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Stadtmühle

In der so genannten Stadtmühle, einer frühen Mahlmühle, deren bauliche Struktur auf das 19. Jahrhundert zurückgeht, werden die Stadtgeschichte von der Französischen Revolution bis zum Ende des 20. Jahrhunderts sowie verschiedene Sonderthemen exemplarisch vorgestellt:


Mausefalle in Form einer Guillotine, um 1800, Foto: Kern

Hall im 19. Jahrhundert
Beginnend mit der Französischen Revolution, wird die Geschichte Halls im 19. Jahrhundert aufgezeigt. Außergewöhnliche Sachzeugnisse kommentieren aus deutscher Sicht die revolutionären Ereignisse in Frankreich und die europaweiten Veränderungen auf Grund der Napoleonischen Machtpolitik, die für Hall das Ende des Reichsstadtstatus brachte. Aber auch in Themen wie die Revolution von 1848 oder die Industrialisierung der Stadt führen aussagekräftige Exponate ein.

Louis Braun, Selbstbildnis im Kostüm eines Pappenheimers, um 1885 (Ausschnitt), Foto: Schneider

Hällische Kunst im 19. Jahrhundert
Eine Auswahl von Schützenscheiben zeichnet im Spiegel der "Volkskunst" die wesentlichen Kunstströmungen des 19. Jahrhunderts vom Klassizismus über die Romantik bis hin zum Historismus nach. Louis Braun (1836-1916), in Hall geboren, war der bedeutendste deutsche Panoramamaler. Studien zu Riesenrundgemälden sowie das Modell seines letzten Panoramas, das die Schlacht bei Murten zeigte, werden neben einigen seiner hervorragenden Ölgemälde ausgestellt. Mit Arbeiten der Künstlerin Marie Sieger (1886-1970), einer Hölzel-Schülerin aus Schöntal an der Jagst (Hohenlohekreis), wird der Weg in die Moderne dokumentiert.

Büste einer Hallerin, angefertigt zur Bestimmung rassischer Merkmale, um 1935, Foto: Kern

Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - Von der Jahrhundertwende bis zum Zweiten Weltkrieg
Die Abteilung ist dem 1886 gegründeten Haller Diakonissenkrankenhaus sowie der Zeit des Ersten Weltkriegs und des Nationalsozialismus gewidmet. Die Flottenbegeisterung der Wilhelminischen Ära lässt sich anhand von Spielsachen aus Hall eindringlich vergegenwärtigen ebenso wie der Einfluss nationalsozialistischer Propaganda auf die Familie. Unterschiedlichste Exponate gewähren Einblick in die Alltagswelt des Dritten Reiches, wobei die Themen "Machtergreifung und Eingliederung", "Heimatfront" und "Rassenpolitik" ausführlich behandelt werden.

Eliezer Sussmann, Thoraschrein der Unterlimpurger Synagoge, 1738/39, Foto: Kern

Jüdisches Leben
Mit der Vertäfelung des Unterlimpurger Betraums, den der jüdische Wandermaler Elieser Sussmann 1738/39 schuf, und den Paneelen der Steinbacher "Frauenschul", die Sussmann wahrscheinlich zur selben Zeit bemalt hat, sowie einer Laubhütte von 1882 verfügt das Museum über eine Abteilung zu Leben und Kultur speziell der Landjuden, die europaweit ihresgleichen sucht. Texte und Bildmaterial geben einen Überblick über den ehemaligen Rabbinatsbezirk Braunsbach-Schwäbisch Hall und stellen diesen in Zusammenhang mit der württembergisch-jüdischen Geschichte dar. Zur Vertiefung des Themas sind im Ausstellungsraum verschiedene visuelle Medien und eine Auswahl von Fachliteratur einsehbar.

Teddybär, Nachkriegszeit, Foto: Turzer

Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts - Von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart
In diesem Bereich werden Themen aus der regionalen Geschichte vorgestellt. Eine Schürze aus dem Stoff einer Hakenkreuzfahne oder ein Teddybär aus der Jacke einer HJ-Uniform verdeutlichen die Not während der ersten Nachkriegsjahre.
Nachkriegsgeschichte wird unter anderem anhand einer Abteilung über die Präsenz amerikanischer Truppen in Hohenlohe - vom Einmarsch bis zur Standortaufgabe - dargestellt. Der Landfrauenverband als wichtige Organisation der Region ist ebenso in der Abteilung vertreten wie zum Beispiel die Bausparkasse als größter Arbeitgeber Halls.

Schützenscheibe, Gradierwerk mit Fortuna, 1829, Foto: Kern

Hall und das Salz - Von der keltischen Saline zum Siedersfest
Dem "Weißen Gold" verdankt Hall seine Entstehung und über viele Jahrhunderte hinweg seinen Reichtum. Angefangen mit der Rekonstruktion eines keltischen Siedeofens bis hin zum vier Meter hohen Ausschnitt einer Gradierwand veranschaulichen mehrere Modelle die sich wandelnden Techniken der Salzgewinnung aus Sole.
Schützenscheiben, Graphiken, Kostüme und andere Sachzeugnisse geben Einblick in die Entwicklung der Haller Saline, das Leben der dort arbeitenden Menschen, ihr Brauchtum und die heute noch bestehende Gemeinschaft der Siedensrentenberechtigten. Über Letztere erhalten Sie detaillierte Informationen im Haalamt (Im Haal 2, 74523 Schwäbisch Hall, Telefon +49 791/71001).

Figur aus dem Lanzelot-Bühnenbild, Gerhards Marionetten, 1930er Jahre, Foto: Schneider

Theater
Im Zentrum der Abteilung stehen die 1925 gegründeten Freilichtspiele Schwäbisch Hall. Phantasievolle Kostüme und Requisiten, Szenenentwürfe und vieles mehr stehen für die wechselvolle Geschichte des Theaters auf der Treppe vor St. Michael. Daneben werden Gerhards Marionetten, eine in Hall ansässige Marionettenbühne, vorgestellt, die mit modernen Mitteln reines Illusionstheater betreiben. Ted Morès Figuren hingegen verkörpern das Puppenspiel, wie es seit Jahrhunderten auf Jahrmärkten aufgeführt wird. Mit der Leubeschen Dockenkomödie kann das Museum eine noch bespielbare Puppenbühne aus dem Biedermeier zeigen.