Das Archiv als außerschulischer Lernort
Von der Reichsstadt über den Salzhandel bis zum Alltag vergangener Generationen – im Stadt- und Hospitalarchiv Schwäbisch Hall wird Geschichte anhand originaler Quellen erfahrbar.
Ob Vorschulkinder im letzten Kindergartenjahr, Grundschulkinder oder Jugendliche der Sekundarstufen bis zur Oberstufe: Unsere kostenlosen archivpädagogischen Angebote ermöglichen spannende Einblicke in die Geschichte Schwäbisch Halls und ergänzen damit den Unterricht.
Die Teilnehmenden arbeiten mit originalen Quellen wie Urkunden, Fotografien, Plänen, Zeitungen, Akten oder persönlichen Dokumenten und entdecken, wie Geschichte über Jahrhunderte aufbewahrt wurde.
Unser Angebot auf einen Blick:
kostenlos für alle Bildungseinrichtungen
lehrplanorientierte Ausrichtung
für unterschiedliche Altersgruppen und Lernniveaus geeignet
individuell an Unterrichtsthemen, Vorwissen und Interessen anpassbar
Vorbereitung und Nachbereitung mithilfe digitalisierter Archivbestände möglich
Neben unseren Beständen und unserer fachlichen Expertise steht eine umfangreiche Bibliothek zur Stadt- und Regionalgeschichte, aber auch mit Forschungsliteratur zur Verfügung (rund 20.000 Titel).
Durchführung im Archiv oder mit unserem Archivkoffer in Ihrer Einrichtung
Bitte beachten Sie:
Bei Interesse an einem unserer Themenmodule oder an einem individuellen Angebot kontaktieren Sie uns gerne per E-Mail (stadtarchiv(@)schwaebischhall.de) oder telefonisch unter 0791 751 359.
Unsere Räumlichkeiten verfügen über begrenzte Platzkapazitäten; pro Termin können maximal 15 Personen teilnehmen.
Größere Gruppen teilen wir gerne auf oder vereinbaren mehrere Termine.
Wir entwickeln gerne neue Themen für Sie. Hierfür benötigen wir in der Regel einen Vorlauf von mindestens vier Wochen.
Wir unterstützen auch bei Referaten, GFS, Seminar-, Haus- und Abschlussarbeiten.
Die folgenden Themenmodule dienen als Orientierung und können flexibel an Ihre Bedürfnisse angepasst werden:
MODUL: WAS IST EIN ARCHIV?
Was passiert eigentlich in einem Archiv? Wer entscheidet, welche Unterlagen für die Zukunft aufbewahrt werden? Und wie wird Geschichte auch im digitalen Zeitalter bewahrt?
In diesem Modul lernen die Teilnehmenden die vielfältigen Aufgaben eines Archivs kennen. Sie entdecken originale Quellen aus unterschiedlichen Jahrhunderten und erfahren, wie Archivarinnen und Archivare historische Dokumente sichern, erschließen und für Forschung, Bildung und Öffentlichkeit zugänglich machen. Je nach Altersstufe werden dabei auch Themen wie digitale Langzeitarchivierung, die Übernahme von Unterlagen oder die Bedeutung von Archiven für Verwaltung, Wissenschaft und Gesellschaft behandelt.
Natürlich kommt auch das praktische Ausprobieren nicht zu kurz: Die Teilnehmenden können historische Schreibtechniken kennenlernen und selbst mit Feder und Tinte oder auf Wachstafeln schreiben. So wird Geschichte nicht nur betrachtet, sondern mit allen Sinnen erlebt.
Für alle Altersstufen geeignet
MODUL: ZWISCHEN HANDEL, RECHT UND ALLTAG. SCHWÄBISCH HALL IM SPÄTMITTELALTER
Im Spätmittelalter entwickelte sich Schwäbisch Hall zu einer bedeutenden Reichsstadt. Geprägt von Salzhandel, Münzprägung und Märkten war die Stadt ein wichtiger Wirtschafts- und Handelsort. Das Leben war geprägt von einer tiefen Frömmigkeit, die sich in religiösen Bräuchen, Stiftungen, Wallfahrten und dem engen Bezug zur Kirche im Alltag zeigte, der sozialen Ungleichheit der Ständegesellschaft sowie den engen Verflechtungen von religiösem Glauben, Herrschaft und Alltag, die das Leben innerhalb und außerhalb der Stadtmauern bestimmten.
