeitungsanzeigen und anderen Quellen genannt,  ihre Arbeiten sind allerdings nicht identifizierbar. Die von German veröffentlichten Fotografien könnten Arbeiten von Franz Anton Gasser gewesen sein, der ab 1861 ein Atelier in Schwäbisch Hall betrieb, oder des in derselben Zeit tätigen Ernst August Mammel.

Urkunde über den Verkauf einer Gült aus einem Haus im Haal von Hans Schmit an Heinrich Tiseling von 1387 (R93/64)
Siegel mit dem Seifferheld'schen Familienwappen an einer Urkunde über den Verkauf von Eigentumssieden von David Seifferheld an Georg Seifferheld, 1559 (R93/67)
Aufwändig gestalteter Vertrag über den Verkauf von Eigentumssieden durch die Erben von Friedrich Albrecht Waldmann und Johann Friedrich Waldmann an den Rat der Reichsstadt Hall, 1788 (R93/66)
Kopierbuch des Textilkaufmanns Johann Friedrich Chur für 1801-1809 mit Abschriften der Geschäftskorrespondenzen  (R93/01)
Kassenbuch des Textilgeschäfts J. F. Chur mit Einträgen aus der Zeit der Hochinflation. Der erste Eintrag auf der linken Seite stammt vom 6. Oktober 1923 und verweist auf den Kauf eines Fracks durch den  Regierungsrat Otto Weiler für 5,1 Milliarden Mar

Ein 600 Jahre umfassendes Familienarchiv

Mit Dokumenten aus dem Besitz der Schwäbisch Haller Familie Chur hat das Stadtarchiv ein ungewöhnlich weit in die Vergangenheit zurück reichendes Familienarchiv als Dauerleihgabe erhalten.

Die insgesamt 89 Schriftstücke umspannen einen Zeitraum von fast 600 Jahren. Am Anfang steht eine Pergamenturkunde von 1387 zum Verkauf einer von den Besitzern eines Hauses im Haal zu entrichtenden Gült (d.h. einer Abgabe in Geld und Naturalien). Ein ähnliches Geschäft behandelt eine Urkunde von 1420. 1470 beginnt eine Serie von Kaufverträgen zu einem oder mehreren Anwesen in der Nähe des beim Stadtbrand von 1728 zerstörten alten Rathauses. Hier könnte es sich um Vorgängerbauten des „Hauses Chur“ am Hafenmarkt handeln, das 1938 für den Bau des Sparkassengebäude abgerissen wurde. Eindeutig belegbar ist diese Übereinstimmung bisher aber nicht.

Ein erheblicher Teil dieses Privatarchivs betrifft Eigentumsrechte in der Saline. Eine Mitte des 16. Jahrhunderts beginnende Überlieferung dokumentiert Besitzwechsel von Rechten an bestimmten Sieden durch Kauf, Tausch oder Erbschaft. Dass diese teils sehr alten Schriftstücke in den Besitz der Familie Chur gekommen sind, hängt vermutlich vor allem mit von Johann Friedrich Chur (1775-1840) und seinem Sohn Carl Chur (1804-1884) getätigten Erwerbungen von Siedensrechten, Gülten und Immobilien zusammen. Es war üblich, dass bei solchen Käufen auch die noch vorhandenen älteren Urkunden zum Geschäftsobjekt mit übergeben wurden.

Johann Friedrich Chur selbst, erfolgreicher Kaufmann und Gründer eines bis 1989 bestehenden Textilgeschäfts, begegnet uns z.B. in zwei „Kopierbüchern“ der Jahre 1801 bis 1810, in die Abschriften der ausgehenden Geschäftskorrespondenz seiner Textilhandlung eingetragen wurden. Dokumentiert sind hier z.B. Warenbestellungen und Lieferungen oder die Abwicklung von Geldgeschäften, bei denen Chur u.a. mit dem berühmten Frankfurter Bankhaus Gontard zusammenarbeitete. Die beiden Bände bieten faszinierende Einblicke in das weit gespannte Netz geschäftlicher Verbindungen eines Haller Kaufmanns in der turbulenten Zeit der Napoleonischen Kriege.

Turbulenzen anderer Art spiegeln sich im Kassenbuch des Textilgeschäfts Chur aus den Jahren 1922-1948, dessen Einträge u.a. die Hochinflation von 1923 dokumentieren. Hier ist z.B. zu lesen, dass ein von Regierungsrat Otto Weiler am 6. Oktober 1923 gekaufter Frack 5,1 Milliarden Mark kostete.

Zum Bestand gehören auch eine Schwäbisch Haller Feuerordnung von 1731, Privatdokumente wie ein „Lehrheft“ Carl Churs von 1819, ein Reisepass von Johann Friedrich Chur aus dem Jahr 1837, Notizen zur Genealogie der Familie, eine vermutlich aus dem frühen 18. Jahrhundert stammende Haller Chronik mit farbigen Wappenzeichnungen, Quittungen über Schwäbisch Haller Reichssteuerzahlungen von 1579 und 1675, ein handschriftliches Kochbuch aus dem 19. Jahrhundert oder eine Serie von Straßburger und Augsburger Einblattdrucken des 17. und 18. Jahrhunderts, die sich u.a. auf den Tod König Gustav II. Adolf in der Schlacht bei Lützen (1632) oder Jubiläen der „Confessio Augustana“ (1530/1730) und des Westfälischen Friedens (1648/1748) beziehen.

