Neuerwerbungen & Zugänge: Schwäbisch Hall

Seitenbereiche

Hauptbereich

Sie befinden sich im folgenden Untermenüpunkt:Neuerwerbungen & Zugänge

Ein Auswandererbrief aus Amerika aus dem Jahr 1854

Als Geschenk aus Privatbesitz hat das Stadtarchiv einen Brief einer in die USA ausgewanderten Schwäbisch Hallerin erhalten, den diese 1854 an ihre Schwiegereltern in Großaltdorf geschickt hat. Dass sich ein Brief dieser Art erhalten hat, ist ein seltener Glücksfall - um so bemerkenswerter ist es, dass zwei weitere Briefe derselben Schreiberin bereits im Stadtarchiv vorhanden waren.

Susanne Magdalene Kübler wurde 1819 als Tochter des Salinensteinhauers Georg Karl Peter Kübler in Schwäbisch Hall geboren. 1842 heiratete sie den aus Großaltdorf stammenden Schneidermeister Friedrich Peter Hartmann. Zusammen mit dem 1845 geborenen Sohn Wilhelm wanderte das Ehepaar 1848 nach Amerika aus und ließ sich in dem Städtchen Poughkeepsie am Hudson River im US-Bundesstaat New York nieder. Hier starb Friedrich Peter Hartmann bereits 1849 an der Cholera. Seine Witwe ging eine zweite Ehe mit dem deutschstämmigen Schuhmacher Friedrich Hagedorn ein, mit dem sie mehrere weitere Kinder bekam.

Die beiden bislang bekannten Briefe Susanne Hartmanns bzw. Hagedorns stammen aus den Unterlagen zur Nachlassteilung ihrer 1862 in Sulzdorf verstorbenen Schwiegermutter Eva Rosine Hartmann geb. Moll; sie dienten offenbar als Nachweise für den Verbleib des Sohns und seiner Familie. Der erste Brief von 1849 enthält vor allem eine detaillierte Schilderung der Krankheit und des Tods von Friedrich Peter Hartmann, 1861 berichtete sie den Schwiegereltern von ihrem mittlerweile fast erwachsenen Enkel und vom amerikanischen Bürgerkrieg, in dem ihr zweiter Ehemann Kriegsdienst leisten musste. Der nun im Stadtarchiv vorliegende dritte Brief ist eine inhaltlich sehr interessante Ergänzung, obwohl die letzte Seite fehlt. Susanne - mittlerweile verheiratete Hagedorn - erwähnt darin den Tod zweier als Säuglinge verstorbener Kinder aus ihrer zweiten Ehe, das Ergehen ihres Sohns Wilhelm und berichtet von einer weiteren Choleraepidemie und den aus heutiger Sicht hilflos anmutenden Versuchen, diese einzudämmen. Auch in diesem dritten Brief tritt die Neigung Susanna Hagedorns zu einer recht eigenwilligen Rechtschreibung hervor. So war ihr Sohn ein "Geschickter Schühler", der den "Tiolegt" (Dialekt) seines Großvaters habe. Sie wünsche sich eigentlich nicht nach Deutschland zurück, abgesehen von "einer solchen Zeit, wo man in Lebensgefahr ist mit Kohlrah, den es eine  Erschröckliche Krankheit ist". "Dockter und Polizeidiner" (Doktoren und Polizeidiener) "musten alle Heiser und Winkel durchstreichen, um die Höchste Reinlichkeit zu Befehlen".  Trotz - oder gerade wegen - dieser Eigenheit verfasste Susanne Hagedorn anschauliche und farbige Schilderungen ihres Lebens in Amerika, die ihre Briefe zu ausgesprochen interessanten Quellen machen. Ein ausführlicherer Text zu Susanna Hagedorn mit einer kompletten Abschrift aller drei Briefe kann auf der Webseite der Migrationsdatenbank der Haller Geschichts-Werkstatt nachgelesen werden.

Ein Alchemiebuch des 18. Jahrhunderts aus Schwäbisch Hall

Über ein Antiquariat konnte das Stadtarchiv ein offenbar sehr seltenes, in Schwäbisch Hall gedrucktes Alchemiebuch erwerben. Der sich an zwei vorhergehende, in diesem Band nicht enthaltende Abschnitte anschließende dritte Teil der "Catena Aurea Homeri", der "goldene Kette Homers" , enthält Anleitungen für Experimente, die unter anderem aufzeigen sollen, "wie man ein Metall in das andere verwandeln soll" (Kapitel IV) oder "wie man alles Metall in Gold und Silber kochen soll, weilen sie alle in ihrem innersten Gold und Silber seynd" (Kapitel V), und behauptet schließlich, Erkenntnisse zu einem "Universal-Saamen" zu enthalten, welcher u.a. die Herstellung von Edelsteinen ermöglichen könne und ein "groß Geheimnuß" sei (Kapitel VIII). Der nur 94 Seiten umfassende Text behandelt damit unter anderem das wichtigste Ziel der Alchemisten, die "Transmutation" (Umwandlung), insbesondere von unedlen Metallen zu Gold und Silber, was der "Stein der Weisen" ermöglichen sollte. Erstmals veröffentlicht wurde die "Catena" 1723 ohne Nennung eines Autors in Leipzig und Frankfurt. Als Verfasser gilt der österreichische Arzt Anton Josef Kirchweger (†1746 in Gmunden im Salzkammergut). Der Name des Buchs leitet sich von einer Stelle in Homers "Ilias" ab, in der von einer am Himmel befestigten, goldene Kette die Rede ist. Der III. Teil, den Johann Christoph Messerer 1770 in Hall druckte, fehlt allerdings in der ersten Ausgabe. Er findet sich erst in einer Neuauflage von 1727. Deshalb hat man vermutet, er sei das "Machwerk" eines unbekannten Trittbrettfahrers, der sich die verkaufsfördernde Popularität von Kirchwegers Text zu nutze machte. Ein Leser der "Catena Aurea" war der junge Goethe, der sich nach seiner Rückkehr von Leipzig nach Frankfurt 1768 mit alchemistischen Autoren befasste. Von deren Inhalt habe ihm noch einzelnes vorgeschwebt, als er den ersten Teil des "Faust" verfasste. 