Im Modul nähern sich die Teilnehmenden dieser Welt altersgerecht und anschaulich. Anhand ausgewählter Materialien aus dem Stadt- und Hospitalarchiv entdecken sie, wie Menschen damals lebten, arbeiteten und handelten. Dabei wird besonders deutlich, welche zentrale Rolle religiöse Vorstellungen für Entscheidungen im Alltag, für soziale Ordnung und für das Selbstverständnis der Menschen spielten.
Für alle Altersstufen geeignet
MODUL: DAS HOSPITAL ZUM HEILIGEN GEIST. KRANKHEIT UND GESUNDHEIT IN DER REICHSSTADT
MODUL: JÜDISCHES LEBEN IN SCHWÄBISCH HALL (FRÜHE NEUZEIT BIS 20. JAHRHUNDERT)
Jüdisches Leben prägte Schwäbisch Hall über viele Jahrhunderte hinweg. Eine jüdische Gemeinde kann bereits für das Jahr 1241 nachgewiesen werden, die bis zum Ende des 15. Jahrhunderts existierte. 1688 kehrte mit Mayer Seligmann wieder ein Jude in die Stadt zurück. In der Reichsstadt waren jüdische Einwohnerinnen und Einwohner rechtlich stark eingeschränkt. Ein Leben innerhalb der Kernstadt war ihnen verwehrt, weshalb sich viele in Steinbach und Unterlimpurg ansiedelten. Trotz dieser Bedingungen entwickelten sich wirtschaftliche Tätigkeiten und ein vielfältiges kulturelles Leben. Im 19. Jahrhundert wuchs die jüdische Gemeinde und erreichte gegen Ende des Jahrhunderts ihren zahlenmäßigen Höhepunkt. Gleichzeitig verarmten in dieser Zeit viele Familien, während andere sich zunehmend an die christlich geprägte Mehrheitsgesellschaft anpassten
Im Mittelpunkt des Moduls steht die Arbeit mit originalen Quellen aus dem Stadt- und Hospitalarchiv. Anhand von Akten, Schutzbriefen und Steuerunterlagen begegnen die Teilnehmenden auch historischen Personen wie Mayer Seligmann, dessen Lebens- und Familiengeschichte exemplarisch für jüdisches Leben unter rechtlichen Einschränkungen steht.
Die Schülerinnen und Schüler lernen, diese Dokumente zu lesen, einzuordnen und zu interpretieren. So wird deutlich, wie eng jüdisches Leben mit der Stadtgeschichte Schwäbisch Halls verbunden war und wie es sich über die Jahrhunderte hinweg veränderte.
ab Klasse 5
MODUL: EIN VERGANGENES LEBEN IN SCHWÄBISCH HALL. QUELLENKRITIK ANHAND DER AUTOBIOGRAFIE VON CHRISTOPH DAVID KÄMPF (1728-1811)
Das Modul führt Schülerinnen und Schüler in die Arbeit mit historischen Quellen ein. Anhand der vollständig edierten Autobiografie des Gerbers Christoph David Kämpf erhalten Interessierte einen außergewöhnlichen Einblick in das Alltagsleben des 18. Jahrhunderts. Kämpf berichtet von den Schwierigkeiten, die ihn als jungen Mann mit dem Tod seines Vaters ereilten, von seinen Wanderjahren, die ihn bis ins Ausland führten, sowie vom Verlust von insgesamt dreizehn seiner 15 Kinder und sogar von nächtlichem Bettnässen als erwachsener Mann.
Mit dieser Quelle kommt man der historischen Person sehr nah. Gleichzeitig ist diese verführerische Nähe gefährlich, da die Subjektivität historischer Selbstzeugnisse nicht unterschlagen werden darf. Daher sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, dass eine Autobiografie keine objektive Darstellung der Vergangenheit ist, sondern immer eine persönliche Sichtweise widerspiegelt. Über den Einzelfall hinaus wird für Quellenkritik sensibilisiert, geübt, Informationen zu hinterfragen und historische Kontexte miteinzubeziehen.
ab Klasse 5
MODUL: ANKOMMEN, WEGGEHEN, BLEIBEN. MIGRATION IN SCHWÄBISCH HALL (19. UND 20. JAHRHUNDERT)
Migration ist kein rein aktuelles Phänomen und auch die Schwäbisch Haller Geschichte wird seit Jahrhunderten davon geprägt. Das Modul thematisiert Migration nach und aus Schwäbisch Hall im 19. und 20. Jahrhundert vor dem Hintergrund tiefgreifender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen – insbesondere Industrialisierung, Ausbau der Verkehrswege, Wandel der Arbeitsmärkte sowie politischer Umbrüche im Deutschen Kaiserreich und der frühen Weimarer Republik.