Portrait des Ratsherren Johann Jacob Bonhöffer von 1694

Nach einem Hinweis eines ehemaligem Auszubildenden konnte das Stadtarchiv über eine Internet-Handelsplattform ein Gemälde erwerben, das den Haller Ratsherren und Haalpfleger Johann Jakob Bonhöffer (1651-1715) im Jahr 1694 zeigt.
Bonhöffer hatte noch das in der Familie traditionelle Goldschmiedehandwerk gelernt, stieg aber 1687 in den Inneren Rat auf, das herrschende Gremium der Reichsstadt. Seit 1681 besaß er das Haus Klosterstraße 7, das bis heute „Bonhöfferhaus“ heißt. Jakob Bonhöffer war drei mal verheiratet, wurde zwei mal Witwer und hatte insgesamt sieben Söhne und vier Töchter, von denen aber nur drei Söhne und eine Tochter das Erwachsenenalter erreichten. Die barocke Ausgestaltung des Bonhöfferhauses geht vermutlich auf seinen jüngsten Sohn, den Juristen, Ratsherrn und späteren Stättmeister Dr. Johann Friedrich Bonhöffer (1710-1778) zurück. Der bekannteste Träger des Familiennamens, der von den Nazis ermordete Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), ist kein direkter Nachfahre und stammt von einem anderen Zweig ab.
Das auf 1694 datierte, 27 x 23 cm messende kleine Ölgemälde auf Pappe in einem Holzrahmen ist kein Privatportrait, sondern wurde in Auftrag gegeben, weil Bonhöffer das Amt eines Haalpflegers innehatte, eine leitende Position innerhalb der Salinenverwaltung. Offenbar war es üblich, Bilder dieser Herren für das Haalamt anfertigen zu lassen, wo sich auch einige desselben Typs erhalten haben. Die Haalmeisterrechnung von 1694 vermerkt für den 18. Mai die Zahlung von sechs Gulden für die „Contrafait Tafel“ an den „Mahler Zweiffel“. Da andere Zahlungen für Gemälde in diesem Jahrgang nicht erwähnt sind, könnte es sich hier um das Bonhöffer-Portrait handeln. Dessen Urheber wäre dann der Haller Maler Johann David Zweiffel (1632-1709), der seine Kunst u.a. in Frankfurt und Antwerpen gelernt hatte. Wie das Gemälde in Privatbesitz gekommen ist und auf welchen Wegen es in den Handel gelangte, ist unbekannt.

Titelseite einer Werbebroschüre zu dem Dokumentarfilm "Himatschal" von 1931 (StadtA SHA S01(1852)
Gruppenbild der Teilnehmer der internationalen Himalaya-Eppedition von 1930, ganz links Hermann Hoerlin aus Schwäbisch Hall. Aus einer Werbebroschüre über den Film "Himatschal"  (StadtA SHA S01(1852)

"Himatschal" - ein unter Beteiligung eines Schwäbisch Haller Bergsteigers entstandener Dokumentarfilm von 1931

Der aus Schwäbisch Hall stammende Bergsteiger und Pysiker Hermann Hoerlin (1903-1983) galt als einer der besten deutschen Bergsteiger der 1920er Jahre. Zusammen mit seinem Freund und Kletterpartner, dem Österreicher Erwin Schneider (1906-1987), nahm er 1930 an der von Prof. Günter Dyrenfurth geleiteten internationalen Himalaya-Expedition teil. Im Rahmen dieser Expedition erreichten Hoerlin und Schneider mit dem 7462 m hohen Jongsang Ri den höchsten bis dahin bestiegenen Berggipfel der Erde. Eine weitere Pionierleistung war der Film "Himatschal", der als wohl erster "moderner" Dokumentarfilm über eine Expedition im Himalaya gelten kann. Die sperrigen und schwer zu handhabenden Kameras wurden hierfür auch in große Höhen mitgenommen. Der 72 min. lange Film kam 1931 in die Kinos.
Nachdem das Stadtarchiv bereits 2013 eine Reihe von Fotos und anderen Dokumenten zu Hermann Hoerlin erwerben konnte, gelang es nun nach längeren Recherchen, eines der offenbar sehr wenigen erhaltenen Exemplare des Films in der "Cinémathèque suisse", dem Schweizer Filmarchiv in Lausanne aufzuspüren. Im Tausch gegen einen für die "Cinémathèque" interessanten FIlm aus dem Stadtarchiv kam nun eine DVD-Kopie dieses cineastischen Pionierwerks nach Schwäbisch Hall.