Johann Christoph Messerer (1734-1801) wirkte zwischen 1760 und 1790 als privilegierter Buchdrucker in Schwäbisch Hall. Seine Hauptaufgabe war die Anfertigung amtlicher Drucksachen der reichsstädtischen Verwaltung. Darüber hinaus stellte er auch auf eigene Rechnung und für Auftraggeber Drucke her, die aber der Zensur durch den Haller Rat unterlagen. In die Wissenschaftsgeschichte eingegangen ist der 1768 publizierte "Beweiß, wie weit der Römer Macht..." des Hohenlohischen Archivars Christian Ernst Hanßelmann, einem Pionier der wissenschaftlichen Erforschung des römischen Limes und damit der Archäologie in Deutschland. Ein Hinweis auf die Genehmigung des Drucks der "Catena" war nicht zu finden; vielleicht galt das Buch als unverfänglich. Wahrscheinlich reagierte Messerer mit der Publikation auf ein vorhandenes lokales Interesse. Vereinzelte Hinweise in den Quellen belegen, dass auch in Schwäbisch Hall und Umgebung alchemistische Experimente durchgeführt wurden. So haben sich in der Ratsbibliothek einige alchemistische und astronomische bzw. astrologische Bücher aus dem Vorbesitz des Haller Bürgers Georg Melchior Stadtmann (1611-1675) erhalten. Der Bibersfelder Pfarrer Johann Thomas Eisenmenger (1635-1704) zog sich mit seiner "Alchymisterey" die Mißbilligung des reichsstädtischen Magistrats zu. Weil er in seiner Studierstube  Experimente durchführte und darüber sein geistliches Amt vernachlässigte, ließ man ihm seine Utensilien wegnehmen. Graf Wolfgang II. von Hohenlohe-Langenburg (1546-1610) richtete im Weikersheimer Schloss sogar ein eigenes alchemistisches Labor ein und sammelte einschlägige Bücher. Allerdings kann Johann Christoph Messerer nur sehr bedingt als Vorläufer des Haller Druckers und Verlegers Friedrich Franz Haspel (1795-1838) gelten, der aus der Herstellung magisch-okkultistischer Werke wie des "7. und 8. Buch Mosis" oder der "sympathetischen und natürlichen egyptischen Geheimnisse" ein offenbar florierendes Geschäft machte. Die in der "Catena" und anderen alchemistischen Werken vertretenen Vorstellungen mögen für den heutigen Betrachter in den Bereich von Magie und Zauberei gehören. Alchemisten und der "Stein der Weisen" finden sich denn auch in der heutigen Fantasy-Literatur. Die Ideen der Alchemisten beruhten jedoch auf den damals gängigen Naturphilosophien und spiegelten die Theorien ihrer Zeit über den Charakter von Materie und Substanzen wider. Da die Alchemisten nicht nur über die Natur nachdachten, sondern sie auch in praktischen Experimenten zu erforschen versuchten, gehören sie - so merkwürdig ihre Ideen auch auf den heutigen Betrachter wirken - zur Vorgeschichte der modernen, auf Laborarbeit, Experimenten und Beobachtung beruhenden Naturwissenschaften, insbesondere der Chemie und der Pharmakologie.
Literatur: Hermann Kopp: Catena Aurea Homeri, Braunschweig 1880

Dokumente und Fotos einer Haller Familie aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert

Aus Familienbesitz erhielt das Stadtarchiv 2019 einen Nachlass an Dokumenten und Fotografien, dessen Erschließung nun abgeschlossen werden konnte. Die Familie betrieb über mehrere Generationen eine Gärtnerei in der Bahnhofstraße; Mitglieder engagierten sich bei der Freiwilligen Feuerwehr und bei der Turngemeinde (heute TSG). Zu den schriftlichen Dokumenten  gehörten u.a. zahlreiche Briefe und Postkarten aus dem Ersten Weltkrieg, vielfach an und von einem Sohn, der 1918 im Alter von 18 Jahren als Soldat in Frankreich an der „Spanischen Grippe“ starb. Auch ein Tagebuch des als Offiziersanwärter bei der Nachrichtentruppe eingesetzten jungen Manns hat sich erhalten. Unter den zahlreichen anderen Dokumenten fanden sich Ausweispapiere, ein Ausbildungsvertrag, Schul- und Lehrlingszeugnisse, ein umfangreiches Konvolut an Rechnungen zu einer Hochzeit im Jahr 1937, frühe Mitgliedsausweise der Turngemeinde und des Albvereins, Unterlagen zu Erb- und Vermögensangelegenheiten, Kondolenzschreiben zu Todesfällen oder Fragmente der Geschäftskorrespondenz. Hierzu gehören z.B. mehrere Schreiben von Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg, die aus entlegenen Einsatzorten Blumensendungen an Ehefrauen, Freundinnen oder Schwestern veranlassten. Eine Besonderheit sind zahlreiche Fotografien. Zu Portaits und Gruppenbildern von Familienangehörigen, die teilweise bis in die 1870er Jahre zurückgehen, kommen viele für die Geschichte Schwäbisch Halls sehr interessante Motive. So fanden sich die ältesten bekannten Fotos des Flussbades für Männer aus der Zeit um 1910-1915. Dieser Vorläufer des Schenkenseebads stand auf Stelzen im Kocher – wie das separate Frauenbad. Aufnahmen eines Bootsausflugs einer Gruppe Oberschüler auf dem Kocher aus der Zeit um 1916 dürften die frühesten Fotos der „Kocherflotte“ sein. Dem Engagement eines Familienmitglieds bei der „Schülerfußballvereinigung“ ist die offenbar älteste Aufnahme eines Fußballspiels in Schwäbisch Hall zu verdanken. Sie entstand kurz vor oder während des Ersten Weltkriegs auf der Weilerwiese. Für die Geschichte der Schwäbisch Haller Feuerwehr interessant sind Fotos von Übungen und Gerätschaften, die u.a. den ältesten motorisierten Feuerwehrwagen oder andere alte Technik zeigen (1/2020).