Im Zentrum des Moduls stehen biografische Zugänge: Die Teilnehmenden untersuchen anhand ausgewählter Beispiele aus Schwäbisch Hall unterschiedliche Migrationsbewegungen wie Auswanderung, Arbeitsmigration, innerdeutsche Land-Stadt-Wanderung oder Rückkehrbewegungen. Typische Lebenswege zeigen dabei etwa Handwerker, Arbeiter, Dienstpersonal oder Familien, die aus wirtschaftlichen Gründen oder aufgrund fehlender Perspektiven ihre Heimat verließen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der massenhaften Auswanderung aus Südwestdeutschland im 19. Jahrhundert, insbesondere nach Nordamerika, sowie auf regionalen Wanderungsbewegungen im Zuge der Industrialisierung.
Die Teilnehmenden arbeiten forschend und quellenorientiert. Sie erschließen historische Kontexte und rekonstruieren anhand von Archivalien (z. B. Auswanderungsakten, Meldeunterlagen, Verwaltungsdokumente, Briefe oder Zeitungsberichte) die individuellen Entscheidungsspielräume und Lebensumstände der historischen Akteur:innen. Dabei werden auch strukturelle Faktoren wie Armut, Arbeitsmöglichkeiten, rechtliche Rahmenbedingungen und soziale Netzwerke berücksichtigt.
Das Modul fördert somit nicht nur historisches Grundwissen zur regionalen Migrationsgeschichte, sondern sensibilisiert auch für die Ursachen heutiger Migrationsbewegungen.
ab Klasse 8
MODUL: ZWISCHEN FRONT UND HEIMAT. FELDPOST IM ERSTEN WELTKRIEG
Briefe und Postkarten waren während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) oft die einzige Verbindung zwischen Front und Heimat. Viele dieser bewegenden Zeugnisse haben sich bis heute in den Beständen des Stadt- und Hospitalarchivs erhalten.
Nach einer Einführung in die Geschichte der Feldpost sehen die Teilnehmenden originale Feldpostbriefe aus Schwäbisch Hall. Sie probieren aus, die historischen Handschriften zu lesen, transkribieren (= abschreiben in die heutige Schrift) ausgewählte Passagen und erschließen deren Inhalte. Auf diese Weise erhalten sie nicht nur Einblicke in den Alltag, die Sorgen und Hoffnungen der Menschen im Ersten Weltkrieg, sondern erfahren auch, wie Historikerinnen und Historiker mit Originalquellen arbeiten, sie kritisch einordnen und aus ihnen Erkenntnisse gewinnen.
ab Klasse 5
MODUL: SCHWÄBISCH HALL UNTERM HAKENKREUZ
Wie veränderte der Nationalsozialismus das Leben in Schwäbisch Hall? Anhand originaler Quellen aus den Beständen des Stadt- und Hospitalarchivs setzen sich die Teilnehmenden mit den politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Auswirkungen der NS-Herrschaft auf lokaler Ebene auseinander.
Im Mittelpunkt stehen die Veränderungen des Alltags, die Ausgrenzung und Verfolgung von Minderheiten sowie die Folgen kommunaler Entscheidungen und Gewalt für die Bevölkerung. Die Teilnehmenden arbeiten mit historischen Dokumenten, Fotografien und weiteren Quellen und lernen, wie sich die nationalsozialistische Herrschaft vor Ort nachvollziehen lässt.
Optional: App-geführte Stolpersteinführung: Zur Vertiefung kann das Modul um eine Stolpersteinführung ergänzt werden. Mithilfe der kostenlosen Actionbound-App erkunden die Teilnehmenden die Stolpersteine in Schwäbisch Hall und lernen die Lebensgeschichten jüdischer Bürgerinnen und Bürger kennen, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. Hierfür wird ein mobiles Endgerät benötigt. Dauer 1h-1,5h.
ab Klasse 8











