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Schausieden

Die Salzknechte beim Schausieden, Foto TM
Ein Sieder gibt Einblicke in die genealogischen Bücher, Foto G. Sadler

"Am Kocher Hall, die löblich Stadt, vom Salzbrunn' ihren Ursprung hat."

Wie Ausgrabungen und Funde belegen, betrieben die Kelten schon ca. 500 vor Christus eine Saline in Schwäbisch Hall

Die noch heute sprudelnde Salzquelle (Sole) auf dem Haalplatz begründete den früheren Wohlstand Schwäbisch Halls. In den Haalhäusern auf dem Haalplatz wurde durch Sieden das Wasser verdampft, das Salz nahm seine kristalline Form an und wurde so zum "weißen Gold des Mittelalters".
Die Salzproduktion endete 1924, doch bis heute wird das immer noch sprudelnde Salzwasser mit seiner heilkräftigenden Wirkung im modernen Solebad genutzt.

Der Verein Alt Hall hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, diese jahrhundertelange Tradion des Salzsiedens nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Siedeknechte veranstalten ab diesem Sommer deshalb einmal pro Monat ein Schausieden, bei dem Sie die Tradition des Salzsiedevorgangs vor Ort mit erleben können.

So wurde früher Salz gesotten

Die Sole gelangte vom Haalbrunnen über Holzrinnen in den Kasten, ein Salzbehälter an der Außenwand des Haalhauses. Von hier aus lief die Sole durch ein Sieb in den Naach, ein durch die Wand mit dem Kasten verbundenen Holztrog. Hier fügten die Sieder der Brunnensole Gewöhrd aus der Gewöhrdstadt zu. Durch enorme Hitze in den Haalhäusern verdampfte so schon ein Teil des Wassers.

Das Gewöhrd bestand aus salzüberkrustetem und salzdurchtränktem Material, wie zerklopftes salzhaltiges Mauerwerk von abgebrochenen Siedeherden, Pfannsteinen oder Tonstücken, die durch ihre poröse Struktur der Sole Wasser entzogen. Dadurch erhöhte sich die Salzkontentration, die Sole wurde gradiert.
Anschließend kam die konzentrierte Sole in die schiffsförmigen, normierten Siedepfannen. Diese standen auf einem gemauerten Herd.

Beim Siedevorgang wurde zunächst langsam angeheizt, dann bei starkem Feuer scharf aufgekocht, wobei sich schmutziger Schaum  bildete, der abgeschöpft wurde. Nach dem Ausschwenken der Pfannen mit Rohsole schöpfte man die geläuterte Sole in die Pfannen zurück. Zur weiteren Läuterung setzte man schaumbindende Mittel ein. Nach und nach kristallisierte das Salz aus, welches man auf ein Brett am Pfannenrand schaufelte.

Zum Trocknen kam das Salz nun ins Pfaunstle, eine längliche Grube, in der glühende Holzkohle mit Sand abgedeckt wurde. Darüber formte man mit Brettern eine Salzmauer. Nach dem Trocknen des Salzes sägte man 16 gleichgroße Schlipen, die Handelseinheit des Haller Salzes. Diese kamen zum völligen Trocknen ins Löchle und wurden dann in Holzfässern auf Fuhrwerken zu den großen Salzmärkten nach Speyer, Frankfurt oder Straßburg transportiert.