Eine seltene Ansicht der Comburg aus den 1830er bis 1840er Jahren

Im Antiquariatshandel konnte das Stadtarchiv eine sehr seltene Ansicht der Comburg erwerben. Die durch Friedrich Heinrich Pons (1797-1843), Maler und Lithograf in Stuttgart gefertigte Farblithografie zeigt die Comburg aus Richtung Osten. Bei den drei Soldaten im Vordergrund rechts handelt es sich offenbar um Angehörige des Königlich württembergischen Ehreninvalidenkorps. Diese 1806 nach dem Vorbild des "Hôtel des Invalides" in Paris gegründete und 1817 auf die Comburg verlegte Einheit diente der Versorgung von Veteranen der württembergischen Armee, die aufgrund von Verwundungen, Verletzungen und Erkrankungen nicht mehr dienstfähig waren. Nach einer vorübergehenden Nutzung der Comburg als Sitz des Prinzen Paul von Württemberg fand das Königreich Württemberg damit eine dauerhafte Verwendung für die Gebäudes des 1802 aufgehobenen Ritterstifts Comburg. Das Ehreninvalidenkorps bestand bis 1909 (1/2020).

Eine seltene Serie von Stadtansichten aus den 1850er Jahren

Von einem Antiquariat konnte das Stadtarchiv eine komplett äußerst seltene Serie von acht Grafiken mit Haller Ansichten aus dem 19. Jahrhundert erwerben. Hinter dem Zeichner „Herdtle jun.“ wird der Maler Gustav Herdtle (1835-1917) vermutet. Der gebürtige Stuttgarter und seine Geschwister lebten zwar nicht dauerhaft hier, besaßen aber das Schwäbisch Haller Bürgerrecht, vermutlich weil ihr Vater Christian Friedrich Herdtle 1828/29 kurzzeitig als Salinenkassier in der hiesigen königlichen Saline gewirkt hatte. Da auch Gustavs ältere Brüder Hermann (1819-1889) und Eduard (1821-1878) Haller Motive hinterlassen haben – zweiterer war hier einige Jahre als Zeichenlehrer tätig – ist die Zuordnung nicht ganz eindeutig. Alle drei pflegten einen spätromantischen, an Spitzweg und der Münchener Landschaftsmalerei orientierten Stil. Ein Stuttgarter Drucker fertigte die als Lithografien gedruckten Grafiken für den in Schwäbisch Hall ansässigen Verleger Wilhelm Nitzschke. Dieser betrieb in seinem 1852 erworbenen Anteil am heutigen „Adelshof“ (Am Markt 12) bis 1862 einen Verlag, der unter anderem für seine aufwändig illustrierten Kinderbücher bekannt ist. Das Stadtarchiv besaß bisher lediglich drei der acht Ansichten, zwei weitere standen als Nachdrucke zur Verfügung, und drei weitere waren bislang gänzlich unbekannt. Die Serie umfasst Ansichten der Henkersbrücke, des Rathauses, von St. Michael und von St. Johannes Baptist in Steinbach, von Unterlimpurg sowie zwei Darstellungen der Comburg. Letztere werden Aufnahme in die momentan im Entstehen begriffene Ortsgeschichte von Steinbach finden (12/2019).

Eine Medaille auf Thomas Schweicker von 1582 und ein Heller-"Hälbling" aus dem 13. Jahrhundert

Über den Fachhandel konnte das Stadtarchiv eine aus Blei gegossene Medaille auf den als armloser Kunstschreiber bekannt gewordenen Thomas Schweicker (1540-1602) erwerben. Sie zeigt auf der einen Seite ein Bild Schweickers mit Mantel und Hut, auf dem er in den Zehen einen Griffel hält. Auf der Rückseite ist eine lateinische Inschrift angebracht, die Psalm 138 zitiert ("Wunderbar sind deine Werke, und das erkennet meine Seele wohl").  Thomas Schweicker wurde 1540 ohne Arme geboren. Trotz seiner Behinderung besuchte er die Schule und lernte, mit den Zehen seines rechten Fußes einen Federkiel zu halten und zu schreiben. Seine Fähigkeiten in der Kalligrafie (Schönschrift) machten ihn zu einer Berühmtheit seiner Zeit, die nicht nur in Büchern und Flugschriften beschrieben, sondern auch durch die Prägung einer ganzen Reihe von Medaillen gewürdigt wurde. Schweicker führte seine Kunst vor Fürsten und auch Kaiser Maximilian II. vor. Das Stadtarchiv besitzt bereits mehrere Medaillen zu Thomas Schweicker und konnte durch den Erwerb seinen Bestand weiter ausbauen.