Vorderseite der Medaille auf die Taufe des ohne Arme geborenen Thomas Schweicker aus Schwäbisch Hall (StadtA SHA S16/M2313)
Rückseite der Medaille auf die Taufe des ohne Arme geborenen Thomas Schweicker aus Schwäbisch Hall (StadtA SHA S16/M2313)

Taufmedaille für Thomas Schweicker

Über eine Internet-Handelsplattform konnte das Stadtarchiv eine silberne Medaille auf die Taufe des als armloser Kunstschreiber bekannt gewordenen Thomas Schweicker (1540-1602) erwerben. Sie zeigt die Taufe Jesu durch Johannes im Jordan, auf dem Schild ist das Schweicker'sche Familienwappen mit einer Brezel abgebildet, das auf den Beruf des Vaters (Bäcker) verweist. Die lateinische Umschrift lautet "Tu es filius meus dilectus" (Du bist mein geliebter Sohn), ein Bibelzitat aus Matthäus 3,17. Die Inschrift auf der Rückseite weist darauf hin, dass Johann Schrot zu Schwäbisch Gmünd die Medaille Thomas Schweicker verehrt habe. Offen muss bleiben, ob sie tatsächlich zur Taufe 1540 oder zu einer späteren Gelegenheit im Rückblick auf dieses Fest angefertigt wurde. Die Medaille ist offenbar sehr selten und fehlt auch in der großen Münz- und Medaillensammlung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart. In späteren Jahren, als Thomas Schweicker eine Berühmtheit geworden war, wurden eine ganze Reihe weiterer Medaillen angefertigt, die ihn bei seiner Arbeit als Schreiber zeigen.

Foto des im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten Hermann Gackstatter aus Schmalfelden (StadtA SHA R90/09)

Feldpostbriefe aus beiden Weltkriegen

Als Geschenk aus Privatbesitz erhielt das Stadtarchiv ein kleines Familienarchiv, dessen Schwerpunkt auf den beiden Weltkriegen liegt. Der Bestand umfasst vor allem Feldpostbriefe und Feldpostkarten aus den Ersten Weltkrieg von Hermann Gackstatter (1897-1918) und Hermann Brehm (1924-1986), beide aus Schmalfelden (Gde. Schrozberg), weitere Schriftstücke aus dem Besitz ihrer Familien (u.a. Impfzeugnisse, Patenbriefe, weitere Briefe und Postkarten) sowie eine Reihe von Druckschriften, u.a. landwirtschaftliche Lehrbücher Hermann Brehms und Familienbibeln mit Eintragungen zur Familiengeschichte Brehm und Gackstatter. Erhalten ist z.B. der Brief, in dem die Eltern Hermann Gackstatters vom Tod ihres Sohns an einer Gasvergiftung erfuhren, ebenso eine Postkarte an ihn, die wegen seines Todes zurückgeschickt wurde.Die Unterlagen werden im Stadtarchiv unter der Bestandssignatur R90 verwahrt.

Lithografie-Postkarte mit dem Hessentaler Bahnhof und dem Einkorn von 1899 (StadtA SHA R89/52)
Bislang unbekanntes Gruppenbild von Soldaten des Ersten Weltkriegs vor dem Abmarsch 1914 auf dem Haller Rosenbühl (StadtA SHA R89/22)
Postkarte mit Ansichten von Enslingen, 1914  (StadtA SHA R89/27)

Ein Familienarchiv aus Enslingen

Eine das späte 19. bis Mitte des 20. Jahrhundert umfassende Sammlung von Fotografien, Briefen, Postkarten und anderen Dokumenten der Familie Ekstein in Enslingen ist nach Abschluss eines Leihvertrags im Stadtarchiv hinterlegt worden. Hierzu gehören unter anderem Bildpostkarten ab dem Ende des 19. Jahrhunderts - dabei einige sehr schöne Lithografien aus Hall und Umgebung - Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg, Militärausweise und ähnliche Dokumente, Fotografien aus Enslingen ab den 1920er und 1930er Jahren, Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg sowie ein Kriegstagebuch von 1941. Ungewöhnlich und persönlich sehr berührend sind die Briefe einer Frau an ihren im Kriegsdienst stehenden Ehemann aus dem Ersten Weltkrieg in denen sie unter anderem sehr eindrücklich den Tod ihres kleinen Sohnes (vermutlich an der Spanischen Grippe) und ihre Trauer um ihn schildert. Diese Unterlagen werdem im Stadtarchiv unter der Bestandssignatur R89 verwahrt.

Titelseite der "Dötschmann-Chronik" von etwa 1600
Ansicht der Reichsstadt Schwäbisch Hall aus der "Dötschmann-Chronik" von etwa 1600
Wappen von Stadtadelsfamilien in der "Dötschmann-Chronik" von etwa 1600
Belagerung der Burg Maienfels in der "Dötschmann-Chronik" von etwa 1600
Steinbach und die Comburg in der "Dötschmann-Chronik" von etwa 1600

Die „Dötschmann-Chronik“ von 1600 – eine herausragende Neuerwerbung des Stadtarchivs

Die mit Unterstützung der Geschichts-Werkstatt und Spenden der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim, der Bauparkasse, der Firmen Optima und Recaro sowie von privaten Spenderinnen und Spendern im Juni 2013 erworbene Chronikhandschrift ist ein herausragender Neuzugang des Stadtarchivs.