Bei derselben Gelegenheit gelang auch der Ankauf eines "Hälblings" aus dem letzten Viertel des 13. Jahrhunderts. Hierbei handelt es sich um einen verkleinerten Heller, der halb so viel wert war wie dieser selbst. Dieser "Hälbling" wurde wie die Heller selbst in der vermutllich gegen Ende des 12. Jahrhunderts in Schwäbisch Hall eingerichteten Reichsmünzstätte geprägt. Während sich der gleichzeitig hergestellte Heller-Typ vielfach erhalten hat, sind die zugehörigen "Hälblinge" - vielleicht, weil sie klein und fragil sind - offenbar sehr selten. Das nun für die Münzsammlung des Stadtarchivs erworbene Exemplar ist bislang nur aus zwei Münzfunden aus Belzheim (Bayern) und Esslingen bekannt (12/2019).

Portrait des Haller Salinenbaumeisters Carl Stock (1780-1844)

Aus Privatbesitz hat das Stadtarchiv ein Portrait des Salinenbaumeisters Carl Stock (1780-1844) erhalten, einer für die Haller Baugeschichte des 19. Jahrhunderts prägenden und wichtigen Persönlichkeit. Der aus Tuttlingen stammende Baumeister (Architekt) hatte u.a. in Friedrichshafen, Ravensburg und seiner Vaterstadt gewirkt und kam 1834 nach Schwäbisch Hall. Er war vor allem für den Neubau der (größtenteils in den 1930er jahren abgerissenen) königlichen Saline nördlich des damaligen Stadtgebiets verantwortlich. Weiterhin entwarf er z.B. die Fabrikbauten der Spinnerei von J. F. Chur am Ripperg, den Oberen Nikolaifriedhof mit dem klassizistisch beeinflussten Portal und der neuromanischen Friedhofskapelle oder den „Rippergsteg“ über den Kocher. Zusammen mit seiner Ehefrau Ehefrau Catharina Elisabeth, geborene Graf, hatte er neun zwischen 1803 und 1822 geborene Kinder, von denen aber nur fünf das Erwachsenenalter erreichten.  Die Familie lebte in einer Wohnung im Obergeschoss des Hauses Obere Herrngasse 3, das bei einem Großbrand am 14. Mai 1836 zerstört und anschließend wieder aufgebaut wurde. Carl Stock starb am 21. Dezember 1844 an einem „nervösen Schleimfieber“ (vermutlich Typhus), der Tod seiner Witwe folgte am 26. Mai 1852. Interessant sind die sehr unterschiedlichen Lebenswege der beiden Söhne. Adolf Stock (1809-1871) studierte Theologie und wurde evangelischer Pfarrer. Seine Karriere krönte er mit der Berufung zum Prälaten und Generalsuperintendenten in Heilbronn und der Erhebung in den persönlichen Adelsstand (1869). Der jüngere Sohn Carl jun. (1822-1903) machte eine Schreiberausbildung. Nachdem man ihn bei einer Unterschlagung ertappt hatte, wanderte er auf Druck seiner Familie 1858 nach Australien aus. Hier führte er ein unstetes und von Armut geprägtes Leben, arbeitete viele Jahre als Kaminkehrer in Ballarat (Victoria) und starb dort 1903 in einem Armenasyl. Seine nach Deutschland zurückgeschickten Tagebücher werden im Stadtarchiv aufbewahrt.

Das Portrait von Carl Stock sen. druckte der Stuttgarter Lithograf Gottfried Küstner wohl um 1820; ein Gemälde dürfte als Vorlage gedient haben. Es ist bemerkenswert, dass Küstner es offenbar für lohnend hielt, ein Portrait des Baumeisters zu vervielfältigen und zum Verkauf anzubieten.

Schwäbisch Haller Ansichten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts

Eine schöne Ergänzung zu den bislang bekannten Ansichten Schwäbisch Halls ist eine über ein Antiquariat bezogene Serie von sechs auf das Jahr 1856 datierten, mit Aquarellfarben kolorierten Bleistiftzeichnungen eines unbekannten Künstlers. Bei diesem könnte es sich z.B. um den zeitweilig in Schwäbisch Hall als Zeichenlehrer tätigen, späteren Stuttgarter Professor Eduard Herdtle (1821-1878) oder seinen ebenfalls als Maler aktiven Bruder Hermann Herdtle (1819-1889) handeln. So weisen die Zeichnungen Ähnlichkeiten zu einer mit „Herdtle jun.“ signierten Serie von Grafiken mit Schwäbisch Haller Ansichten auf, die wohl auf Vorlagen von Eduard Herdtle zurückgehen. Aber auch sein älterer Bruder hat sich der Stadt und ihren historischen Baulichkeiten gewidmet. Natürlich könnte auch ein anderer Maler und Zeichner die Grafiken z.B. bei einem vorübergehenden Aufenthalt geschaffen haben. Offenbar stammen die Zeichnungen aus einem „Reisealbum“, was die fehlenden Signaturen erklärt.

Es handelte sich wohl um Skizzen, die eventuell als Vorlagen für spätere Arbeiten, vielleicht aber auch nur als Erinnerungen an einen Aufenthalt in der damaligen Oberamtsstadt dienten. Es fällt auf, dass die meisten Zeichnungen Motive zeigen, die auch später bei Malern und Fotografen beliebt waren. Hierzu gehören die Häuser um die Einmündung der Kirchgasse in die Mauerstraße, der „Rote Steg“ zwischen Unterwöhrd und Bahnhofstraße, die Henkersbrücke mit der Johanniterkirche und den umgebenden Häusern, die Gastwirtschaft „Zur Glocke“ in der Mauerstraße und eine Ansicht der Comburg vom Kocher aus. Ungewöhnlich ist hingegen der Blick über den Ziergarten der Wirtschaft zum „Waldhorn“ in der Unteren Herrngasse in Richtung Comburg. Alle Zeichnungen dokumentieren das in diesen Jahren beginnende Interesse an der als romantisch und pittoresk wahrgenommenen Altstadt der ehemaligen Reichsstadt Schwäbisch Hall. Interessant sind die Bilder nicht nur aufgrund der handwerklichen Qualität ihrer Ausführung, sondern auch als Quellen zur Entwicklung  der Stadt aus einer Zeit, aus der es nur relativ wenig bildliche Darstellungen gibt.

Sie dokumentieren die trotz einer scheinbar weitgehend unveränderten Erhaltung teilweise beträchtlichen Veränderungen im Stadtbild. So zeigen zwei der Zeichnungen die aus einer sogenannten „Wasserkunst“ der Saline hervorgegangene Ölmühle am Südende des Unterwöhrds, die um 1880 für den Bau des (heute ebenfalls nicht mehr bestehenden) neuen Solbads abgerissen wurde. Die Ansicht von Henkersbrücke und Weiler ist eine der wenigen Bildquellen zum Aussehen der Brücke vor ihrem Umbau 1858/59. Interessant sind aber auch Details wie der Ziergarten des damaligen Waldhornwirts Reiß, das vermutlich zum Auffangen von Floßholz für die Saline dienende Gatter im Kocher, ein längst verschwundener Brunnen beim Rotstegturm oder die teilweise außen an den Hausfassaden erkennbaren Fallrohre der nach heutigen Maßstäben äußerst primitiven Toiletten (3/2019).

Portraits von Schwäbisch Haller Honoratoren der Barockzeit

Mit Unterstützung der Geschichts-Werkstatt konnte das Stadtarchiv von einem Antiquariat vier großformatige, barocke Portraitgemälde Haller Bürgerinnen und Bürger erwerben. Zwei der dargestellten Personen sind aufgrund von Beschriftungen identifizierbar. Es handelt sich um den Ratsherrn Johann Christoph Hetzel und seine Ehefrau Magdalena geb. Firnhaber. Hetzel wurde 1607 als Sohn des Honhardter Amtsschultheißen Johann Hetzel und der Maria Salome geb. Arnschwanger geboren. Er besuchte von 1615 bis 1622 die Schwäbisch Haller Lateinschule,  von 1624 bis 1626 das Gymnasium in Ansbach und studierte im Anschluss bis 1628 Jura in Altdorf. 1629 ging er an die Universität Wittenberg, wo er zweieinhalb Jahre blieb. Nach dem Tod seines Vaters kehrte er nach Schwäbisch Hall zurück und heiratete 1633 Magdalena Firnhaber, eine 1612 geborene Tochter des Peter Firnhaber, Mitglied des Spitalgerichts und Handelsmann in Hall. Aus der Ehe gingen 14 Kinder hervor, von denen acht ihren Vater überlebten. 1635 wurde Johann Christoph Hetzel Mitglied im äußeren Rat, 1636 im Inneren Rat. Es folgten weitere Ämter wie das eines Hauptmanns der Metzgerzunft (1636), des Amtmanns über das Kocheneck (1639) und des Obervormunds (1651). Er starb am 21. April 1659 im Alter von nur 51 Jahren. Magdalena Hetzel lebte viele Jahre lang als Witwe und starb als 62jährige im Jahr 1674. Ihre Inventur weist ein beträchtliches Vermögen von 4.650 Gulden aus und nennt u.a. eine „Behaußung“ in der Oberen Keckengasse (heute Obere Herrngasse 3). Die beiden Portraits entstanden 1647, als Johann Christoph Hetzel 40 Jahre und Magdalena Hetzel 36 Jahre alt war. Der an der Seite des Ratsherrn erkennbare Degen mag eine Anspielung auf die turbulente und gewalttätige Zeit des Dreißigjährigen Kriegs sein, in der das Ehepaar lebte. Der Maler ist leider nicht genannt. Er ist unter den damals in Hall tätigen Künstlern zu suchen. Urheber könnte z.B. Johann Schreyer gewesen sein, der die große Stadtansicht von 1643 im Haalamt geschaffen hat. Teilweise Übereinstimmungen bei der dortigen Darstellung von Personen reichen aber nicht aus, um diese Annahme zu beweisen.