Inhaltlich handelt es sich um eine Kompilation aus den in der Mitte des 16. Jahrhunderts entstandenen Texten der beiden Haller Chronisten Georg Widman und Johann Herolt. Die Handschrift wurde vermutlich nach individuellen Wünschen und Vorgaben für einen privaten Auftraggeber um 1600 in einer bislang nicht identifizierten Schwäbisch Haller Schreiberwerkstatt angefertigt. Die Herstellung solcher Handschriften, von denen sich mehrere vergleichbare erhalten haben, deuten auf eine letzte Blüte der Schreiberkunst in der damaligen Reichsstadt, in der es zu dieser Zeit keine Buchdrucker gab. Der Auftraggeber ist ebenso wenig bekannt wie spätere Besitzer. Der nicht aus der Entstehungszeit stammende Vermerk auf dem mit dem dreifachen Wappen der Reichsstadt Schwäbisch Hall verzierten Titelblatt verweist lediglich auf die seit dem 15. Jahrhundert in Schwäbisch Hall nachweisbare Familie Dötschmann.

Der Text ist ergänzt um hunderte kolorierte  Federzeichnungen, die Stadt- und Ortsansichten, Wappen, historische Ereignisse oder biblische Szenen zeigen. Besondere Hervorhebung verdienen z.B. die Stadtansicht Schwäbisch Halls, die sich aufgrund ihres Detailreichtums von vergleichbaren Darstellungen in anderen Chroniken abhebt. Interessant ist auch die Ansicht Unterlimpurgs, die noch die in den 1570er Jahren abgebrochene Burg Limpurg zeigt. Deren Darstellung entspricht zumindest in den Grundzügen den erhaltenen Fundamentresten. Das Interesse der Chronisten an den Adelsfamilien in Stadt und Land hat sich in zahlreichen farbigen Wappenzeichnungen niedergeschlagen. Vorhanden sind außerdem zahlreiche Darstellungen von Ortschaften und insbesondere Burgen im Haller Land. Auch wenn viele dieser Ansichten stilisiert und vereinfacht sind, handelt es sich – zusammen mit den Abbildungen in anderen Chroniken dieses Typs – um die ersten bildlichen Darstellungen zahlreicher Orte der Region. Nach einer Restaurierung, die insbesondere aufgrund von Papierschäden im hinteren Teil des Bandes notwendig ist, soll die „Dötschmann-Chronik“ langfristig digitalisiert und auf diese Weise öffentlich zugänglich gemacht werden.

Neuerwerbungen von Drucken des Schwäbisch Haller Reformators Johannes Brenz

Aufgrund der herausragenden Bedeutung des Reformators und Theologien Johannes Brenz (1499-1570) für Schwäbisch Hall sammelt das Stadtarchiv seit vielen Jahren systematisch Drucke seiner Werke und besitzt bereits eine bedeutende Sammlung, zu der auch sehr seltene Stücke gehören. Vor allem die Auflösung einer privaten Brenz-Sammlung ermöglichte nun bei mehreren Auktionen den Erwerb einer größeren Anzahl bisher in Schwäbisch Hall nicht vorliegender Brenz-Drucke. Diese Neuerwerbungen konnten zusammen mit der "Dötschmann-Chronik" am 14. Juni 2013 der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Titelblatt des ersten Bands der Brenz-Erstausgabe von 1550
Titelblatt des zweiten Bands mit Besitzvermerk des Posener Jesuitenkollegs.

Brenz, Johannes: Ennarationum Evangeliorum Dominicalium. Pars Prima. Autore Ioanne Brentio. Cum praefatione Ioannis Pollicarii, ad ilusttrissimum Principem Augustum, Ducem Saxoniae &c., Wolfgang u. Gervasius Sturmer: Erfurt 1550, 12 nnum., 391 num. Bl. [Köhler 184]

Brenz, Johannes: Ennarationum Evangeliorum Dominicalium. Pars Secunda. Autore Ioanne Brentio, Wolfgang u. Gervasius Sturmer: Erfurt 1550, 375 Bl. [Köhler 185]

Die in zwei Bänden erschienene Erläuterung der sonntäglichen Evangelientexte in lateinischer Sprache stammt aus einer dramatischen Phase des Lebens von Johannes Brenz. Seitdem er 1548 wegen seines Widerstands gegen das „Interim“ vor einer drohenden Verhaftung durch Abgesandte des Kaisers Karl V. aus Schwäbisch Hall fliehen musste, führte er ein Leben im Versteck und an wechselnden Orten. Die hier vorliegenden Texte verfasste er offenbar während dieser Zeit, vermutlich auf der bei Calw gelegenen Burg Hornberg, wo er sich 1550-1551 verborgen hielt. Es erstaunt etwas, dass Brenz in dieser Situation Bücher nicht nur verfasste, sondern auch unter seinem richtigen Namen im Druck herausgab, in diesem Fall bei den Brüdern Wolfgang und Gervasius Sturmer in Erfurt.
Die beiden Teilbände wurden durch das Stadtarchiv innerhalb kurzer Zeit aus verschiedenen Quellen erworben. Der erste Band weist einen schönen und sehr aufwendigen Ledereinband über Holzdeckeln auf, der mit Präge- und Rollstempeln dekoriert wurde und unter anderem Blumenmuster und allegorische Frauengestalten wie „Fides“ (Glaube) „Justitia“ (Gerechtigkeit) oder „Charitas“ (Wohltätigkeit) zeigt. Der zweite Band hat eine ungewöhnliche Besitzgeschichte. Einem Vermerk auf dem Titelblatt zufolge gehörte er im 17. Jahrhundert dem Jesuitenkolleg in  Poznań (Posen) in Westpolen. Ob die auf eine intensive Auseinandersetzung deutenden, zahlreichen Unterstreichungen und Randbemerkungen aus der Posener Zeit oder von einem anderen Besitzer stammen, müsste aber erst eine genauere Untersuchung ergeben.