Bei den anderen Portraits fehlt eine Beschriftung oder Datierung, dafür gibt es bei dem Männerportrait mit der Aufschrift „Glocker Pinxit“ eine Signatur des Künstlers. Damit ist sehr wahrscheinlich der württembergische Maler Johann Glocker (um 1690-1763) gemeint. Er arbeitete seit 1713 in Tübingen, hatte aber aufgrund der starken Konkurrenz Schwierigkeiten, seinen Lebensunterhalt zu erwerben. Deshalb nahm er auch auswärtige Aufträge an. Für 1727/28 erwähnen Tübinger Quellen Aufenthalte in Waiblingen und Schwäbisch Hall – die Portraits könnten also in dieser Zeit entstanden sein. Glocker arbeitete später in Heidelberg und scheint in den 1750er Jahren nach Tübingen zurückgekehrt zu sein, wo er wohl auch starb. Aufgrund des gleichen Stils und der gleichen Maße ist davon auszugehen, dass auch das Frauenportrait von ihm stammt und dass es sich sehr wahrscheinlich um ein Ehepaar handelt. Der Mann gehört ausweislich des Familienwappens wohl in die Familie Hetzel. Es könnte sich beispielsweise um den Ratsherrn Johann Peter Hetzel den jüngeren (1672-1750) und seine Frau Anna Rosine geb. Schübelin (1681-1762) handeln. Johann Peter war der Sohn eines gleichnamigen Stättmeisters und Enkel Johann Christoph Hetzels und verfügte über ein erhebliches Vermögen. Die großformatigen, zweifellos teuren Gemälde, die aufwändige Kleidung insbesondere der Frau und die Frisuren deuten jedenfalls auf hochgestellte Mitglieder der reichsstädtischen Gesellschaft (2/2019).

Kaiserportrait aus einem Bucheinband

Dieser Neuzugang in der Grafiksammlung befindet sich schon seit vielen Jahren im Stadtarchiv. Der scheinbare Widerspruch kommt daher, dass es sich um eine sogenannte "Makulatur" handelt. Das Blatt fand sich im Einband eines Buchs, das wegen starken Schäden restauriert werden musste. Hierbei erkannte der Restaurator die Grafik. Sie wurde freigelegt und nun durch Festigung des brüchigen Papiers und Schließen von Fehlstellen selbst restauriert.

Der farbige Kupferstich zeigt Franz II. (1768-1835), den letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation (1792-1806) und ersten Kaiser von Österreich (1806-1835). Der reitende Monarch trägt Mantel und Kaiserkrone, im Hintergrund ist vermutlich Frankfurt am Main zu sehen, wo ab 1356 der deutsche König gewählt wurde und ab 1562 auch die Kaiserkrönungen stattfanden. Die Grafik entstand in der Werkstatt von Johann Christoph Hafners Erben in Augsburg, vermutlich zur Wahl und Kaiserkrönung von Franz II. am 5. und 14. Juli 1792. Warum das Portrait des jugendlichen Kaisers zu Altpapier degradiert wurde, ist eine interessante, aber wohl nicht zu beantwortende Frage. Um einen Fehldruck kann es sich nicht gehandelt haben, denn sonst wäre die aufwändige, von Hand aufgetragene Kolorierung unterblieben. Vielleicht hat man die Grafik nach dem Ende des Alten Reichs 1806 einfach für obsolet gehalten und deshalb "entsorgt". Ein Buchbinder hat das Blatt dann mit anderem Makulaturpapier verleimt, zu Pappe gepresst und beim Binden eines Buchs als Deckel verwendet. Auf diese Weise überlebte das Kaiserportrait rund 200 Jahre im Verborgenen (12/2018).

Zwei seltene Drucke von Werken des Schwäbisch Haller Reformators Johannes Brenz

Dank jahrzehntelanger Sammeltätigkeit besitzt das Stadtarchiv eine umfangreiche Sammlung von - teils sehr seltenen - Drucken des Haller Reformators Johannes Brenz (1599-1570). Über ein österreichisches Antiquariat gelang nun der Ankauf zweier bislang nicht vorhandener Bände.

Wohl bereits 1529 entstand "Wie in Eesachen...", zu Fragen des Eherechts. Dass sich Johannes Brenz mit dieser Thematik häufig und intensiv befasst hat, war eine direkte Folge der Reformation. Da man nun die bislang z.B. für Ehescheidungen zuständigen bischöflichen Ehegerichte nicht mehr anerkannte, musste ein neuer rechtlicher Rahmen zur Behandlung von Streitfragen geschaffen werden. In dem erstmals 1529 im Druck erschienenen Büchlein fasste Brenz mehrere Gutachten und Texte zu Fragen des Eherechts zusammen. Unter anderen ging er der Frage nach, ob von Minderjährigen ohne Wissen der Eltern geschlossene Eheverträge gültig seien, bei welchen Verwandtschaftsgraden Eheschließungen nicht zulässig seien oder ob "der yhenig, so ein junckfraw schwecht" (schwängert), zur Heirat mit dieser gezwungen werden sollte. Auch die Frage nach der Zulässigkeit der Polygamie oder den akzeptablen Gründen für eine Ehescheidung beschäftigte Brenz. Der undatierte, von Jobst Gutknecht in Nürnberg gedruckte Band erschien offenbar bereits 1529, im Jahr der Erstausgabe.

Ín die Zeit des Wirkens von Brenz in Württemberg führt ein in Tübingen entstandener, früher deutschsprachiger Druck der "Confessio Virtembergica", des Württembergischen Bekenntnisses. Das  Herzogtum, das Brenz nach seiner endgültigen Flucht aus der Reichsstadt Schwäbisch Hall im Zuge der Krise um das von Kaiser Karl V. verordnete "Interim" Unterschlupf bot, hatte sich verpflichten müssen, seine religiösen Anliegen auf dem Konzil von Trient vorzubringen. Hier versuchte die katholische Kirche  seit 1547, Antworten auf die durch die Reformation aufgeworfenen Fragen zu finden. Obwohl Brenz das Konzil für gottlos, nicht vertrauenswürdig und unfrei hielt, war er der Meinung, dass man dem kaiserlichen Befehl gehorchen und Vertreter zum Konzil schicken solle, um dort seinen Glauben zu bekennen. Hauptsächlicher Autor der daraufhin im Namen des seit 1550 regierenden Herzogs Christoph verfassten "Confessio" war er selbst. Bemerkenswerterweise versuchte Brenz keine reine Abgrenzung von der katholischen Lehre und Praxis. Stattdessen griff er bei seiner Argumentation auf die gemeinsamen Wurzeln der christlichen Glaubens zurück, indem er sich neben der Bibel auch auf die altkirchlichen Bekenntnisse berief. Dadurch, dass er neben das reformatorische Prinzip "sola scriptura" (allein die Schrift = Bibel) auch Lehre und Praxis der Alten Kirche stellte , versuchte der Reformator eine Annäherung an die  katholische Kirche und ihre Lehre. Die in lateinischer Sprache verfasste Bekenntnisschrift wurde im Januar 1552 an eine Kongregation des Konzils übergeben, eine Antwort darauf erfolgte aber nie. Im März 1552 reiste Brenz mit einigen anderen württembergischen Theologen trotz Bedenken angesichts des Schicksals von Jan Hus (1415 in Konstanz trotz Zusicherung freien Geleits verbrannt) nach Trient, um etwaige Fragen beantworten zu können. Eine Sitzung, in der sie angehört werden sollten, fand nicht statt. Nach dreiwöchigem Warten reiste die Delegation wieder ab. Mittlerweile hatte der "Fürstenaufstand" des Kurfürsten Moritz von Sachsen begonnen, der den Kaiser der Möglichkeit beraubte, eine Rekatholisierung Deutschlands zu erzwingen. Die "Confessio" erreichte ihren unmittelbaren Zweck zwar nicht, erlangte aber erhebliche Bedeutung als Zusammenfassung der Grundlagen protestantischer Lehre. Bereits im Sommer 1552 erschienen die ersten Druckfassungen, auf den lateinischen Text folgten schnell deutsche Übersetzungen, zu denen der neu erworbene Band gehört (9/2018).

Kriegstagebuch eines Landsturmmanns aus dem Ersten Weltkrieg

Eine Schenkung aus Familienbesitz ist ein Kriegstagebuch des aus Zimmern (heute Immendingen, Lkr. Tuttlingen) stammenden Landsturmmanns Alfred Vögele. Das Bändchen deckt den Zeitraum zwischen Ostern 1916 und Ende Juli desselben Jahres ab. Vögele diente zunächst in Nordfrankreich bei einer Kompanie des badischen Reserve-Infanterieregiments 111, später als Ordonnanz beim Stab der 28. Reserve-Division. Damit war er im Hinterland der Front und etwas sicherer als im Schützengraben. In seinem Tagebuch schilderte er nicht nur seine eigenen Erlebnisse und Beobachtungen, sondern schrieb auch nieder, was er von Kameraden und Vorgesetzten über den Verlauf der Kämpfe erfuhr. Stand anfangs das  Alltagsleben im Mittelpunkt - etwa die Ostergottesdienste oder hartnäckigen Hörprobleme des Tagebuchschreibers - so änderte sich dies schlagartig mit dem 24. Juni 1916. An diesem Tag begann ein bislang nicht dagewesenes Trommelfeuer auf die deutschen Stellungen, mit dem die Briten ihren Großangriff am 1. Juli 1916 vorbereiteten. Die Schlacht an der Somme entwickelte sich  mit insgesamt 1,2 Millonen Gefallenen, Vermissten, Verwundeten und Gefangenen auf allen Seiten zu einer der verlustreichsten Schlachten aller Zeiten. Am ersten Tag des Trommelfeuers notierte Alfred Vögele: "ein schwerer Tag. Habe einen solchen während der ganzen Kriegszeit nicht erlebt. Gleich beim Erwachen vernahm ich Kanonendonner. Dieser dauerte heute ununterbrochen bis 9 Uhr abends. Es war schrecklich und nervenaufreibend ... Links von uns zwischen Morval und Peronne erhebt sich jeden Augenblick eine Feuersäule und gewaltige Rauchwolken steigen empor ... O die armen Kameraden im Schützengraben mitten im Feuer!" Einige Tage später notierte er das Schicksal eines Offiziers: "Ltn. Luhr und Hptm. Engländer standen beisammen zur Beratung. Ein Volltreffer hieb ihm den linken Arm ab, drückte die Eingeweide heraus ... er schnappte noch kurz u. war tot." Neben solchen Ereignissen notierte Vögele aber auch Beispiele für den meist zynischen Soldatenhumor. So habe ein General bei der Inspektion einer Einheit die "alte Mannschaft" vortreten lassen, die seit Kriegsbeginn dabei war. Diesen habe er gesagt: "Schämt euch, ihr seid Drückeberger, sonst wärt ihr schon längst kaputt".  Mit großer Erleichterung quittierte er schließlich die Verlegung in die Ruhestellung, mit der das Tagebuch endet. Über sein weiteres Leben ist bislang noch nichts bekannt (03/2018). 