Titelblatt der "Acta Apostolorum", Nürnberg 1554
In den Band eingeklebte, undatierte Karte des Mittelmeerraums.
Detail des Einbands: eingeprägte Portaits eines Evangelisten (oben) und von Christus (unten)

Brenz, Johannes: Acta Apostolorum. Das Buch der Apostelgeschicht Die recht vnd Haubthistoria der ersten heyligen Christlichen Kirchen. Außgelegt durch Johannem Brentium/ und in C.XXII. Predigten getheylet. Sampt einer Vorrede Brentii/ von nütz vnd lobe dises Buchs/ vor nie im Druck außgangen, o. Dr. : Nürnberg 1554, 413 nnum. Bll.[Köhler 246]

Diese zweite deutsche Ausgabe (Erstausgabe 1551) eines Kommentars zur Apostelgeschichte ist offenbar sehr selten und wurde von Brenz-Bibliograph  Walther Köhler in nur drei Bibliotheken nachgewiesen. Die Übersetzung des 1535 erstmals veröffentlichten lateinischen Texts fertigte der aus Künzelsau stammende Pfarrer Hiob Gast. Neu an der von einem unbekannten Drucker in Nürnberg hergestellten Ausgabe ist eine „Vorrede“ von Johannes Brenz, in der dieser betont, sein Buch sei zwar „schwach und mager“, seinem mittlerweile verstorbenen Freund Gast zuliebe aber „hab ich mirs nicht mißfallen lassen, das sein Arbeyt im Druck menigklich mitgehteylt würde“. Ein ganzseitiger Holzschnitt zeigt den Evangelisten Lukas. Den Besitzervermerken zufolge befand sich der Band Ende des 18. Jahrhunderts in Skandinavien, vermutlich in Dänemark. Einer der Vorbesitzer hat auf die Innenseiten der Buchdeckel zwei undatierte Landkarten eingeklebt, von denen eine Israel bzw. Palästina zeigt, die zweite den Mittelmeerraum zur Zeit der Apostel mit den antiken Orts-, Regional- und Provinznamen.

Johannes Brenz: Ecclesiastes Salomonis, Hagenau 1528, Titelblatt

Brenz, Johannes: Ecclesiastes Solomonis, cum commentarius, iuxtapiis atq[e] eruditis Iohannis Brentii, per Hiobem Gast e Germano in Latinum tralatus. Epistola nuncpatoria ad Illstriss. Principem Hessorum Philippum, Johannes Setzer: Hagenau 1528, 293 num., 11 nnum. Bl. [Köhler 28]

Der gebürtige Künzelsauer Hiob Gast übersetzte den im selben Jahr in deutscher Sprache erschienenen Kommentar von Johannes Brenz zum Prediger Salomo ins Lateinische. Nach den 1527 erschienenen Arbeiten über das alttestamentarische Buch Hiob und das Johannesevangelium handelt es sich um das dritte größere theologische Werk des Haller Predigers. Gedruckt wurde es von Johann Setzer im elsässischen Hagenau, der einige frühe Brenz-Werke, daneben auch zahlreiche Arbeiten Philipp Melanchthons und anderer Humanisten publizierte. Setzer war selbst ein gelehrter Mann, der in den 1517 veröffentlichten „Dunkelmännerbriefen“ als Gegner der hier karikierten Dominikaner Erwähnung findet. Peter Braubach, der die Druckerei nach dem Tod  seines Schwiegervaters Setzer 1532 übernahm, verlegte sie 1536 nach Schwäbisch Hall. Der Band hat einen ungewöhnliche Holzschnittbordüre um den Titel, der neben dem Monogramm Setzers eine Dekoration mit Narrenköpfen in den typischen Schellenkappen zeigt.

Johannes Brenz: Explicatio Epistolae Pauli ad Galatas. Autore Ioanne Brentio, Frankfurt am Main 1548, Titelblatt
Johannes Brenz:  Explicatio Epistolae Pauli ad Philippenses. Autore Ioanne Brentio, Peter Braubach: Frankfurt/Main 1548, Titelblatt

Brenz, Johannes: Explicatio Epistolae Pauli ad Galatas. Autore Ioanne Brentio, Peter Braubach: Frankfurt am Main 1548, 336 Bl.
1. angeb.: Brenz, Johannes:  Explicatio Epistolae Pauli ad Philippenses. Autore Ioanne Brentio, Peter Braubach: Frankfurt/Main 1548, 152 Bl.
[Köhler 161 u. 159]