Fotos eines Arbeitsdienstmanns auf der Comburg von 1933-1934

Eine relativ unbekannte Episode in der langen Geschichte der Comburg ist ihre Nutzung als Lager des 1931 durch eine Verordnung der Reichsregierung von Heinrich Brüning eingeführten "Freiwilligen Arbeitsdiensts". In Württemberg richtete Theodor Bäuerle (1882-1956) das "Heimatwerk" ein, das als überparteiliche und unpolitische Organisation Träger des freiwilligen Arbeitsdienst wurde. Wichtigstes Ziel war die Hilfe für junge Arbeitslose. Ab Ende 1931 entstanden zahlreiche Arbeitsdienstlager in Württemberg, die Comburg - auf der sich seit 1926 bereits die von Bäuerle mitgegründete Heimvolkshochschule befand - war Ausbildungsstätte der Lagerleiter. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung übernahmen die NS-Arbeitergauvereine die Trägerschaft der Arbeitslager; nach einer kurzen Pause wurden sie im Herbst 1933 wieder aufgenommen. Auf der Comburg fanden ab August 1933 wieder Arbeitslager statt, die aber nun für den Nationalsozialismus zu begeistern hatten. Die Zahl der "Arbeitsmänner" stieg so stark an, dass die bisher genutzten Räume nicht mehr ausreichten. Eingesetzt wurden die Männer bei Waldarbeiten, in der Landwirtschaft und beim Ausbau des 1935 als Lager bezogenen "Samenbaus" unterhalb der Comburg (heute Grundschule Steinbach). Im selben Jahr erfolgte die Einführung der Arbeitsdienstpflicht für alle Jugendlichen ab 18 Jahren. Fotos, die die Arbeit und die Freizeit des Arbeitsdiensts in seiner frühen Phase zeigen, waren bislang nicht bekannt. Nun konnte das Stadtarchiv eine Fotoserie aus den Jahren 1933 und 1934 erwerben, die aus dem Vorbesitz eines ambitionierten Hobbyfotografen und Arbeitsmanns stammt. Die Aufnahmen zeigen neben Baulichkeiten der Comburg die Arbeitsdienstleute bei Pausen in ihrer Arbeit, zusammen mit Hitlerjungen in dem für die HJ beschlagnahmten "Lemberghaus" der Naturfreunde oder beim Fußballspielen gegen eine Steinbacher Mannschaft. Auffällig ist die Uniformierung - sie könnte aus Restbeständen des kaiserlichen Heeres aus dem Ersten Weltkrieg bestanden haben (zumindest die typische, schirmlose Mütze). Nach dem Abzug des nunmehrigen "Reichsarbeitsdiensts" fand die Comburg während der NS-Zeit u.a. als Lager der Hitlerjugend, als Bauhandwerkerschule und als Kriegsgefangenenlager Verwendung (04/2018)

Fotos des späten 19. Jahrhunderts aus dem "Diak"

Aus dem Besitz von Karl Reischle, Pfarrer am damaligen "Diakonissenhaus", dem heutigen Evangelischen Diakoniewerk ("Diak"), stammt ein kürzlich in das Stadtarchiv gelangter kleiner Fotonachlass, zu dem neben Familienbildern auch Fotos des Hauses (heutiges Stammhaus), Gruppenbilder von Diakonissen sowie eine Aufnahme des damals noch außerhalb des Stadtgebiets gelegenen Rippergstegs gehören. Der 1856 in Wien geborene Karl Reischle trat 1889 seinen Dienst im 1886 eröffneten "Diakonissenhaus" an; dieser umfasste der Schwesternunterricht, die Gründung und Beaufsichtigung auswärtiger Schwesternstationen, die Mitarbeit an Andachten im Haus, die Seelsorge im Krankenhaus sowie die Geschäftsführung des Johanniter-Kinderkrankenhauses. Er wohnte mit seiner Familie im Diakonissenhaus. Im Zuge wachsender wirtschaftlicher Schwierigkeiten der mit dem "Diak" verbundenen "Haller Industrie" kam es zu einem erbitterten Streit zwischen Reischle und dem Anstaltsgründer und -leiter Hermann Faulhaber, in dessen Verlauf ersterer 1899 seine Kündigung einreichte. Während Faulhaber nach dem Konkurs der "Haller Arbeit" wegen Betrugs zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, wechselte Reuschle in das Pfarramt in Hedelfingen, war 1909 bis 1913 Inspektor der Stettener Anstalten und von 1913 bis 1918 Pfarrer in Ditzingen. Er starb 1932 in Plieningen (03/2018). 

Infobereiche

Kontakt

Kontakt

Andreas Maisch

Andreas Maisch

Abteilungsleiter
0791 751-4290791 751-429
0791 751-4850791 751-485

Geoportal Schwäbisch Hall

Spätestens seit Google Maps haben Geoinformationssysteme und Geodaten ganz unbewusst Einzug in unser Leben gehalten. Wir nutzen ganz selbstverständlich Daten und Informationen mit Raumbezug für unterschiedlichste Zwecke. Die Stadtverwaltung Schwäbisch Hall stellt Geoinformationen aus unterschiedlichen Fachbereichen der Stadt einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung.

Die Stadt Schwäbisch Hall baut, unter der Federführung der Abteilung Vermessung, seit 1996 in ihrem städtischen Geoinformationssystem (GIS) konsequent raumbezogene Daten auf.

zum Geoportal

Webcam

Webcam der Stadt Schwäbisch Hall