Dieser Band enthält zwei frühe Ausgaben von Kommentaren zum Galater- und Philipperbrief, die Brenz kurz vor seiner Flucht aus Schwäbisch Hall verfasst hat. Das Buch zum  Philipperbrief ist seinem Haller Kollegen Michael Gräter gewidmet, der als Pfarrer an St. Katharina wirkte. Beide Werke wurden durch Peter Braubach in Frankfurt am Main gedruckt, der sie mit seiner charakteristischen Druckermarke, einem Januskopf, versah. Braubach war der „Hausdrucker“ des Haller Reformators. Er hatte 1532 die Werkstatt seines Schwiegervaters Johann Setzer in Hagenau (Elsass) übernommen und sie 1536 – wohl wegen seiner intensiven Zusammenarbeit mit Brenz – nach Schwäbisch Hall verlegt. Er war damit der erste Drucker der Reichsstadt. 1540 zog Braubach nach Frankfurt, wo er 1567 starb. Seine Haller Werkstatt hatte sein Schwager Pankratius Queck übernommen. Braubach war wie sein Schwiegervater Setzer ein hochgebildeter Mann, der – wie Melanchthon erzählt – nur griechisch und lateinisch drucken wollte. Dank seiner Kontakte zu den Geistesgrößen seiner Zeit war er nicht auf Nachdrucke angewiesen, sondern fertigte von den Verfassern oder Herausgebern autorisierte Originalausgaben. Der Band hat noch seinen ursprünglichen Einband mit eingeprägten Blumenmustern und der Jahreszahl „1549“. Der erste Besitzer hat sich als „Johannes Aurora“ auf dem Innendeckel verewigt und wohl auch die zahlreichen Marginalien und Unterstreichungen im Band hinterlassen.

Johannes Brenz: Apologiae Confessionis Ilustriss. Principis ac Domini, D. Christophori Ducis Vuirtembergen. &c. Autore Ioanne Brentio, Peter Braubach: Frankfurt/Main 1557, Titelblatt

Brenz, Johannes: Apologiae Confessionis Ilustriss. Principis ac Domini, D. Christophori Ducis Vuirtembergen. &c. Autore Ioanne Brentio, Peter Braubach: Frankfurt/Main 1557, 1 Bl., S. 419-775 [Köhler 329]

Johannes Brenz hatte federführend bei der Abfassung der „Confessio Wirttembergica“ von 1551 mitgewirkt, die den Standpunkt der protestantischen Theologen des Herzogtums zur Vorlage beim Trientinischen Konzil zusammenfasste. Deshalb griff er auch zur Feder, als Petrus a Soto (ca. 1494-1563), ein Dominikanermönch, früherer Beichtvater des Kaisers und nunmehriger Dillinger Professor, 1555 unter dem Titel „Assertio catholicae fidei“ eine Ablehnung der „Confessio“ aus katholischer Sicht veröffentlichte. Er verfasste die in mehreren Teillieferungen ab 1555 von Peter Braubach in Frankfurt gedruckte Apologie der „Confessio“, mit der er seinerseits die Thesen a Sotos zurückwies. Die publizistische Fehde setzte sich mit einer Gegenschrift a Sotos fort (1557) und endete mit einer 1900 (!!) Seiten umfassenden Stellungnahme von vier württembergischen Theologen, zu dem Brenz ein Vorwort beisteuerte. Dass er seinen Gegner u.a. als „Asotus“ (lateinisch Schlemmer, Wüstling) karikierte, zeigt, dass der für seine Milde gerühmte Theologie durchaus zu scharfer Polemik fähig war.

Johannes Brenz: Syntagma eorvm, qvae nomine ilustrissimi Principis ac Domini, D. Christophori Ducis Virtembergensis & Teccensis, & Comitis Montbelgardi, &c. in Synodo Tridentina per Legatos eius, acta sunt. Addita sunt exempla Mandatorum, & Saluorum (ut u

Brenz, Johannes: Syntagma eorvm, qvae nomine ilustrissimi Principis ac Domini, D. Christophori Ducis Virtembergensis & Teccensis, & Comitis Montbelgardi, &c. in Synodo Tridentina per Legatos eius, acta sunt. Addita sunt exempla Mandatorum, & Saluorum (ut uocant) co[n]ductuum, quorum cognitio utilis est, [Peter Frenz]: [Schwäbisch Hall] 1553, 76 nnum. Bl.
[Köhler 244]

Auf Wunsch des Kaisers Karl V. hatte Herzog Christoph von Württemberg Gesandte zum Trientinischen Konzil geschickt, die dort die „Confessio Wirttembergica“ vorlegten. Zusammen mit drei weiteren württembergischen Theologen gehörte Brenz zu einer zweiten Delegation, die im März 1552 nach Trient reiste, um die „Confessio“ gegenüber dem  Konzil zu vertreten. Angesichts des Präzedenzfalls von Johannes Hus, der beim Konstanzer Konzil 1415 trotz der Zusage freien Geleits als Ketzer verbrannt worden war, geschah dies nicht ohne Sorge. Die geplante Anhörung fand jedoch nie statt, und die Delegation reiste nach drei Wochen Warten wieder ab. Brenz dokumentierte den Besuch in Trient in der vorliegenden Schrift. Hier griff er noch einmal sein Pseudonym „Huldrychus Encaustius“ auf, das er während seiner Zeit im Versteck 1548-1550 verwendet hatte. Das im Jahr des Erstdrucks erschiene Quartbändchen hat keine Angabe zu Druckort und Drucker, wird aber Peter Frenz zugeschrieben, der 1545/46 die frühere Braubach’sche Druckerei in Schwäbisch Hall übernommen hatte. Nach seinem Tod noch 1553 und einem kurzen Zwischenspiel des Buchbinders Thoman Biber endete das Buchdruckergewerbe in Schwäbisch Hall vorläufig. Dieser Mangel führte jedoch zu einem letzten Aufblühen der Schreiberkunst, dem neben anderen prunkvollen Chronikhandschriften auch die „Dötschmann-Chronik“ zu verdanken ist. Ein Buchdrucker ließ sich erst 1635 wieder in Schwäbisch Hall nieder.

Johannes Brenz: Ioannis Brentii sententia, de libello D. Henrici Bullingeri, cui titulus est. Tractatio verborum domini: in domo patris mei mansiones multae sunt. Etc., Ulrich Morharts Wwe.: Tübingen 1561, Titelblatt

Johannes Brenz: Ioannis Brentii sententia, de libello D. Henrici Bullingeri, cui titulus est. Tractatio verborum domini: in domo patris mei mansiones multae sunt. Etc., Ulrich Morharts Wwe.: Tübingen 1561, 35 num, 1 nnum. Bl. [Köhler 387]
   
Johannes Brenz setzte sich nicht nur kritisch mit katholischen Autoren wie Petrus a Soto auseinander, sondern sah sich auch immer wieder in Kontroversen mit reformierten Theologen verwickelt. Der „Abendmahlsstreit“ um den Charakter des Abendmahls war ein zentraler Punkt, der Brenz seit dem „Syngramma Suevicum“ von 1525 und dem Marburger Religionsgespräch (1529) immer wieder beschäftigte. In diesen Kontext gehört die 1561 in Tübingen gedruckte Erstausgabe eines Texts, die sich kritisch mit einem Werk des Züricher Pfarrers und reformierten Theologen Heinrich Bullinger (1504-1575) auseinander setzt. Brenz hat, wie er selbst später schrieb, „verhofft, die Widersacher, so von mir nicht scharpff und unfreuntlich irer Irrthumb erinnert, würden etwas milter unnd sollten anfahen, die Augen aufzuthun. Aber es ist vil anderst geraten“ – stattdessen begann ein scharfer schriftlicher Disput mit Bullinger und Peter Martyr Vermigli (1499-1562), einem in Zürich tätigen, gebürtigen Italiener.  Das nur in einen Papierumschlag gebundene Buch im Quartformat hat oben eine Brandspur, deren Alter und Entstehungsgrund unbekannt sind.

Johannes Brenz: Von der Mayestet Unsers lieben Hern vnd einigen Heilands Jesu Christi/ zu der gerechten Gottes/ auch von der waren gegenwürtigkeit des Leibs unnd Bluts Christi im Nachtmal. Und würdt hierinn geantwort auff die Schrifft Petri Martyris und

Brenz, Johannes: Von der Mayestet Unsers lieben Hern vnd einigen Heilands Jesu Christi/ zu der gerechten Gottes/ auch von der waren gegenwürtigkeit des Leibs unnd Bluts Christi im Nachtmal. Und würdt hierinn geantwort auff die Schrifft Petri Martyris und Heinrici Bullingeri, so sich die Zwinglische meinung von des HERRN Nachtmal zuuerfechten understanden. Durch Joannem Brentium., [Ulrich Morhart]: Tübingen 1562, 1, 152 [richtig: 144] Bl., 2 nnum. Bl. [Köhler 407]

Mit diesem Buch setzte Johannes Brenz seine 1561 begonnene publizistische Fehde mit den reformierten Theologen Heinrich Bullinger und Peter Martyr Vermigli fort und konterte deren Entgegnungen. Brenz hielt zwar den Streit für durchaus schädlich, denn „die Feindt christlicher Lehr lachen nicht allein in ir Faust, sonder haben auch allenthalb ein groß offentlich Geschray, und verhoffen, ... das die ... Christlich Lehr von wegen derselben Lehrer hässlich Gezänck unnd Uneinigkeit für sich selbs zu Grund gehe.“ Weil er aber gesehen habe, „das diser Streit  widerumb gantz gfärlich überhand nemen will, unnd unsere Widersacher sich allerley Künstlin wunderbarlich gebrauchen, so hab ich nicht wöllen noch sollen mit Stillschweigen umbgehn, was hierinn mein Meinung sey.“ Schließlich wolle er in diesem „Kirchenkrieg“ auch nicht als Neutraler und „Zwickdarm“ angesehen werden, der beiden Seiten gleichermaßen verächtlich sei. Gegenüber den beiden Zürichern mit ihrer symbolischen Auffassung vertrat er in der Folge den lutherischen Standpunkt der tatsächlichen Gegenwart des Leibes und Bluts Christi im Abendmahl. Die hier vorliegende deutsche Übersetzung des zuerst in Latein erschienenen Texts wurde im Jahr der Erstausgabe gedruckt.

Johannes Brenz: In Exodum Mosi commentarius. Autore Ioanne Brentio., Peter Braubach: Schwäbisch Hall 1538, Titelblatt

Brenz, Johannes: In Exodum Mosi commentarius. Autore Ioanne Brentio., Peter Braubach: Schwäbisch Hall 1538, 16 nnum., 344 num. Bl.[Köhler 103]
1. angeb.: Artopoeus, Peter: Evangelicae Conciones Dominicarum tocius anni per Dialecta & Rhetorica artifica breuiter tractatae., Georg Rau: Wittenberg 1537, 283 num., 2 nnum. Bl.
   
Diese Erstausgabe des Kommentars von Johannes Brenz zum „Exodus“, dem ersten der fünf Bücher Mose, ist eine Arbeit des ersten Schwäbisch Haller Druckers Peter Braubach (gest. 1567 in Frankfurt). Wie andernorts erwähnt, hatte er 1532 die Werkstatt seines verstorbenen Schwiegervaters Johannes Setzer in Hagenau (Elsass) übernommen und 1536 nach Schwäbisch Hall verlegt. Aus der Zeit bis zu seinem Weggang nach Frankfurt sind 38 Haller Druckwerke nachweisbar. Eine Haller „Zweigstelle“ seines Frankfurter Betriebs wurde wohl von Braubachs Schwager Pancratius Queck weiterbetrieben und 1543 in eigene Verantwortung übernommen. Neben vielen Werken des Haller Reformators kamen u.a. auch solche von Philipp Melanchthon, Antonius Corvinus, Johannes Carion, Eobanus Hessus  oder Martin Luther sowie meist von Melanchthon herausgegebene griechische und lateinische Klassiker (Cicero, Xenophon) zum Druck. Angebunden an den Haller Brenz-Druck ist eine Publikation des in Pommern wirkenden Theologen und Reformators Peter Becker, genannt Petrus Artopoeus (1491-1563). Sie entstand in der Druckerei von Georg Rau in Wittenberg.

Johannes Brenz: In D. Iohannis Evangelion, Ioannis Brentii Exegesis, per authorem iam nouißime diligenter reuisa, ac multis in locis locupleta, Johann Setzer: Hagenau 1532, Titelblatt

Agricola, Johann: In Lucae Evangelium, Adnotationes Iohannis Agricolae Islebii, bona fide Scripturam tractatae, & nuper per authorem ipsum recognite ac restitutae, Johann Setzer: Hagenau 1529, 8 nnum., 215 num. Bl.
1. angeb.:  Brenz, Johannes: In D. Iohannis Evangelion, Ioannis Brentii Exegesis, per authorem iam nouißime diligenter reuisa, ac multis in locis locupleta, Johann Setzer: Hagenau 1532, 8 nnum., 351 num. Bl. [Köhler 57]
2. angeb.: Brenz, Johannes: Epistola Iohannis Brentii de uerbis Domini, Hoc est Corpus meum, opinionem quorundam de Eucharistia refellens, [Simprecht Ruff]: [Augsburg] o.J., um 1526, 8 nnum. Bl.[Köhler 671]

Der häufig als Drucker früher Werke von Johannes Brenz auftretende Johann Setzer in Hagenau (Elsass) fertigte zwei der drei in diesem Sammelband enthaltenen Bücher. Neben einem Nachdruck des erstmals 1527 bei Setzer erschienenen Kommentars von Johannes Brenz zum Johannesevangelium ist eine durch den Eislebener Theologen und Luther-Vertrauten Johann Agricola (1494-1566) verfasste Auslegung des Lukasevangeliums sowie der Druck eines im Oktober 1525 verfassten Briefs von Brenz an den Straßburger Reformator Martin Bucer (1491-1551) zum „Abendmahlsstreit“ enthalten. Diese Arbeit wird aufgrund der Drucktypen dem Augsburger Drucker Simprecht Ruff zugeschrieben und auf etwa 1526 datiert. Die – nicht untypische – Zusammenfassung mehrerer Druckwerke in einem Band ist eine Folge der noch lange danach üblichen Trennung zwischen Buchdrucker- und Buchbindergewerbe. Bücher wurden meist ungebunden gekauft und zu einem Buchbinder gebracht, der sie mit einem Einband nach den individuellen Wünschen seines Kunden versah. In diesem Fall handelt es sich um einen Ledereinband über Holzdeckeln, der mit Roll- und Prägestempeln verziert wurde und die Jahreszahl „1533“ aufweist.

Johannes Brenz: In Evangelii quod inscribitur, secundum Lucam, duodecim posteriora Capita, Homiliae octoginta. Autore Ioanne Brentio., Peter Braubach: Frankfurt/Main 1542/43, Titelblatt

Brenz, Johannes: In Evangelii quod inscribitur, secundum Lucam, duodecim posteriora Capita, Homiliae octoginta. Autore Ioanne Brentio., Peter Braubach: Frankfurt/Main 1542/43, 4 nnum., 317-610 num., 15 nnum. Bl. [Köhler 120]

Der Kommentar von Johannes Brenz zum Lukasevangelium wurde erstmals 1537 von Peter Braubach in Schwäbisch Hall gedruckt. Diese Frankfurter Folioausgabe ist auf der Titelseite auf 1542, am Ende des Bands hingegen auf 1543 datiert. Braubach hat die Titelseite mit einer schönen Holzschnitt-Bordüre geschmückt, die typische Schmuckelemente der Renaissance-Architektur aufgreift. Weiterhin finden sich im Band Holzschnittinitialen mit Blütendekor und der Januskopf als Markenzeichen Braubachs, das er von seinem Schwiegervater Setzer übernommen hat. Der einfache Pappeinband ist mit Blättern aus Sebastian Münsters 1544 erstmals erschienener „Cosmographia universalis“ bezogen. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um Makulatur (Fehldrucke) oder Reste eines ausgemusterten Buchs, die durch den Buchbinder „recycelt“ wurden.